Mit den Standlautsprechern Silver 300 6G offeriert Monitor Audio ein fantastisches 3-Wege-System für unter 2.000 Euro das Paar. Müssen wir noch mehr sagen? Auf zum folgenden Testbericht.

Manchmal hat man so das Gefühl, dass die Produkte des britischen Traditionsunternehmens Monitor Audio immer leicht unter dem Radar der breiten Hörerschaft fliegen. Und das, obwohl das Unternehmen nun seit mehr als 40 Jahren eine feste Größe in der HiFi-Landschaft darstellt. Ein Missstand, den es unserer Meinung nach zu korrigieren gilt. Nicht umsonst konnten zuletzt sowohl die Monitor Audio Gold 300 Referenzklasse-Standlautsprecher ( lesen Sie hier unseren Test) wie auch die Monitor Audio Silver 500 (Anm.d.Red.: Testbericht in AUDIO TEST Ausgabe 04/20) die kritischen Ohren unseres CVD Johannes Strom voll und ganz überzeugen. Beide erhielten das begehrte Urteil der Referenzklasse. Unsere Erwartungen an die Monitor Audio Silver 300 6G sind also entsprechend hoch gesteckt. Ob uns das etwas günstigere Modell ebenfalls begeistern kann? Die Antwort finden Sie auf den folgenden Seiten.

Konstruktion

Das Lautsprecher Modell Silver 300 gibt es nun schon eine Weile im Portfolio von Monitor Audio. Wir testen selbstverständlich die neueste Iteration des Standlautsprechers. Monitor Audio stellt nämlich den Standlautsprecher mittlerweile in der sage und schreibe sechsten Generation her. Daher auch das 6G in Modellnamen. Die Lautsprecheranordnung wurde dabei gegenüber der vorhergegangenen Generation beibehalten, die Konstruktion der Chassis jedoch überarbeitet. Ganz nüchtern betrachtet, handelt es sich um einen 3-Wege-Bassreflex-Standlautsprecher mit vier Treibern und vergleichsweise kompakten Abmessungen. Aber nüchtern betrachten will man die Silver 300 6G eigentlich gar nicht. Dafür transportiert das Stereopaar viel zu viel Spielfreude. Aber wir greifen vor.

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Mit gerade mal etwas über einem Meter Standhöhe lässt sich der Monitor Audio Silver 300 6G geschmackvoll in mittelgroßen Räumen unterbringen ohne im Gesamtbild zu dominant zu werden und mit exakt 20 Kilogramm pro Lautsprecher sind diese in der Regel problemlos alleine aufzustellen. Die Verarbeitungsqualität ist wie erwartet makellos. Unser Testmodell kommt in einem schicken Walnuss-Furnier daher. Darüber hinaus sind die Silver 300 6G aber auch noch in natürlicher und schwarzer Eiche, sowie Nussbaum und schwarzer oder weißer Hochglanzlackierung erhältlich. Das Gehäuse selbst besteht wie bei den meisten Lautsprechern aus MDF. Durch die ohne sichtbaren Schrauben montierten Treiber, wirkt das Design noch eleganter als ohnehin schon. Besonders dem Auge gefällig ist unserer Meinung nach die den Hochund den Mitteltöner einfassende Metallplatte, die auch gleichzeitig das Schutzgitter über den Hochtönern darstellt und diesen so effektiv etwa vor neugierigen Kinderfingern schützt. Ein wahrlich ansprechendes Design.

