Vor über drei Jahren hatten wir Nuberts nuControl Stereovorverstärker in der AUDIO TEST und hier auf Likehifi.de zu Gast. Auf den geernteten Lorbeeren hat sich Nubert jedoch nicht ausgeruht, sondern mit der nuControl 2 eine überarbeitete Version auf den Markt gebracht.

Nubert aus dem schönen Schwäbisch Gmünd sind der regelmäßigen Leserschaft dieser Publikation, aber auch dem Rest der HiFi-Szene natürlich ein Begriff. Das von Günther Nubert 1975 gegründete Unternehmen ist seit langem eine feste Instanz in der Herstellerlandschaft. Nubert ist vorrangig für hervorragende Lautsprecher bekannt. Vor allem zumal diese immer etwas mehr zu bieten wissen, als man zu ihrem jeweiligen Preispunkt erwartet. Das haben die Schwaben zuletzt mit der nuBox 313 und ihrem neuen Flaggschiff der nuPyramide 717 (Test in AUDIO TEST Ausgabe 5/18) abermals eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Aber abseits des riesigen Sortiments an Schallwandlern, hat die Firma auch seit einiger Zeit dedizierte Elektronik im Programm. Genauer gesagt die beiden Endstufenmodelle nuPower A und D und den Vorverstärker nuControl 2. Das macht nur Sinn. Zumal Nubert auch nicht erst seit gestern aktive Lautsprecher anbietet und somit sowieso schon in Sachen Verstärkung Erfahrung gesammelt hat. Mit der Nubert nuControl 2 kommen wir nun in den Genuss die neue Version von Nuberts Vorverstärker zu testen, der gegenüber seinem Vorgänger (► lesen Sie hier unseren Test) natürlich mit der einen oder anderen Neuerung aufwartet. Aber wir wollen nicht vorgreifen.

Test Review Nubert nuControl 2 Vorverstärker Stereo Klangmanager
Nubert setzt hier auf hochwertige Folienkondensatoren des bekannten Herstellers WIMA. Als Analog/Digital-Wandler kommen PCM1974 ICs von Texas Instruments zum Einsatz, die Auflösungen bis zu 24 Bit und Samplingraten von 192 kHz unterstützen. Der Ringkerntrafo des Netzteils ist innerhalb des Gehäuses nochmals extra abgeschirmt

Eleganz der Funktion

Auch bei der nuControl 2 bleibt sich Nubert in Sachen Formsprache treu. Das Design gibt sich klar und deutlich, mit dem Fokus auf Funktionalität. Aber nicht ohne dabei in der Aura auch Wertigkeit und eine gewisse zurückhaltende Eleganz auszuströmen. Das Gehäuse aus gebürstetem Aluminium mit seinen dezent abgerundeten Kanten wirkt einladend und angenehm modern. Erhältlich ist die nuControl 2 entweder mit schicker, schwarzer Beschichtung, oder quasi „au naturel“ in Silber. Die Frontplatte des mit 7 Kilogramm angemessen gewichteten Gerätes ist ebenfalls aus Aluminium gefertigt.

Auf ihr finden sich neben dem großen und mit angenehmem Widerstand laufenden Volumenregler, auch das blaue OLED-Display, welches stark an die Displays der aktiven Lautsprecher der nuPro Serie erinnert. Dieses ist gut hell und lässt sich auch bei unvorteilhaften Lichtverhältnissen gut ablesen. Zusammen mit den beiden Drucktastern zum Aufrufen des Menüs, der Rückkehr-Funktion und dem Steuerkreuz zur Navigation lässt sich die Vorstufe insgesamt vorzüglich und intuitiv bedienen. Mit einer kleinen Ausnahme, auf die wir aber später eingehen. Die mitgelieferte Fernbedienung jedenfalls, erfüllt ihre Aufgabe der komfortablen Bedienung von der Hörposition aus voll und ganz und bietet direkten Zugriff auf alle häufi g genutzten Funktionen.

