Die Art, wie wir Musik und andere Medien konsumieren, hat sich in den letzten Jahren schlagartig verändert. Flexible Multiroom-Systeme sind der letzte Schrei und zwar teilweise noch teuer, aber die Verbreitung wächst und bald wird es ein Standard sein.

Besonders die Verbindung flexibler Soundsysteme mit hochmodernen Smarthome-Anwendungen ist für Technikfreaks interessant und längst nicht mehr nur Zukunftsmusik

Was ist Multiroom-Audio?

Im Prinzip bedeutet Multiroom-Audio nichts anderes, als dass Musik in mehreren Räumen oder sogar im gesamten Haus mit eigenen Lautsprechern gehört werden kann. Grundsätzlich ist dies nichts Neues – auch klassische, analoge Lautsprecher konnte man mit dem richtigen Verstärker problemlos von einer Stereoanlage in anderen Räumen ansteuern. Dafür mussten sie jedoch aufwendig verkabelt werden und die Bedienung der Anlage war nur in direkter Näher oder höchstens mit einer Infrarot-Fernbedienung möglich – selbst dafür musste man sich im gleichen Raum befinden.

So konnte man zwar den Sound in andere Räume bringen, aber von Komfort keine Spur. Heutzutage kommt ein großer Teil der Musik, genau wie Videounterhaltung, aus dem Internet. Die Möglichkeit, von überall aus Zugriff auf zig Millionen Songs in guter Qualität zu haben, hat das Wohnzimmerregal mit der CD-Sammlung obsolet gemacht.

Moderne HiFi-Anlagen müssen daher mit der Zeit gehen und die Steuerung über mobile Geräte und das Streaming von Inhalten über Multimedia-Apps unterstützen. Da die Medien stets mit uns gehen, fühlt sich die Gebundenheit an einen bestimmten Ort, an dem das Abspielgerät steht, wie ein veraltetes Konzept an.

Daher wurde in den letzten Jahren die Multiroom-Idee wieder angestoßen und hat sich dank preiswerter und gut verfügbarer Hardware, die leicht zu installieren war, schnell durchgesetzt. Zurück ins Wohnzimmer zu laufen, um die CD zu wechseln ist auch Schnee von gestern – zumindest im Wohnzimmer haben sich zeitgemäße Steuerungsmöglichkeiten längst etabliert. 

Wie funktionieren moderne Multiroom-Audio Systeme?

Für Multiroom-Sound wird ein oder mehrere Lautsprecher (gegebenenfalls mit Verstärkern, Steuergeräten oder Audio-Matrizen zwischengeschaltet) mit der Audioquelle gekoppelt. Je nach Variante kann beispielsweise in einer App ausgewählt werden, welche Lautsprecher aktiv sein sollen.

Ein wichtiger Faktor an den meisten neuen Systemen: Sie funktionieren Kabellos. Im HiFi-Bereich haben Funkkopfhörer den Anfang gemacht, aber im Smartphone-Zeitalter wurde es durch Bluetooth-Lautsprecher erst richtig salonfähig. 

Bluetooth ist zwar für die Verwendung mit Smartphones sehr komfortabel, wegen der geringen Reichweite für die Vernetzung mehrerer Räume nicht immer geeignet. Klassisches WLAN ist in dieser Hinsicht wesentlich verlässlicher. Gleichzeitig ist die Audioqualität wesentlich höher: Die Datenübertragung per Bluetooth wird durch bestimmte Codecs komprimiert, wodurch der Klang leidet. Andere Funkstandards erreichen mit 44kHz hingegen problemlos CD-Qualität.

Keine Überraschung also, dass High-End-Audiosysteme bei Multiroom-Anwendungen genau darauf setzen. Die Vorteile von kabelloser medialer Vernetzung sind vielseitig:

  • Die Steuerung ist von überall aus möglich, meistens von Endgeräten, die man ohnehin immer bei sich trägt.
  • Die Implementierung ist unkompliziert und flexibel: Im Haus müssen keine Kabel gelegt werden und wer erweitern möchte, kann einfach auf Knopfdruck neue Endgeräte hinzufügen.
  • Eine große Zahl an Lautsprechern kann im ganzen Haus verteilt und auch flexibel bewegt werden. So ist auf einer Hausparty oder einem gemütlichen Abend auf der Terrasse immer die richtige Beschallung gesichert.
  • In Zeiten von Streaming und Internet of Things haben die meisten Geräte Zugriff auf riesige online-Bibliotheken, denen selbst die größte MP3-Sammlung nicht das Wasser reichen kann.

Die weit verbreitete Geräteserie von Sonos integriert beispielsweise alle populären Streaming-Dienste in ihrer App, so dass Musik aus jeder erdenklichen Quelle unkompliziert abgespielt werden kann. Auch andere Hersteller bieten ähnliche Möglichkeiten an. Es gibt allerdings auch Möglichkeiten für kabelgebundene Lösungen, besonders bei neuen Häusern, die als Smart Home konzipiert sind.

Multiroom-Lösungen im Smart Home

Eine Möglichkeit, bei Neubauten das Haus zu vernetzen um Mediennutzung in jedem Raum zu ermöglichen, sind die guten, alten Kabel. Diese haben den Vorteil, dass sie verlust- und störungsfrei funktionieren – für audiophile Puristen also Optimal. Ein weiterer großer Vorteil an solchen integrierten Systemen ist die Datensicherheit, da keine Informationen über angreifbare Drahtlosnetzwerke ausgetauscht werden. 

Das Problem ist nur, dass solche Systeme schon beim Bau oder bei aufwendigen Sanierungsmaßnahmen ins Haus integriert werden müssen. Dann kann man beispielsweise in jedem Raum neben den klassischen Steckdosen auch Netzwerkdosen und Multimedia-Anschlüsse anlegen. 

Musik und Filme können dann von einem zentralisierten Datenträger, etwa einem NAS, abgerufen werden. In jedem Raum befinden sich dann ans das Netzwerk angeschlossene Geräte, über die die Inhalte der Festplatte abgespielt werden können. 

Die mediale Vernetzung ist nur ein Aspekt moderner intelligenter Häuser. Alle erdenklichen Geräte, die theoretisch elektronisch steuerbar sind, können im vernetzten Smart Home zentral oder sogar mobil kontrolliert werden.

Die kabellose Variante ist dabei dank der unkomplizierten Einrichtung und Erweiterbarkeit für die meisten Leute interessant. Da außer den Geräten selbst und einem WLAN-Netz keine besondere Infrastruktur nötig ist, kann ein Bestandsgebäude in den meisten Fällen problemlos nachgerüstet werden.

Von Unterwegs kann dann schon das Wohnzimmer auf einen Heimkino-Abend vorbereitet werden – Heizung aufdrehen, Jalousien herunterlassen, Licht dimmen und dann über den WLAN-Lautsprecher kinoreifen Sound zum Film genießen.

Ein besonders interessanter Faktor für Fans der Technologie ist die Anpassbarkeit. Da die Systeme allesamt durch Software vernetzt und gesteuert sind, kann eine entsprechende Programmierung neue Möglichkeiten eröffnen. So ist es beispielsweise denkbar, dass alle möglichen Geräte vernetzt und aufeinander abgestimmt werden – das Heimkinosystem wird automatisch lauter, wenn der Trockner eingeschaltet wird, die Klingel an der Haustür verringert die Lautstärke kurzzeitig, so dass ankommende Gäste durch laute Musik nicht überhört werden.