Pioneer A-50DA: Pioneers Stereo-Vollverstärker und DA-Wandler A-50DA ist der leicht vereinfachte, kleine Bruder des A-70DA, schlägt dafür auch mit 600 Euro weniger zu Buche. Dass es sich dennoch nicht um ein Gerät aus der zweiten Reihe handelt, verrät unser Test.

Zumindest macht das Äußere einen teureren Eindruck als die 999 Euro Kaufpreis vermuten lassen. So sind das Gehäuse sowie die haptisch hochwertigen Knöpfe und Regler aus Metall, die Anschlussbuchsen vergoldet. Der A-50DA ist schwer wie Blei. Das lässt beste Materialien erahnen und verspricht wenige Gehäusevibrationen. Die Schaltung ist in Class-D ausgeführt, was billiger zu produzieren als ist die analoge Class-A-Schaltung, heutzutage aber kaum schlechter klingt.

Haptik: Note 1

Die Front wird vom großen Volume-Regler dominiert, daneben gibt es kleinere Drehknöpfe für Bass, Treble und Balance. Das Besondere an ihnen ist die Rasterung in der Nullstellung. Mit nur zwei einstellbaren Frequenzbändern ist der Equalizer (EQ) leider etwas grobkörnig. Als wir die bassstarken Neat Momentum SX7 mit den Pioneer betrieben und deren Höhen mithilfe des Treble-Rädchens etwas unterstützen wollten tat sich ein Mittenloch auf. Der EQ sollte also nicht als Allheilmittel gegen Frequenzschwierigkeiten in der Kette betrachtet werden. Mit dem Taster „Direct“ lässt sich diese Sektion übrigens komplett aus dem Signalpfad nehmen. Ein nettes Feature ist der Boxen-Umschalter für die Auswahl der zwei möglichen Lautsprecherpaare. Das nutzt besonders unserer Arbeit im Hörraum, wenn wir etwa den Sound neuer Lautsprecher direkt mit dem unserer Referenboxen vergleichen möchten.

Analoges und Digitales

Der Pioneer A-50DA kommt mit immerhin acht Eingängen daher: fünf Cinch-Line-Ins konnten wir entdecken, wovon einer, der „Power Amp Direct In“, zum Anschluss eines externen Vorverstärkers dient. Der Phonoeingang ist selbstverständlich ebenfalls als Cinch realisiert. Zusätzlich wurden je ein optischer und koaxialer Eingang eingebaut, denn schließlich verfügt der A-50DA über einen hochwertigen integrierten D/A-Wandler auf Basis des ESS SABRE Ultra. Der USB-Eingang dient der Nutzung als USB-Interface an einem Computer. Um den A-50DA als solches nutzen zu können, müssen Treiber von der Pioneer-Seite heruntergeladen und installiert werden. Liebe Mac-User: Diesmal gilt das ausnahmsweise auch für Euch. Da die Inputs ein wenig eng beieinander liegen, gestaltet sich die Verkabelung schwierig. Aber da man das nicht oft macht, ist das schon in Ordnung. Die Schraubklemmenbuchsen vervollständigen den exzellenten Gesamteindruck in Punkto Verarbeitung. Dazu gibt es eine schmale Fernbedienung, deren Knöpfe beim Betätigen ein deutlich hörbares Klacken von sich geben. Das gefällt uns besser, als die weit verbreiteten Gummiknöpfe, die man fast ins Gehäuse drück, wenn die Batterie zur Neige geht. Übrigens kann die Fernbedienung auch Pioneer-SACD- und Network Player bedienen. Wer also in seinem Wohnzimmer nur auf Pioneer-Produkte setzt, wird belohnt.

Analogseitig hat der A-50DA fünf Cinch-LineIns sowie einen Phonoeingang zu bieten, digitalseitig kommt ein USB-Anschluss sowie je ein optischer und koaxialer Eingang hinzu

DSD für vollen Hörgenuss

Im Hörraum gewann der Pioneer A-50DA schon nach wenigen Takten Musik unsere volle Aufmerksamkeit. Dabei gelang ihm nicht nur die Verstärkung analoger Signale optimal, auch als Wandler zeigte er sich über alle anfänglichen Zweifel erhaben. Schließich wandelt er nicht nur  PCM mit einer Auflösung von bis zu 192 kHz/32 Bit, auch das audiophile Format DSD 11,2 MHz stellt für ihn kein Problem dar.

Im Soundlabor

Toll ist die schnelle Reaktion des A-50DA, der Drums geradezu explosiv ausspielt. In Bruce Springsteens „Born in the USA“ etwa kombinierte die Snare einen kräftigen Grundton mit dynamischer Spielweise und großer Anschlagsfreude, die Becken fügten sich für unsere Ohren angenehm an den für sie vorgesehenen Stellen im Arrangement ein, ohne sich in den Vordergrund zu drängen und andere Instrumente zu verdecken. Die Gitarren des Songs taten es ihnen gleich und setzten sich mit einem kräftigen unteren Mittenbereich gekonnt in Szene. Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“ ist in der Interpretation des English Chamber Orchestras mit Nigel Kennedy nicht zufällig das meistverkaufte Klassik-Album aller Zeiten. Im „Frühling“ schäumt  der Pioneer über vor Spielfreude. Der Raum löst sich plastisch von den Lautsprechern, wodurch Kennedys Violine prominent in den Vordergrund tritt, während etwa das Cembalo seinen eigenen Platz im Hintergrund zugewiesen bekommt. Aus der Vintage-Ecke führten wir uns den „Klarinetten-Muckel“ in der verjazzten Version der Dresdner Tanzsinfoniker aus dem Jahre 1959 zu Gemüte. Obgleich die Bigband in Mono aufgenommen wurde, gibt der Pioneer sie transparent und konturiert wider. Auch hier wird jedes einzelne Instrument präzise gezeichnet, ohne dass das Gesamtbild nervös wirkt.

weitere Infos unter: www.pioneer-audiovisual.eu

Pioneer A-50DA: Fast so gut wie der große Bruder
Wiedergabequalität87%
Ausstattung/Verarbeitung86%
Benutzerfreundlichkeit87%
Preis/Leistung89%
Vorteile
  • Materialien/Verarbeitung
  • wandelt hochauflösende DSD-Dateien
  • zwei Lautsprecherpaare können angeschlossen werden
Nachteile
  • keine symmetrischen Eingänge
  • Eingangsbuchsen sehr eng beieinanderliegend
87%Gesamtwertung
Leserwertung: (11 Votes)
41%

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