Heimkino für die Ohren

Schon vor seiner Premiere auf der High End 2017 in München kam der aktuelle AV-Receiver von Denon, der AVR-X1400H in unser Labor. Wir prüften das neuste Modell der X1000er Serie eingehend, vor allem in Hinblick auf seine akustischen Qualitäten und natürlich seine Konnektivität.

Die X-1000er Serie von Denon gehört zu den beliebtesten AV-Receivern in Deutschland. Kein Wunder, die Modelle kosten nicht die Welt und sind echte Universaltalente in optischer und akustischer Hinsicht. Der Denon AVR-X1400H ist das neuste Schmuckstück der Japaner unterhalb der 600-Euro-Grenze.n Als eines der wichtigsten Features ist nun HEOS Multiroom integriert. Somit wird der X1400H zum Bestandteil des kabellosen Musikgenusses in allen Räumen. Doch darauf gehen wir später ein.

Denontypisch

Äußerlich präsentiert sich der AV-Receiver, wie bei Denon üblich, mit zwei auffallenden Drehreglern links und rechts und dem großen Multifunktionsdisplay in der Mitte. Von der Rückseite aus schauen uns zwei Antennen für WLAN und Bluetooth an. Mit dem WIFI kann der Receiver nicht nur auf 2,4 GHz, sondern auch auf 5 GHz kommunizieren. Praktisch vor allem, wenn auf 5 GHz ausgewichen werden muss, weil zu viele andere Netzwerke im Haus auf 2,4 GHz funken. Außerdem ist das 5 GHz Netz schneller und weniger störanfällig.

Unterhalb des Displays findet sich die Klappe, hinter der sich weitere Bedienelemente verstecken. So kann der X-1400H auch ohne Fernbedienung oder App gesteuert werden. Der Denon hat die klassische Rackgröße mit 15 Zentimeter Höhe, 43 Zentimeter Breite und 34 Zentimeter Tiefe. Wie seine Vorgänger ist er auch ein echter Klassiker hinsichtlich der Farbwahl (schwarz), immerhin das beliebteste Farbdesign der Deutschen für Heimkinoelektronik.

Anschlüsse

An Anschlüssen mangelt es dem AVR-X1400H nicht. Da haben wir an der Front einen HDMI-Eingang und fünf weitere auf der Rückseite. Die sind dank HDCP 2.2 für 4K-Inhalte geeignet. Außerdem verarbeitet der Bildprozessor HDR, Dolby Vision und Hybrid Log Gamma, wobei Letztgenanntes über ein zukünftiges Firmwareupdate eingespielt werden muss. Bildtechnisch ist der Denon also für die nächsten Jahre gerüstet.

Über zwei analoge Audio-Eingänge via Cinch kann sich der audiophile Nutzer freuen. Dazu gesellen sich zwei optische Anschlüsse und eine USB-Schnittstelle an der Frontseite. So sollten USB-Stick, der CD-Player, das gute alte Kassettendeck und andere Quellen einfach mit dem Receiver verbunden werden können. Plattenspieler können leider nicht direkt angeschlossen werden, da ein integrierter Vorverstärker fehlt. Doch die kosten nicht die Welt bzw. haben doch einige Plattendreher einen Vorverstärker integriert.

Leistung satt

Als Herz werkelt im Inneren des Denon ein ARM A9, der Chip, der bislang nur den „ganz großen“ Denons vorbehalten war. Der 32-bit-Multicore-Prozessor kommt auf eine Verarbeitungsleistung von schnellen 4 × 300-MHz DSP Cores. Sie erlaubt über 1 Milliarde Berechnungen pro Sekunde. Das bedeutet viel Luft nach oben für neue Features, die es per Update in Zukunft für den Denon AVR-X1400H geben kann. Aber schauen wir nicht ins Morgen, bleiben wir im Heute.

Für alle Fans von Tönen, die über dem Kopf erklingen, hat er Dolby Atmos und DTS:X integriert, um bis zu 5.1.2 Kanäle anzusteuern. Dank DSD (bis 5.6 MHz), FLAC, ALAC und WAV Unterstützung mit bis zu 192 kHz bei 24 Bit können sich HiFi-Fans auf hochaufl ösenden Musikgenuss freuen. Außerdem verbessern Audyssey MultEQ XT, Dynamic Volume und Dynamic EQ die Raumakustik – fast alles so, wie es auch die größeren und damit teureren Denon-Modelle versprechen.

