Mit dem Modell 17.5 schickt uns die Hamburger Lautsprechermanufaktur Inklang nichts anderes, als das absolute Spitzenmodell aus ihrer AdvancedLine. Wir machen uns auf einiges gefasst!

Höher und höher

Inklang ist das geistige Kind von Thomas Carstensen. Zweieinhalb Dekaden war er im Vertrieb der Finanzdienstleis- tungsindustrie tätig, bevor er 2013 seine Leidenschaft für Musik und guten Klang mit der Lautsprecher-Manufaktur wortwörtlich zum Beruf gemacht hat. Zusammen mit einem Team von Experten werden hier hochwertigste Schallgeber gefertigt, die unter anderem auch schon den German Design Award einheimsen konnten. Das hier zum Test kommende Modell 17.5 ist das Flaggschiff des Herstellers und macht schon allein optisch was her.

Auge fürs Detail

Generell wird bei Inklang nichts dem Zufall überlassen und gleichzeitig Wert auf Understatement gelegt. Das fängt schon beim Gehäuse an. Die speziell auf die Minimierung von Eigenresonanzen ausgelegte Konstruktion ist absolut makellos, seidenmatt lackiert und in sage und schreibe zehn verschiedenen Farbgebungen, sowie auf Kundenwunsch auch in Sonderlackierungen erhältlich. Diese heißen bei Inklang dann Privat-Lackierung. Als Dämmmaterial kommt nicht etwa Mineralfaserwolle oder dergleichen zum Einsatz sondern natürliches Vlies aus Schurwolle. Es soll stehende Wellen effektiv vermeiden. Nachhaltigkeit ist den Hamburgern bei der Produktion insgesamt sehr wichtig. So wird, wo möglich, Plastik vermieden, Bauteile fast ausschließlich aus Deutschland und dem europäischen Umland eingekauft und die gesamte Produktion wird mit CO2-neutral erzeugtem Strom betrieben. Aber zurück zu unseren Testprobanden.

Bei der als 3-Wege-System ausgelegten Bassreflexkonstruktion kommen bei den Treibern für den Mittel- und Tieftonbereich Membranen aus Aluminium zum Einsatz. Aluminium findet sich hier immer häufiger. Schließlich bietet das Material eine gute Verbindung von möglichst hoher Stabilität bei möglichst geringem Gewicht. Oder anders gesagt, eine gute Lösung für den ewig währenden Kompromiss zwischen minimalen Partialschwingungen der Membran und maximaler Impulstreue. Die 29 Millimeter (mm) messende Kalotte des Hochtöners hingegen besteht nicht ausschließlich aus Aluminium. Hier kommt zusätzlich Magnesium ins Spiel, was ein eher ungewöhnliches Material bei der Konstruktion von Lautsprechern ist. Wir sind gespannt. Die Chassis sind in einer D’Appolito Anordnung positioniert. Vorteile dieser Lautsprecherkonfiguration sind einerseits ihre starke Bündelung des Schalls auf vertikaler Ebene, was direkte Reflexionen von Boden und Decke minimieren soll. Und andererseits wird hier durch das Ausnutzen der akustischen Kopplung die Verwendung kleinerer und somit leichterer Membranen ermöglicht, ohne damit den Frequenzgang im Bassbereich zu kompromittieren. Apropos Frequenzgang. Der ist hier vom 35 Hertz (Hz) bis 25 Kilohertz (kHz) angegeben mit zwar mit jeweils minus 3 Dezibel (dB). Schön, dass hier mal mehr als der pure Fakt, das eine Frequenz noch wiedergegeben wird, zu finden ist. Die maximale Belastbarkeit ist mit 400 Watt angegeben. Das sollte auch dem kräftigsten Verstärker standhalten. Die Impedanz liegt bei 4 Ohm.

