Mit den Aeromax 6 bietet die Firma Cambridge Audio eine Weiterentwicklung ihrer viel gelobten Aero 6 Standlautsprecher. So kommt hier die Balanced-Mode-Radiator Technologie zum Einsatz. Wir sind gespannt, was es damit klanglich auf sich hat.

Maximaler Raum

Wenn man sich die Geschichte von Cambridge Audio genauer betrachtet, ist eigentlich nicht verwun- derlich, dass der britische Hersteller keine Scheu zeigt, neue und unkonventionelle Wege mit seinen Produkten einzuschlagen. Als sich das Unternehmen 1968 in der namensgebenden englischen Stadt gründete, hieß sie noch Cambridge Consultants und war auf R&D und Prototyping ausgelegt. Erst aus dieser Tätigkeit wurde dann der P40 Vollverstärker entwickelt. Übrigens der erste Verstärker, in dem ein Ringkerntransformator zum Einsatz kam. Wie verbreitet diese „Innovation“ mittlerweile ist, sollte für regelmäßige Leser unseres Magazins kein Geheimnis sein.

Konstruktion

Das macht uns natürlich neugierig, was uns mit den Balanced-Mode-Radiator (BMR)-Treibern erwartet! Die mit 17 Kilogramm recht leichten Standlautsprecher sind entweder in hochglänzendem Schwarz oder Weiß erhältlich. Die Lackierung ist makellos aufgetragen und poliert. Hier gibt es keine matten Stellen. Auch beim Rest der Verarbeitung gibt es nichts zu beanstanden. Die Treiber sind sauber eingelassen und die Buchsen packen sicher zu. So weit so gut. Die Belastbarkeit der Aeromax 6 ist mit 25 bis 120 Watt angegeben und der Frequenzgang reicht laut Datenblatt von 30 Hertz (Hz) bis 22 Kilohertz (kHz). Das verspricht soliden Tiefgang. Die Übergangsfrequenz der 2-Wegebox liegt mit 250 Hz so gar nicht dort, wo man es von solchen Systemen gewohnt ist. Und tatsächlich sind die beiden 165 Millimeter (mm) Treiber reine Tieftöner. Das heißt im Umkehrschluss auch, dass alle darüber liegenden Frequenzen vom verbleibenden, gerade mal 46 mm messenden, Treiber wiedergegeben werden – eine echte Herausforderung.

Der Balanced-Mode-Radiator Treiber überträgt alle Frequenzen über 250 Hertz

Bei diesem Treiber handelt es sich um den schon erwähnten BMR-Treibern. Diese relativ neue Art von Treiber ist prinzipiell als Full-Range-Speaker konzipiert und soll sich ähnlich wie eine Punktschallquelle verhalten – auch für die höheren Frequenzbereiche, die bei den meisten anderen Lautsprechersystemen zunehmend gerichtet abgestrahlt werden. Dadurch soll dem viel zitierten „Sweet-Spot“ im Stereofeld entgegengewirkt werden und auch bei ungünstiger Aufstellung oder Hörposition weder Klang noch Stereobild leiden. BMR-Treiber kombinieren dabei die Arbeitsweisen von zwei anderen Lautsprechertypen. Die traditionellen Treiber mit ihrer konischen Membran, wie sie auch bei den Aeromax als Tieftöner verwendet werden, führen idealerweise eine Bewegung im Bereich ihres jeweiligen Hubes aus. Die Membran soll dabei möglichst steif sein um Partialschwingungen zu vermeiden was allerhand konstruktionstechnische Probleme und damit letztlich Kompromisse mit sich bringt. Außerdem ist es fast unmöglich, das gesamte Spektrum mit einem Lautsprecher adäquat zu reproduzieren.

Ein gegenteiliges Prinzip kommt bei Distributed-Mode-Lautsprechern zum Einsatz. Hier wird eine flache Membran so angeregt, das eine gleichmäßige Verteilung an Schwingungsmoden erreicht wird. Oder anders gesagt: Die entstehenden Resonanzen der Membran werden so im Frequenzspektrum verteilt, dass das gewünschte Wiedergabeverhalten entsteht. Probleme gibt es hier jedoch bei tiefen Frequenzen.

Deshalb kombiniert Cambridge Audio in ihren BMR-Treibern beide Prinzipien, um einen möglichst vollwertigen Breitbandtreiber zu realisieren. So ist es auch möglich, die Crossover-Frequenz weit aus dem beim menschlichen Gehör so empfindlichen 1 bis 5 kHz-Bereich zu verlagern und sich wirklich nur im Bassbereich auf Spezialisten in klassischer Konstruktion zu verlassen.

