Seit den 70er Jahren feilt man im englischen Sussex an größtmöglichem Hörvergnügen. Dies trägt neue Früchte: In gewohnt robusten Chick stellen sich die Lautsprecherpaare der RX-Serie aus dem Hause Rega unserem Test. 

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Die in der englischen Grafschaft Essex ansässige HiFi-Manufaktur Rega ist ein schillernder Beweis dafür, dass es mit Fleiß und Leidenschaft durchaus möglich ist, ein Hobby zum Beruf zu machen. Als Tony Relph und Roy Gandy im Jahr 1973 das Unternehmen Rega Research Limited registrieren ließen, war noch lange nicht absehbar, dass einmal 90 Mitarbeiter monatlich allein 2 000(!) Plattenspieler per Hand zusammensetzen würden. Der noch immer als Geschäftsführer tätige Roy Gandy verdiente in der Geburtsstunde des Unternehmens sein Geld als technischer Angestellter bei einem Fahrzeughersteller, und konnte der Tüftelei an seiner wahren Passion – dem Plattenspieler – zwangsläufig erst nach Feierabend nachgehen. Unterstützung erhielt Gandy damals von seiner Mutter, welche sich einverstanden erklärte, die Ambitionen ihres Sohnes für zwei Wochen zu fördern. Dass sie letztendlich nicht nur 14 Tage, sondern 15 Jahre als helfende Hand den Beginn einer viel versprechenden Karriere begleitete, ist allemal kennzeichnend für die rasche Entwicklung des Unternehmens, hin zu einer renommierten Adresse in der HiFi-Branche. Bereits ein Jahr nach erfolgreicher Einführung der ersten Plattenspieler auf dem britischen Markt (vertrieben unter dem Namen Cosmocord) wurden Rega-Produkte in Frankreich, Dänemark sowie auch in der BRD verkauft.

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Die externe Steuereinheit spart zwar Masse des Planar, allerdings kostet sie zusätzlich Platz, und kann nicht unter dem Plattenspieler durch ihre Höhe verstaut werden

Nun, keine zwei Jahre nach Betriebsaufnahme, konnte Gandy seine Tätigkeit bei Ford an den Nagel hängen, und als mittlerweile alleiniger Geschäftsführer seine großzügige Prämie umgehend in eine Immobilie in Rochford investieren, welche bis 1980 als Obdach für die junge Manufaktur dienen sollte. Bereits zu einer handfesten Größe in Sachen Plattenspieler etabliert, komplettierte Rega (übrigens eine Zusammensetzung aus den Familiennamen der beiden Firmengründer) erst 1990, nach 17 Jahren Betriebsgeschichte, sein Sortiment mit dem Erscheinen des Stereoverstärkers Elex. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich bereits der Standlautsprecher Rega RTX, als auch mehrere Plattenspieler auf dem Markt. Letztere wurden übrigens schon sehr früh mit hauseigenen Tonarmen und -abnehmern ausgestattet. Mit dem Rega Planet entsprang 1973 der erste marktfähige Schallplattenspieler der heimischen Bastelstube des Firmengründers Roy Gandy. Große handwerkliche Ambitionen ermöglichten dem jungen Unternehmen schon bald, sich nicht auf das bloße Zusammenbauen hochwertiger Plattenspieler zu beschränken. Der Tonarm RB300 ist das erste von Rega selbst entwickelte und in England angefertigte Bauteil, welches aufgrund seiner Qualität schon bald auch von anderen Herstellern verarbeitet werden sollte. Dem folgte bald der Tonabnehmer RB100, ein mit einem Goldring versehenes Sondermodell für den Rega Planar 78 – den „Schnellen“, mit 78 Umdrehungen in der Minute. Plattenspieler der Rega Planar-Serie mauserten sich schon sehr bald zu sehr beliebten Objekten, nicht nur auf dem britischen Markt. Nicht zuletzt wegen ihrer soliden Verarbeitung und der detailverliebten Konzipierung einzelner Geräte durch Geschäftsführer Gandy, ist Rega eine bedeutende Manufaktur in Sachen Vinyl. Zum Test bereitgestellt wird uns von Rega der Plattenspieler RP6, welcher zwar nicht erst seit kurzem auf dem Markt erhältlich ist, sich jedoch noch immer einer großen Beliebtheit erfreut. Mit den Lautsprechern der RX-Serie finden sich nun die Neuerscheinungen aus der britischen Manufaktur in unseren Hörraum ein, die optimal mit dem RP6 harmonieren sollten.

