Nach dem AVR-X5200W und dem X7200W bringt Denon das fehlende Glied der Kette in den Handel: Der X6200W ordnet sich zwischen der Oberklasse und dem absoluten High-End-Segment ein. Viel Luft nach oben lässt er aber nicht mehr.

Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 2 299 Euro liegt das X6200W-Modell 400 Euro über dem Oberklasse-Receiver X5200W und ist 600 Euro günstiger als das Unternehmens-Flaggschiff X7200W. Stellt sich die Frage: Was macht er besser als der eine, aber nicht so gut wie der andere?

Zukunft im Blick

Dolby Atmos gehört längst zum sprichwörtlich guten Ton und wird auch hier unterstützt. Zudem bietet der Receiver die Möglichkeit eines Upgrades, sollte, wohl zu Beginn des kommenden Jahres, endlich DTS:X final erscheinen. Darüber hinaus macht sich Denon auch für Auro-3D stark, so wird ein ebenfalls im neuen Jahr erhältliches Upgrade für 149 Euro angeboten. Das ist sehr löblich, denn es ist noch immer nicht selbstverständlich. Mit der Blu-ray zur Actionkomödie „Pixels“ hat Sony gerade den ersten großen Hollywoodfilm mit Auro-3D-Tonspur in den deutschen Handel gebracht, stimmen die Verkaufszahlen, könnten andere Filme bald folgen. Videoseitig ist der X6200W ebenfalls auf dem Stand der Dinge: 4K (60p) und HDCP 2.2 werden unterstützt. UHD-HDR-Material oder UHD-PC-Signale mit voller Farbauflösung sind kein Problem für den Receiver, 3D wird ebenfalls anstandslos verarbeitet. Zudem sorgt ein Upscaler für eine Hochskalierung von niedriger aufgelöstem Material bis auf 4K. Dieser leistet gute Arbeit, insbesondere DVDs erfahren einen spürbaren Qualitätsschub bei eingeschalteter Videoverarbeitung.

Ausstattungskomplettpaket

Neun Endstufen arbeiten mit jeweils 205 Watt und und der Receiver vermag es, auch große Räume anständig zu beschallen. Der X6200W ermöglicht eine 11.2-Siginalverarbeitung und ist mit 13.2-Vorverstärker­ausgängen ausgestattet. Eine 7.1.4- oder 9.1.2-Dolby-Atmos-Aufstellung ist also möglich. Die Anschlussvielfalt ist enorm: Neben den Lautsprecheranschlüssen gibt es analoge, digital koaxiale und optische Eingänge, einen Phonoeingang für Vinyl-Liebhaber, den Denon Link HD, Komponenten-Ein- und Ausgänge, Composite-Anschlüsse und eigentlich auch alles andere, was man von einem umfangreich bestückten AV-Receiver erwarten darf. Zudem setzt Denon auf edle, vergoldete Buchsen. Die HDMI-Sektion (HDMI 2.0a mit HDCP 2.2) bietet acht Eingänge (einer befindet sich an der Front) und drei Ausgänge – vorbildlich. An der Front findet sich zudem ein zusätzlicher USB-Eingang für das unkomplizierte Anstöpseln eines USB-Sticks. Die Verbindung mit anderen Geräten gelingt per WLAN oder Bluetooth, zusätzlich ist ein LAN-Anschluss für die Verbindung mit dem Internet vorhanden. Wenn wir beim Thema Ausstattung überhaupt etwas zu bemängeln haben, dann ist es die im Vergleich zum hochwertigen Receiver etwas billig wirkende Fernbedienung. Hier verwendet Denon das gleiche Modell wie beim AVR-X5200W und nicht die hochwertigere Variante mit Display des X7200W.

Das Anschlussterminal lässt keine Wünsche offen: Analoge und digitale Anschlüsse im Überfluss, dazu gibt es insgesamt acht HDMI-Eingänge (einen an der Front) und drei HDMI-Ausgänge. WLAN-Antennen sorgen für die unkomplizierte Verbindung mit dem Internet

Das Anschlussterminal lässt keine Wünsche offen: Analoge und digitale Anschlüsse im Überfluss, dazu gibt es insgesamt acht HDMI-Eingänge (einen an der Front) und drei HDMI-Ausgänge. WLAN-Antennen sorgen für die unkomplizierte Verbindung mit dem Internet

