JBL Cinema SB 450: Relativ neu im Programm des US-amerikanischen Herstellers JBL ist der Cinema SB 450. Just another Soundbar, oder ein Gerät das besondere Beachtung verdient? Ins Testlabor hat es die SB 450 schon einmal geschafft.

JBL bewies uns schon mehrmals, dass sie in der Lage sind, außerordentlich gutes Audioequipment zu günstigen Kursen zu liefern. Um die Marke im Reigen der anderen HiFi-Größen richtig einzuordnen, empfiehlt sich der Blick in die Vergangenheit. Gegründet 1946 im sonnigen Kalifornien von James Bullough Lansing setzte der kommerzielle Erfolg der Marke tragischerweise erst nach dem Tod des Firmengründers 1949 ein. Zwanzig Jahre später waren es JBL-Lautsprecher, die in Woodstock für Stimmung sorgten. Unter dem Schirm von Harman entstehen heute in China die Produkte mit dem Label JBL. So auch unsere zu testende Soundbar, die dem Kinoerlebnis mehr Gehör geben soll.

Tatsächlich spielte bei Fernsehgeräten der Klang bisher eine eher untergeordnete Rolle. Das lag zum einen an den räumlichen Gegebenheiten und zum anderen an der Fokussierung auf die Bildqualität. Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei. Mit dem Soundbar-System hat man eine platzsparende und effektive Lautsprecher-Lösung für TVs erfunden. Und die Geräte werden immer ausgefeilter. Auch JBL hat in sein Gerät einiges an Technik gepackt, um die Kundenerwartungen erfüllen zu können. Vorab allerdings ein paar Worte den Äußerlichen. Das Set ist ausschließlich in Schwarz erhältlich. Für unsichtbare Farbtupfer sorgen Applikationen in Orange unter den Füßen des Subwoofers.

Der Tieftöner im Subwoofer ist großzügig dimensioniert

Verarbeitung

Die verwendeten Materialien und deren Verarbeitungsqualität sind über jeden Zweifel erhaben. Auch optisch muss sich die Cinema SB 450 nicht verstecken. Das sehr schlanke Gehäuse des Klangriegels schmeichelt jedem TV-Gerät und fügt sich nahtlos in die wohnliche Atmosphäre unseres Hörraumes. Besonders gefallen die klassischen Metallfüße, sofern man nicht die Möglichkeit der Wandmontage nutzt. Dafür lassen sich die Füße abschrauben. Am Subwoofer gibt es nicht viel zu beschreiben. Deshalb widmen wir uns gleich den technischen Details. Im schwarzen Gehäuse befindet sich ein mit 20 cm Durchmesser mehr als ausreichend dimensionierter Tieftöner. Die Cinema SB 450 System verschickt seine Töne drahtlos untereinander. Somit steht einer flexiblen Positionierung des Aktiv-Subwoofers nicht im Weg.

Die Bedienelemente erfordern zierliche Finger und gute Auge

Technologie

Ebenso empfängt das Gerät via Bluetooth Musik von Smartphones, Tablets oder Computern. Zeitgemäß ist die Möglichkeit, einfach von verschiedenen Musikdiensten aus zu streamen. Mithilfe der sogenannten Soundshift-Technologie erfolgt die Umstellung der Wiedergabe von Tablet oder Smartphone auf dem TV ganz automatisch. Dank der vier HDMI-Anschlüsse an der Soundbar können Blu-ray-/DVD-Spieler, Festplattenrekorder, Spielekonsolen und der Fernseher direkt verbunden werden. Die HDMI-CEC-Funktion erlaubt zudem einen bidirektionalen Austausch der Steuerbefehle zwischen Audiosystem und TV, was das gemeinsame Ein- und Ausschalten sowie die Steuerung beider Geräte mit der TV-Fernbedienung ermöglicht. Ultra-HD-Inhalte werden ohne Formatwandlung durchgeschliffen und via HDMI an verbundene TVs weitergeleitet – ein wichtiges Detail für Besitzer moderner UHD-Screens. Für analoge Musikströme steht eine Miniklinkenbuchse bereit und der digitale Toslink-Anschluss nimmt sowohl stereofone PCM- als auch mehrkanalig codierte Bitstream-Datenströme entgegen. Diese müssen allerdings im digitalen Dolby-Format vorliegen, da der JBL-Klangriegel über keinen eigenen DTS-Decoder verfügt. Wenn wir schon bei den Features sind, darf nicht unerwähnt bleiben, dass tragbare JBL-Lautsprecher dank JBL-Connect mit dem SB 450-System kabellos zu einem noch größeren Soundsystem verbunden werden können.

