Klang deluxe bei Musik und Film

AV-Receiver müssen mehr können als ein Schweizer Taschenmesser. Dass der Spagat zwischen Feature- und Anschlussvielfalt und sauberem Sound nicht allen gelingt, ist kein Geheimnis. Der Marantz SR7011 beweist: Es geht doch!

Zugegeben, er ist schon eine Erscheinung, der Marantz SR7011. Der AV-Receiver nimmt immerhin eine Höhe von 18,5 Zentimetern ein und kommt auf eine Breite von 44 Zentimetern. Das macht Eindruck. Doch dafür vereint er viele Geräte in seinem Gehäuse: Netzwerkplayer, FM-Tuner, modernster Surround Decodierer, hochwertiger Verstärker und, und, und – ein echtes Multifunktionsgerät. Was sofort ins Auge fällt, ist das Marantz-typische runde Display zwischen den Drehreglern für Quelle und Lautstärke. Es sorgt für einen schicken Retrolook des Gerätes.

Ist der Marantz eingeschaltet, leuchtet der Ring um die Anzeige in einem angenehmen blauen Ton. Das LCD hingegen ist weiß. Wer keine Lichtreklame im Wohnzimmer mag, muss hier also nichts befürchten. Sehr gut austariert ist auch der Drehregler für die Lautstärke, wirklich feinstufig können wir die Lautstärke ändern. Alles in allem können wir an Verarbeitung und Design des Gerätes nichts aussetzen. Er wirkt wie aus wie aus einem Guss, ein klassisch elegantes Erscheinungsbild. Anmerken wollen wir, dass der Receiver mit dem Einschalten sofort fühlbar Wärme entwickelt. Das ist wohl mit ein Grund für das große Gehäuse, denn die Technik braucht Platz zum Atmen. Das sollte unbedingt bei der Aufstellung des Marantz SR7011 beachtet werden. Eingezwängt in einem engen Regal könnte es zu einem Hitzestau kommen.

Marantz SR7011: Der Blick ins Innere zeigt, dass hier wirklich hochwertige Technik auf relativ kleinem Raum untergebracht ist. Oben im Bild ist die HDMI-2.0a-Platine mit 10-Anschlüssen, Netzwerkeingang sowie vier digitalen Eingängen zu sehen

Der Blick ins Innere zeigt, dass hier wirklich hochwertige Technik auf relativ kleinem Raum untergebracht ist. Oben im Bild ist die HDMI-2.0a-Platine mit 10-Anschlüssen, Netzwerkeingang sowie vier digitalen Eingängen zu sehen

Installation via Diashow

Für den Aufbau des 9.2-KanalNetzwerk-AV-Receivers hat sich Marantz etwas Großartiges einfallen lassen. Einfach Gerät aufstellen, mit dem Stromnetz verbinden und den Fernseher via HDMI anschließen. Schon kann es losgehen. Anschauliche Bilder erklären Schritt für Schritt das Vorgehen. Dazu gehört das richtige Anschließen der Lautsprecher oder die korrekte Montage der beiliegenden Bluetooth-WLAN-Antennen.

Während der Einrichtung verbindet sich das Gerät mit dem heimischen Netzwerk. Hier können wir zwischen LAN und WLAN wählen. Auch wie und wo die Zuspieler angeschlossen werden, erläutert uns die Diashow. Zum Schluss kommt aber der aufregendste Teil. Das Einmessen der angeschlossenen Lautsprecher an die Raumakustik. Dazu liegt dem Marantz SR7011 ein Messmikrofon bei. Es wird direkt an der Front angeschlossen. Die Klinkenbuchse befindet sich hinter der Klappe unter der runden LCD-Anzeige. Hier sind noch weitere Bedienelemente zu finden. Der AV-Receiver kann also auch ohne Fernbedienung direkt am Gerät gesteuert werden. Oder es wird die App genutzt. Was die kann, erläutern wir gleich.