Test Review Nubert nuControl 2 Vorverstärker Stereo Klangmanager Anschlüsse Rear
Die Rückseite von Nuberts Neuaufl age der nuControl strotzt nur so vor einer wahren Fülle analogen sowie diversen digitalen Schnittstellen

Smarte Schaltzentrale

Auch in Sachen Konnektivität lässt man sich bei Nubert nicht lumpen und hat der nuControl 2 eine Fülle an Einund Ausgängen spendiert. Diese befinden sich komplett auf der Rückseite des Gehäuses. Was analoge Anschlussmöglichkeiten angeht, finden sich neben jeweils einem Paar symmetrischer XLR-Verbindungen als Einund Ausgang, gleich sechs Stereopaare der obligatorischen Cinch-Buchsen. Drei der sechs Paare fungieren dabei schlichtweg als Line-Inputs, während die übrigen drei als Ausgänge dienen. Ein Paar ist dabei zum Anschluss von Subwoofern vorgesehen, während der Unterschied zwischen den beiden übrigen Ausgangspaaren darin besteht, dass der Recording-Ausgang nicht durch den Volumenregler beeinflusst wird.

An digitalen Eingängen stehen gleich jeweils zwei koaxiale und zwei optische S/PDIF-Anschlüsse bereit. Mehr als genug Optionen also, um Quellen digital in das Setup einzubinden. Allerdings steht des Weiteren auch ein USB-Schnittstelle zur direkten Verbindung mit einem PC oder Mac zur Verfügung. So kann die nuControl 2 auch als hochwertiger DAC für computerbasierte Wiedergabesysteme eingesetzt werden. Laut Anleitung benötigen Mac-User hierzu keine speziellen Treiber, während Windows-User diese zuerst von Nuberts Webseite herunterladen müssen. Mit unserem Testsystem, auf dem eine aktuelle Windows 10 Version installiert ist, war dies jedoch kurioserweise gar nicht nötig und der nuControl 2 wurde sofort nach der Verbindung via USB-Kabel als Ausgabegerät erkannt, USB-Audio-Standard sei Dank.

Aber das war immer noch nicht alles in Sachen Anschlüssen. Weiterhin stehen noch jeweils ein koaxialer und ein optischer Ausgang für digitale Signale bereit, die sich unter dem 12 V-Trigger Ausgang in der Rec-Out betitelten Sektion des Anschlussfeldes finden. Über letzteren kann man Steuersignale an andere Komponenten der heimischen Anlage schicken, so dass etwa beim Einschalten der nuControl 2 eine angeschlossen Endstufe es der Vorstufe automatisch gleichtut. Im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern setzt Nubert für den Trigger-Out nicht auf eine 3,5mm Klinkenbuchse sondern auf einen stabileren Anschluss im Mini-XLR Format. Ein passendes Adapterkabel befi ndet sich auch direkt im Lieferumfang. Sehr löblich!

Zwei Dinge, die den nuControl 2 zum vollständigen rundum sorglos Paket machen würden, vermissen wir leider dennoch. Einerseits wäre eine integrierte Phono-Vorstufe eine willkommene Dreingabe und andererseits vermissen wir als Freunde der Wiedergabe über Kopfhörer auch einen entsprechenden Ausgang. Jedoch kann man auch genauso gut argumentieren, dass wenn man sich sowieso seine Traumanlage aus einzelnen Komponenten zusammenstellt, man eben auch hier bei Bedarf nach eigenem Gusto aufrüsten kann.

Test Review Nubert nuControl 2 Vorverstärker Stereo Klangmanager Display
Das angenehm helle OLED-Display der nuControl 2 zeigt stets sowohl die aktuelle Stellung des Volumenreglers, als auch den momentan aktivierten Eingang an