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Der Rega DX125 Tief-Mitteltöner mit feiner Papiermembran und dem konischen Phase Plug

REGA RP6

Es handelt sich im Falle unseres Tests um die sonnengelbe Ausführung des Planar 6. Das Gerät gibt sich demnach nicht sehr zurückhaltend und zieht alle Blicke auf sich. Wer sich damit nicht anzufreunden weiß, kann im Falle des Rega P6 zwischen acht verschieden Hochglanz-Lackierungen wählen. Doch nicht nur aufgrund der Farbe, sondern auch wegen seines minimalistischen Designs ist der RP6 ein echter Hingucker. Seine schnörkellose Erscheinung gewinnt dank abgerundeter Kanten einiges an Eleganz. Unterstützt werden soll diese optische Bescheidenheit durch die Auslagerung der Bedienelemente in eine externe Steuerungseinheit. Diese Lösung erscheint jedoch, trotz des Einsparens an Masse des Abspielgeräts, etwas ungünstig, da zusätzlich Platz und Kabel benötigt werden. Des Weiteren kommt das 1 450 Euro teure Gerät etwas wacklig daher, da an der Unterseite nur drei Standfüße montiert sind, was schick aussieht, aber natürlich Einbußen in der Stabilität verursacht. Doch ist der Rega Planar 6 erstmal zusammengesetzt, aufgestellt und verkabelt, muss nur noch ein Tonabnehmer beschafft werden, bevor man mit dem Genuss der Lieblingsplatten beginnen kann. Dass Rega trotz der eigenen Herstellung von Tonabnehmern diese nicht dem Lieferumfang eines Plattenspielers beifügt, ist ein wenig schade, doch kann so der Käufer einen Tonabnehmer seiner Wahl nutzen. Naturgemäß war in unserem Hörraum schnell eine Nadel aufgetrieben und dank einer beigelegten Schablone rasch montiert.

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Einfach zu bedienen – hier „In Every Way But One“ der Band White Wine

Mit Inbetriebnahme des Rega P6 offenbart sich rasch der qualitative Mehrwert des Schallplattenspielers. Angeschlossen an unseren Referenzverstärker und Lautsprecher der Rega RX-Serie bereitete uns der Planar großes Hörvergnügen. Der hauseigene Tonarm RB303 verspricht dank verbesserter Ankopplung an Lager, Tonarmbasis und Tonabnehmeraufnahme eine unverfälschte Wiedergabe. Die gegenüber vorangegangener Modelle optimierte Massenverteilung, sowie höhere Steifigkeit des Armrohres gewährleisten eine resonanzoptimierte Tonabnahme und aufgrund nahezu reibungsloser Lagerung ein verbessertes Abtasten des Tonträgers. Tatsächlich klingt Tomitas „Pictures of an Exhibition“ unter dem Staubschutz versteckt sehr fein und originalgetreu, ohne zu zerren. Der 16 Millimeter (mm) hohe, auf einem Aluminum-Subteller aufgesetzte, Rauchglas-Plattenteller läuft sehr geschmeidig und gleichmäßig, wobei er etwa ein bis zwei Sekunden braucht, um die gewünschte Umdrehungszahl zu erreichen. Dies liegt nicht an mangelhafter Verarbeitung. Ganz im Gegenteil – der speziell auf das Gerät abgestimmte, geräuschfreie 24-Volt-Motor ist auf eine beständige Bewegung und nicht auf schnelles Anlaufen hin entwickelt. Insgesamt arbeitet der Rega Planar 6 sehr zuverlässig, was sich zum einen auf die geringe Masse, zum anderen auf die sehr solide Verarbeitung des Geräts zurückführen lässt. Nicht zuletzt die gelochte Verstrebung aus Aluminum zwischen Plattenteller und Tonarm zeugt von der technischen Versiertheit des britischen Unternehmens und garantiert größtmöglichen Hörgenuss.

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Eine solide Verarbeitung der Tonarmeinheit und die gelochte Verstrebung zeugen von hoher Verlässlichkeit