Die massiven, vergoldeten Anschlüsse erlauben sowohl Bi-Amping, als auch Bi-Wiring

Brillanter Klang

Schon beim allerersten Ton aus den 17.5 ist es, als ob jemand jahrelang dort versteckte Watte aus unseren Ohren entfernt hätte. Brillant und scharf gestochen, aber keineswegs unangenehm oder harsch. So lässt sich die unglaublich detailreiche Höhenwiedergabe der Inklang beschreiben. Der Höchtöner leistet also ganze Arbeit! Das steht besonders Klassik und allgemein Orchesteraufnahmen ungemein gut. Hier hört man jedes Bogenreiben und jedes Stuhlknarzen auf der Bühne. Aber auch der Rest des Frequenzspektrums wird nicht vernachlässigt. Die Mitten wirken aufgeräumt und der Bass reicht den Spezifikationen entsprechend glaubhaft tief in den Keller. Allerdings fängt hier nichts an, unangenehm zu schieben oder zu dröhnen. Auch bei höheren Lautstärken nicht. Bei Crescendos ertönt alles mit impo- santer Autorität. Einziges Manko, welches aber letztlich eher eine Geschmacksfrage ist, sind die im Verhältnis zum Rest des Spektrums etwas zurückhaltenden tiefen Mitten. Das hilft zwar bei der klaren Wiedergabe, kann aber bei Material das von diesem Frequenzbereich lebt, manchmal das sonst kräftige Klangbild etwas trüben.

Preis: EUR 13,99

Erster Testsong: Tools „Vicarious“ vom Album „10.000 Days“. Die Musiker aus Los Angeles sind bekanntlich Meister des Kopfnickens zu eigentlich krummen Takten. Und was sie hier hinsichtlich der oft zitierten „Wall Of Sound“ auffahren, ist schon beeindruckend. Also nicht hinsichtlich Phil Spectors Arrangement-Technik, sondern der im Musikermund so genannten Gitarrenwand. Womit der der Gitarrist Adam Jones hier aufspielt, wird von den Inklang präzise und aggressiv wiedergegeben. Schön, wie knallig hier die hohen Mitten übertragen werden. Der markante Bass von Justin Chancellor erklingt kellertief mit schönem Draht und geht trotz Gitarreninferno in den lauteren Parts des Songs niemals unter. Auch die Wiedergabe von Transienten, egal in welchem Frequenzbereich, sind bei den beiden Lautsprechern nur als exzellent zu bezeichnen und gerade beim Schlagzeug und den Percussion-Elementen kommt es hier zu einem tollen Hörerlebnis.

Preis: EUR 1,29

Abschließend gibt es noch ein Leckerli von Coverversion. Und zwar Peter Gabriel wie er Arcade Fires „My Body Is A Cage“ interpretiert. Hier können die Hamburger Klangwunder nochmal all ihre Stärken ausspielen und zeigen, was möglich ist, wenn hochwertigste Technik auf eine makellose und emotional mitreißende Performance treffen. Die Tiefenstaffelung zwischen Klavier und Peter Gabriels Stimme wird perfekt reproduziert. Der Gesang selbst wirkt nah, luftig, detailreich und transportiert die düstere Stimmung des Songs auf intime Art und Weise. Und trotzdem fallen Atemgeräusche und Sibilanten, die ja gerne bei einer höhenreichen Abstimmung des Wiedergabesystems überbetont werden, an keinem Punkt störend auf. Minute 2:30, in der die wie ein Strudel wirkende Instrumentierung immer weiter nach vorne zu rücken scheint, ist das wohl beste Zeugnis der sehr guten räumlichen Darstellung, als auch der Dynamik, die die 17.5 zu bieten hat. Und spätestens wenn eine Minute später nach einer Pause die gesamte Wucht des Mixes über einen hereinbricht, ist Gänsehaut angesagt. So soll das sein und nicht anders! Unserer Meinung nach ist den Hamburgern hier ein echter Volltreffer gelungen.

weitere Infos unter:  www.inklang.de

Test: Inklang 17.5 AdvancedLine
Wiedergabequalität91%
Ausstattung/Verarbeitung97%
Benutzerfreundlichkeit92%
Preis/Leistung88%
Vorteile
  • Höhenwiedergabe
  • Stereobild
Nachteile
  • keine
92%Gesamtwertung
Leserwertung: (8 Votes)
63%

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