Die Niederländer haben Verwandlung neu definiert und erzählen uns ein Start-up-Märchen: Wie aus einem Stück Aluminium und einem Computerchip ein Traumwandler wurde.

Meditative Metamorphose

Es war einmal ein Wandersmann, der kam zu einem Mönch in den Bergen, völlig verdurstet vom weiten Marsch und fragte nach Wasser. Der Mönch ging mit dem Wanderer zur Zisterne und schöpfte mit einer Kelle Wasser in einen Krug. Nachdem der Gast versorgt und wieder bei Kräften war, fragte er den Mönch, warum er das überhaupt mache, so alleine hier in der Stille und fernab zu leben. Da wies der Mönch auf die Zisterne und fragte, was der Wanderer darin sehe. Nichts, war die Antwort, nur Wasser. Es verging einige Zeit und der unerwartete Besuch war nach reichlichem Sinnieren mit der Antwort des Mönchs nicht weiser als zuvor. Also fragte er abermals, was es mit der Stille auf sich hat. Ein zweites Mal wies der Mönch auf die Zisterne und nach einem prüfenden Blick des Wanderers musste dieser nun feststellen, dass jetzt, wo sich das Wasser einige Minuten nach dem Schöpfen wieder beruhigt hatte, er sich selbst darin erkannte. Das Märchen des erhabenen DA-Wandlers ginge aber auch kurz zu beschreiben: In der Ruhe liegt die Kraft. Wandlung. Es ist eine schöpferische Übersetzung. Es hat etwas magisches. Und es wirkt massiv auf unser Empfinden. In der Realität heißt unser Mönchs-Kloster DiDiT und ist in Wahrheit ein noch sehr junges Start-up-Unternehmen. Dabei steht die Abkürzung für Different in Design/ Different in Technology, wobei das Mittel-D gleich doppelt genutzt wird. Das niederländische Unternehmen besteht aus vier Mitarbeitern, die alle gleichzeitig auch Inhaber des Unternehmens sind und es hat sich auf die Fahne geschrieben Design und Technologie mit einem langlebigen Ansatz und ohne Kompromisse zu vereinen. Die gesamte Forschung und Produktion kommt bei DiDiT aus einer Hand und geschieht ausschließlich in den Niederlanden. Alles wird selbst hergestellt, nur das Aluminiumgehäuse und die Rohleiterplatten werden zugeliefert. Durch die kurzen Wege und die Produktion im eigenen Land kann man den hohen Ansprüchen an die eigenen Standards gerecht werden.

Ganzheitlich

Bereits der Karton in dem der DiDiT DAC212 Signature Edition D/A-Wandler und Kopfhörerverstärker bei uns eintrifft, ist ein Statement für Umdenken, Wertigkeit und Reflexion. Anstatt in ökonomisch günstigem Kunststoff verkleidet, wird der stille Übersetzer in Ganzkörper-Kork ausgeliefert. Dabei wirkt die braune Kutte nicht nur feuchtigkeitshemmend und absorbiert Stöße hervorragend, sondern verströmt noch dazu einen Duft, der einem sofort das Gefühl vermittelt ein transzendentes Naturprodukt in den Händen zu halten. Der aus einem Block Aluminium gefräste Laib Technik transportiert unmittelbare Wertigkeit. Alles ist bis ins kleinste Detail makellos und klar, jenseits jeder Erfahrung. Vom kapazitiven Frontschalter mit Inputwahl bis zur Erleuchtung durch das RGB-LED-Punktmatrix- Display. Selbst die Kanten des Geräts sind bis zur Samtigkeit abgeschliffen und alles fühlt sich stark, erwachsen und dennoch weich an. Produktdesign in seiner aufrichtigsten Form. Außen, wie innen. Für einen Wandler inklusive Vorverstärker von Format spricht auch die Kompatibilität und Bandbreite des Gerätes. Von AAC bis DSD ist alles an Bord. Egal, ob über Bluetooth, AES, SPDIF, USB, Toslink oder sogar I2S, was eine frei konfigurierbare Mini-HDMI-Schnittstelle bietet.

Vollendete Aufrichtigkeit bedarf einer stabilen Mitte ohne Abweichungen oder Unausgeglichenheit. Der DiDiT DAC212 Signature Edition punktet frequenziell nicht nur musikalisch, sondern auch im Labor

Ausgangsseitig liefert der DAC äußerst hochwertige XLR-Buchsen und frontseitig einen Kopfhörerausgang, der dank sehr niedriger Impedanz auch leistungshungrige Kopfhörer ohne extra Verstärker bedient. Alles bei DiDiT spricht Low-Noise. Der DAC212 Signature Edition basiert auf dem 32 Bit ES9018 SABRE Chip und besteht aus vier gelayerten Leiterplatten, wobei die unterste ausschließlich als gebündelte, gemeinsame Masse dient. Die Eingangsschaltkreise schweben also wortwörtlich über der Erde. Mit insgesamt zwölf unabhängigen Stromversorgungsregulatoren hält man dabei dennoch die Hand über sensible Elemente. Entsprechend den Anforderungen an Strom und Masseführung wurde über CAD-Software alles bis ins letzte Detail am Computer durchdacht und vorausberechnet. Das führt dazu, dass der Wandler die magische Klagemauer von 0,001 % Verzerrung unterbietet.

