Nach einem sehr überzeugenden Einstieg in die Szene präsentiert Bluesound nun die zweite Generation seines Multiroom-Systems. In einigen Punkten hat man die Geräte umfassend neu konzipiert, in anderen wiederum hält man an gelungenen Aspekten fest. Von Alex Rösser

Nicht zuletzt in der Welt des heimischen Hörgenusses wartet die anhaltende Technisierung mit zahlreichen Vorzügen auf. Wozu noch überschaubare Sammlungen kurzlebiger CDs im Wohnzimmer horten, wenn doch online eine endlose Bibliothek jederzeit abrufbar ist, welche obendrein keinen Staub ansetzt. Und weshalb im Wohnzimmer die Anlage an die Grenze der Belastbarkeit führen, nur um auch unter der Dusche noch zu Verdis „La Donna e Mobile“ singen zu können, wenn doch ganz unkompliziert und kabellos im ganzen Haus die Musik spielen kann? Vor knapp zwei Jahren berichtete AUDIO TEST (Ausgabe 6/14) über das erste Multiroom-System aus dem damals frisch aus der Taufe gehobenen Hause Bluesound – und war überaus angetan. Dass seitdem das Interesse an im ganzen Haus bequem fernsteuerbarer Musik stetig weiter wuchs, ist freilich nicht von der Hand zu weisen. Gleichsam gewinnen Online-Streaming-Dienste vor allem bei jungen Musikliebhabern weiter an Attraktivität. Somit lässt das jüngste Erscheinen der zweiten Generation des Blue-sound-Multiroom-Systems wohl die meisten HiFi-Herzen höher schlagen.

So auch die der AUDIO TEST-Redaktion, welche nicht nur durch Bereitstellung der Gerätschaften, sondern auch durch ein persönliches Treffen mit dem Bluesound-Experten Jan Kretschmer beehrt wurde. Beim ersten Blick auf die mitgebrachten Geräte fällt sofort auf, dass die zweite Generation des Bluesound-Multiroom-Systems in Sachen Optik neu konzipiert wurde. So kommen die Netzwerkplayer Node 2, Powernode 2 und Vault 2 in stromlinienförmiger Aufmachung daher. Außerdem hat man sich bei allen Geräten der neuen Serie gegen ein Hochglanzfinish entschieden. Somit ist ihr Auftreten elegant und zurückhaltend und läuft nicht Gefahr, schnell von Fingerabdrücken übersät zu sein. Die einzelnen Komponenten des Systems sind im Handumdrehen aufgebaut und angeschlossen.

Alle Netzwerkstreamer können mit Hilfe des Steuerungskreuzes on top bedient werden

Alle Netzwerkstreamer können mit Hilfe des Steuerungskreuzes on top bedient werden

Node 2

Der Bluesound Node 2 ist in Erinnerung an seinen Vorgänger kaum wiederzukennen. Dieser war durch seine hochgewachsene kubische Erscheinung ein echter Blickfänger. Der Node 2 besticht hingegen durch sein äußerst dezentes Auftreten. Mit seinen knapp vier Zentimetern (cm) Höhe ist er um einiges flacher als der Node der ersten Generation, welcher knapp viermal so hoch war. Weitere augenscheinliche Neuerungen bestehen in dem 3,5-Millimeter(mm)-Kopfhörerausgang am Frontpanel und der Steuereinheit auf der Oberseite des Geräts. Dort hat der Nutzer sowohl die Möglichkeit, Lautstärke und Titel zu ändern, als auch einen zentriert gelegenen Schalter zum Pausieren. Das gibt Punkte, denn beim Vorgänger fand man lediglich einen Stummschalter. Ein Blick auf die Rückseite des Node 2 eröffnet seine ebenfalls erweiterten Anschlussmöglichkeiten. Beließ man es beim Node noch bei einem analogen und einem optischen Ausgang, hat man beim Node 2 zusätzlich einen Koaxial-Ausgang und eine Anschlussoption für einen Subwoofer verbaut. Neben der Möglichkeit, den Node 2 über einen Netzwerkspeicher mit Musik zu füttern, findet der Nutzer ebenfalls eine Toslink/3,5-mm-Klinken–Combo. Des Weiteren hat man sich beim Node 2 für die Verbauung eines aptX-Codecs entschieden, um nun auch per Bluetooth Musik in CD-Qualität vom Zuspieler ans Gerät zu senden. Beibehalten hat man die rückseitige Anbringung des Netzwerkanschlusses, sowie Buchsen für USB-Speicher und -Service.

