Wenn sich ein Traditionsunternehmen wie Technics aus der eigenen Komfortzone bewegt, sind die Erwartungen entsprechend groß. Mit dem Ottava S SC-C50, oder kurz C50, stellen die Japaner ihren neuen, futuristischen Wireless-Lautsprecher vor.

Klangliches Kraftwerk!

Beim Namen Technics wird die versammelte Leserschaft wahrscheinlich geschlossen ein und die selbe erste Assoziation haben. Turntables. Weniger anglophilen Lesern vielleicht auch als Plattenspieler bekannt. Dicht gefolgt von den Verstärkern des Herstellers und deren charakteristischen VU-Metern mit ihrem unbestreitbaren Retro-Charme.

Das erste Produkt das den Namen Technics trug, war jedoch ein geschlossener Zwei-Wege-Kompaktlautsprecher mit der passenden Bezeichnung „Technics 1“. Erscheinungsjahr 1965. Seitdem hat sich einiges getan am HiFi-Markt. Und natürlich auch in Sachen Technik. Der neue C50 von Technics schlägt hier sozusagen elegant die Brücke zwischen den Anfängen der Firma und der Gegenwart. Schließlich kombiniert der Wireless-Lautsprecher doch eine ebenfalls kompakte Bauweise mit brandaktueller Elektronik.

Die Zukunft jetzt!

Und den modernen Anspruch kommuniziert der C50 auch schon ohne Wenn und Aber durch sein futuristisches Auftreten. Das zieht sich von der asymmetrischen, geschwungenen Linienführung, über das an moderne Architektur gemahnende Rippendesign der Rückseite, bis zum von den Bedienelementen eingekreisten OLED-Display. Die Oberseite des Technics besteht aus gebürstetem Aluminium und schafft einen schönen Kontrast zur sonst in Schwarz gehaltenen Erscheinung unseres Testmodells. Wer ein grundsätzlich helleres Erscheinungsbild wünscht, wird mit der ebenfalls angebotenen weißen Variante glücklich werden.

Technics Ottava S SC-C50 Wireless-Lautsprecher Musikanlage Wireless Lautsprecher Test Review

Die Rückseite des Technics ist in einem schicken Rippendesign gehalten, das auf funktionaler Ebene der Wärmeableitung dient

Das restliche Gehäuse besteht dabei übrigens weitestgehend aus robuster Glasfaser. Jedoch ist das Design nicht bloßer Ästhetik geschuldet. Die Rippen der Rückwand dienen etwa der Wärmeableitung, während die Gehäuseform sowohl ein breites Abstrahlverhalten, wie auch möglichst geringe Beugungseffekte befördern soll. Und die Erscheinung ist auch nicht das einzig futuristische am SC-C50. Auch unter der Haube geht es fortschrittlich zu. Genauer gesagt sogar schon unter der Frontbespannung.

Hier finden wir sage und schreibe gleich sieben Treiber in einer 3.1 Konfiguration! Das ist nicht zuletzt durch die koaxiale Anordnung der Mittelund Hochtontreiber auf dem doch begrenzten Platz möglich. Jeweils einer der drei Tiefmitteltöner mit ihren 6,5 Zentimeter messenden Membranen wird dabei durch einen mit einer 1,6 cm Kalotte bestückten Hochtöner ergänzt. Die ganz tiefen Frequenzen übernimmt als Siebter im Bunde der verbaute Subwoofer mit einem Durchmesser von 12 cm. Wenig verwunderlich handelt es sich beim C50 um eine Bassreflexkonstruktion, deren Tunnel sich nach vorne öffnet. Angetrieben werden die Treiber von gleich vier Endstufen mit einmal 40 Watt Leistung für den Subwoofer und je 20 Watt für je ein Pärchen aus Hoch- und Tiefmitteltöner.

Technics setzt an dieser Stelle auf ihre patentierten JENO-Engines. JENO steht für Jitter Elimination und Noise Shaping Optimization und ist ein spezieller Schaltkreis, den Technics zur Unterdrückung von Taktschwankungen bei digitalen Signalen entwickelt hat und der mittlerweile in vielen ihrer Produkte zu finden ist. Dieser ist der eigentlichen Leistungsstufe vorgeschaltet. Das war es aber noch nicht mit proprietären Besonderheiten rund um die Endstufen des SC-C50.

Auch Technics LAPC Technologie kommt hier zum Einsatz. Die Load Adaptive Phase Calibration bezeichnet dabei einen adaptiven Algorithmus der mittels DSP die Impulsantwort der angeschlossenen Lautsprecher misst und darauf sowohl den Phasen- als auch den Amplitudenfrequenzgang korrigiert um so etwa für die Frequenzabhängigkeit der Impedanz der Lautsprecher zu kompensieren. Das alles soll vor allem die Räumlichkeit der Wiedergabe verbessern.

Apropos Räumlichkeit. Der Technics hat auch noch zu allem Überfluss seine eigene Raumkorrektur in Form des sogenannten Space Tune an Bord. Diese bedient sich entweder des eingebauten Mikrofons zur automatischen Anpassung des Sounds an die Hörumgebung, oder aber kann mittels der zugehörigen App von Technics im Verbund mit einem iOS-Gerät noch präziser eingreifen.

Technics Ottava S SC-C50 Wireless-Lautsprecher Musikanlage Wireless Lautsprecher Test Review

Die Tiefmitteltöner und die Hochtöner des Ottava S SC-C50 sind koaxial zueinander angeordnet, was die Phasenrelationen der Treiber verbessert

Teamplayer

So beeindruckend der SC-C50 an und für sich genommen schon wirken mag, zeichnet ihn auch vor allem seine zahlreichen Anbindungsoptionen aus. Fangen wir mit den physischen Verbindungen an. Da wäre zunächst der gute, alte analoge 3,5 Millimeter Klinken-Eingang. Kann ja sein, dass jemand sein Smartphone auf diese leicht archaische Weise benutzen möchte. Abseits davon findet sich am Anschlussfeld auch ein optischer Eingang im TOSlink-Format. Wer möchte, kann hier also etwa seinen CD-Player anschließen.

