Eigener Klang

Wenn man einmal einen so exklusiven Lautsprecher im Hörraum hat, dann testet man nicht nach Protokoll oder Standardschema, dann holt man die ganz schweren Geschütze. Hervorragend geeignet sind zum Beispiel Klangsamples und Referenzaufnahmen von Rolands TB-303 Basscomputer. Während die hohen Oktaven noch genug Schmatz haben, um vom Breitbänder und dem Horn übersetzt zu werden, richteten wir unser Augenmerk besonders bei den tieferen Oktaven auf das Verhalten des Resonanzkörpers und die Basswiedergabe. Dabei fiel uns deutlich auf, dass wir es nicht mit einer Partykellerbox zu tun haben, die auf laut getrimmt ist, komme was da wolle. Vielmehr ist die Spectrum Melody ein feinfühliger, fast schon feinstofflicher Klangakrobat, denn die Obertöne erreichten unser Ohr in wundervoller Auflösung, aber für die Subbässe hatten wir dem mit 36 Watt angegebenen Lautsprecher zu viel Hub abverlangt fürs erste.

Der Anschluss erfolgt über SpeakOn-Kabel. Das Typenschild verrät: Der Lautsprecher hat eine Impedanz von 16 Ohm

Wir schämen uns für einen Moment, mit brachialer Gewalt an so ein edel klingendes Geschöpf herangetreten zu sein und schwenken um zu Richard Strauss mit dem – wie hätte es in diesem Fall anders sein können – „Horn Concert No. 1 in E-Dur, Op. 11“, gespielt vom Chicago Symphony Orchestra unter Leitung von Daniel Barenboim und mit Dale Clevenger am Solo-Horn. Die Dynamik und die Formanten der Klassik stehen diesem Lautsprecher um einiges besser, als stürmische Synthi-Testsounds. Die Timbres sind sehr ohrenschmeichelnd gezeichnet, der Klang lebt von Offenheit, wirkt fast schon lebendig. Die Hörner – und an dieser Stelle meinen wir die Aufnahme und nicht die Konstruktion – klingen über die Lautsprecher sonor und vibrant, ohne dabei zu blechern zu werden. Die Dynamikzeichnung ist, wie bei einem Treiber dieser Art zu erwarten, exzellent und an Echtheit und Unbekümmertheit kaum nachzuahmen. Wir bleiben für einen Moment noch bei klassischer Musik und testen ein paar Tuttis, um die Grenzen der Dynamik und die Auflösung der Instrumente in einer großen Gruppe abzuschätzen. Hier haben Breitbänder oft ihre Probleme, die von Hörnern zu gern verstärkt werden. Die Spectrum Melody überzeugt jedoch an dieser Stelle. Bei Rachmaninoffs „Symphonic Dance No. 1“ erklingen Raumgröße und Tiefendarstellung sauber gestaffelt und die Bässe des Tutti schwellen druckvoll durch den Raum. Auch bei Johann Sebastian Bachs „Präludium in C-Dur, BWV 864“, stilecht gespielt auf einem Cembalo, explodiert der Klang förmlich vor Transientenreichtum, als würde man seine Ohren direkt neben die angezupfte Saite halten. Die Obertonschwingungen werden fein und dennoch plastisch an die Hörposition transportiert, wenn auch das Stereopanorama etwas Konzentration benötigt. Zurück im Pop-Synth-Metier bei den Hamburgern von Binoculers, einem Duo um die Elektromusiker Nadja Rüdebusch und Daniel Gädicke, widmen wir uns noch einmal Synthesizer-Klängen. Dieses mal aber einer digitalen Orgel aus dem Titel „Bow And Arrow“. Der Orgelsynth ist tragendes Element des Songs, darüber gesellen sich glockige Rhodes-Arpeggios, die die Hauptstimme der Rüdebusch kontrastreich in Szene setzen. Heimliches Highlight des Tracks sind aber die Hi-Hats, die durch die enorme Natürlichkeit der Spectrum Melody zu einem akustischen Highlight und Leckerbissen werden.

Das Horn ist in mehreren Farben erhältlich. Es ist durch eine geschickte Schraubkombination am Korpus fixiert

Zum Abschluss gönnen wir uns noch ein bassiges Beispiel von Abraham Labouhier. Im Titel „Knock Out“ passiert eben jenes. Wir werden erschlagen vom Druck und der Differenziertheit eines markanten 90er-Jahre Slap-Bass in Kombination mit gesampleten Pianos und gerahmt von synthetischem Brummen. Die Säule des Melody bebt im Takt und uns erfasst ein imposanter Grundton, den man tatsächlich so nicht von diesem Breitbänder erwartet. Aber wir müssen zugeben, wir haben den Lautsprecher mittlerweile auch ein wenig näher an die Wand gerutscht. Allgemein kann man zusammenfassen, dass die Lautsprecher in den oberen Mitten sehr dicht und vital klingen. Sie versprühen energetisches Leben, ohne dabei zu schärfen. Instrumente wie Akustikgitarre, Slap-Bass oder Schlagwerk profitieren davon ungemein. Auch in Kombination mit Röhrenverstärkern erlöst uns das Klangbild der Spectrum Melody vom leblosen Matsch unnatürlicher Wiedergaben. Die Lautsprecher heben sich nicht nur optisch, sondern auch deutlich vom engstirnigen Klang handelsüblicher Konstruktionen ab. Wir verneigen uns auf jeden Fall schon jetzt vor diesem inspirierenden und enthusiastischen Ansatz der Lautsprecherkunst, empfehlen ein Probehören und Kennenlernen bei Peter Plonski und freuen uns auf jeden weiteren Lautsprecher aus Dresden.

Bereits im Herbst war Peter Plonski (rechts) zu Gast in unserem Hörraum. Im Gepäck hatte er verschiedene Ausführungen des Spectrum Melody Horns und viel Leidenschaft für Musik

Mehr Informationen unter http://www.shape-acoustic.de/

Test: ShaPe Acoustic Spectrum Melody
Wenn man beachtet, dass die Spectrum Melody ein Lautsprecher ist, mit dem man sich ein wenig auseinandersetzen muss, um ihm gerecht zu werden, dann bekommt man von ShaPe Acoustic einen Traum in Horn, mit dem man sich viele Jahre exzellenten Frequenzgenuss ins Wohnzimmer holen wird.
Wiedergabequalität90%
Ausstattung/Verarbeitung86%
Benutzerfreundlichkeit79%
Preis/Leistung93%
Vorteile
  • Impulsivität
  • Dynamik
  • Natürlichkeit
Nachteile
  • Geduld für optimale Positionierung nötig
88%Gesamtwertung
Leserwertung: (2 Votes)
87%

Bildquellen:

  • ShaPe Acoustic Spectrum Melody: Johannes Strom
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  • Shape Acoustic Spectrum Melody: Johannes Strom
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