Ist der Node 2 erstmal über einen Stereoverstärker mit dem gewünschten Schallwandler verbunden, muss nur noch eine Verbindung zum heimischen Netzwerk hergestellt werden, um auf dessen Speicher zugreifen zu können. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen, kann der Netzwerkplayer Node 2 mit der Wiedergabe von hochauflösenden Dateien bis zu 192 Kilohertz (kHz) auf 32-bit aufwarten. Angeschlossen an unsere Referenzanlage überzeugt der Node 2 sofort durch eine hervorragende klangliche Darbietung. Die „Grillensymphonie“ von Georg Philipp Telemann klingt äußerst präzise in den feinen Texturen. Das Cembalo akzentuiert die Bewegungen der ersten Violine auf den schweren Zählzeiten sehr originalgetreu. Die Instrumentengruppen haben Platz zur klanglichen Entfaltung, ohne dabei einzelne Bänder zu separieren. Auch „Timtar“, ein neues Stück des nigerianischen Musikers Bombino, welcher traditionelle Musik der Tuareg mit Elementen aus Blues und Rock vermischt, ertönt in einer fabelhaften Tiefe. Das mit einer engen Kompression produzierte Werk weiß der Netzwerkplayer durchaus emanzipiert darzubieten. Die hintergründig eingewobene Percussion bleibt sehr deutlich differenzierbar, trotz der komplexen Umgarnung durch Gitarren, Schlagwerk und Gesang. Der Node 2 profiliert sich somit als ein durchaus audiophiles HiFi-Schmuckstück.

Ein gutes Team sind der Node 2 und der Powernode 2. Beide Netzwerkplayer sind top verarbeitet und einfach zu bedienen

Ein gutes Team sind der Node 2 und der Powernode 2. Beide Netzwerkplayer sind top verarbeitet und einfach zu bedienen

Powernode 2 und Vault 2

Beim „großen Bruder“ des Node 2, dem Powernode 2, verhält es sich nicht nur visuell, sondern auch im Hinblick auf Einrichtung und Funktionalität ähnlich. Wie auch das vorige Testobjekt ist der Powernode 2 blitzschnell angeschlossen und konfiguriert. Der markante Unterschied zwischen den beiden besteht im integrierten Stereoverstärker des Powernode 2. Der leistungsstarke HybridDigital-Verstärker, welcher übrigens auch von NAD (Schwesterunternehmen von Bluesound) verwendet wird, sorgt für eine Ausgangsleistung von 60 Watt (W) pro Kanal. Diese, so garantiert der Hersteller, soll dank Zusammenwirken mit dem 192kHz auf 32-bit D/A-Wandler auch bei hoher Lautstärke verzerrungs- und verlustfrei bleiben. Aufgrund des integrierten Verstärkers findet man an der Rückseite des Geräts Ausgänge für Bananenstecker. Wie auch beim Node 2 ist im Powernode ein ARM CORTEX A9, 1GHz Prozessor verbaut, um ohne Verzögerung und Qualitätseinbußen mit den anderen Geräten des Multiroom-Systems zu kommunizieren. Denn immerhin geht es um mehr als MP3. Per Lautsprecherkabel mit den Referenzlautsprechern verbunden, erweist sich das von Bluesound gegebene Versprechen als fundiert. „The Way Down Is The Way Up“, ein Orchesterwerk des Leipziger Komponisten Bernd Franke aus dem Jahr 2010 behält auch bei einem Lautstärkepegel dem Rande der physischen Erträglichkeit nahe alle Feinheit und spielt in ausgezeichneter räumlicher Präzision und Transparenz auf. Ob dies jedoch die preisliche Kluft zum Node 2 von ganzen 350 Euro rechtfertigt, obliegt ganz Ihnen.

