Melco N1A: Wir sind voller Vorurteile in diesen Test gestartet – was hat eine Netzwerk-Festplatte mit audiophilem Klang zu tun? – um damit zu Recht auf der Nase zu landen. Kurz: So einiges. 

Computer adé, sich Scheiden tut…

Es ist aber auch wirklich nicht leicht der Bequemlichkeit zu widerstehen, einfach einen Laptop oder Desktop-Computer mit einer brauchbaren Soundkarte oder sogar einem erhabenen Wandler an die heimische Anlage anzuschließen. Wenn es nicht immer so hässlich wäre und wenn man sich je nach Konfiguration nicht leider immer noch viel zu oft hochfrequente Einstreuungen und Störgeräusche in den Signalweg holen würde. Doch die Vorteile einer zentralen, computergestützten Datenbank, die all unsere Lieblingstitel nicht nur hochaufgelöst, sondern auch in Form von Playlisten am besten noch per App zur Verfügung stellt, sind einfach zu verführerisch. Das hat Makoto Maki sich wohl auch gedacht. Maki, seines Zeichens Begründer der Maki Electronic Laboratory Company, oder kurz Melco, machte in den 70er und 80er Jahren von sich reden, als er einen schwergewichtigen Plattenspieler auf modularer Basis mit Riemenantrieb und Pabst-Motor vorstellte.

Das massive Netzteil erinnert an industrielle Computerbauweise, ist aber um zusätzlich um einen sehr effektiven Noise-Filter erweitert.
Doppelt hält besser. Zwei Festplatten beinhaltet der N1A, wahlweise konventionell als vier Terabyte-Variante oder gespiegelt als zwei Terabyte RAID1-System. Melco kann auf die jahrelange Expertise in Computerperipherie von Buffalo zurückgreifen. Das ist an den verwendeten Chipsätze und Platinen gut zu erkennen

Später verlagerte sich das Geschäftsfeld von Maki in Richtung Computerperipherie, Laufwerke und Speichermedien und wurde unter dem Markennamen Buffalo weltbekannt. Angekommen im 21. Jahrhundert, frischt die Passion für HiFi in ihm wieder auf. Das hat die Wiederbelebung der Marke Melco zur Folge, die sich nun mit dem High-End-Audio NAS und Medienstreamer N1A präsentiert. Dabei ist zu betonen, dass es sich keineswegs nur um eine Festplatte im 43 Zentimeter-Format oder einen abgespeckten Computer handelt. Das gesamte Konzept lebt audiophil in all seinen Details und das kann man auch hören. Wie soll das denn gehen, stellt man sich ganz schnell die Frage, wohl auch mit Recht, ist eine Datenbank rudimentär gesehen ja nichts weiter als Speicher für Nullen und Einsen. Wir erklären es Ihnen.

Die schwingungsabsorbierenden Füße der Firma TAOC absorbieren nicht nur den Trittschall oder Bass der Anlage und schützen somit Festplatten, sie machen den N1A umgekehrt auch unhörbar

Saubermann-Image

Es beginnt bereits beim imposanten Netzteil, welches nicht nur in Industriequalität ausgeführt, sondern auch noch mit einem Noise-Filter versehen ist. Mit etwa 60 Watt Verbrauch zieht der N1A dabei in etwa so viel wie ein Notebook am Ladekabel. Das Herzstück der Bibliothek sind zwei von Schwingungen entkoppelte Seagate-Festplatten mit jeweils zwei Terabyte Kapazität, wahlweise zusammen als vier Terabyte Speicherlösung, oder aber als gespiegeltes RAID-System nutzbar, was die Psyche beruhigt und das Volumen halbiert. Das Gerät läuft ohne Lüfter und ist durch spezielle Entkopplungsfüße von TAOC absolut unhörbar im Betrieb. Technisch hat es einiges auf dem, oder besser gesagt im Kasten. Das Schaltdesign des N1A besticht durch Pulswellenwandler von TDK, eine extrem jitterarme Clock zur Taktung des Digitalsignals und eine eigens entwickelte Software, die sich in Teilen des Twonky UpnP Servers bedient und eine hundertprozentige, eineindeutige Bit-Treue beim Datentransport von den Festplatten zur Netzwerkschnittstelle gewährleistet.

Aller guten Dinge sind drei. Abgesehen vom frontseitigen USB-2.0 gibt es für jede Aufgabe einen vorkonfigurierten Anschluss. Erweitern, sichern und aufspielen sind natürlich in USB-3.0 ausgeführt

Die LAN-Ports haben sogar extra noch einmal einen separaten Stromkreislauf, damit ja nichts koppelt. Die Netzwerkstatus-LEDs auf der Rückseite lassen sich ausschalten und auch die Front-LED zur Anzeige des Powerstatus lässt sich dimmen, was abermals Einstreuungen und Störgeräusche vermindert und somit eine fehlerfreie Datenübertragung garantiert. Die absoluten Puristen können sogar das vierzeilige OLED-Display in den Nachtmodus versetzen und sich in absoluter Dunkelheit die Ohren verwöhnen lassen. Die übersichtliche Benutzerführung und intuitiv angelegte Navigationselemente machen eine Fernbedienung überflüssig und die Einrichtung zu einem Kinderspiel. Rückseitig verfügt der N1A über zwei separate Netzwerkanschlüsse, einen für den Router oder Switch, den anderen für den bevorzugten Netzwerkplayer Ihrer Wahl. Alternativ kann das System auch ohne Router betrieben werden, da die Datenbank mit einem integrierten DHCP ausgestattet ist. Dann ist aber eine Steuerung per Wireless-App ausgeschlossen.