Rega RX1

Als erstes Paar der Lautsprecher kommen die Kompaktlautsprecher Rega RX1 auf den Prüfstand. Das dunkelbraune Walnuss-Finish verleiht den beiden eine rustikale und doch unaufdringliche Erscheinung. Ob im Regal, oder auf Ständern positioniert – die RX1 fügen sich gut ins Interieur des Hörraums ein. Die Gehäuse sind aus mit Echtholzfurnieren versehenen 18 Millimeter (mm) mitteldichten Faserplatten (MDF) zusammengefügt und wirken wie aus einem Guss gefertigt. Die nahtlos scheinenden Kanten sind weder abgeschliffen, noch -gerundet, sodass auch die „Kleinen“ der RX-Serie ein durchaus robustes Auftreten innehaben. Alles in allem lässt sich anhand der visuellen Parameter feststellen, dass es sich bei den Rega RX keinesfalls um von Grund auf neu konzipierte Geräte handelt, sondern vielmehr um Optimierungen der vorangegangenen Serie Rega RS. So erinnert neben den Maßen auch die Treiberanordnung, sowie der Seidenkalotten-Hochtöner an ältere Modelle. Man setzt im Hause Rega also weiterhin auf simple, natürliche Optik. Beim Anschließen an unseren Referenzverstärker offenbart sich jedoch ein erstes Manko. Die rückseitig angebrachten Buchsen für Bananenstecker sind nicht, wie bei anderen Lautsprechern üblich, abwärts gerichtet montiert, sondern nach oben zeigend. Dies hat zur Folge, dass – vor allem bei Benutzung schwerer Lautsprecherkabel – permanent Gewicht auf den Anschlüssen lastet. Die Verbindungskabel stehen somit im hohen Bogen von den Speakern ab, was besondere Stolpergefahr und Anfälligkeit in sich birgt. Der Versuch, sich durch individuelle Fertigung abzuheben, muss sowohl an dieser Stelle, als auch bei den folgenden Prüflingen schlichtweg als fehlgeschlagen hingenommen werden. Anders jedoch bei Betrachtung der Treiber. Wenn auch nicht einzigartig, aber in jedem Falle entgegen dem Standard ist die Platzierung des von Rega neu entwickelten DX-125 Tief-Mitteltöners über dem Hochtöner, und somit in größtmöglicher Entfernung vom rückseitig verbauten Bassreflexkanal. Dies soll eine umfangreichere Basswiedergabe gewährleisten. Die schützende Abdeckung des DX-125 ist ebenso untypisch mit Hilfe von Magneten an den Chassis befestigt, und lässt sich nur mit etwas Kraft entfernen. Zum Vorschein kommt der Treiber bestehend aus Papiermembran und dem konischen Phase Plug. Auffällig ist, dass nur auf einem der beiden Chassis ein kleiner Aufkleber mit dem Namen des Herstellers angebracht ist. Neben der etwas schwierig anmutenden Ästhetik eines Aufklebers verlieren die RX1 beim Verzicht auf die Abdeckung ihr symmetrisches Auftreten. Doch sind es weniger die äußerlichen Merkmale, welche ein Urteil über die Qualität der Regallautsprecher herbeiführen sollen. Die Überprüfung der akustischen Leistung der RX1 beginnt mit Tomitas Interpretation Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ von 1975, in welcher der japanische Musiker den bekannten Klavierzyklus mit Synthesizern aufarbeitet. Sofort entfalten die RX1 ihre sehr authentische Charakteristik. So macht sich bei „The Old Castle“ im Vergleich zu den Referenzlautsprechern eine dezente Komprimierung der einzelnen Frequenzbänder bemerkbar. Bässe und Mitten vermengen sich zu einem für Kompaktlautsprecher nicht untypischen bauchigen Klang, jedoch ohne einander auszulöschen. Die Wiedergabe der RX1 ist allemal kräftig und warm. Beim Hören von White Wines „Where Is My Line“ bereitet einem der prägnante Klang der Rhythmusgruppe schlichtweg Freude – Bassdrum und Bassgitarre bilden eine impulsstarke Einheit, lassen sich Raum, ohne an Schalldruck Einbußen vermerken zu lassen.

