"Der Musikinstrumentenbauer Gibson meldet Insolvenz an!" Diese Meldung ging gestern (02.05.2018) durch die Medien. Doch auch HiFi-Freunde könnten davon betroffen sein, immerhin gehört die Audiosparte von Philips seit 2014 zum amerikanischen Unternehmen.

Es begann 1894. Damals eröffnete Orville Gibson einen auf Mandolinen spezialisierten Laden in Kalamazoo. Dort experimentierte er mit Herstellungsverfahren herum, um Techniken aus dem Geigenbau auf Zupfinstrumente zu übertragen. Er fand diese Techniken, verkaufte die Patente daran sowie seinen Namen an eine Gruppe Geschäftsleute. Die gründeten 1902 die Gibson Mandolin-Guitar Manufacturing Company.

Schnell wurde Gibson bekannt für seine hochwertigen Mandolinen, Banjos und Ukulelen. Aber erst als die Nachfrage danach sank, weil Musiker eher zur Gitarre griffen, begann die wahre Blütezeit des Unternehmens. Sie bauten nämlich im großen Stil Gitarren. Dabei brachten sie bahnbrechende Innovationen auf den Markt, wie etwa den Einsatz von einstellbaren metallenen Spannstäben, truss rod genannt. Auch mit elektromagnetischen Tonabnehmern für Gitarren wurde früh experimentiert. Schon 1936 stellte das Unternehmen die ES-150 vor. Sie verfügte serienmäßig über einen solchen Tonabnehmer.

Neue Inhaber – schlechte Qualität

Ab Ende der 1960er Jahre ging es aber mit der hervorragenden Qualität der Gibson Gitarren zu Ende, denn Norlin Industries kaufte das Unternehmen. Die neuen Besitzer waren mehr an einer Gewinnoptimierung, als an hochwertigen Instrumenten interessiert. So kam es zu heftigen Umsatzeinbußen. Erst als Gibson im Jahr 1986 von Henry Juszkiewicz, Gery Zebrowski und David Berryman übernommen wurde, konnte die Marke wieder an die Qualität der Ära vor Norlin Industries anknüpfen.

Mit Philips übernommen?

In den 2010er Jahren begann Gibson, Anteile an Onkyo (2012) und TEAC (2013) zu übernehmen. Der größte Coup war aber 2014 die Übernahme der WOOX Innovations für 135 Millionen US-Dollar. In diese Firma hatte Philips kurz zuvor seine Audio-, Video-, Multimedia- und Zubehörsparte umgewandelt.

Diese Übernahme, so sehen es jedenfalls viele Analysten, sollte dann der finanzielle Todesstoß für Gibson werden. Im Februar 2018 wurde bekannt, dass die Amerikaner kurz vor der Zahlungsunfähigkeit stehen. Am 1. Mai meldete das Unternehmen schließlich Insolvenz an.

Insolvenz und Ende?

Der aktuelle Firmenchef Henry Juszkiewicz glaubt allerdings nicht an das Ende des Unternehmens. Er soll sogar Chef bleiben, während im Hintergrund Hedgefonds-Investoren die Macht übernehmen, so kann es der Pressemeldung entnommen werden.

Wichtig ist Juszkiewicz dabei, sich wieder auf das Hauptgeschäft zu konzentrieren: „Wir glauben, dass sich das Unternehmen durch die Entscheidung, uns wieder auf unser Kerngeschäft mit Musikinstrumenten zurückzubesinnen, sowie durch die substanzielle Unterstützung unserer Anleiheinhaber langfristig wieder stabilisiert und finanziell gesundet.“

Die Sparte Gibson Innovations soll abgewickelt werden. Dort finden sich die Marken Philips, Philips Fidelio, GoGear, Onkyo und Trainer wieder. Von der Abwicklung sind auch Mitarbeiter in Deutschland betroffen.

Allerdings wird die Marke Philips nicht vom Audio-Markt verschwinden. Zumal Philips Deutschland im Audio-Segment weiterhin aktiv ist und die Marke sicher bei anderen Unterhaltungselektronik-Herstellern begehrt ist. Sie würde dann einfach von einem Inhaber zum nächsten wandern.

Wird die Fokussierung auf alte Tugenden helfen?

Nun ist die Frage, ob Gibson wirklich daran gescheitert ist, dass sie sich nicht auf ihr Kerngeschäft konzentrierten. Die „Washington Post“ schrieb im Januar 2017 etwas zum schleichenden Tod der E-Gitarre. Dabei bilanzierte sie, dass Gitarrensound es beim jüngeren Publikum schwer hat. In den aktuellen Charts finden wir schwingende E-Gitarren-Saiten kaum. Die haben einfach immer etwas Altbackenes. Vielleicht ist die Insolvenz von Gibson nur der Vorbote einer neuen Zeitrechnung in der Musikgeschichte: die Zeit nach dem Ende der E-Gitarre.

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