Wahre Liebe braucht keine Perfektion, eher im Gegenteil: Sie lebt von den Fehlern. Beim House of Marley "Stir It Up" Turntable geht es uns jedenfalls so. Trotz Schwächen spielt sich der Schallplattenspieler in unsere Herzen.

Der House Of Marley „Stir It Up“ macht es nicht wie die anderen Plattenspieler. Das wird schon beim Auspacken klar. Hier finden wir statt Plastikfolie und Styropor recycelte Pappe und Baumwolltaschen. Selbst die Kabel verzichten auf die üblichen Binden und sind mit Naturfaden verschnürt. Trotzdem ruht alles sicher in der Packung und uns schwebt ausnahmsweise mal nicht der übliche Chemiegeruch von Plastik entgegen.

Auch der Aufbau macht Spaß, allein weil das Gerät nur knapp 4 Kilogramm wiegt. Das Gehäuse besteht aus recyceltem Hanf, recycelter Baum-wolle und recyceltem PET. Für die Deckplatte nutzt House of Marley den schnell nachwachsenden Rohstoff Bambus und für den Plattenteller wird recycelbares Aluminium verwendet.

So bauen wir hier nicht nur ein sehr ansehnliches Gerät auf, sondern auch eines mit einer extrem guten Umweltbilanz.

Sehr variabel anschließbar

Anschlüsse des House Of Marley Stir It Up Plattenspieler House Of Marley Stir It Up Review Test Turntable

Die Anschlüsse auf der Rückseite erlauben sogar die Verbindung per USB mit dem PC. Ein Phono-Vorverstärker sowie ein AD-Wandler sind integriert

Der EM-JT000-SB, wie der Plattenspieler als vollständige Produktnummer heißt, ist ein echter „Anschließen-und-Spaß-haben-Plattendreher“. So kann er per Cinch nicht nur mit einer MM-Phono-Vorstufe verbunden werden, sondern lässt sich auch am AUX-Eingang platzieren.

Dazu hat er einen Vorverstärker für magnetische Tonabnehmer integriert, den wir per Schiebeschalter aktivieren. Außerdem finden wir einen USB-Anschluss, denn der House Of Marley wandelt intern analoge in digitale Signale. Mit der Front haben Freunde des Kopfhörers ihren Spaß, da hier eine entsprechende 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse sitzt.

Sehen Sie hier unseren Preview-Test vom House of Marley „Stir It Up“ Turntable:

Technisch okay

Soweit konnte uns der House Of Marley „Stir It Up“ für sich einnehmen. Doch nun müssen wir natürlich auch kritischer prüfen. So ist das Motorgeräusch beim Einschalten des Gerätes doch deutlich zu hören. Es wird allerdings bei laufender Platte praktisch übertönt und ist damit kaum mehr wahrnehmbar.

Die integrierte Vorstufe ist für den Hausgebrauch gut geeignet. Wer allerdings mehr Tiefe und Weite im Sound will, sollte unbedingt einen separaten Phono-Vorverstärker nutzen.

Am Kopfhöreranschluss hören wir ein leichtes Brummen, wenn das Gerät im Leerlauf ist. Außerdem können wir dessen Lautstärke nicht regeln, was für den Kopfhörer-Betrieb aber sinnvoll wäre. Der integrierte Analog-Digitalwandler gibt ein leises Surren von sich, was zwischen –61 dB bis –54 dB liegt.

Tonarm und Lager des House Of Marley Stir It Up Plattenspieler House Of Marley Stir It Up Review Test Turntable

Das Anti-Skating lässt sich sehr einfach am Marley Plattenspieler justieren. Für die Einstellung der Auflagekraft ist dank Skala keine Waage von Nöten

Vorschlaghammer

Klanglich nimmt uns der House Of Marley dafür wieder sofort ein. Wir schließen ihn an den MM-Eingang unseres Rotels an, hören Jazz, Klassik und Rock. Und weder Tonbnehmer noch Laufwerk machen Fehler.

Dynamik und Feinzeichnung stimmen für diese Preisklasse. Analoge Wärme wird mit jeder Note versprüht. Der Gleichlauf ist, überraschenderweise, über jeden Zweifel erhaben – zumal es sich „nur“ um ein 250-Euro-Gerät handelt.

Den klanglichen Höhepunkt dieser Testsession finden wir bei Peter Gabriels Album „So“ in einer Lizenz-Veröffentlichung der Amiga. Hier haut uns der erste Titel „Red Rain“ direkt aus den Socken. Diese berauschende Fülle an Klangfarben und Tiefe des Sounds ist einfach nur fantastisch. Der „Stir It Up“ geht so herrlich souverän damit um, dass es eine Freude ist. Beim legendären „Sledgehammer“ kommt es dann unweigerlich über uns: das 1980er Jahre-Feeling. Es sitzt mit im Raum, wir sind alle 30 Jahre jünger – einige als Kind, andere als Teenager oder junge Erwachsene. Und in einem sind wir uns einig: Es klingt wie damals, nur wesentlich besser.

Danke House of Marley für diese Zeitreise. Der „Stir It Up“ Plattenspieler ist ein mutiger Versuch die sonst oft technokratische Sparte der gehobenen Musikwiedergabe durch Idealismus und Attitüde zu ergänzen. Klanglich gut, technisch okay, Umweltbilanz top!

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien erstmalig in der Printausgabe von AUDIO TEST Ausgabe 8/2018 mit großen Plattenspieler-Spezial.

Test: House Of Marley Stir It Up Plattenspieler - Liebe trotz Fehlern
Wir lieben den House of Marley "Stir It Up" Plattenspieler, obwohl, oder gerade weil er seine Fehler hat. So ist das Motorgeräusch zwar hörbar, aber es sorgt auch für eine angenehme Vertrautheit. Der Gleichlauf ist für ein Gerät dieser Preisklasse wirklich mehr als hervor-ragend. Zudem sorgen seine gute Verarbeitung und seine Umweltbilanz für ein Lächeln auf den Gesichtern der Tester.
Wiedergabequalität77%
Ausstattung/Verarbeitung80%
Benutzerfreundlichkeit80%
Preis/Leistungsverhältnis90%
Vorteile
  • super Gleichlauf
  • gute Zeichnung und Dynamik
  • einfache Installation + wechselbarer MM-Tonabnehmer
Nachteile
  • AD-Wandler und Kopfhörerausgang summen leise im Leerlauf
  • im Leerlauf hörbares Motorgeräusch
81%Gesamtergebnis
Leserwertung: (0 Votes)
0%

Bildquellen:

  • House Of Marley Stir It Up – Rückseite: Bild: Auerbach Verlag
  • House Of Marley Stir It Up – Tonarm: Bild: Auerbach Verlag
  • House Of Marley Stir It Up: Bild: Auerbach Verlag