Apropos Hochtöner: Monitor Audio setzt bei den Modellen der Silver Reihe auf einen sogenannten C-CAM Gold Kalottenhochtöner mit einem Durchmesser von 25 Millimetern (mm). C-CAM steht dabei für Ceramic-Coated Aluminium/ Magnesium, sprich es handelt sich beim Material der Kalotte um eine mit Keramik überzogene Aluminium-Magnesium-Legierung. Durch diese Materialwahl, lässt sowohl eine hohe Steifheit der Membran und somit geringe Partialschwingungen mit einem geringen Gewicht und somit hoher Impulstreue vereinen. Monitor Audio hat das früh erkannt und gilt als Pionier in Sachen MetallMembranen im HiFi-Bereich. Vor diesem Hintergrund überrascht die Materialwahl wenig, genauso wie der Fakt, dass auch die übrigen Treiber auf das gleiche Membranmaterial setzen. So auch der Mitteltöner, der ja bekanntlich das Herzstück eines jeden Dreiwegesystems darstellt. Schließlich ist der wohl entscheidendste Unterschied zu schnöden 2-Wege-Systemen, dass der so wichtige Mittenbereich seinen eigenen dezidierten Treiber erhält und nicht in einer Rutsche mit dem Bassbereich abgefrühstückt wird. Dies ermöglicht eine spezialisiertere Abstimmung der einzelnen Treiber.

Der 4 Zoll RST C-CAM Mitteltöner ist übrigens bei 3,5 Kilohertz (kHz) an den Hochtöner angekoppelt. RST steht an dieser Stelle für Rigid Surface Technology. So weit so ominös. Betrachtet man den Mitteltöner genauer, so erkennt man schnell die diversen kreisförmigen Vertiefungen in der Membran. Diese spezielle von der japanischen Origamikunst beeinflusste und mittels Computermodellierung erstellte Struktur, soll abermals eine höhere Stabilität bei geringerer Materialstärke und damit eben auch geringerem Gewicht der Membran ermöglichen. In Sachen Impulstreue sollten die Treiber also exzellent abschneiden. Am unteren Ende des Wiedergabebereichs übernehmen ab 570 Hz die beiden 6 Zoll RST C-CAM Tieftöner. Streng genommen wird also immer noch ein guter Teil des Mittenspektrums vom Basstreiber übertragen, aber das ist reine „Korinthenkackerei“ von unserer Seite und fürs klangliche Ergebnis herzlich wenig entscheidend.

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Tief und Mitteltöner der Silver 300 6G verwenden RST (Rigid Surface Technology). Die spezielle Struktur erhöht die Stabilität der Membran und wurde vom japanischen Origami inspiriert.

Der Frequenzgang insgesamt reicht übrigens von 32 Hz bis hinauf zu 35kHz. Wo wir gerade schon die Nase im Datenblatt haben. Die maximale Belastbarkeit der Silver 300 6G ist mit 200 Watt (W) RMS angegeben und Monitor Audio empfiehlt Verstärker mit einer Ausgangsleistung zwischen 80 W und besagten 200 W an einer Abschlussimpedanz von 8 Ohm. Das ist nämlich der für unsere Testprobanden angegeben Impedanzwert. Aber Moment mal: als Minimalimpedanz werden 3,5 Ohm bei 146 Hz angegeben. Das legt die Vermutung nahe, dass es sich eigentlich wohl eher um einen nominal mit 4 Ohm anzugebenden Lautsprecher handelt. So ist der mit 90 Dezibel pro Watt und Meter gemessene Kennschalldruck mit Vorsicht zu genießen, da für 4 und 8 Ohm Lautsprecher unterschiedliche Refrenzspannungen gelten. Aber so viel sei schon verraten: um mangelnden Wumms in Sachen Pegel muss man sich keine Sorgen bei der Silver 300 6G machen. Zu guter Letzt wollen wir noch schnell einen Blick auf die Rückseite werfen. Hier befinden sich sowohl die Öffnungen der beiden Bassreflextunnel, wie auch das Anschlussfeld. Die Anschlüsse können sowohl Bananenstecker wie auch Kabelschuhe aufnehmen. Dank getrennter Anschlüsse für HF und LF ist theoretisch sowohl Bi-Amping wie auch Bi-Wiring möglich. Ab Werk kommen die Silver 300 6G mit vorinstallierten Brücken für den konventionellen Betrieb.

