Der Lautsprecher Elac BS 403 markiert den Einstieg in die 400er Linie der Kieler, in die einiges an Neuerungen gesteckt wurde. Erster Eindruck: Die sind wirklich klein. Gerade einmal 30,8 mal 16,6 mal 29,4 Zentimeter messen die Kompaktlautsprecher, die somit nicht einmal die Größe eines Sechserkartons Rotwein erreichen. Gewohnt perfekt ist die Verarbeitung. Sechs verschiedene Ausführungen können bestellt werden (Schwarz, Weiß, Tobacco Hochglanz, Schwarz Seidenmatt, Walnuss Furnier Hochglanz), gegen einen Aufpreis bekommt man sein individuelles Produkt mit der RAL-Farbe seiner Wahl.

Der im Abstand von wenigen Zentimetern an der Unterseite angebrachte Sockel erinnert an die Elac-Subwoofer, und erfüllt hier wie dort einen bestimmten Zweck: r hält die nach unten abstrahlende Bassreflexöffnung geöffnet. Eine Besonderheit ist der verbesserte JET 5 Folienhochtöner, der für noch elegantere Höhen sorgen soll. Auch der Mittel-Tieftöner der Zweiwegebox wurde überarbeitet, die Membranfläche vergrößert, die Zentrierspinne beidseitig belüftet. Die Kristalloptik der Membranen ist nicht nur dekorativ, sie sorgt auch für eine optimale Steifigkeit. Dies vermeidet Partialschwingungen und hat eine transparentere, direktere Tonwiedergabe zur Folge.

Für alle, denen die beiden Treiber optisch zu aufdringlich sind, legt Elac einen magnetischen Stoffabdeckrahmen für die Front bei. Was im Lieferumfang fehlt, sind Gummifüßchen zur akustischen Entkopplung bzw. für den besseren Stand. Die stattdessen beigelegten Filzfüßchen bewirken nicht mehr, als dass sie die Bodenplatte vor Kratzspuren bewahren. Gegen Klirrende Boxenständer bzw. Regalbretter helfen sie ebenso wenig wie gegen ungewolltes Rutschen der Lautsprecher in unvorhersehbaren Situationen. Unserer Meinung nach, hätte Elac statt auf Kunststofffüße lieber auf das beigelegte Putzset, bestehend aus Poliertuch und weißen Handschuhen, verzichten sollen.

In Sachen Aufstellung sind die kleinen Racker ansonsten anspruchslos. Bei Zimmerlautstärke fügen sie sich in jede Hörraumsituation ein und fühlen sich sowohl auf einem Ständer als auch im Regal pudelwohl. Der sicherste Stand ergibt sich sicherlich mit dem passenden LS 30-Ständer von Elac, was wir allerdings nicht testen konnten.

Wir probierten den BS 403 mit der Vincent-Röhren-Kette, bestehend aus dem CD-Player CD-S1.2 und der Endstufe SV-500 aus (Test in der nächsten Ausgabe der AUDIO TEST). Vom Start weg waren wir von der Wucht der Elac-Boxen überrascht. Wir legten zunächst den Rocktitel „Are you gonna go my way“ von Lenny Kravitz auf und freuten uns über die aggressiven Gitarren und den röhrenden Bass. Der passt super zu dieser Art von Musik und sicher auch zu einigen Filmeffekten, kann aber bei anderen musikalischen Genres etwas überbetont und verwaschen wirken. Aufgrund der Bauweise ist es leider unmöglich mit Stopfen im Bassreflexloch zu experimentieren – man kommt nicht an der Bodenplatte vorbei.


Die BS 403 machten auch bei höheren Pegeln eine gute Figur, fingen aber bei zu lauten Bässen an, in den Tiefen leicht zu knacken und Vibrationen auf unseren Standfuß bzw. das Regal zu übertragen. Beispielsweise sollte Club-Musik, wie Daft Punks „Get Lucky“, nicht in allzu ausufernden Lautstärken gehört werden. Aber schließlich kauft man diese Box auch nicht für die Turnhalle, sondern für kleine bis mittelgroße Räume, für die ihre Kraft locker ausreicht.

Die Mitten gibt die BS 403 klar strukturiert wieder, was vermutlich auch mit dem sehr ordentlich arbeitenden JET-Hochtöner zu erklären ist, der schon bei einer Frequenz von 2 500 Hertz übernimmt. Jedes Instrument bekommt seinen Platz zugewiesen, Verwaschungen, unklare Linien gibt es in diesem Bereich kaum. Besonders auffällig sind die schön gezeichneten Hallfahnen, die es ermöglichen, bei Orchesteraufnahmen Bläser weit hinten und Streicher vorne auf dem Podium zu lokalisieren. Man erkennt diese Fähigkeit etwa bei Aufnahmen des großen deutschen Bandleaders und Entdecker der Beatles Bert Kämpfert, der bekanntlichermaßen den Welthit „Strangers in the Night“ für Frank Sinatra komponierte. Sein eigenes Orchester nahm der Purist Kämpfert stets mit nur einer Stereomikrofonie, bestehend aus zwei Mikrofonen, auf. Den „Mix“ erzeugte er allein durch den räumlichen Abstand der einzelnen Instrumente zu den Mikros.

Trotz dieser aus heutiger Sicht recht archaischen Aufnahmeform schaffen es unsere beiden BS 403, die einzelnen Instrumentengruppen in der 1964er Aufnahme „Berts Bossa Nova“ plastisch und klar abgegrenzt herauszuarbeiten. So stehen etwa Holzbläser eindeutig weiter hinten im Raum als etwa die Percussion, die E-Gitarre und der Bass, jedoch noch vor den Blechbläsern. Der unterschiedliche Standpunkt unterstützt die Dramaturgie des Soloduells zwischen Saxofon (vorne rechts) und Trompete (hinten Mitte) ab Minute 1:01. Spaß macht die räumliche Performance auch bei Orgelaufnahmen, in dem das Kirchenschiff modelliert wird und natürlich bei audiophil produziertem Jazz. Jegliche Musik, die von Räumlichkeit lebt, profitiert von den Elac BS 403. Wie von einem Folienhochtöner nicht anders zu erwarten, sind die Höhen ein Gedicht. Alles ist zu hören, nichts wirkt scharf oder spitz. Selbst die dünnste Triangel, das zarteste Windspiel, die BS 403 gibt es in der ganzen gewollten Eleganz wieder. Übrigens auch das „Gezwitscher“ analoger Synthesizer, einem wichtigen Gestaltungsmittel in alten Kraftwerk-Aufnahmen, das die Elektro-Pioniere zum Erzeugen einer perkussiven Qualität ihrer Sounds einsetzten, etwa im Klassiker „die Roboter“.

Fazit: Die Elac BS 403 ist ein Lautsprecher nicht nur für Rockfans. Hier gibt es großen Sound auf kleinstem Platz, weshalb gerade Besitzer eines kleinen Hörraums sich die Boxen unbedingt anhören sollten. Ein Verkaufsargument ist zudem der im Vergleich günstige Preis von 850 Euro.

Nicht kleinzukriegen: Elac BS 403 im Test
Wiedergabequalität83%
Ausstattung und Verarbeitung83%
Benutzerfreundlichkeit83%
Preis / Leistung89%
85%Gesamtwertung
Leserwertung: (30 Votes)
32%

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