Rega RX3

Auch die Standlautsprecher Rega RX3 erinnern optisch an die vorangegangenen Rega RS3. Die 80 Zentimeter (cm) hohen Speaker schließen durch ihre scharfkantige Verarbeitung und die seitlich verbauten Tieftöner an die Vorgänger an. Nur die Abdeckung der Front-Treiber, die sich auf den Tiefmitteltöner beschränken, und die Verwendung von Spikes, welche weitaus dezenter daherkommen, als die etwas klobigen Füße der RS-Serie, treten als Neuerungen im Erscheinungsbild hervor. Außerdem kommt mit den Standlautsprechern RX3 und RX5 erstmalig der hauseigene Tieftöner Rega RR125.8 zum Einsatz. Dieser versteckt sich bei Bedarf hinter einer bündig eingelassenen Abdeckung. Dabei wird dank der passgenauen Verarbeitung auf die Magnete verzichtet. Unbestreitbar eine sehr elegante Lösung. An der Treiberanordnung hat sich im Hinblick auf frühere Modelle nichts verändert, der Tiefmitteltöner Rega DX-125 befindet sich über der durch ein Gitter geschützten, und ebenfalls erstmalig verwendeten, Hochtoneinheit Rega ZRR. Zusammen mit dem frontalen Bassreflexkanal verspricht diese Konzipierung eine unkritische Wiedergabe tiefer Frequenzen. Rega empfiehlt eine Verstärkerleistung von 100 Watt (W) pro Kanal, wobei dies vom Hersteller selbst als ein Richtwert betrachtet wird. In der Fußnote der Betriebsanleitung wird eine Belastbarkeit von bis zu 500 W garantiert. Positioniert werden sollten die beiden Türme bestenfalls im Abstand von 80 cm bis 100 cm von der Wand bei einer zentrierten Ausrichtung auf den „Sweet Spot“. Die Lautsprecher eignen sich so durchaus für Räume von einer Größe bis zu 40 Quadratmeter, denn es handelt sich bei den Rega RX3 um ein durchaus kräftiges Lautsprecherpaar. Das 1977 veröffentlichte Stück „Ghost Rider“ des New Yorker Duos Suicide soll die Prüflinge gleich zu Anfang auf ihre Belastbarkeit hin prüfen. In voller Lautstärke bricht das Lied aus den Boxen brachial heraus. Und siehe da: es klingt famos. Die RX3 überzeugen sofort durch ihren warmen und sehr prägnanten Bass, welcher sich sehr gut von abzuheben weiß, ohne sich dabei aufzudrängen. Doch auch bei höhenlastiger Musik, wie Arnold Schönbergs Streichquartett Nr. 7 in d-Moll, gespielt vom Leipziger Streichquartett, bleibt das Klangbild homogen und verzichtet bei noch immer hoher Lautstärke auf eine schrille, klirrende Färbung hoher Frequenzen. Jedoch lässt sich bei einer ausgewogenen Wiedergabe des hörbaren Spektrums ein leichtes Schlieren der einzelnen Bänder ineinander verzeichnen.

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Hergestellt in England – hier der Beweis, und unten das Bassreflexrohr

RX5

Tatsächlich kristallisieren sich die Rega RX3 im direkten Vergleich mit den Kompaktlautsprechern RX1 und den „Großen“ RX5 als Favorit heraus. Die mit knapp 34 cm Tiefe doch recht wuchtigen Standlautsprecher eignen sich allein aufgrund ihrer Maße eher weniger für Räume kleiner als 20 m². Ihr robustes Auftreten vermittelt dem Hörenden umgehend ein klares Statement: Hier spielt die Musik! Einzig im ebenfalls seitlich montierten Tieftöner Rega RR7.8 unterscheidet sich die Auswahl der Treiberkomponenten von den kleineren RX3. Doch dies macht sich klanglich nicht unbedingt in schmeichelnder Art bemerkbar. Bei der Wiedergabe der gleichen Musikstücke wie im vorangegangenen Test, klingen die RX5 zwar durchaus wärmer, jedoch mit leichter Tendenz, in den Bässen zu einer bauchigen Resonanz zu verschwimmen. Dies möchte bei Genuss elektronischer Tanzmusik in der Tat als vorteilhaft begriffen werden, lässt allerdings in anderen Musikrichtungen ein Stück weit klangliche Neutralität vermissen. Ob sich die Investition von 600 Euro mehr als für die kleineren Modelle RX3 lohnen, entscheiden Sie somit bestenfalls anhand Ihrer musikalischen Vorlieben. Erhältlich sind alle drei Schallwandler der RX-Serie in schwarzem Esche-, Kirschholz- oder Walnuss-Finish.

Fazit

Mit den Kompaktlautsprechern RX1 und den Standlautsprechern RX3 und RX5 aus dem Hause Rega bereichern durchweg leistungsstarke Artikel die hiesige Hi-Fi-Welt. Zwar ist die Verarbeitung der rückseitigen Anschlüsse etwas unglücklich, allerdings bestechen die Neulinge der RX-Serie durch einen sehr authentischen Klang und machen somit eine relativ gute Figur. Vor allem für Fans lauter Rockmusik stellen die schicken Rega RX eine lohnenswerte Investition in passender Optik dar. Unsere Empfehlung liegt genau in der Mitte. Die RX3 bieten ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis, machen klanglich richtig Spaß und sind nicht auf eine bestimmte Musikrichtung festgelegt. In Kombination mit dem Planar 6 eine gute Investion für Ihr Wohnzimmer!

Rega RX-Serie und Planar 6
Wiedergabequalität 88%
Ausstattung/Verarbeitung82%
Benutzerfreundlichkeit84%
Preis/Leistung84%
85%Gesamtwertung
Leserwertung: (0 Votes)
0%

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