Inbetriebnahme

Wie bei aktuellen Receivern üblich, führt uns der Denon AVR-X1400H mittels Wizard durch die Einrichtung des Gerätes. Ein Messmikrofon liegt bei, was das punktgenaue Einmessen des Raumes erlaubt. Alles in allem geht bei unserer Konfi guration die Installation innerhalb von 30 Minuten über die Bühne. Allerdings nutzen wir auch nur ein Stereo-Setup, da dies für die Musikwiedergabe in den meisten Haushalten der Standard ist. Hinzu kommt noch die Zeit für den Anschluss ans Netzwerk und eventuelle Updates.

Denon liefert seine Receiver mit zwei Apps: Auf der einen Seite haben wir die Denon-App, die sozusagen die Fernbedienung ersetzen soll. Auf der anderen Seite ist die HEOS-App, welche sich um die ganzen Netzwerkdienste wie Napster, Tidal, Deezer, heimischer Musikserver usw. kümmert. Die Zwei-App-Bedienphilosophie hat noch ihre Tücken. Während Eingänge wie ein angeschlossener BluRay-Player nur per Denon App auswählbar sind, steuert die HEOS App z. B. das Skipping. Das ist soweit logisch.

Wer aber die App nativ bedient, kann schon das ein oder andere Mal vergeblich auf den auch in der HEOS App angezeigten Eingang „tappen“ und sich wundern, weshalb hier die Eingängen des Receivers nicht angezeigt werden. Bluetooth hingegen lässt sich über HEOS und über die Denon-App steuern. Zweitgenanntes geht dann nur komfortabel, wenn der TV eingeschaltet ist.

Denon AVR-X1400H

Über die HEOS-App können wir auch ohne TV unseren Bluetooth-Zuspieler steuern. Da HEOS jetzt in allen neuen AV Receivern von Denon als Feature verbaut ist, wäre ggf. im nächsten Schritt auch ein „Verschmelzen“ der Apps möglich.

HEOS im Denon AVR-X1400H

Apropos HEOS: Aktuell lassen sich dank HEOS mit diesem Receiver die Signale analoger Quellen in verschiedenen Räumen verteilen. Das ist ordentliches Feature, was wir bei früheren Generationen vermisst haben. Des Weiteren bietet die HEOS-App praktisch alle wichtigen Streamingdienste, Internetradio sowie Zugriff auf das heimische Netzwerk und wurde damit im Vergleich zum Jahr 2016 noch einmal deutlich aufgewertet. Damit wurde natürlich auch der Funktionsumfang des Denon AVR-X1400H enorm erweitert. Und wir wissen ja noch nicht, welche Features in Zukunft über HEOS laufen werden. Rechenleistung hat der Denon ja genug.

Auf jeden Fall ist die Integration des Multiroomsystems (i. ü. in die komplette neue AV-Receivergeneration von Denon (!)) ein Schritt in die richtige Richtung und bringt dem Nutzer bislang ungekannten Bedienkomfort.

Sieben Endstufen im Denon AVR-X1400H

Dank seiner sieben diskreten Endstufen kann der neue Denon ebenso viele Kanäle ansteuern, wobei wir hier nicht verschweigen wollen, dass sich gleich zwei Subwoofer anschließen lassen – für einen „kleinen“ AV-Receiver eine wirklich üppige Ausstattung. Bei sechs Ohm Impedanz erreicht der AVR-X1400H eine Ausgangsleistung von 145 Watt pro Kanal. Das genügt, um mittelgroße Räume hervorragend zu beschallen.

Da die Endstufe sehr stabil läuft, können selbst 4-Ohm-Lautsprecher ohne Probleme an dem Receiver betrieben werden. Hier beweist Denon seine Fähigkeit, auf sehr verschiedene Nutzer gut eingehen zu können – was eben die Kunst im AV-Receiverbau ist. Außerdem ist ein Auto-Eco-Modus in der Schaltung integriert. Er kümmert sich um eine effiziente Nutzung der Energie. Dadurch wird die Leistungsaufnahme bei geringer Lautstärke gedrosselt und die sonst üblichen 430 Watt merklich reduziert.

