Platzhirsche, aufgepasst!

JAM Audio Symphony, Rhythm: Bluetooth-Multiroom-Abspielgeräte gehören heute zum guten Ton. Vor allem die Marktanteile von Bose wecken Begehrlichkeiten bei anderen Herstellern. Wir haben mit JAM Audio einen der interessantesten Bose-Jäger ins Klanglabor eingeladen.

Seit über 20 Jahren bringt JAM Audio innovative Produkte auf dem Markt. 2015 starteten sie mit der Wireless-Premium-Serie. In Amerika gehören sie zu dem Kreis der Hersteller, die die meisten Bluetooth-Lautsprecher verkaufen. Ziel ist es für sie, ein tolles Design und sehr gute Klangqualität zu einem erschwinglichen Preis zu schaffen. In der Ausgabe 02/2016 nahmen wir den Bluetooth-Speaker Heavy Metal unter die Lupe. Ganz ist es ihm nicht gelungen den Bose Soundlink Mini II vom Platz zu stoßen, aber für knapp die Hälfte in der Anschaffung ist er allemal ein Blick wert. Nun haben wir ein Multiroom-System, das per WiFi funktioniert, erhalten und wollen dieses näher anschauen.

Symphony

Der große Speaker hört auf den komplizierten Namen HX-W14901BK. Da sich das niemand merken kann, wurde er schlicht und einfach „Symphony“ getauft. Mit seinen 4,5 Kilogramm und da er mit 35 × 19 × 15 Zentimetern auch nicht zu den kleinsten Multiroom-Lautsprechern gehört, verspricht er guten Klang.

Die eingelassene Steuerungseinheit mit Gummitasten auf dem Symphony

Die Front und die Oberseite ist mit Akustikstoff bezogen, wobei die Tonabgabe nur nach vorn erfolgt und die obere Bespannung lediglich ein optisches Schmankerl ist. Die Rückseite besteht nur aus Kunststoff. Bei näherer Betrachtung fällt das etwa 4 cm große Loch in der Rückwand auf, das wir nur von Stand- oder Regallautsprechern kennen – ein Bassreflexrohr. Wir sind positiv überrascht. Als einzigen haptischen Eingang wurde ihm ein Aux-In spendiert. An dieser Stelle merkt man sofort, dass er als Wireless-Speaker konzipiert wurde.

Obenauf wurde eine Steuerungseinheit integriert. Diese ist etwa drei Millimeter tief in die Oberfläche eingelassen. Sie ist dadurch sehr schnell erkennbar und optisch sehr schick. Die vier Tasten „Play“, „Pause“ sowie die beiden Lautstärkeregler haben eine Gummiabdeckung, so dass man keine Angst vor Fingerabdrücken haben braucht. Rundherum ist eine Edelstahlumrandung in der kleine LEDs leuchten. Sie zeigen die Preset-Auswahl, beziehungsweise den Verbindungsstatus mit verschiedenen Farben an.

Verkauft wird er als Stereo-Speaker mit integriertem Subwoofer. Zum Tragen kommen je zwei 3,8-cm-große Hochtöner, zwei etwa 5-cm-große Breitbandlautsprecher und ein 10-cm-großer Subwoofer.

Das große Bassreflexrohr sorgt für eine gute Tiefe

Rhythm

Der kleine Bruder soll laut seines Namens Rhythmus im Blut haben. Optisch passt er in die Wireless-JAM-Familie. Er ist ebenso mit Akustikstoff überzogen und das restliche Äußere besteht aus Kunststoff. Sein Volumen beträgt nur ein Drittel des großen Bruders und er bringt weniger als ein Kilogramm auf die Waage. Ein kleineres Bassreflexrohr verbaut JAM Audio auch im Rhythm. Im Inneren arbeiten zwei 5-cm-große Breitbandlautsprecher gemeinsam mit einem etwa 9-cm-großen Tieftöner. Ihm fehlen die zwei Hochtöner, die im Symphony zusätzlich werkeln. Dies macht sich natürlich klanglich bemerkbar. Doch dazu später mehr.

Die Steuereinheit des Rhythm

Das Besondere an ihm ist, dass man ihn im Gegensatz zum Symphony hochkant auf die Seite stellen kann. Dafür hat er an beiden Seiten gut ins Design eingearbeitete Gummifüße, die für einen festen Halt sorgen. Sein JAM-Logo ist drehbar, damit es im Bedarfsfall immer gut lesbar ist.

Auf der Oberseite ist eine Reihe von Gummitasten mit denen sich der Rhythm steuern lässt. Ihm fehlen jedoch die Presets, auf denen man einen Internetsender oder Playlist hätte ablegen können.

Beide Wireless-Speaker brauchen einen Stromanschluss, damit sie ihre Arbeit verrichten können.