Wenden wir uns erst nochmal dem Einmessen zu. Damit das Mikro die richtige Höhe im Raum einnimmt, liegt sogar ein Stativ bei. Deshalb werden wir bastlerisch aktiv und bauen eine 1,20 m hohe Papprakete auf, deren Spitze das Messmikrofon wird. Die Einmessung erfolgt an acht Punkten und geht flott vonstatten. Natürlich sagt uns auch hier das Gerät genau, was wir tun sollen. So ist die gesamte Einrichtung des Receivers in nicht einmal 20 Minuten erledigt.

App oder Fernbedienung

Wie erwähnt, lässt sich der SR701 auch per App steuern. Die stellt Marantz für iOS oder Android kostenfrei zur Verfügung. Damit die Steuerung damit funktioniert, muss sich das Smartphone oder Tablet im selben Netzwerk befinden wie der AV-Receiver. Wir öffnen also die App, die sucht alle verfügbaren Geräte, wie wählen den SR7011 aus und schon können wir jede Signalquelle anwählen. Dank HDCP 2.2 steuern wir sogar unseren Blu-ray Player über die Marantz-App. Auf Menüs, Sonderfunktion usw. lässt sich problemlos zugreifen. Alles funktioniert ohne Aussetzer.

Damit das Gerät seine volle Funktionsvielfalt als Netzwerkplayer für den heimischen Server oder Online-Dienste entfalten kann, muss die HEOS App installiert werden. Sie wird automatisch gestartet, wenn wir in der Marantz App die Quelle Online-Musik aktivieren. Dank HEOS können wir auf unseren Musikserver zugreifen sowie Tidal, Deezer, Napster und viele Online-Radio-Stationen. Aber natürlich ist HEOS vor allem ein Multiroomsystem. So haben wir die Möglichkeit verschiedene Räume bzw. HEOS-Lautsprecher dem Marantz zuzuweisen und er spielt dann in Wohn-, Schlaf- oder Arbeitszimmer die gewünschte Musik ab.

Marantz SR7011: Mit der Marantz App und HDCP 2.2 wird der Player bis in die Menü-Ebene angesteuert

Mit der Marantz App und HDCP 2.2 wird der Player bis in die Menü-Ebene angesteuert

3D hören

Als echter AV-Receiver ist der Marantz SR7011 vor allem für Fans des perfekten Film-Sounds interessant. Hier bietet das Gerät praktisch alles, was zurzeit gefragt ist. So verarbeitet er DTS HD Master und DTS:X genauso wie DTS Neural:X. Natürlich sind auch die Formate Dolby TrueHD, Dolby Atmos und Dolby Surround an Board. Selbst Auro 3D, der Hybrid aus Objekt und Kanal-basierter Wiedergabe, was einen sehr immersiven Sound erzeugt, kann genutzt werden. Allerdings wird dafür ein kostenpflichtiges Upgrade von 149 Euro fällig.

Im Receiver verrichten neun Verstärkerstufen ihre Arbeit. Deren Ausgangsleistung liegt bei stattlichen 200 Watt pro Kanal. Besonders Lautsprecher mit einer Impedanz von bis zu vier Ohm sind für den Marantz ideal. Problemlos kann er damit ein 5.1 Kino-Setup plus vier Höhenlautsprecher betreiben. Wer lieber 7.1.4 nutzen will, schließt einfach einen zusätzlichen Stereo-Verstärker an den SR7011 an, denn insgesamt gibt er elf Kanäle aus.

Umweltbewusste Nutzer wird sicherlich der integrierte Eco-Modus interessieren. Dank ihm wird die Ausgangsleistung automatisch an den Lautstärkepegel angepasst. Der Verstärker läuft also nicht auf vollen Touren, wenn die Lautstärke das gar nicht erfordert. Das bringt immerhin eine Energieersparnis von bis zu 45 Watt. Ist nämlich der Eco-Modus eingeschaltet, schluckt der SR7011 im Betrieb 65 Watt. Ohne Stromspareinstellung sind es 110 Watt.