Denon AVR-X1400H

Die Anschlussvielfalt lässt kaum Wünsche offen, nur ein Phono-Eingang fehlt. Fünf HDMI-Eingänge sind aus unserer Sicht heute völlig ausreichend

Kristall fürs Ohr

Kommen wir aber nun zum Wesentlichen: dem Klang. Zum Testen kombinieren wir den Denon AVRX1400H mit unseren zwei Dynaudio Contour 30. Zunächst schauen wir etwas Kino. „Baymax – Riesiges Robowabohu“ aus dem Jahr 2014 ist unser erster Testfi lm. Der Sound ist erstklassig, selbst bei geringer Lautstärke boostet der Denon die Töne und es kommt richtig Freude auf. Die Explosionen wummern ordentlich und die Stimmen sind glasklar. Die Räumlichkeit ist klasse und das Stereobild wird punktgenau aufgeteilt.

 

Preis: EUR 7,99
Auch beim Film „Midnight in Paris“ von Woody Allen macht der AVR-X1400H alles richtig. Gerade das Intro mit Momentaufnahmen von Paris begleitet von sanften Jazztönen, weckt bei uns den Wunsch mehr Musik mit dem AV-Receiver zu hören.

Wir stolpern auf unserem Musikserver über Depeche Modes „Broken“ aus dem Album „Delta Machine“ aus dem Jahr 2013. Die Stimme von Dave Gahan hallt uns leicht und elegant entgegen, der Bass und die Synthies schweben formvollendet durch den Raum. Was wollen wir mehr? Die leicht kühle Digitalnote des Denon AVR-X1400H passt wie die Faust aufs Auge zum Elektrosound der englischen Kultband.

Bestes Bluetooth beim Denon AVR-X1400H

Über Bluetooth stöbern wir dann noch ein wenig in den Playlisten unserer Smartphones. Auffällig ist dabei, wie gut das Bluetooth arbeitet. Das bekannte Knacken, wenn zu viele Daten geschaufelt werden müssen und das Lied kurzzeitig unterbricht, gibt es hier nicht. Alles läuft butterweich. Der Klang ist hier ebenfalls brillant und sehr detailliert. Höhen, Bässe und Mitten – alles zeigt sich in Bestform. Einzig könnten wir die fehlende Wärme bemängeln.

Der Denon AVRX1400H setzt eben auf digitales Soundprozessing. Aber selbst bei Mozarts kleiner Nachtmusik, stellt sich sofort das typische Gefühl von Fröhlichkeit ein. Anmutig werden die Klänge des Quintetts im Raum verteilt. Nein – kalt lässt uns das nicht, im Gegenteil! 

Weitere Infos: www.denon.de

Test: Denon AVR-X1400H - Ohrenkino
Mit dem AVR-X1400H beweist Denon, dass Gutes nicht teuer sein muss. Hochwertige digitale Audiotechnik mit zukunftssicherer Videoverarbeitung trifft hier auf eine wirklich große Funktionsvielfalt. Für die meisten Wohnzimmer sollte das mehr als genügen. Die HEOS – Integration schafft viele neue Bediendetails für den Nutzer, dabei muss er aber aufpassen, den Überblick in der Bedienung zu behalten. Klanglich ist er voll auf der Höhe digitaler Technik zu einem Preis, der es einem schwer macht, „Nein“ zu diesem AV-Receiver zu sagen.
Wiedergabequalität87%
Ausstattung/Verarbeitung80%
Benutzerfreundlichkeit80%
Preis/Leistung90%
Vorteile
  • Gapless-Wiedergabe
  • 4K-Video mit aktuellen HDR-Formaten
  • digital präziser Sound
Nachteile
  • zwei Apps zur Bedienung
85%Gesamtwertung
Leserwertung: (258 Votes)
1%

Über den Autor

Thomas Kirsche

ist Hörspielmacher, Autor und Journalist. Ob beim Geräuschemachen, Musik für ein Hörspiel abmischen oder die beste EQ-Einstellung für den Sound einer Stimme finden, immer ist er auf der Suche nach dem richtigen Klang. Beim Verfassen von Testberichten nimmt er mit Vorliebe die Perspektive des Hörers bzw. Nutzers ein. So zählen für ihn Klang und Bedienbarkeit viel mehr als emotionslose Messdaten.

Ähnliche Beiträge

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

[i]
[i]