Das Anschlussfeld der Aeromax 6 sorgt für eine sichere Verbindung zur Signalquelle

Klang

Direkt der erste Pluspunkt. Was die gute Räumlichkeit der Wiedergabe angeht hat man bei Cambridge Audio nicht übertrieben. Genau so wenig was die Minimierung des „Sweet-Spots“ angeht. Von der optimalen Hörposition kann man sich getrost entfernen ohne direkt den sonst sehr präsenten Abfall an hohen Frequenzen zu vernehmen. Beeindruckend!

Bild: Amazon

Wir hören uns an, was die weißen Türme aus Depeche Modes „Behind The Wheel“ von ihrem Album Music For The Masses machen. Der typische 80er Hall wird authentisch wiedergegeben und erzeugt sofort eine beklemmend, ja sogar kalte Stimmung. Die stoische Kickdrum wirkt druckvoll und impulstreu. Hier ist nichts von einem unnatürlich langen Nachschwingen zu hören. Schön, wie man hier auch das Gefühl hat, dass das Panorama ganz leicht über den Bereich zwischen den Klangquellen hinausgeht. Und auch die Tiefenstaffelung weiß, zu überzeugen mit hintergründigen Flächen und davor liegenden Leads. Währenddessen nagelt sich der Synthbass mit seiner schnellen ADSR-Kurve maschinell wie der Motor eines fahrenden VW-Käfer durch den Song. Sehr schön. Oder eben schaurig. Wie man will.

Leider gibt es auch weniger Erfreuliches zu berichten. Und zwar scheint es in Tiefmitten etwas zu hapern: So wirkt die Wiedergabe im Vergleich zum Referenzsystem stellenweise etwas kraftlos. Schade. Sonst ist Wiedergabe frequenziell sehr angenehm, mit starken Hochmitten, was zu präsenten und klaren Vocals im Mix führt. Ganz oben im Spektrum gibt es Lautsprecher, die deutlich luftiger klingen. Aber das ist eher eine Geschmacksfrage, als dass man hier sagen könnte, das etwas fehlt.

Bild: Amazon

Abschließend gönnen wir uns noch etwas John Coltrane. Mit seinen Stück „Summertime“ vom Album My Favourite Things. Hier können die Aeromax wieder glänzen und folgen exakt der Dynamik von Coltranes Saxophon, das sie schön knarzig und lebendig er- klingen lassen. Hier sind die nicht durch eine Frequenzweiche mit Artefakten verschmierten Mitten von Vorteil. Aber auch der Rest der Band macht hier Freude. Der Kontrabass brummt warm vor sich hin, das Klavier klingt schön staubig und schmutzig. So soll das sein. Der Raum auf dem Schlagzeug weiß, besonders zu gefallen und in Pausen hört man plötzlich das Bandrauschen. Herrlich.

Alles in allem können sich die Aeromax 6 wirklich hören lassen. Das innovative Treiber-Konzept kann ganz klar mit Stärken wie der wunderbar räumlichen Wiedergabe und der Abwesenheit des typisch schmalen „Sweet-Spots“ überzeugen. Schade, das die verschobene Übergangsfrequenz anscheinend zu Problemen in den Tiefmitten führt. Aber beim angegebenen Preis ist das Meckern auf hohem Niveau. Wer Wert auf Raum und Tiefe in der Wiedergabe legt und preiswerte Standlautsprecher sucht, ist hier richtig!

Preis: 999 Euro (Paar)

weitere Infos unter: www.cambridgeaudio.com

Test: Cambridge Audio Aeromax 6
Cambridge Audio legen mit ihren Aeromax 6 hier ein Paar Standlautsprecher vor, die vor allem durch eine in ihrer Preisklasse ausgezeichnete Räumlichkeit zu überzeugen wissen. Diese wird durch durch ein innovatives Treiber-Konzept erreicht. Das Ganze wird durch einen kompetitiven Preis abgerundet.
Wiedergabequalität74%
Ausstattung/Verarbeitung87%
Benutzerfreundlichkeit79%
Preis/Leistung86%
Vorteile
  • sehr gute Räumlichkeit
  • klare Hochmitten
Nachteile
  • teils schwache Tiefmitten
78%Gesamtwertung
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