Klangformung Deluxe

Nuberts Stereovorverstärker bietet allerdings auch noch ein ganz anderes Schmankerl. Die nuControl 2 ist mit einem digitalen Signalprozessor bestückt, der es ermöglicht in mannigfaltiger Art und Weise auf den Klang Einfluss zu nehmen und der bei Weitem den Funktionsumfang herkömmlicher Lösungen übertrifft. So findet sich hier etwa ein siebenbändiger, parametrischer Equalizer. Das kennt man eigentlich nur aus dem Studiobereich. Das Schöne an einer parametrischen Klangregelung ist, dass sich neben der Frequenz und dem Gain, auch die Güte der Entzerrung regeln lässt und man so sehr präzise den Klang formen kann. Vereinfacht gesagt, bestimmt die Güte, wie breitbandig die Anhebung oder Absenkung um die Mittenfrequenz des jeweiligen EQ-Bandes von statten geht. Somit können hier sehr exakt Probleme des Raumes, oder der angeschlossenen Lautsprecher ausgeglichen werden. Einziger Wermutstropfen ist, dass das Einstellen der Parameter eines jeden Bandes über ein extra Untermenü stattfindet, was die Bedienung stellenweise etwas fummelig macht. Eine grafische Lösung über eine App wäre hier das i-Tüpfelchen gewesen. Aber das ist meckern auf allerhöchstem Niveau.

Eine sehr geschmackvoll abgestimmte und effektive Zweiband-Klangregelung für Bässe und Höhen ist übrigens auch mit an Bord um schnelle Klangformung zu ermöglichen. Und praktischerweise kann man mit einem Druck auf die Pure-Taste der Fernbedienung sowohl die Zweiband-Regelung, als auch den parametrischen EQ auf einmal umgehen. Über eine Loudness-Funktion verfügt der schicke Schwabe ebenfalls. Dahinter verbirgt sich jedoch nicht etwa eine feste Bassanhebung. Vielmehr wird hier die Stärke des Bassboosts wirklich abhängig vom Wiedergabepegel bestimmt. Das ist mehr als nur sinnvoll, zumal sich so die Wiedergabe an das in den Fletcher-Munson-Kurven beschriebene frequenzabhängige Lautstärkeempfinden des menschlichen Gehörs anpasst. Die Funktion kann in zwei Intensitätsstufen geschaltet werden.

Wo wir gerade schon beim Thema Bass sind: Betreibt man die Nubert nuControl 2 mit Subwoofern, so kann man mittels Übergangsfrequenz und Flankensteilheit exakt die Abstimmung zwischen Subwoofer und den dann als Satelliten arbeitenden Frontlautsprechern bestimmen. Eventuell den Räumlichkeiten geschuldete, ungünstige Aufstellungen der Lautsprecher kann man wahlweise durch eine Pegelabsenkung von bis zu 20 Dezibel eines Lautsprecher kompensieren, oder aber durch eine entsprechende Laufzeitverzögerung. Besonders praktisch bei der zweiten Option ist, dass Nubert hier mit Meterangaben arbeitet, was für die meisten Anwender einfacher sein dürfte, als von Metern auf Millisekunden umzurechnen. Und als ob das nicht alles schon genug wäre, stellt Nubert auch noch diverse Klangpresets für eigene Boxenmodelle bereit, die parallel zu allen bisher genannten Option der Klangbearbeitung genutzt werden können, um die Basswiedergabe zu öffnen und zu erweitern. Anders als bei der ersten nuControl geben nun auch beide Digitalausgänge das bereits klanggeregelte Signal aus, was natürlich einen extremen Mehrwert darstellt.

Test Review Nubert nuControl 2 Vorverstärker Stereo Klangmanager  Fernbedienung
Die im Lieferumfang enthaltene Fernbedienung bietet schnellen Zugriff zu allen häufig gebrauchten Funktionen der Vorstufe

Klanglicher Wert

Das Datenblatt liest sich keinen Deut weniger beeindruckend. Der Frequenzgang der Vorstufe gibt sich mit 10 Hertz bis 24 Kilohertz bei einem Toleranzbereich von gerade mal ± 0,5 dB erstaunlich breitbandig und linear. Die Übersprechdämpfung betragt selbst ungewichtet über 90 dB und die Total Harmonic Distortion ist mit nur 0,0005 % angegeben. Hier also ebenfalls exzellente Werte. Zusätzlich erreicht die nuControl 2 an allen Eingängen, egal ob digital oder analog, einen Rauschabstand von 122 dB. Das weckt natürlich Erwartungen an den Sound. Dem wir uns auch jetzt sogleich widmen wollen.

