Test: Roberts Radio Stylus – Einstiegsklasse Plattenspieler für 359 Euro

Roberts Radio veröffentlichte im März letzten Jahres zwei neue Plattenspieler, welche nicht nur mit einem schicken Design, sondern auch mit integrierter Phonostufe und USB-Funktionalität überzeugen wollen. Was der Roberts Radio Stylus, ein Halbautomat mit Riemenantrieb für gerade einmal 359 Euro zu bieten hat, gehen wir in diesem Test nach.

Echt Stylisch

Der britische Hersteller Roberts Radio ist vor allem dank seiner tragbaren und namensgebenden Radios bekannt. Im Jahre 1932 von Harry Roberts und Leslie Bidmead gegründet, steht bei Roberts ein gutes Design genauso im Fokus, wie guter Klang.

Im März letzten Jahres stellte der Hersteller zwei neue Plattenspieler vor: zum einen den riemenangetriebenen Stylus und den Direktantriebler Stylus Luxe. Beide sollen dank einer integrierten MM-Phonostufe und einer USB-Schnittstelle einen modernen und einsteigerfreundlichen Zugang in die Welt des Vinyls ermöglichen.

Während der Stylus Luxe 579 Euro kostet, ist der Stylus, den wir in diesem Test näher kennen lernen werden, mit 379 Euro nochmals erschwinglicher. Ein echter Einstiegsplattenspieler also.

Design

Das Design des Stylus ist im gleichen Maße Retro-schick wie zeitlos modern. Die Kombination aus schlichter Zarge in Holzoptik und dem schwarzen Plattenteller ist äußerst stilvoll, ohne altbacken zu wirken. Das an das vergangene Jahrhundert erinnernde Firmenlogo verleiht dem Plattendreher zusätzlich etwas Vintage-Stil. Die bereits erwähnte Zarge ist relativ dick und aus Eichenfurnier gefertigt. Auf der Unterseite ist eine dünne Bodenplatte befestigt. Der Dreher steht auf vier Gummifüßen, die leider nicht höhenverstellbar sind. Der Plattenteller des Stylus besteht aus Aluminiumguss. Er wird vom Motor über einen Flachriemen angetrieben, was dem Riemenantrieb seinen Namen verleiht.

Der Motor, die Achse und auch der Tonarm sind ausreichend fest verbaut. Es gibt kein spürbares Spiel oder Wackeln. Alles sitzt fest. Der Tonarm ist recht simpel konstruiert. Er besteht aus einem geradem Alurohr und ist kugelgelagert. Der Tonabnehmer sitzt in einer Headshell mit Bajonett-Anschluss, was das Wechseln des Abnehmers angenehm erleichtert. Im Lieferumfang ist der AT3600L Tonabnehmer von Audio-Technica enthalten. Dieser funktioniert zweckmäßig. Jedoch ist er mit einem Preispunkt von knapp 40 Euro samt Headshell kein audiophiler Überflieger. 

Der Roberts Stylus ist ein Halbautomat. Aufmerksame Leser werden wissen, was dies bedeutet, aber hier noch einmal zur Erklärung für die Neulinge. Halbautomat bedeutet, dass er automatisch anfängt sich zu drehen, sobald man die Nadel in Richtung Teller bewegt. Schaltet man die Auto-Off Funktion auf der Rückseite an, stoppt der Roberts sogar den Teller, sobald die Nadel am Ende der Platte angekommen ist. 

Tonarm des Roberts Stylus.
Der gerade Tonarm besteht aus einem Aluminiumrohr und ist kugelgelagert. Leider ist er nicht höhenverstellbar.

Phonostufe und USB

Wie bereits erwähnt, hat der der Roberts Stylus einiges an Bord, was den Plattenspieler noch flexibler machen soll. So zum Beispiel eine integrierte Phonostufe für MM-Tonabnehmer, welche auf der Rückseite mit einem Schalter optional aus- oder zugeschaltet werden kann. So lässt sich der Stylus auch direkt mit den Line-Eingänge eines aktiven Lautsprechers oder ähnlichem verbinden. Ein Phono-Vorverstärker ist also theoretisch nicht nötig. Wer noch einen Schritt weiter gehen und die Schätze seiner Plattensammlung digitalisieren möchte, wird an der USB-Schnittstelle des Robert Stylus Gefallen finden. Diese ist recht bedienungsfreundlich. 

Wir müssen lediglich den Plattenspieler mittels des mitgelieferten USB-Kabels mit einem Computer verbinden. Nun benötigt man nur noch eine Software für die Aufnahme. Ein solches Programm, auch DAW (kurz für Digital Audio Workstation) genannt, ist zum Beispiel Audacity, welches kostenlos verfügbar ist. Jetzt müssen wir lediglich den USB-Anschluss, an dem der Stylus hängt, als Eingang für die Aufnahme in der DAW wählen und schon sind wir bereit.

Sobald die Nadel auf der Platte ist, spielt der Stylus den Ton analog und digital aus. Die Aufnahme in Audacity läuft. Natürlich ist auch jede andere Software, die eine Audioaufnahme bewerkstelligen kann, geeignet. Man sollte nur darauf achten, das Signal in der Software gut einzupegeln, da man schnell Gefahr läuft, es zu übersteuern, denn der Stylus gibt den Ton ziemlich laut aus.

Rückansicht des Roberts Stylus.
Der Plattenspieler ist ein Halbautomat und verfügt über weitere nette Funktionen wie Auto-Stop, einen integrierten Pre-Amp und eine USB-Schnittstelle. Die Zarge des Stylus ist aus Eichenfurnier gefertigt und mit einem matten Lack versehen. Eine standardmäßige Abdeckung ist ebenfalls dabei.