Bevor die mobilen Lautsprecher zum gemeinsamen Einsatz kommen, soll noch kurz der „Große“ aus der Reihe der Netzwerk-Spieler Erwähnung finden. Für 1299 Euro ist der „Allrounder“ aus der neuen Bluesound-Reihe erhältlich. Optisch verfolgt der Vault 2 ganz klar die Linie des Node 2 und des Powernode 2. Sein mattschwarzes Kunststoffgehäuse gibt sich durch seine Höhe von 9cm schon etwas präsenter als die beiden Kleineren. Allerdings liegt hinter der robusten Verkleidung – im Gegensatz zum Node 2 und zum Powernode 2 – auch eine geräuscharme Zwei-Terrabyte-Festplatte verborgen, auf welcher eine recht geräumige Bibliothek angelegt werden kann. In der zentrierten horizontalen Aussparung liegt an der Vorderseite zudem ein CD-Slot versteckt. Mit dessen Hilfe können Datenträger eingelesen und direkt in hoher Auflösung (beispielsweise als FLAC-Dateien) auf dem Gerät gespeichert werden. Und das alles ohne Computer. Zusätzlich können beim Vault 2 gleich zwei USB-Speichermedien angeschlossen werden. Im Gegensatz zu den zwei bereits besprochenen Geräten entschied man sich bei der Wahl des Prozessors für einen Dual-Core ARM CORTEX A9, 1GHz. Dennoch dauert das Einlesen von CDs und der anschließende Konvertierungsprozess je nach gewähltem Format und Menge der Titel schon mal bis zu 30 Minuten. Jedoch arbeitet das Gerät selbstständig und zuverlässig – von der Möglichkeit, die Metadaten manuell zu korrigieren muss bislang kein Gebrauch gemacht werden, da das Gerät alle nötigen Informationen schnell im Internet ausfindig macht.

Der Vault 2 kommt mit einer zwei Terrabyte großen Festplatte zum Kunden. Ein CD-Ripper komplettiert das Angbot

Der Vault 2 kommt mit einer zwei Terrabyte großen Festplatte zum Kunden. Ein CD-Ripper komplettiert das Angbot

Die drei Lautsprecher

Während sich die Netzwerk-Spieler in ihrem Design sehr deutlich von ihren Vorgängermodellen unterscheiden, hielt man bei den portablen Lautsprechern Pulse 2, Pulse Mini und Pulse Flex die Linie der ersten Generation bei. Die beiden größeren – der Pulse 2 und der Pulse Mini – sind leicht geschwungenen in ihrer Erscheinung, ganz zu schweigen vom kleinen Pulse Flex, der sehr kompakt gehalten ist und somit ideal in jeder Tasche beim gemeinsamen Ausflug Platz finden kann. Auch die anderen beiden überzeugen durch einen clever gestalteten Griff an der Oberseite mit hohem Tragekomfort. Allerdings kann davon aufgrund fehlender Akkus nur beschränkt Gebrauch gemacht werden. Bei der Einrichtung der Lautsprecher verhält es sich ein wenig anders, als bei den Netzwerk-Playern. Eine physische Verbindung zum Netzwerk ist dabei nicht vonnöten. Stattdessen wählt sich der Benutzer mit Rechner, Smartphone oder Tablet in das von den Schallwandlern errichtete WLAN-Netzwerk ein, um in das Menü zu gelangen.

Dort kann sowohl das heimische Netzwerk konfiguriert, als auch jedem Lautsprecher individuelle Bezeichnungen zugewiesen werden. Man kann man ganz bequem vom mobilen Endgerät aus den einzelnen Komponenten Musik zuweisen. Benötigt wird dafür lediglich die Bluesound-App. Diese offenbart die mannigfaltigen Vorzüge des Bluesound-Multiroom-Systems. Neben der scheinbar endlosen Auswahl aus Internet-Radios hat man dort sowohl Netzwerkspeicher und geräteeigene Bibliotheken, als auch Streaming-Clients wie Tidal, Spotify oder Napster etc. übersichtlich aufgeführt. Dabei ist die Liste der unterstützten Services in der Tat ausreichend lang, alle üblichen Anbieter sind darin vertreten. Die Benutzeroberfläche der Bluesound-App bietet dem Nutzer nun die Möglichkeit, mehrere Geräte zu einer Gruppe zusammenzuschließen, um eine Wiedergabeliste simultan auf mehreren Geräten abzuspielen. Oder, um zwei Lautsprecher als Teil eines zusammenhängenden Systems zu verwenden – sprich, man ordnet je einen Lautsprecher einer Seite des Panoramas zu. Von großem Nutzen ist hier auch die TV-Learn-Funktion, anhand welcher sich die Lautstärke der Geräte auch per Fernbedienung des Fernsehers einstellen lässt.

