Die letzten beiden Jahre waren keine einfachen für die HiFi-Branche. Kurzarbeit, Ladenschließungen, Messeabsagen, Rohstoffmangel oder Explosion der Transportkosten waren nur einige der Probleme, denen sich Hersteller, Vertriebe und Händler stellen mussten. Wir haben daher mit zahlreichen Branchenvertretern gesprochen und gefragt, wie es um die Audiobranche nach zwei Jahren Pandemie bestellt ist. Heute im Interview zu Gast: Hans-Joachim Acker vom HiFi-Fachhändler Fidelity aus Rellingen bei Hamburg.

Hans-Joachim Acker, Fidelity: „Unsere Branche hatte das Glück im Fokus der Neuanschaffungen zu stehen.“

Noch immer hat unsere HiFi-Branche mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Unsere Leser berichten uns vielfach von nicht-lieferbaren Produkten. Lieblings-Lautsprecher, die erst in einem Jahr geliefert werden und Verstärker sowie AV-Receiver, für die keine ausreichenden Chips zur Verfügung stehen. Zudem werden Zulieferpreise in der Industrie teurer, Energie- und Produktionskosten steigen teilweise um ein Vielfaches. Wir fragten Hersteller, Vertriebe und Händler: Wie steht es um die HiFi-Branche 2022*?

Unsere große Interviewreihe zum Zustand der HiFi-Branche 2022 geht nun weiter mit Hans-Joachim Acker, Geschäftsführer von Fidelity Hamburg (Fidelity Acker & Buck oHG).

Herr Acker, wie viele Kunden müssen Sie derzeit aufgrund von Lieferschwierigkeiten ohne das gewünschte Produkt wieder nach Hause schicken?

Es sind letztendlich weniger als wahrscheinlich angenommen wird. Es handelt sich immer wieder um die gleichen Produkte wie z.B. AV-Receiver und einige HiFi-Komponenten. Viele Kunden warten auch sehr geduldig, da andere Hersteller und Händler ebenfalls nicht liefern können.

Fidelity Hamburg HiFi Fachhandel Shop Rellingen
Blick ins Foyer bei Fidelity Hamburg: Auf die Kunden warten u.a. drei Hörstudios, drei Heimkino-Räume sowie eine Kopfhörer-Lounge.

Wo klemmt die Lieferfähigkeit derzeit am meisten: Lautsprecher, Verstärker/AV-Receiver, Kopfhörer, Vinyl oder Streamer/Zuspieler/Plattenspieler?

Definitiv im AV-Verstärker und Receiver-Bereich. Dies gilt über alle Marken hinweg, die sich bekannterweise mit den gleichen Schwierigkeiten konfrontiert sehen. Teilweise warten wir seit ca. 17 Monaten auf bestimmte AV-Receiver Typen. Aber auch in der 2-Kanal-Technik sieht es stellenweise nicht besser aus. Andere Bereiche sind hier weniger betroffen – bis gar nicht betroffen.

Die Preise für Gebrauchtgeräte sind explosionsartig gestiegen. Wie sieht das für Neugeräte aus, sind diese auch teurer geworden?

Ja, absolut. Wir standen vor der Aufgabe ca. 50 Preislisten in unserer Warenwirtschaft anzupassen. Und oft waren gleiche Termine für die Erhöhung durch die Industrie gesetzt worden. Aber es ist völlig verständlich, dass die Rohstoff-, wie auch Energiepreiserhöhung und dann auch noch die extremen Logistikkosten nicht ohne Erhöhung des EK/VKs abgefangen werden kann.

Hat die Pandemie zu mehr oder zu weniger Umsatz im Bereich HiFi geführt?

Tendenziell eher zu mehr Umsatz. Viele Menschen haben es sich in ihrem Zuhause schöner gemacht. Eine längere Zeit war die Möglichkeit Urlaub zu machen nicht gegeben. Ich denke, dass genau hier der Ansatz dafür begründet lag, sich auf seine „kleine Scholle“ zu besinnen. Unsere Branche hatte hier das Glück im Fokus der Neuanschaffungen zu stehen.

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Während der Corona-Zeit galt der Fokus wieder den eigenen vier Wänden. So wurde viel Geld in Genussmittel wie Wein und eben auch Unterhaltungselektronik/HiFi investiert.

Welche Produkte und welches Preissegment sind derzeit beim Kunden besonders gefragt?

Das hängt sicherlich bei jedem Händler davon ab, in welcher Preisklasse Artikel angeboten werden. Jeder wird wahrscheinlich in jedem Segment Zuwachs erleben dürfen. Wir bewegen uns schon sehr in Richtung Luxussegment. Das läuft bei uns sehr zufriedenstellend. Aber da waren wir auch schon lange vor der Pandemie unterwegs.

Wie geht eigentlich kontaktloses Verkaufen?

Kontaktlos innerhalb des Geschäftes ist ja nicht direkt schwierig. Wir haben zu unserer Kundschaft oft ein sehr persönliches Verhältnis. Was weggefallen ist, wäre hier der obligatorische Handshake, der nun durch den „Faustgruß“ ersetzt wurde. Etwas zu trinken für unsere Kunden gab es auch während der Pandemie. Wir haben allerdings sehr darauf geachtet – und tun dies heute noch – dass vor und nach einem Termin in unseren Studios viel gelüftet wird.

Haben Sie unter der Schließung Ihres Ladengeschäftes oder den Einschränkungen im Einzelhandel gelitten? Was wünschen Sie sich dazu von der Politik?

Gelitten eigentlich im Nachhinein nicht. Es war nur überaus ungewöhnlich keinen Kundenkontakt mehr vor Ort zu haben. Aber diese Zwangsläufigkeit brachte auch Ideen zum Umdenken mit sich. Andere Wege taten sich auf und wurden beschritten. Alles hat seine zwei Seiten!

Herr Acker, vielen Dank für das Gespräch.

Webseite: www.fidelity-hh.de

*Anmerkung: Zum Zeitpunkt des Interviews war eine friedliche Lösung des Ukraine-Konflikts noch in Reichweite. Der fürchterliche Krieg in der Ukraine und die daraus resultierenden Folgen sind daher hier nicht thematisiert worden. Dieses Interview erschien vorab in gedruckter Form in einem großen Leitartikel zum Thema „Corona, Inflation und die HiFi-Branche“ in AUDIO TEST Ausgabe 03/22.

▶ Lesen Sie hier: Fachhändler des Monats: Fidelity aus Rellingen bei Hamburg

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