Binärer Klangzauber

Die Musik lässt sich direkt per front- oder rückseitigem USB-Anschluss, oder aber im Netzwerk über SMB auf die Platten schicken und auch von dort wieder holen. Automatisierte Datensicherung ist also kein Problem. Bei Melco sind aller guten Dinge drei, denn für jeden Anwendungsbereich gibt es einen eigenen Anschluss. Egal ob Musik einspielen, den internen Speicher um externe Medien erweitern oder Backups ziehen. Die USB-Ports sind sauber beschriftet und voneinander getrennt. Wahlweise kann man über USB-3.0 auch direkt einen D/A-Wandler anschließen und so komplett auf Netzwerk und Audioplayer verzichten. PCM-Formate bis 384 kHz und DSD bis 11,3 MHz stellen dabei für den N1A keine Herausforderung dar. Optional kann ein optisches Laufwerk zum Rippen und Kopieren oder auch per Transportbefehl zum direkten Abspielen angeschlossen werden. Da zumindest in unserem Falle bereits ab Werk ein paar Songs in High Res auf der Platte lagen, konnten wir direkt loslegen. Mit den verfügbaren Pink Floyd und Dire Straits Alben haben wir uns aber natürlich nicht zufrieden gegeben. Daher war es für uns naheliegend direkt per Front-USB ein paar schöne Flac-Dateien aufzuspielen, so dass wir die flexiblen und intelligenten Playlisten, die auch weiterlaufen, wenn die App-Verbindung unterbricht, mit hauseigener Musik auf Herz und Nieren testen konnten.

Freundliche Begrüßung: Melcos Markenname prangt über dem Power-Knopf und ist, ähnlich wie das Gehäuse, auf einer Aluminium Platte angebracht.

Als Player stand uns Onkyos neues AV-Flaggschiff der Oberklasse TX-RZ3100 (Test ebenfalls im Magazin) zur Verfügung und die Verbindung über die Linn Kinsky App klappte auf Anhieb. Zum alternativen Gegenhören haben wir die selben Stücke über ein normales Notebook per UPnP-Medienfreigabe als Zuspieler verwendet. Es waren also im Grunde genommen die selben Informationen, bestehend aus Binärcode, die unseren Verstärker erreichten. Sollte man meinen. Doch der N1A macht direkt ab Start die bessere Figur und behielt diese Pole Position auch durchweg. Alle Hörbeispiele klangen über die externe Datenbank transparenter, lebendiger und aufgeräumter. Nicht nur, dass die Räume feiner gezeichnet waren, imponierte uns, sondern vor allem, dass die Instrumentalisten mit wesentlich mehr Spielfreude auftraten. Zugegeben, der Unterschied mag für einen Laien marginal sein, für Enthusiasten aber sind es zwei verschiedene Welten, die da aufeinandertreffen. Von wegen digital ist digital.

 

Das vierzeilige OLED-Display bietet genug Übersicht über Titelinformation und Menüführung und kann für die Nachteulen der Musikliebhaber auch auf schwarz geschaltet werden

weitere Infos unter: www.melcoaudio.de

Test: Melco N1A - ein Netzwerkstreamer
Qualität beginnt bei der Quelle. Diese alte Weisheit aus Analogzeiten bestätigt sich auch heute noch. Wer gedacht hat, ein einfaches NAS wird es in einem modernen Digital-Setup schon richten, wird vom N1A eines Besseren belehrt und hat offensichtlich an der falschen Stelle gespart. Melco stellt mit seinem audiophilen Medienstreamer eine ernstzunehmende Gefahr für jeden Computer in der Signalkette dar und bringt zudem mehr Ordnung ins digitale Chaos.
Wiedergabequalität91%
Ausstattung/Verarbeitung91%
Benutzerfreundlichkeit86%
Preis/Leistung89%
Vorteile
  • einfache Benutzerführung
  • arbeitet zuverlässig und stabil
Nachteile
91%Gesamtwertung
Leserwertung: (19 Votes)
39%

Über den Autor

Johannes Strom

Freier Autor, Audio Engineer und Musiker aus Leipzig. Viele Jahre im Pro-Audio unterwegs, speziell im Eventbereich, klassisches Theater, Konzertbeschallung, Musical und auf Kreuzfahrtschiffen. Studioproduktionen aus Leidenschaft. High End aus Faszination. Lyrik-Liebhaber und Bücherleser (Papier, und so). Spielt Cello, Gitarre und Klavier. Hört privat Yamaha NS-Serie und Genelec 1031A.

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