Sony stellte zur letztjährigen IFA den „h.ear on“ MDR-100AAP vor, einen Hi-Res-Sound-Kopfhörer, der auch die kleinsten Nuancen wiedergeben soll. Wir sind gespannt.

Das Wortspiel aus den englischen Wörtern „hear“ für Hören und „ear“ für Ohr kommt nicht von ungefähr. Auch der Zusatz „on“ bedeutet, dass dies ein Bügelkopfhörer, und zwar ein „On ear“ ist. Der „h.ear on“ mit der Produktbezeichnung MDR-100AAP ist ein 220 Gramm schwerer Kopfhörer, welcher sehr weiche aus Kunstleder bestehende Ohrmuscheln hat und somit einem stundenlangen Tragen nichts im Wege steht. Die dünne Abdeckung aus Aluminium der Ohrmuscheln auf der Rückseite gibt dem Kopfhörer die gewünschte Stabilität und er wird dadurch auch qualitativ aufgewertet. Der größte Teil ist jedoch Kunststoff. Der Anpressdruck könnte für größere Kopfdurchmesser etwas zu hoch sein, besonders bei längeren Hörsessions. Gegebenenfalls gibt der Bügel im Laufe der Zeit auch etwas nach. Sonst ist der Sitz der Kopfhörer perfekt. Sollte er mal nicht mehr benötigt werden, wird er einfach platzsparend zusammengefaltet und in die mitgelieferte Transporthülle gelegt.

Zusammengefaltet nimmt der MDR-100AAP fast keinen Platz ein

Zusammengefaltet nimmt der MDR-100AAP fast keinen Platz ein

Sony spendiert ihm ein abnehmbares Flachkabel, welches sich nicht so leicht verknoten lässt – wir haben das natürlich ausprobiert. Das Entfitzen ging tatsächlich leichter als gewöhnlich – ein nettes Feature des Sony. Leider besitzt das Kabel keine Lautstärkereglung, was man eigentlich für einen „Unterwegs“-Kopfhörer erwarten könnte, sondern nur ein gut funktionierendes omnidirektionales Kondensatormikrofon und eine integrierte Fernbedienung, mit der man Musiktitel anhalten oder überspringen kann. Weiteres Zubehör finden wir in der Verpackung nicht. Es gibt ihn in verschiedenen Farben von Zinnoberrot, Bordeaux-Pink, Limonengelb, Blau-Grün und wie wir zu Testzecken in Kohl(raben)schwarz. Der schlicht aussehende Kopfhörer ist durch seine Einfachheit in den verschieden Farbgebungen sicher ein Hingucker.

Rauschunterdrückung

Der Sony kommt ohne aktives Noice-Cancelling daher, welches er allerdings auch nicht benötigt. Er sitzt so gut auf den Ohren und durch die Konstruktion und des verwendeten Materials dämpft er Außengeräusche nach innen sehr gut ab. Nicht nur das! Trotz der kleinen Öffnung am oberen Teil der Muschel bekommt der Nachbar im Zug oder Bus von der Musik nicht viel mit. Durch die Luftstromzufuhr soll der Niederfrequenzbereich maximiert werden und damit können die Bassrhythmen präziser wiedergegeben werden.

Die Ein-Tasten-Fernbedienung am Flachkabel. Auf der Rückseite dieser befindet sich das Mikrofon

Die Ein-Tasten-Fernbedienung am Flachkabel. Auf der Rückseite dieser befindet sich das Mikrofon

Klangwiedergabe

Die 40 Millimeter großen Treiber decken einen Frequenzgang von 5 Hz bis 60 kHz ab. Die Membran besteht aus mit Titan-beschichteten Kalotten. Die Kopfhörer klingen natürlicher und ausgewogener als manch anderer in dieser Preiskategorie. Etwas untypisch für Sony ist der geringere Bassdruck im Vergleich zu anderen Kopfhörern der Firma. Hier merkt man sofort, dass Sony den MDR-100AAP für den High-End-Bereich entwickelt hat. Der h.ear on ist gut für alle Musikrichtungen geeignet. Die Mitten sind ein wenig zu weich und könnten nach unserem Geschmack ein wenig mehr präsenter sein. Wieder einmal musste „November Rain“ von Guns N‘ Roses als eines unserer Testmusiktitel herhalten. An dem Hörbeispiel merkt man deutlich, dass die Dynamik etwas stärker sein könnte. Besonders das Gitarrensolo von Slash könnte etwas mehr Kraft vertragen. Jedoch ist er ein sehr gefälliger Kopfhörer und überzeugt mit einer klaren und angenehmen Wiedergabe. David Bowies „China Girl“ überzeugt auf diesem Kopfhörer. Die Stimmwiedergabe kommt vordergründig herüber. Eine Differenzierung der verschiedenen Instrumente ist sehr gut möglich. Die Aufnahme schmeichelt der Basswiedergabe und erwischt die Frequenzen, die der Kopfhörer gut verarbeiten kann.

Ein weiterer Punkt, ob ein Schallgeber wirklich für den High-End-Bereich geeignet ist, ist die Wiedergabe von klassischer Musik. Fast der komplette Frequenzbereich wird durch die Instrumente voll ausgeschöpft. Antonin Dvorak „Sinfonie Nr. 9 – Aus der neuen Welt“ in einer Aufnahme mit den New Yorker Philharmoniker soll den Test beschließen. Und hier zeigt sich wirklich die Abdeckung des kompletten Frequenzbereiches. Ob die Flöten mit ihren hohen Spitzentönen oder der Obertonbereich des Streichapparates – alles wird kristallklar wiedergegeben. Sogar der kraftvolle Einsatz der Posaunen und Pauken lässt die Stärke eines großen Orchesters erahnen. Auch das Öffnen und Schließen der Klappen der Instrumente glaubt man zu vernehmen. Wir haben selten einen Kopfhörer bei uns gehabt, der seine Stärken gerade bei klassischen Stücken zeigte, was für uns aber nicht ganz zur Designsprache passen will.

Fazit

Der MDR-100AAP ist ein High-Res-Kopfhörer, der sich nicht verstecken muss. Beim Klang bleibt er ausgewogen und liefert ein rundes Bild. In dieser Preiskategorie sind kleine Schwächen vertretbar, wie die aus unserer Sicht zu geringe Dynamik. Jedoch er bleibt in seinen bunten Design ein Hingucker und mit seiner Vorliebe für klassische Stücke ein interessante Option für Freunde der Dualität.

Sony „h.ear on“ MDR-100AAP: Schlichtes Design – großer Klang
Wiedergabequalität80%
Ausstattung/Verarbeitung85%
Benutzerfreundlichkeit84%
Preis/Leistung80%
82%Gesamtwertung

Über den Autor

Erik Schober

Als Musiker und Dirigent verschiedener Orchester und Ensembles weiß ich genau, wie sich live die verschiedenen Instrumente und die menschliche Stimme anhört. Demzufolge habe ich hohe Erwartungen an eine Hifi-Anlage. Diesem schweren Urteil muss sich jeder Lautsprecher und das Zubehör bei mir stellen.

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2 Responses

  1. marco gehrke

    Ich suche jedesmal vergeblich die Preise bei euren Tests – oder bin ich einfach zu blind ?

    • Stefan Goedecke
      Stefan Goedecke

      Hallo Marco, stimmt, bei einigen Tests fehlt der passende Kasten. Dieser Test hier stammt aus der AUDIO TEST und wir haben schlicht den Kasten in der Übernahme vergessen – wir geloben Besserung. 🙂 Danke für den Hinweis!

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