Ein USB-A Anschluss ist ebenfalls mit von der Partie, genauso wie eine Ethernet-Schnittstelle aufgelegt als RJ-45 Buchse. Dabei unterstützt unser Testproband eine Vielzahl an gängigen Dateiformaten. Neben MP3 und AAC zählen dazu die obligatorischen Wave-Files mit Samplingraten bis zu 384 Kilohertz (kHz) und Auflösungen bis zu 32 Bit und FLAC-Dateien mit ebenfalls bis zu 384 kHz und bis zu 24 Bit Auflösung. Damit nicht genug. Auch DSD wird mit bis zu 11,2 Megahertz unterstützt. Und dank der LAN-Anbindung kann man sich über das heimische Netzwerk problemlos zum Beispiel mit einem NAS verbinden.

Wem Kabel ziehen eher keinen Spaß macht muss jedoch nicht verzweifeln. Dank WiFi-Konnektivität und Bluetooth kommt man auch super ohne aus. Auch Airplay steht bei Bedarf zur Verfügung, genauso wie die in diesem Segment ja fast schon obligatorische Option, seine multimedialen Streaming-Bedürfnisse via integriertem Google Chromecast zu stillen. Aber natürlich ist der Technics genauso zu den Apps der gängigen Streaming-Anbieter Spotify, Tidal und Deezer kompatibel. Ausgänge gibt es übrigens keine. Wozu auch? Dafür ist der SC-C50 mit Hilfe der Google Home App multiroomfähig und soll bald auch in der Lage sein, sich mit einem zweiten SC-C50 als Stereopaar koppeln zu können. Wer hier nicht glücklich werden will, muss sich wirklich schon hart anstrengen.

Technics Ottava S SC-C50 Wireless-Lautsprecher Musikanlage Wireless Lautsprecher Test Review

Direkt unter dem Subwoofer befindet sich eine helle, weiße LED die unmissverständlich kommuniziert wenn das Gerät im aktiven Betrieb ist

Volumen satt

Apropos anstrengen. Man kennt das ja von mobilen Lautsprechern und Kompaktanlagen, dass diese gerne, wenn es mal etwas lauter wird, relativ früh „dichtmachen“ oder eben sehr angestrengt klingen. Die Dynamik geht dahin und schlimmstenfalls schleichen sich dafür hörbar nichtlineare Verzerrungen ein. Genau das Gegenteil ist beim Technics der Fall! Dieser lässt sich locker und ohne mit der Wimper zu zucken in absolut partytaugliche Lautstärkebereiche fahren. Irgendwann verringert sich zwar auch hier die Dynamik der Wiedergabe, aber erst an dem Punkt an dem es uns eigentlich schon zu laut wurde im Hörraum – und der ist vergleichsweise groß. Dabei fällt besonders auf wie der C50 es vermag wirklich den gesamten Raum klanglich auszufüllen. Damit haben wir angesichts der Abmessungen nicht gerechnet.

Aber auch bei dem Gehör geringerer Pegel gefällt uns der Technics ausgesprochen gut. Denn er kann nicht nur laut, sondern auch schön. Das Klangbild ist auffallend klar und kontrolliert. Und der Bassbereich sorgt abermals für Stirnrunzeln beim Tester. Denn hier liefert unser Testkandidat nicht nur ein dickes Fundament, sondern bleibt dabei auch konturiert. Es wird also nicht die Durchsichtigkeit der Effekthascherei geopfert. Sehr gut!

Widmen wir uns zum krönenden Abschluss noch flux einem Hörbeispiel. Und zwar dem Track „Words I Heard“ von Julia Holters brandneuen Album „Aviary“. Die schon erwähnte gute Basswiedergabe rückt hier den Kontrabass sofort ins rechte Licht, der ein sonores und warmes Fundament für die schimmernden Streicher bildet, die sich, wie auch das dunkle Klavier, traurig schön durch das Arrangement ziehen. Es ergibt sich sogar erstaunlich viel Tiefe zwischen den Instrumenten gemessen an der Bauform. Über allem schwebt Julia Holters unverwechselbar artikulierte Stimme mit schönem Hall versehen. Wirklich toll, wie der Technics das rüberbringt!

Weitere Infos unter: www.technics.com

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien erstmalig und exklusiv in der Printausgabe von AUDIO TEST Ausgabe 1/2019.

Test: Technics Ottava S SC-C50 Wireless-Lautsprecher/Anlage
Der Technics Ottava S SC-C50 Wireless Lautsprecher hat vielleicht nicht den am einfachsten von der Zunge rollenden Namen, aber weiß dafür in jeder klanglichen Hinsicht zu überzeugen. Mit umfangreicher und zeitgemäßer Konnektivität, der Möglichkeit, auch betagtere Technik anzuschließen und dank modernster Technologie exzellentem Klang bis in hohe Pegel sollte der C50 bei allen, die nach einer kompakten Anlage suchen, ganz weit oben auf der Liste stehen.
Wiedergabequalität92%
Ausstattung/Verarbeitung90%
Benutzerfreundlichkeit93%
Preis/Leistung89%
Vorteile
  • hoher Wiedergabepegel
  • Klang
Nachteile
  • keine
91%Gesamtwertung
Leserwertung: (0 Votes)
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Bildquellen:

  • _MG_5877: Bild: Auerbach Verlag
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  • Technics Ottava S SC-C50: Bild: Auerbach Verlag