Der Pulse 2 ist sehr groß und schwer – jedoch vollgepackt mit gutem Klang, um jede Party in Gang zu bringen

Der Pulse 2 ist sehr groß und schwer – jedoch vollgepackt mit gutem Klang, um jede Party in Gang zu bringen

Für den Test haben wir die einzelnen Komponenten des Multiroom-Systems in verschiedenen Bereichen aufgebaut und bereits die ersten Töne des Fagotts in Schostakowitschs Konzert Nr. 2 für Klavier und Orchester in E-Dur zeugen von der audiophilen Verarbeitung der kabellosen Schallwandler. Neben der synchronen, verzögerungsfreien Wiedergabe bestechen vor allem der Pulse 2 und der Pulse Mini durch einen äußerst brillanten Klang. Die 60W auf das 2.1 Tri-Amping-System lassen das Orchester kraftvoll und dennoch in den einzelnen Intrumentengruppen sehr emanzipiert aufspielen. Kein Wunder, denn im Pulse 2 ist ein D/A-Wandler von sage und schreibe 35-Bit auf 844kHz (!) verbaut. Dabei zeigt sich eindeutig, dass Bluesound, gegenüber Kollegen wie zum Beispiel Sonos, gut daran tat, ein erschwingliches Multiroom-System zu entwickeln, das in der Lage ist, hochauflösende Dateien darzubieten. Dank eines optimierten Kammerdesigns plus DSP-Entzerrung im Pulse 2 und Pulse Mini sind jeweils beide Kanäle in der Lage, störungsfrei ein und dieselbe Bassreflexöffnung an der Rückseite zu nutzen.

Der kleine Bruder muss sich nicht hinter dem Pulse 2 verstecken. Er besitzt fünf Presets, um die Einstellungen zu speichern

Der kleine Bruder muss sich nicht hinter dem Pulse 2 verstecken. Er besitzt fünf Presets, um die Einstellungen zu speichern

Auch der Pulse Flex weiß sich klanglich gut zu behaupten, wobei dessen großer Vorzug eindeutig in seiner Praktikabilität zu verorten ist. Auf der Oberseite des quaderförmigen Gehäuses des portablen Lautsprechers findet man neben den simplen Transport-Volumenreglern fünf Preset-Schalter, welche beispielsweise mit favorisierten TuneIn-Diensten belegt werden können. Ganz nach den individuellen Vorlieben des Nutzers. Auch der „Kleine“ aus der neuen Reihe ist mit einem hochwertigen 32-Bit-auf-196-kHz-D/A-Wandler ausgestattet, der dem kompakten 2-Wege-Lautsprecher eine für einen portablen Speaker ungemein hochwertige klangliche Performance ermöglicht.
Kasten:

Fazit

Mit der zweiten Generation des Bluesound-Multiroom-Systems hat das Tochterunternehmen der kanadischen Lenbrook Group ein bereits herausragendes HiFi-System weiter optimiert. Nicht nur in Sachen Optik, welche sich vor allem bei den Netzwerk-Playern der neuen Serie mehr an Funktionalität und eleganter Zurückhaltung orientiert, sondern auch klanglich wissen die einzelnen Komponenten die Begeisterung eines passionierten HiFi-Kenners zu schüren. Preislich absolut wettbewerbsfähig in Konkurrenz zu vergleichbaren Produkten, warten die Geräte mit einer klanglichen Hochwertigkeit auf, welche in diesem Preissegment nicht leicht wiederzufinden ist. Absolut empfehlenswert.

Bluesound Multiroom-System im Test: Schöne neue Welt
Wiedergabequalität93%
Ausstattung/Verarbeitung90%
Benutzerfreundlichkeit84%
Preis/Leistung96%
91%Gesamtwertung

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