Philips präsentierte 2020 den neuen Kopfhörer seiner Top-Shelf-Kollektion Fidelio. Wir haben uns den Fidelio X3 für ein paar Wochen aufgesetzt und sind gespannt, ob er seinen Vorgänger X2 übertreff en wird.

High Fidelio

Obgleich die HiFi-Landschaft gespickt ist mit Expertinnen und Experten, Herstellern und Fabrikanten, verhält es sich doch meist so, dass sich ein Unternehmen auf wenige Geräteklassen spezialisiert, um sich durch die damit einhergehende Expertise in die Herzen das Fachpublikums zu spielen. Während einige ihr Portfolio streng auf einen Produkttypus reduzieren, ist manch Anderer mehrgleisig unterwegs und fertigt beispielsweise sowohl Verstärker und Zuspieler, als auch Kopfhörer und Lautsprecher.

Deutlich seltener haben wir es in der AUDIO TEST jedoch mit Herstellern zu tun, welche auch oder vor allem jenseits der Elektroakustik als Big Player agieren. Vor allem der Name Philips wird doch auf den ersten Blick eher mit unseren Schwestermagazinen HDTV und HAUS & GARTEN TEST assoziiert. Denn abgesehen von Smartphones und Computer-Geräten gibt es eigentlich kaum etwas, dass das niederländische Unternehmen nicht vom Band bringt: Neben TV-Geräten, Gesundheits- und Hygieneartikeln fertigt Philips eine breite Palette verschiedenster Haushaltsgeräte und sogar Kfz-Peripherie!

Jedoch ist auch die breit angelegte Klangsparte des Herstellers nicht von ungefähr. So kennt bestimmt der ein oder andere die kultige E-Orgel Philicorda, welche bereits seit den 1960ern immer wieder ihre unverkennbare Signatur in der Musikgeschichte hinterlässt. Aber auch „passive“ also hörende Musikfans kommen bei Philips seit jeher auf ihre Kosten. So gehört audiophile Lifestyle-Elektronik schon seit längerem zum Katalog der Holländer. Vor allem Kompaktsysteme und Klangsupport für Unterhaltungselektronik, wie etwa Soundbars und Subwoofer, gehören dabei zum Kerngeschäft des Herstellers.

Jedoch hat man auch immer wieder ein gutes Händchen für „echtes“ HiFi unter Beweis gestellt. So auch in der AUDIO TEST, wo Philips bisher immerhin satte 16 mal vertreten war. Etwa mit dem Soundboard HTB4150B, oder dem Suround-Set Fidelio E6. Für den ganz großen Wurf hat es dabei bisher jedoch noch nicht gereicht. Das bisher beste Testergebnis fuhr dabei ein anderer Vertreter der klangvollen Fidelio-Kollektion und somit ein Vorgänger unseres aktuellen Testmodells ein: Der Philips Fidelio X2 Kopfhörer errang in AUDIO TEST Ausgabe 04/2015 ein Ergebnis von 86 % und überzeugte den Kollegen Tobias Hecklau vor allem ob seiner detailreichen und gut abgestimmten Performance.

Mit dem Philips Fidelio X3 betritt nun der dritte Vertreter der Kopfhörer-Reihe die HiFi-Bühne – auch, um sich unserer Kritik zu stellen.

Philips Fidelio X3 Kopfhoerer Test Review Headphone Review
Die Bauweise mit doppeltem Kopfbügel verleiht dem Fidelio Tragekomfort und Flexibilität. Auch nach längeren Hörsessions wird der Kopfhörer nicht unbequem.

Philips Fidelio X3 Over-Ear

Wenngleich das sehr wohlklingende Wort Fidelio phonetisch eine Verwandtschaft mit dem Wort Fidelity vermuten lässt, so hat es per se erstmal nichts mit Schwingung oder anderen akustischen Komponenten zu tun. Fedelio geht zurück auf auf die lateinische Vokabel fidelis und bedeutet so viel wie „treu“ oder „aufrichtig“ – Es möge nun einleuchten, warum Eleonore in Ludwig van Beethovens Oper den titelgebenden Namen Fidelio wählt. Aber das nur am Rande. Denn wir haben es für diesen Testbericht nicht in erster Linie mit Musiklektüre sondern mit einem offenen Over-Ear-Kopfhörer zu tun, welchen der Hersteller für einen recht günstigen Marktwert von nicht mal 350 Euro (unverbindliche Preisempfehlung) offeriert.