Marantz SR7011: Die auf den ersten Blick verwirrende Anschlussvielfalt verliert dank der Installationsanleitung des SR7011 ihren Schrecken

Die auf den ersten Blick verwirrende Anschlussvielfalt verliert dank der Installationsanleitung des SR7011 ihren Schrecken

Besser sehen mit Marantz SR7011

Auch wenn wir ein Audiomagazin sind, müssen wir doch etwas zum Bild sagen. Der Marantz SR7011 hat nämlich bezüglich seiner Videofähigkeiten Einiges auf dem Kasten. So unterstützen der eine front- und die sieben rückseitigen HDMI 2.0a-Anschlüsse alle HDCP 2.2. Das Weiterleiten von 4K Ultra HD-Videos ist problemlos möglich, genauso wie Videosignale mit höherem Kontrastumfang dank HDR. 21:9-Video, 3D und BT.2020 werden ebenfalls unterstützt. Mit BT.2020 werden alle für UHD-Signale erforderlichen Spezifikationen übertragen. Das sind etwa die Auflösung, Bildwiederholfrequenz, Farbraum, Farbtiefe und die Audioformate. Da der AV-Receiver SD- und HD-Signale auf 4K hochskalieren kann, lassen sich alte Videos im neuen Glanz erleben. 

Hochauflösendes Audio

Bei der Wiedergabe von hochauflösenden Musikdateien setzt der SR7011 auf die Formate ALAC, FLAC und natürlich WAV. Die Auflösung kann bis zu 24 Bit bei 192 kHz liegen. Da freut sich der Hi-Res-Fan. Hochauflösende Musik spielen wir über den an der Front befindlichen USB-Anschluss ein oder über das Netzwerk. Damit nimmt der Marantz entweder per Kabel oder WLAN Kontakt auf. Hier leisten die beiden Antennen übrigens einen wichtigen Dienst. Selbst in Mietshäusern mit vielen sich überlagernden WLAN-Signalen sorgen sie dafür, dass ohne Störung gestreamt werden kann. Die Antennen sind übrigens auch für den tadellosen Bluetooth-Empfang verantwortlich.

Nicht ganz zum hochauflösenden Musikstandard des Receivers passt das FM-Radio. Hier hätten wir uns schon DAB gewünscht. Auch wenn das UKW-Radio RDS hat und schnell alle Sender unserer Region gefunden hat, ist der analoge Radioempfang schlicht nicht mehr zeitgemäß.

Wer seine gern Lautsprecher per Bi-Amping betreibt, dem bietet der SR7011 dafür die Möglichkeit, eine Lautsprecher A/B-Schaltung ist ebenfalls mit an Board. Wie wir schon festgestellt haben, ist dieser Marantz eben ein echtes Multifunktionsgerät.

Marantz SR7011: Das zweite Display ist besonders dann wichtig, wenn der Receiver ohne laufenden Fernseher genutzt wird

Das zweite Display ist besonders dann wichtig, wenn der Receiver ohne laufenden Fernseher genutzt wird

Sound der Extraklasse mit Marantz SR7011

Doch egal ob Multiroom, Dolby Atmos oder Hi-Res Audio im Endeffekt zählt vor allem Eines: der Sound. Wie klingt der Marantz SR7011? Kann er mit einem gutem Stereo-Verstärker mithalten oder sind doch zu viele Geräte in einem Gehäuse vereint? Um uns nicht vom Surround-Sound beeinflussen zu lassen, testen wir den Klang in einer simplen Stereokombination. Die haben wir natürlich vorher mit dem receivereigenen Programm eingemessen. Als Erstes werfen wir die Konzert Blu-ray „Helge Schneider – Komm hier haste ne Mark!“ in den Player.