Klangtest

Nun genug der Theorie. Wie schlägt sich das 2.1-System im Klangtest? Die Voraussetzungen sind gut. Ein ausgewachsener Tieftöner und zwei Breitbänder decken den gesamten Frequenzbereich ab. Über die kleine Spielerei, namens Harman Display Surround, lassen sich per Knopfdruck die Stereobühne noch erweitern und gleichzeitig höhere Frequenzen für mehr Stimmgewalt betonen. Zum Beleg der Soundqualität diente zunächst ein Konzertmitschnitt des Rockbarden Michael Schenker: „Fest – Live At Tokyo International Forum Hall A“. Um der Atmosphäre des Konzerts so nahe wie möglich zu kommen, bieten sich die DVD oder Blu-ray an. Begeisterte Fans, die den Rockbarden mit seiner typischen elektrischen Gitarre der Bauart „Flying V“ zu Höchstleitungen treiben. Reifer aber keinesfalls gesetzter kommen Klassiker wie „Attack Of The Mad Axeman“ oder „Armed And Ready“ zu Gehör.

Das Intro „Searching for Freedom“ erinnert teilweise an Pink Floyd. Keine leichte Aufgabe, die das JBL-Duo allerdings souverän meistert. Gut konturierte Bässe begleiten reißende E-Gitarren. Die Bühne wird nach Zuschaltung von Harman Display Surround angemessen ausgebreitet und das Home-Cinema-Erlebnis zum Konzert-Event. Otto Normalverbraucher wird sich glücklich schätzen. Erst bei Lautstärken weit über dem für Nachbarn erträglichen Maß ist Schluss. Allerdings kann selbst die raffinierte Technik nicht darüber hinwegtäuschen, dass keine reinrassigen Stereolautsprecher in angemessenen Abstand vor uns stehen. Die Ortbarkeit der Instrumente und die Tiefenstaffelung der Bühne gehören nicht zu den Paradedisziplinen dieser Soundbar. Allgemein fällt es dieser Gerätegattung schwer, die akustische Bühne perfekt aufzubauen. Hierfür hat auch JBL noch keine adäquate Lösung gefunden.

Zum Gegentest spielt noch einmal Genesis auf. Zwei ungleiche Gegner. Im Vergleich zur Vorband, der Michael Schenker Group, hat Genesis weltweit die größeren Erfolge zu verzeichnen. Zu ihren Sternstunden zählen die Konzerte im Wembley-Stadion vom 2. bis 4. Juli 1987. Ja, Sie haben richtig gelesen. Genesis schaffte es an drei Tagen hintereinander, das berühmte Londoner Stadion zu füllen. Die Atmosphäre muss gigantisch gewesen sein. Eine DVD oder Blu-ray kann nur annähernd widerspiegeln, was vor dreißig Jahren stattfand. Mit moderner Technik, wie dem Cinema SB 450, wird allerdings einiges möglich. „Invisible Touch“ oder „Mama“ live vor über 80 000 Menschen präsentiert das Gerät in beeindruckender Manier. Kleinlich wirken die eben gemachten Anmerkungen zur Tiefenstaffelung. Bombastisch ist das Erlebnis der Pop-Giganten und gut.

weitere Infos unter: www.jbl.com

Test: JBL Cinema SB 450 - Vorhang auf für JBL
Das Cinema SB 450 ist ein rundum gelungenes Sound-System für den Konzertbesuch zu Hause. Mit allerlei technischen Raffinessen gelingt es JBL, Live-Atmosphäre ins Wohnzimmer zu zaubern. Auch die Ausstattung hat unsere mit Erwartungen nicht enttäuscht. Einzig die Breite der akustischen Bühne und die Lokalisation der Instrumentengruppen ist mit der JBL nicht bis ins Detail machbar.
Wiedergabequalität80%
Ausstattung/Verarbeitung80%
Benutzerfreundlichkeit78%
Preis-/Leistungsverhältnis79%
Vorteile
  • über TV steuerbar
  • ultra-HD-fähig
Nachteile
  • Bühnenstafflung
79%JBL Cinema SB 450
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Über den Autor

Christian Kautz

Musik ist nicht nur eine Abfolge von Tönen. Sie begeistert, fesselt und verbindet. HiFi ist mehr als reines Mittel zum Zweck, sondern zum Ausdruck gebrachter Lifestyle. Christian Kautz - Autor, Enthusiast und Musikliebhaber

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