Der Fidelio X3 ist, wie der Name es bereits nahelegt, der dritte Modell dieser Art, welchen Philips auf den Markt bringt. Bereits im vergangenen Jahr präsentierte das Unternehmen den Kopfhörer, welcher prompt aus dem Stand den Industrie Forum Design Award und den reddot Design Award einheimste. Nicht zu unrecht, wie wir finden. Denn der Fidelio X3 macht eine hochwertige und anmutige Erscheinung. Die beiden mit grauem Textilbezug aus dem Hause Kvadrat versehenen offenen Ohrschalen sind in einen eleganten anthrazitfarbenen Rahmen eingelassen.

Dabei sind sie nur über einen beinahe unsichtbaren Verbindungspunkt am Rahmen fixiert und scheinen somit in ihren Halterungen zu schweben. Diese sind über einen inneren und einen äußeren Bügel mit einander verbunden. Dies dient nicht nur der Gewichtsminimierung und somit dem Tragekomfort, sondern lässt den Fidelio sich optimal an die Kopfform anpassen.

Technisch vertraut Philips beim Fidelio X3 auf die bereits offene Bauform, welche der Performance des Kopfhörers optimale Räumlichkeit verleihen soll, ihn jedoch auch störanfälliger für Umgebungsgeräusche werden lässt. Doch wer sich für einen offenen Kopfhörer entscheidet, ist sich meistens darüber im Klaren, dass sich Modelle dieser Art eher für Indoor-Sessions eignen, da nicht nur Umgebungsgeräusche stören können, sondern auch Personen in der Umgebung sich von austretenden Signalen gestört fühlen können.

Für die Schallwandlung greift Philips beim Fidelio X3 Over-Ear Kopfhörer auf einen 50 Millimeter messenden Akustik-Treiber zurück. Dieser ist den anatomischen Bedingungen des Ohres entsprechend leicht eingewinkelt, um so direkt wie möglich in den Gehörgang abzustrahlen. Neben einem Neodymmagneten verfügen die Treiber jeweils über eine Membran aus mehreren mit Dämpfungsgel gefüllten Polymerschichten.

Ob seiner technischen Ausstattung ist der Philips Fidelio X3 Kopfhörer somit sogar Hi-Res-fähig. Bei seinem Frequenzumfang von 5 Hertz (Hz) bis 40 000 Hz und einer Nominalimpedanz von 30 Ohm lässt das Gerät erstmal keine großen Besonderheiten verzeichnen, wenngleich sich auch hier ablesen lässt, dass man bei einem mobilen Einsatz etwa via Smartphone nicht auf bestmögliche Performance zu hoffen braucht. Aber wie bereits erwähnt, ist es beim Kauf eines solchen Modells sowieso eher untypisch, auf eine solche Verwendung abzuzielen.

Für unseren Test bemühen wir zwei verschiedene integrierte Kopfhörerverstärker. Zum einen den des Vollverstärkers A-9555 von Onkyo, zum andden des Clarett 8 PreX ADC-/DACs von Focusrite.

Die Hörschalen sind mit einer eleganten Textilbespannung versehen und scheinen quasi in ihren Rahmen zu schweben. Designtechnisch fährt Philips hier voll auf.

