Die Österreicher von AKG stellen mit dem K812 einen Kopfhörer jenseits der 1 000 Euro Grenze vor. Wir testen, ob er bereit ist, die Champions-Leage der Kopfhörer aufzumischen.

Die besten Vorraussetzungen hat der K812 bereits. Er ist ausgestattet mit dem leistungsstarken Antrieb einer 53 Millimeter (mm) Membran aus kupferbeschichtetem Aluminium, schwebend in einem 1,5-Tesla- Neodym-Magnetensystem. Das klingt nicht nur gut, es verspricht vor allem einen besonders sauberen Klang. Mit der geringen Impedanz von 36 Ohm lässt sich dieser auch durch ein Tablet-PC, iPod oder Smartphone zuführen. Beim Öffnen des Kartons wird ersichtlich, warum der Kopfhörer in einer derart gigantischen Verpackung zu uns fand. In ihrem Inneren befindet sich nicht nur der Hörer mit dem üblichem Zubehör, sondern zusätzlich ein schicker Kopfhörerständer aus Holz. Eine nette Idee. Wir packen ihn vorerst beiseite und konzentrieren uns wieder auf das Wesentliche. Bei dem Kabel fällt uns auf, dass AKG von seinem Mini-XLR-Stecker abgewichen ist. Stattdessen verfügt der K812 über einen dreipoligen Stecker von Lemo. Dieser ist mit einem Bajonettverschluss verriegelbar und gilt klangtechnisch als hervorragend. Am anderen Ende befindet sich ein vergoldeter 3,5-mm-Klinkenstecker mit Schraubadapter auf 6,35 mm.

Verarbeitung

Die gesamte Konstruktion des K812 macht mit seinem klassischen Design optisch einen robusten Eindruck. Das gute Gefühl wird noch besser, wenn man ihn in den Händen hält: Er ist nicht gerade leicht, aber das Gewicht resultiert wahrscheinlich aus dem durchdachten Materialeinsatz. Die Verarbeitungs- Qualität ist anstandslos, der Bügel und die Scharniere des Klappmechanismuses sind solide verbaut. Der umschließende Federstahl und die Ohrmuschelaufhängungen aus Aluminium können das nur unterstreichen. Das Kopfband ist zweiteilig aufgebaut: oben sitzt ein Gewebematerial, während darunter ein Band aus mehrschichtigem, gewobenem Textilstoff den Abstand zum Kopf herstellt. Die Haptik ist überragend gut: großzügig bemessene, asymmetrische Ohrpolster sind mit atmungsaktiven Leder bezogen und schmiegen sich weich an die Haut an. Sie legen sich angenehm über das Ohr und tragen sich selbst nach einigen Stunden noch sehr bequem. Der Bügel ist auf verschiedene Größen verstellbar, rastet sauber ein und passt sich gut an. Er liegt sehr leicht auf dem Kopf und hat nur einen minimalen Anpressdruck. Leider bietet der Kopfhörer keinerlei Klappmechanismen zum Transport.

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Eine sehr gute Verarbeitungsqualität – ein Garant für lange Freuden mit dem K812

Sound

Um zu testen, wie sauber der K812 den oberen Frequenzbereich reproduziert, beginnen wir mit dem Stück „Some“ von Nils Frahm. Nach unserem ersten Eindruck klingt das Piano sehr transparent, man könnte beinnahe von einer hyperrealistischen Aufnahme sprechen. Es gibt keine Albernheiten oder Abschweifungen, alles wird absolut analytisch wiedergegeben. Die Anschläge kommen sehr linear mit einer herausragenden Feinaufl ösung, Präzision und Natürlichkeit, ohne unnötige Betonungen an. Die fragilen Ausklingvorgänge und dezenten Hallräume wirken absolut unaufgeregt und nüchtern. In den schnellen, hektischen Rhythmus des Tracks „Slow Drag“ von Smokey Joe & The Kid bringt der K812 mit seiner mikroskopischen Linearität eine klare Ordnung hinein. Die akkurate Abbildung der Bühne verschafft eine gute Übersicht und die zweifelsfreie Ortung der Schallquellen im Panorama. Die räumliche Weite ist gerade groß genug, um sich darin zurechtzufinden. Die Mitten klingen sehr natürlich und geben den Stimmen reichlich Platz, um sich zu entfalten. Sie fügen sich angenehm zwischen den Instrumenten ein. Auch mit dem schwungvollen „Moombahton“ von Impfbass kommt der Kopfhörer bestens zurecht. Die Drum versprüht Kraft im Grundton und treibt den Titel voran. Der Bass ist präzise und allgegenwärtig, wirkt aber auf keinen Fall aufdringlich. Der Kopfhörer klingt dynamisch, hat einen subtilen Tiefgang der nie ins Übertriebene umschlägt und mit höchster Impulstreue herauskommt. Wir hören einen Basslauf, der sich Note für Note mitverfolgen lässt und dabei authentisch bleibt, als würde man direkt auf der Bühne zwischen den Musikern stehen. Insgesamt bietet der K812 einen tadellos verzerrungsfreien Sound, der auch in der Tontechnik oder beim Mastering gnadenlos analytisch jede schlechte Aufnahme entlarven kann. Die ehrliche Wiedergabe zeigt alle Stärken und Schwächen, jedoch reproduziert er auch nichts, an dem man sich festhalten könnte. Keine hämmernden Bässe, keine schweren Mitten und keine aufbrechenden Ausreißer in den Höhen. Genau das ist es, was ihn so besonders macht. In unserem Test liefert der Kopfhörer zudem an sämtlichen Abspielgeräten ein souveränes Bild ab.

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Der mitgelieferte Holzkopfhörerständer komplettiert das Angebot und der Kopfhörer ist gleich immer aufgeräumt

Fazit

Der neue K812 von AKG spielt auf einem sehr hohen Niveau. Der Kopfhörer kann in allen Kategorien punkten, mit einem natürlichen Klang, einer guten Verarbeitung sowie einem angenehmen Tragekomfort. Er fi ndet Einsatz an sämtlichen Abspielgeräten zu Hause bis hin zum Mastering im Tonstudio. Die gnadenlose Ehrlichkeit der Wiedergabe ist atemberaubend, wenn auch zugleich sehr nüchtern. Durch seinen einzigartigen hyperrealistischen Sound grenzt er sich von den anderen Modellen scharf ab und hat sich bereits einen guten Platz auf den hohen Rängen gesichert. Der mitgelieferte Kopfhörerständer aus Holz zeigt die Exklusivität des Kopfhörers.

AKG K812: Das ultimative Abhörwerkzeug
Wiedergabequalität 91%
Ausstattung/Verarbeitung90%
Benutzerfreundlichkeit90%
Preis/Leistung90%
90%Gesamtwertung
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