Für unseren Test haben wir die nuControl 2 stilecht an Nuberts nuPower A Endstufe betrieben, die wenig überraschend einen perfekten Partner für unseren Testprobanden darstellt. Schon ohne Hilfe der Klangregelung ist der Sound als absolut direkt, klar und ausgewogen zu bezeichnen. Feinzeichnend, aber alles andere als langweilig oder nüchtern. Man vernimmt sofort, wie auch bei Nuberts Lautsprechern, diesen dicken, aber immer fest konturierten Bass. Das macht direkt Laune! Zumal die Wiedergabe hier auch nie ins Basslastige abdriftet. Stattdessen bietet die nuControl 2 knallige Transienten und eine fabelhafte Räumlichkeit.

Als ersten Beispielsong ziehen wird „Midnight Cruiser“ von Steely Dans berühmten Album „Can‘t Buy A Thrill“ heran. Und unsere Kette weiß das Werk der beiden genial verrückten Studionerds absolut würdig in Szene zu setzten. Die Vocals tönen herrlich klar aus den Lautsprechern, das Klavier klingt kräftig und voll und auch die Drums stehen dem in nichts nach. Dafür sorgt die schon erwähnte schnelle Wiedergabe, die die Transienten natürlich hält. Die Dynamikwechsel zwischen Strophe und Refrain werden mit dem nötigen Schmiss transportiert und durch die tolle Räumlichkeit kann man auch die Tiefenstaffelung, etwa zwischen den Lead- und den Backgroundvocals, in vollen Zügen genießen. Auch die wunderbar mittigen und kremig verzerrten E-Gitarren werden in ihrem Teils mit vielen Schnörkeln und Legatotechniken versehenen Spiel wunderbar detailliert gezeichnet. Klasse!

Zum Abschluss gönnen wir uns den Track „Street Fighter Mas“ vom hochgelobten Album „Heaven and Earth“ von Kamasi Washington. Schon wenn nach der ersten halben Minute das zweite Schlagzeug aus dem linken Lautsprecher purzelt und anfängt mit seinem Partner auf der anderen Seite des Panoramas Figuren umeinander zu tanzen, fällt es schwer nicht mit dem Kopf zu nicken. Die Kickdrums bilden zusammen mit dem knorrigen Synthbass einen mächtigen rhythmischen Anker für die Saxophontiraden des Bandleaders. Und dieser Chor! Direkt wie aus einem 60er Jahre Western. Generell klingt alles warm und aufgeräumt. Und die Nubert nuControl 2 gibt das alles so fantastisch wieder, als wäre sie nur dafür gebaut worden. Ist sie natürlich nicht, aber ganz Nubert gibt sie halt ehrlich das wieder, was ihr vorgesetzt wird, bleibt dabei aber flexibel genug, um auch verschiedene „Gschmäckle“ zu bedienen.

Weitere Infos unter: www.nubert.de

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien erstmalig in der Printausgabe von AUDIO TEST Ausgabe 6/2018.

Mehr spannende Produkttests finden Sie hier.

Test: Nubert nuControl 2 Vorverstärker - Volle Kontrolle
Mit der nuControl 2 stellt Nubert abermals unmissverständlich klar, dass die Schwaben nicht nur in Sachen Lautsprecher amtlich auffahren, sondern genauso in der Elektronik vorne mitmischen können. Mit seiner ausgewogen direkten Wiedergabe und vielfältigen Möglichkeiten zur Klangbearbeitung ist diese Vorstufe eine Bereicherung für jede Kette. Auch falls diese einmal nicht komplett von Nubert sein sollte.
Wiedergabequalität92%
Ausstattung/Verarbeitung89%
Benutzerfreundlichkeit97%
Preis/Leistung91%
Vorteile
  • direkte, ausgewogene Wiedergabe
  • Räumlichkeit
  • Stereobild
Nachteile
  • kein Kopfhörerausgang
92%Gesamtwertung
Leserwertung: (17 Votes)
40%

Bildquellen:

  • IMG_9923: Auerbach Verlag
  • IMG_9909: Auerbach Verlag
  • IMG_9906: Auerbach Verlag
  • IMG_9911: Auerbach Verlag
  • Nubert nuControl 2 Test: Auerbach Verlag