Praxistest

Wir testen zunächst den Roberts Stylus an einer externen Phono-Vorstufe. Hier zeigt er sich als klanglich sehr flexibel. Ganz gleich, was wir auf den Drehteller legen, der Stylus agiert versiert. Den Anfang machen Fritz Kalkbrenner und Ben Böhmer mit „Just The One“, ein melodischer Dancesong aus dem Jahre 2020. Bei der leichten Percussion zeigt der Stylus, dass er Transienten durchaus knackig und präzise darstellt. Auch die Kickdrum hat ordentlich Druck.

Mit ebenso adäquater Präzision stellt der Roberts die Flächen aus verschiedenen Synthesizern dar, welche schwebend, in ständiger Bewegung aufkommen und verfließen. Die Stereobreite des Plattendrehers ist sehr beachtlich, wie es sich auch beim nächsten Titel, den wir den Stylus spielen lassen, zeigt. „Introvert“ der britischen Rapperin Little Simz ist ein vielschichtiges Epos aus triumphalen Bläsern, groovigen Beats und den prägnanten Texten Simz’.

Diese komplexe Komposition bringt den Plattenspieler nicht aus dem Konzept. Die Stimme klingt natürlich und präsent, während sich die Streicher und Chorgesänge schön im Hintergrund eingliedern. Den Abschluss unseres Klangtests macht Pink Floyd mit „Comfortably Numb“ aus dem 1979 erschienenen Album „The Wall“. Wir legen die Remastered Version von 2011 auf den Teller und lassen uns von einem der Highlights des wohl bekanntesten Konzeptalbums überhaupt mitnehmen.

Der britische Plattenspieler weiß, dieses fast sechseinhalb minütige Lied mit einer überzeugenden Feinfühligkeit und Tiefe darzustellen. Vor allem der Gesang von Roger Waters und die Gitarrensoli von David Gilmour lässt er mitreißend ertönen. Keine Frequenz reißt aus. Die Höhen sind angenehm, ohne spitz zu sein. Die Mitten sind schön natürlich und auch der Tieftonbereich ist präsent ohne überbetont zu sein. 

Integrierte Phonostufe

Abschließend nutzen wir den integrierten Pre-Amp. Im Vergleich zu der Phonostufe, welche wir zuvor nutzten, büßt der Roberts etwas an Details und Finesse ein. Vor allem der Bass geht ein Stück zurück, was bei Regallautsprechern jedoch völlig zu verkraften ist, ziehen wir in Betracht, welch unkomplizierte und kostengünstige Lösung ein integrierter Phono Pre-Amp darstellt. Schließlich können wir gänzlich auf einen zusätzlichen Vorverstärker verzichten. Wir brauchen nur einen Aktiv-Lautsprecher mit einem Line-Eingang oder einen einfachen Verstärker bzw. Kompaktanlage mit Aux. Für jeden, der einen (Wieder-) Einstieg in die Vinylwelt wagen möchte, reicht das völlig aus. Zudem ist der Pre-Amp auch deaktivierbar. Man kann also immer noch aufrüsten, wenn man Gefallen gefunden hat und sein Setup ausbauen möchte.

Eine weitere Möglichkeit, um aus dem Stylus noch einiges mehr herauszuholen, ist ein hochwertigerer Tonabnehmer. Wie bereits erwähnt, ist der verbaute Audio-Technica recht simpel. Ein deutlich detailreicheres Klangbild wäre mit einem anderen System möglich. Leider bietet der Stylus wenig Möglichkeiten zur Justierung. Weder Füße noch Tonarm sind in der Höhe verstellbar, was schade ist, da dies dem Dreher etwas im Wege steht. Doch wer einen schicken, kompetenten und flexiblen Plattenspieler sucht, der auch noch zur Digitalisierung der alten Vinylschätze geeignet ist, wird mit dem Stylus von Roberts Radio seine Freude haben.

Preis und Verfügbarkeit

Den Roberts Radio Stylus Einstiegsklasse Plattenspieler gibt es zum Preis von 359 Euro (UVP) im Fachhandel zu kaufen.

Datenblatt Roberts Radio Stylus

Allgemein
GeräteklassePlattenspieler
HerstellerRoberts Radio
ModellStylus
Preis (UVP)359 Euro
PreiskategorieEinstiegsklasse
Maße (B/H/T)45 × 13,7 × 37 cm
Gewicht5,1 kg
Informationenwww.robertsradio.de
Technische Daten*
TonabnehmerAudio Technica ATN3600L Stylus
MotorDC-Motor
AntriebRiemenantrieb
SteuerungHalbautomat
AnschlüsseCinch, Masse
Phono-Vorverstärkerja
integrierter DACja
Bluetoothnein

*Herstellerangaben

Webseite: www.robertsradio.com

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 07/2023

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Fazit
Der Roberts Stylus ist der richtige Plattenspieler für alte und neue Vinylfreunde, denen sowohl ein schickes Design, sowie Komfortfeatures, wie integrierter Pre-Amp, wichtig sind. Außerdem ist er ein Halbautomat, der sogar eine (deaktivierbare) Endabschaltung besitzt. Dank der USB-Schnittstelle lassen sich zudem die Vinylschätze in die digitale Welt übertragen.
Wiedergabequalität
83
Ausstattung/Verarbeitung
80
Benutzerfreundlichkeit
80
Preis/Leistung
90
Leserwertung0 Bewertungen
0
Vorteile
schickes Design
guter Klang
Nachteile
wenig Aufrüstmöglichkeiten
Füße nicht justierbar
83
Gesamtergebnis