Raumkünstler im Klangtest

Soviel vorweg: An beiden Geräten macht der Philips Fidelio X3 Over-Ear eine überaus gute Figur. Zum Einstieg hören wir auf Vinyl das vor wenigen Wochen erschienene zweite Album „KIDS“ der Israelischen Künstlerin Noga Erez. Die mit einem großartigen Gefühl für Überraschung komponierte Platte funktioniert auf unserem Testmuster des Fidelio X3 ganz hervorragend. Angefangen bei der makellosen Abstimmung des Kopfhörers, welcher knackigen Bässe auch in gefährlicher Nähe zur unteren Hörschwelle sauber strukturiert. Immer ein gutes Zeichen, wenn ein Kopfhörer Bässe zu spielen weiß, anstatt sich spielen zu lassen.

Gleichzeitig überzeugt der Kopfhörer durch eine sehr impulsfreudige Darbietung und große Detailfülle. Feine glitzernde Synth-Texturen werden mit ebenso viel Schmelz und Timbre wiedergegeben wie Noga Erez unverkennbarer, lakonisch sprachlicher Alt. Am meisten begeistert uns jedoch die Räumlichkeit des Fidelios. Diese ist schon bei Noga Erez „Knock Out“ sehr gut nachzuvollziehen, als ein Helikopter durch den Mix rauscht.

Jedoch lässt sich Talent für Raumklang nirgends so gut überprüfen wie bei klassischer Musik. Und was läge da näher, als den einen Fidelio dem anderen vorzustellen. Daher hören wir eine DECCA-Aufnahme von Beethovens erster und letzter Oper „Fidelio“, mitgeschnitten auf dem Lucerne Festival 2011. Besonders an dieser Aufnahme ist die deutlich hörbare Aufführungssituation.

Für diesen Test tatsächlich vortrefflich, da der Philips Fidelio X3 hier seine wirklich ausgezeichnete Räumlichkeit unter Beweis stellen kann. Nicht nur die Raumakustik des Kulturund Kongresszentrum Luzern, sondern auch das Orchester selbst wird vom Kopfhörer extrem plastisch gestaltet und zeichnet sich durch seine große Weite und eine fein gezeichnete Hallfahne aus.

Gleichzeitig lassen sich nicht nur die Stimmgruppen sondern auch die Sängerinnen und Sänger der Aufführung präzise auf der Bühne lokalisieren. Sogar die Bewegungen der Darstellenden über die Bühne lassen sich sehr präzise nachvollziehen. Philips darf sich also freuen, mit dem Fidelio X3 HiFi-Kopfhörer einiges an Punkten gesammelt zu haben in unserer Bestenliste.

Preis und Verfügbarkeit

Zum Zeitpunkt unseres Tests lag der Preis für den Philips Fidelio X3 HiFi-Kopfhörer bei 349 Euro (UVP). Aktuell (Stand Juli 2022) können Sie den Fidelio X3 Kopfhörer bereits für 169 Euro kaufen.

Webseite: www.philips.de/fidelio-x3

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 04/2021

▶ Lesen Sie hier: Test: Philips Fidelio L3 – Over-Ear-Kopfhörer mit Bluetooth

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Test: Philips Fidelio X3 - Over-Ear HiFi Kopfhörer mit Kabel
Mit dem Fidelio X3 gelingt dem niederländischem Technik-Giganten Philips endlich ein elektroakustischer Meilenstein. Klanglich weiß der Kopfhörer mit weitaus teureren Modellen mitzuhalten, was wohl nicht zuletzt an den preispolitischen Privilegien eines Herstellers dieser Größenordnung liegen mag. Sehr gut gestaltet und verarbeitet und nicht zuletzt vor allem in Puncto Raumklang ist der Fidelio X3 ein echter Geheimtipp.
Wiedergabequalität 91%
Ausstattung/Verarbeitung 75%
Benutzerfreundlichkeit 90%
Preis/Leistung85%
Vorteile
  • Raumklang
  • ansprechendes Design
  • Text Text
Nachteile
  • kein
87%Philips Fidelio X3
Leserwertung: (1 Judge)
85%

Bildquellen:

  • Philips-Fidelio-X3-Kopfhoerer-Test-Review-02: Philips
  • Philips-Fidelio-X3-Kopfhoerer-Test-Review-03: Philips
  • Philips Fidelio X3 Kopfhoerer Test Review 01: Philips