Kabellosität ist ein nicht nur von Samsung erkannter Trend der Audiobranche. Das 360-Grad-Konzept der R6- und R7-Laut-sprecher soll nun Multiroom, Wireless und Surround vereinen. Wir haben uns daher mal auf die Umlaufbahn begeben.

Um eine laut eigenen Aussagen „neue Ära von Samsung Soundsystemen“ zu entwickeln, wurde extra ein neues Forschungslabor in Kalifornien gebaut. Die ersten Ergebnisse daraus präsentieren sich uns nun in Form eines zum Abschuss bereiten Footballs und einem akkubetriebenen Straußenei. Die kuriose Form hat dabei maßgeblich Einfluss auf den Klang der Lautsprecher. Es handelt sich um so genannte Rundstrahler, die sich aus einem 1-Zoll-Hochtöner und einem 5-Zoll-Tiefmitteltöner zusammensetzen. Die Membranen sind dabei nicht auf den ersten Blick zu erkennen, da der Tiefmitteltöner im Inneren des Lautsprechers verbaut ist und nach unten abstrahlt.

Dabei trifft er auf eine akustische Linse, die den Schall gleichmäßig in alle Richtungen lenkt. Ähnlich verhält es sich mit dem Hochtöner an der Spitze des Gehäuses. Über kleine Stege ist auch dort eine entsprechende Linse angebracht, die den Klang kreisrund nach außen spiegelt. Dabei gehen die Entwickler bei Samsung zwei unterschiedliche Wege. Der größere R7 ist zwar bezüglich seiner Zuspielung über Wi-Fi und Bluetooth ortsunabhängig, allerdings an eine Steckdose gebunden. Der kleinere R6 ist dagegen dank eines eingebauten Akkus komplett autark und eignet sich somit auch für den Garten oder die Terrasse. Die kleinere Variante der Samsung-Schallwandler muss sich aber deshalb nicht vor seinem Klangpartner verstecken, die technische Ausstattung ist abgesehen von der Leistung nämlich identisch.

Beide Modelle wirken durchweg hochwertig verarbeitet. Die Bedientaster sind berührungsempfindliche Felder, was natürlich einige Verschleißteile weniger darstellt und die Geräte langlebiger macht, aber manchmal auch für etwas Unsicherheit in der Handhabung sorgt. Zumindest eine sympathische Frauenstimme bestätigt dann doch mit „Bluetooth ready.“ oder ähnlich informativen Ansagen, dass man den Finger auf dem richtigen Feld hatte. Beide Lautsprecher können MP3, WMA, AAC, OGG, FLAC und WAV mit bis zu 192kHz und 24 bit verarbeiten und sind somit HD-Audio tauglich.

Was auch nicht fehlen darf, sind Streaming-Dienste, die Samsung so gut wie alle unterstützt. Spotify, Deezer, Napster, Rdio, um nur einige zu nennen. Zudem besteht bei der R-Serie die Möglichkeit, vom eigenen Medienserver zu streamen, oder über die obligatorische Samsung Multiroom App Musik direkt vom Smartphone oder Tablet abzuspielen. In der Praxis gestaltete sich die Netzwerkintegration jedoch etwas schwieriger und verlangte so einige Recherchen –nicht nur in der fast 60 Seiten umfassenden Bedienungsanleitung. Es ist empfehlenswert im Vorfeld darauf zu achten, dass das heimische Equipment mit dem Samsung Multiroom-Systemen kompatibel ist, wenn man keine bösen Überraschungen erleben will. Einmal jedoch die Integrationshürde gemeistert, wird sofort klar, dass sich der Aufwand gelohnt hat.

Die Bedienung der Lautsprecher per App geht leicht von der Hand. Es ist dann auch spielend möglich, mehrere R6 oder R7 in Gruppen zusammenzuführen und somit sogar Stereo- oder Surround-Setups zu konfigurieren. Und wie man es auch dreht und wendet, es klingt. Die Speaker bestechen durch einen ausgesprochen warmen Klang. Stimmen klingen charismatisch und lebendig. Das gefeierte Debütalbum „Mutual Friends“ des deutschen Duos „Boy“ klingt fast als würden die beiden Frontfrauen ein exklusives Wohnzimmerkonzert spielen. Selbst Mono wissen der R6 und R7 zu überzeugen. Dabei klingt der R6 für seine Größe überraschend räumlich und die Differenzierung zwischen Instrumenten und Stimmen ist hervorragend. Besonders hat uns das bei Michael Jacksons „Earth Song“ gefallen, der luftig und größer klingt, als man das vom kleinen Lautsprecher erwartet. Der R7 wirkt etwas transparenter und bietet ein wesentlich breiteres Spektrum, vor allem die höhere Pegelfestigkeit macht sich deutlich bemerkbar. Für eine Neuentwicklung auf jeden Fall schon ziemlich erwachsen.

Wirkliches High-End klingt insgesamt zwar anders, aber die beiden sind echt faszinierende Lautsprecher, die durch eine lebendige Ausstrahlung, flexible Kombinationsmöglichkeiten und einen warmen Grundcharakter überzeugen. Und wenn Samsung in der nächsten Zeit noch an der ein oder anderen Stellschraube dreht, erwartet die Konkurrenz in der High-End Multi-Room Branche ein mehr als ernstzunehmender Mitspieler. Im Moment ist die neue R-Serie zwar schon sehr gut, aber selbst an Samsungs eigenen Ansprüchen gemessen noch eine nur fast runde Sache. Aber: Kalifornien ist auf dem richtigen Weg und klanglich bereits da angekommen, wo andere gerne stehen würden.

Über den Autor

Johannes Strom

Freier Autor, Audio Engineer und Musiker aus Leipzig. Viele Jahre im Pro-Audio unterwegs, speziell im Eventbereich, klassisches Theater, Konzertbeschallung, Musical und auf Kreuzfahrtschiffen. Studioproduktionen aus Leidenschaft. High End aus Faszination. Lyrik-Liebhaber und Bücherleser (Papier, und so). Spielt Cello, Gitarre und Klavier. Hört privat Yamaha NS-Serie und Genelec 1031A.

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