Gleich zu Beginn knattert der Komiker und Vollblutjazzer auf einem Motorrad durch das Gelände. Schon hier baut sich ein wirklich räumliches Stereobild auf, was Lust auf mehr macht. Als dann Helge nach ein paar Einstiegsgags die ersten Töne auf dem Piano spielt, haben wir fast vergessen nicht im Zuschauersaal, sondern lediglich im Testraum zu sitzen. Selbst als wir den Ton wirklich leise stellen, ist alles noch wunderbar zu verstehen ohne, dass wir das Gefühl eines Dynamikverlustes haben. Wir müssen dazu sagen, dass bei dieser Liveaufnahme die Tontechnik wirklich sehr gute Arbeit geleistet hat. Für das Bild gilt das leider nicht. Aber wir sind ja ein Audiomagazin.

Diana Krall trifft Frank Sinatra

Nachdem Helge mit seiner Band ein Liedchen vollendet hat und wir die Liveatmosphäre wirklich genossen haben, wenden wir uns Diana Krall mit „All Or Nothing At All“ aus dem Album „Love Scenes“ zu. Diesmal als hoch aufgelöste Datei mit 24 Bit bei 96 kHz. Das Lied, was wohl die meisten fest mit Frank Sinatra verbinden, interpretiert die Jazzpianistin aus Kanada so herrlich unaufgeregt ja fast schon ein wenig provokant. Der Hall wirkt hier wunderbar transparent und lässig fliegen die Pianotöne durch den Raum.

Richtig elegant wird der Bass aus dem Track herausgearbeitet. Der Marantz SR7011 weiß genau, wie viel Druck er geben darf, um dem Sound genau den Klang zu geben, den wir erwarten. Es wird nichts beschönigt oder verschlimmbessert. Die Dynamik stimmt und von Rauschen oder anderen unschönen Begleiterscheinungen ist nichts zu hören. Eventuell könnten wir meckern, dass etwas die Wärme fehlt, wie sie ein rein analoger Verstärker hätte. Doch das wäre in diesem Fall unangemessen. Der Marantz baut einen glasklaren, detaillierten Sound auf, der sich mit einem echten Vollblutverstärker mehr als messen kann.

Dass ihm dies nicht nur bei hochaufgelöster Musik gelingt, beweisen dann weitere Tests mit MP3-Aufnahmen verschiedener klassischer Konzerte. Trotz Komprimierung klingen sie dank des SR7011 kompromisslos gut.

Weitere Infos: www.marantz.de

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Test: Marantz SR7011 - Klang deluxe
Der große und 14,1 Kilogramm schwere AV-Receiver von Marantz weiß klanglich in praktisch allen Belangen zu überzeugen. Souverän schafft er es, selbst bei geringen Lautstärken der Musik und dem Filmton das nötige Volumen zu verleihen. Bild- und Audiosignalverarbeitung sind auf absolutem Höchstniveau. Alle Highend-Standards werden vom SR7011 unterstützt.
Wiedergabequalität91%
Ausstattung/Verarbeitung87%
Benutzerfreundlichkeit87%
Preis/Leistung100%
Vorteile
  • 9-Kanal-Verstärker
  • HDMI 2.0a mit HDCP 2.2
  • ausgewogener, dynamischer Klang selbst bei geringer Lautstärke
Nachteile
  • Auro-3D-Upgrade kostenpflichtig
90%Gesamtwertung
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Über den Autor

Thomas Kirsche

ist Hörspielmacher, Autor und Journalist. Ob beim Geräusche machen, Musik für ein Hörspiel abmischen oder die beste EQ-Einstellung für den Sound einer Stimme finden, immer ist er auf der Suche nach dem richtigen Klang. Beim Verfassen von Testberichten nimmt er mit Vorliebe die Perspektive des Hörers bzw. Nutzers ein. So zählen für ihn Klang und Bedienbarkeit viel mehr als emotionslose Messdaten.

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