Monitor Audio Audio Silver 300 6G – Klang

Klanglich steht die Monitor Audio Silver 300 6G ihren schicken Erscheinungsbild in nichts nach. Vom ersten Ton an kann unser Testpaar durch feine Auflösung und jede Menge Spielfreude begeistern. Und das mit einer gehörigen Portion Charakter. Das ist hier nicht mit Schönfärberei zu verwechseln, denn das Klangbild ist stets akkurat, präzise und detailliert. Besonders dieser unverschämt hoch aufgelöste Mittenbereich muss lobend hervorgehoben werden. Alles wirkt wie unter der akustischen Lupe. Das ist zum Teil natürlich auch der ausgeprägt offenen Höhenwiedergabe geschuldet und auch der tatsächlich fantastischen Impulstreue.

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Das Anschlussfeld der Silver 300 6G kommt ab Werk mit vorinstallierten Brücken, ermöglicht jedoch auch Bi-Amping, sowie Bi-Wiring, wenn man diese entfernt.

Bei „Here Comes My Girl“ von Tom Petty and the Heartbreakers von deren Album Damn The Torpedos fällt das vor allem sofort bei den Drums auf, deren Transienten einen aus den Lautsprechern nur so anspringen. Massive Kick. Knallige Snare. So soll das! Gerade bei der Kick, aber auch bei der Bassgitarre merkt man, dass der Monitor Audio Silver 300 6G Standlautsprecher jedoch auch am unteren Ende des Frequenzgangs brilliert. Hier kann sie mit einem klar aufgeräumten aber dennoch ausgesprochen tiefen und sonoren Klang punkten. Der E-Bass hat dieses schöne, vintagemäßige Ploink im Anschlag und ist stets klar zu orten. Keine Spur von Mulm. Auch die Hallräume auf etwa Tom Pettys unverkennbaren Vocals werden präzise ausgeleuchtet. Generell ist Transparenz das große Stichwort. Beim Stück „Nightwings“ vom Claus Ogermann und Michael Brecker Kollaborationsalbum Cityscape hüllen uns zunächst strahlend warme Orchesterklänge in eine Decke des Wohlbefindens. Ein schimmerndes Klavier, dann ein zaghafter Bass, der nach und nach selbstbewusster auftritt. Das Stück nimmt zunehmend Fahrt auf. Die Silver 300 6G folgen der Dynamik haargenau. Entspannte gespielte Jazz-Drums verankern den Song, der schon irgendwie was von den Orchestersoundtracks der sogenannten goldenen Jahre Hollwoods hat. Und dann ab 3:18 dieses unverwechselbare Brecker-Saxophon! Weltklasse! So wie die Monitor Audio Silver 300 6G selbst.

Weitere Infos unter: www.derbesteklang.de

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien erstmalig in der Printausgabe von AUDIO TEST Ausgabe 5/2020.

► Lesen Sie hier unseren Test vom Monitor Audio MASS Surround System

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Test: Monitor Audio Silver 300 Standlautsprecher - Akustische Lupe
Mit den Silver 300 6G setzt Monitor Audio seine aktuelle Erfolgssträhne in der AUDIO TEST tadellos fort. Wer einen hoch auflösenden und äußerst geschmackvoll abgestimmten Standlautsprecher für mittelgroße Räume sucht, sollte die Monitor Audio Silver 300 6G in Erwägung ziehen. Selbst wenn ein höheres Budget zur Verfügung steht. Dass diese außergewöhnlichen Standlautsprecher letztlich keine 2 Riesen kosten, ist nur ein weiterer Pluspunkt für die Monitor Audio Silver 300 6G.
Wiedergabequalität94%
Austattung/Verarbeitung91%
Benutzerfreundlichkeit92%
Preis/Leistung99%
Vorteile
  • Auflösung
  • Abstimmung
Nachteile
  • keine
94%Gesamtwertung
Leserwertung: (16 Votes)
73%

Bildquellen:

  • AUDIO TEST Ausgabe 8/20: Auerbach Verlag
  • Monitor Audio Silver 300 6G Test: Auerbach Verlag