Multiroom

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einem Multiroom- und einem Bluetooth-Lautsprecher. Letzterer ist für den mobilen Gebrauch konzipiert und besitzt fast immer einen eingebauten Energiespender. Einen Akku sucht man bei den meisten Multiroom-Speakern vergeblich. Denn diese sind für einen festen Platz in der Wohnung entwickelt worden. Genauso wie unsere JAM-Testmuster. Beide besitzen ausschließlich eine WiFi-Verbindung, bieten jedoch keine Unterstützung für 5-GHz-Netze. Bluetooth ist nicht vorhanden, so dass sie in ein bestehenden Netzwerk eingebunden werden müssen, damit ihnen Klänge entlockt werden können. Los geht’s!

Die Rückseite des Rhythm mit den Anschlußmöglichkeiten

Sobald man das richtige Netz ausgewählt hat, ist die Verbindung nur eine Sache von Sekunden bis sich die JAM-Speaker verbunden haben.

Wie üblich braucht man für die Steuerung der beiden eine App. Diese ist kostenlos in jedem Store downloadbar. Sie ist einfach aufgebaut und lässt sich einfach bedienen. Standardmäßig kann man die Speaker einzeln ansteuern oder Gruppen bilden lassen.

Klangtest

Bild: Amazon

Beide Lautsprecher beeindrucken mit einem warmen Klangbild, das viele Details erkennen lässt. Doch man sollte beide getrennt betrachten. Der Rhythm hat durch seine geringere Größe und die fehlenden Hochtöner eine nicht so gute Klangwiedergabe. Ihm fehlt trotz Bassreflexrohr eine gewisse Grundtiefe. Wenn man ihn leise spielen lässt, produziert er einen ausgewogenen Klangteppich. Uns hat der Symphony mehr überzeugt. Mit seinem großen Volumen erzeugt er automatisch mehr Druck in der Tiefe und besitzt eine überzeugende Größe, um seinen Namen gerecht zu werden. Das wiedergegebene Bühnenbild ist ordentlich. Er ist für größere Räume gedacht, während sein Bruder eher für die Küche oder das Bad geeignet ist. Wir füttern beide mit Musik von Elvis Presley. „Always On My Mind“ erklingt durch die Multiroom-Schallgeber. Elvis’ sonore Stimme steht bei beiden im Vordergrund. Das Schlagzeug wird präzise wiedergegeben und die Bass-Drum baut genügend Druck auf, um uns das Gefühl zu vermitteln, das Tanzbein schwingen zu müssen.

Das Logo prangt zurecht stolz auf den Speakern

Bild: Amazon.de

Nun wollen wir wissen, wie sie sich mit klassischer Musik schlagen. Dazu wählen wir den Star-Tenor Luciano Pavarotti mit dem Werk „Nessum Dorma“, der Arie des Prinzen Kalaf aus der Oper Turandot von Giacomo Puccini, in einer Aufnahme von 1990. Mit Leichtigkeit gelingt es Pavarotti, sich mit seiner Stimme über das Orchester zu setzen. Genauso überzeugt der Symphony mit der Wiedergabe. Die Räumlichkeit ist ganz ordentlich für einen Speaker dieser Größe. Auch die Verzerrungen halten sich in Grenzen. 

Wir sagen, testen und sich von dem großartigen Preis-Leistungsverhältnis begeistern lassen.

weitere Infos unter: www.jamaudio.com

Die Testbewertung bezieht sich auf den JAM Audio Symphony.

Test: JAM Audio Symphony, Rhythm
Das Klangbild des Rhythm ist warm, hat jedoch einige Schwächen auf Grund seiner Größe, um genügend Druck aufzubauen. Trotzdem könnte er eine interessante Alternative sein, wenn man auf der Suche nach einem Multiroom-System ist. Mit je zwei Hoch- und Breitbandlautsprechern und einem 10-cm-großen Tieftöner überzeugt der Symphony klanglich auf ganzer Linie. Mit einer hervorragenden Darstellung der Klangbühne und einem guten Detailreichtum macht seinem Namen alle Ehre. Er spielt kraftvoll auf und ist im Vergleich recht günstig. Testen.
Wiedergabequalität81%
Ausstattung/Verarbeitung84%
Benutzerfreundlichkeit87%
Preis/Leistungsverhältnis94%
Vorteile
  • multiroomfähig
  • leicht zu bedienen
  • kraftvolle, dynamische Klangwiedergabe
Nachteile
  • keine
86%Gesamtwertung
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Über den Autor

Erik Schober

Als Musiker und Dirigent verschiedener Orchester und Ensembles weiß ich genau, wie sich live die verschiedenen Instrumente und die menschliche Stimme anhört. Demzufolge habe ich hohe Erwartungen an eine Hifi-Anlage. Diesem schweren Urteil muss sich jeder Lautsprecher und das Zubehör bei mir stellen.

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