Die Ausstattung ist für die Größe des Gehäuses beachtlich. Dabei sind alle Buchsen passgenau konfektioniert, aber das verwundert kaum. Das Gerät schließt dabei nicht schon mit den Anschlüssen ab, sondern das Gehäuse überdacht die Terminals

Das interne Schaltungsdesign ist konsequent symmetrisch aufgebaut, was mögliche Störgeräusche oder Artefakte auslöscht und sich selbst ausbalanciert. Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass der DAC mit einem Schaltnetzteil arbeitet, aber mit einer sehr ruhigen und präzisen Variante. Im Allgemeinen haben Schaltnetzteile des 21. Jahrhunderts nichts mehr mit den audiophil-apokalyptischen Propheten der 80er und 90er Jahre zu tun. Wer also aufgrund schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit noch immer Vorbehalte und Digitalschmerz hegt, sollte sich vielleicht in Vergebung üben.

Verzaubert

Ein D/A-Wandler ist im Idealfall ja immer ein bilingualer Muttersprachler der fließend binär decodiert, aber auch intuitiv elektromagnetischen Schwingungen folgt. Und um ehrlich zu sein, können wir uns nicht erinnern jemals einen D/A-Wandler gehört zu haben, der beides auf so musikalisch einfühlsame Weise jongliert. Manchmal hat man ja den Eindruck der Klang würde durch den exzessiven Einsatz von Computertechnologie kühl oder scharf, nicht so jedoch beim DAC212 Signature Edition.

Preis: EUR 6,99
Norah Jones „Come Away With Me“ klang noch nie so verführerisch warm und sexy wie hier. Selbst Arrangements die wesentlich überladener sind, wie harmonisch komplexe Alben à la Sigur Rós, wo man oft das Gefühl hat hunderte Sphären mäandrieren um sich selbst, bekommen einen wahrhaftig erhellenden Blickwinkel. Auf einmal ist alles da. War es ja schon immer, aber warum hat man es nie gehört? Man könnte ihn fast schon als Easy-Listening-Wandler betiteln, da er mit Klarheit, aber auch Weisheit und innerer Ruhe die Musik in den Mittelpunkt rückt, ohne dabei kämpfen zu müssen. Es ist eher wie eine frisch polierte Windschutzscheibe eines Neuwagens, im Vergleich zu verkratztem Brillenglas. Mit dem DAC212 Signature Edition zu hören, bedeutet keine Anstrengung, keine Ermüdung und sehr viel Genuss.
Preis: EUR 26,66
Ein dynamischer Roadtrip auf einer Straße mit kontrastreichen Konturen, eine Entdeckungsreise durch das Land der Sättigung dessen Wiesen mit reichhaltigen Informationen übersät sind. Sicher, schlechte Aufnahmen klingen immer noch schlecht, aber genau darin liegt die demütige Erkenntnis des High-End-Gerätes. Interessant aber ist eine Form von spürbarer Barmherzigkeit im Umgang mit verbrecherischer Audio- Qualität, denn selbst MP3-Dateien klingen immer noch musikalisch aufbereitet und dadurch zumindest zeitweise erträglich.

Die Punktmatrix ist so außergewöhnlich wie wunderschön. Nicht nur Inputs und Lautstärke werden angezeigt, auch ganze Softwaremenüs lassen sich darstellen

Es ist uns mit dem Wandler sogar gelungen deutliche Unterschiede bei den verwendeten Codecs verschiedener Streamingdienste herauszuhören, da die vom Wandler zur Verfügung gestellte Auflösung einem Mikroskop gleichkommt, mit dem man wahrscheinlich selbst die Quantenmechanik noch optisch überprüfen könnte. Viel lieber aber haben wir uns natürlich HighRes-Audio angehört. In der natürlichen, ehrlichen und wahrhaftigen Abbildung liegen schließlich auch die Stärken des Gerätes.

Eine Fernbedienung in Form eines Feuerzeugs ist erst einmal gewöhnungsbedürftig

Was wir jedoch nicht gehört haben, ist das Gerät selber. Kein Zischeln, kein Rauschen, keine Fehlabbildung. Zweifelsohne legt DiDiT hier einen guten Start hin. Manch einer wird zwar fragen, warum sollte man sich denn ein Gerät für fast 4 000 Euro kaufen, das im Endeffekt einen Raum der Stille erschafft und dabei selbst nicht zu hören ist? Ganz einfach: weil sich die Musik zwischen den Noten offenbart.

Test: DiDiT DAC212 Signature Edition - Meditative Metamorphose
Der DiDiT DAC212 Signature Edition folgt keinerlei klassischen Lehrbüchern der Elektrotechnik, sondern ist voll und ganz auf Übersetzen von Emotionen eingestellt. Er ist eine Leinwand für Kunst mit der Ausstrahlung einer Loftwohnung. Design und Technologie gehen dabei Hand in Hand und Schaffen in Symbiose einen Raum, der den Geist jeder Musik beflügelt.
Wiedergabequalität95%
Ausstattung/Verarbeitung96%
Benutzerfreundlichkeit100%
Preis-/Leistungsverhältnis90%
Vorteile
  • hohe Verarbeitungsqualität
  • tadelloser Klang
  • Plug & Play
Nachteile
  • Fernbedienung gewöhnungsbedürftig
95%Gesamtwertung
Leserwertung: (6 Votes)
49%

Bildquellen:

  • Relative-Level-192kHz-AES: Bild: Auerbach Verlag
  • DiDiT DAC212 Signature Edition Rückseite: Bild: Auerbach Verlag
  • DiDiT DAC212 Signature Edition: Bild: Auerbach Verlag
  • DiDiT DAC212 Signature Edition Remote: Bild: Auerbach Verlag
  • DiDiT DAC212 Signature Edition: Bild: Auerbach Verlag