Für den guten Klang

Natürlich bietet Denons Receiver umfangreiche Streamingmöglichkeiten. Das Gerät ist DLNA-zertifizert, unterstützt AirPlay und Spotify Connect und bringt den Sound dank Multiroom-Fähigkeit auch in weitere Räume des Hauses oder der Wohnung. Insgesamt ermöglicht Denon hier drei unterschiedliche Hörzonen. Bei den zugeführten Audioformaten ist der X6200W nicht wählerisch. Ob AAC, MP3 oder HiRes-Formate wie ALAC, FLAC, oder DSD – alles wird anstandslos wiedergegeben. Dank der Internetfähigkeit hat man Zugriff auf so ziemlich alle Radioangebote, die man sich vorstellen kann. Mit der Denon ­Remote App lässt sich das Gerät auch mit dem Smartphone steuern – vor allem für Multiroom-Enthusiasten ist das sehr praktisch. Dank umfangreicher Equalizer-Möglichkeiten können Sie den Klang sehr genau an die eigenen Vorlieben anpassen. Höhen, Mitten und Tiefen lassen sich justieren oder Räumlichkeiten und klangliche Voreinstellungen für verschiedene Musikstile auswählen. Weniger Auswahl findet sich im Videobereich: Anders als beim großen Bruder X7200W finden sich hier vergleichsweise wenige Möglichkeiten, die Bildparameter anzupassen und auf Speicherplätzen zu verewigen.

Kinderleicht

Fast schon Denon-typisch ist die kinderleichte Bedienung, die mit jeder neuen Receiver-Generation noch einfacher zu werden scheint. Selbst absolute Laien kommen dank der automatischen Ersteinrichtung sofort zurecht. Der Receiver hilft sogar, dank reich bebilderter Menüs, bei Aufstellung und Anschluss der Lautsprecher. Ist alles richtig aufgebaut und verkabelt, kommt der Audyssey MultiEQ XT 32 (Pro-ready) zum Tragen. Damit und mithilfe des wie immer mitgelieferten Einmess-Mikrofons (inklusive der berühmten „Denonrakete“, um das Mikro optimal an mehreren Standorten zu positionieren) lässt sich das Setup optimal an bis zu acht Hörpositionen einmessen. Wir empfehlen, auch bei kleineren Räumen, wirklich acht Positionen für die Einmessung zu verwenden, da das Ergebnis umso genauer wird, je mehr Messpunkte man nutzt. Fehlerfrei gelingt die Einmessung allerdings nur fast. Mit dem Subwoofer geht Audyssey für unseren Geschmack etwas zu vorsichtig um, hier müssen Sie im Nachhinein noch ein wenig nachjustieren. Beim Einmessergebnis hat Pioneers MCACC Pro weiterhin leicht die Nase vorn. Das Nachjustieren ist in den selbsterklärenden Menüs allerdings kein Problem. Überhaupt kann, wer will, seine Lautsprecher auch komplett manuell in den Einstellungen justieren. Denon bietet hier Profis genug Spielraum zum Experimentieren, nimmt Einsteiger aber genügend an die Hand, sodass sie sich nicht überfordert fühlen. Im Menü finden Sie auch den stromsparenden Eco-Modus, mit dem sehr hohe Lautstärken logischerweise aber nicht mehr möglich sind. Aber mit eingeschalteter Stromsparmaßnahme können Sie ein normal großes Wohnzimmer noch immer überaus laut beschallen, ohne Qualitätseinbußen hinnehmen zu müssen.

Unter der Metallblende befinden sich die Front-seitigen Bedienelemente und Eingänge, wie zum Beispiel je ein zusätzlicher HDMI- und USB-Anschluss

Unter der Metallblende befinden sich die Front-seitigen Bedienelemente und Eingänge, wie zum Beispiel je ein zusätzlicher HDMI- und USB-Anschluss

Ausgewogen

Die Klangeigenschaften des AVR-X6200W sind hervorragend. Wie bereits erwähnt, empfehlen wir, den Bassbereich nachträglich etwas anzuheben. Ist dies aber erledigt, lässt die Tieftonsektion kaum Wünsche offen. Opulente Actionsequenzen etwa in „Mad Max: Fury Road“ schallen mit dem nötigen Druck aus den Boxen und zeigen ein enorm gutes Dynamikverhalten. Gleiches gilt für die Räumlichkeit, horizontal wie vertikal. Die Dolby-Atmos-Spur des Endzeitactionfilms verarbeitet der Receiver sauber. Der Mitteltonbereich zeichnet sich durch eine hohe Präsenz und Sprachverständlichkeit aus. In den Höhen sind auch feinste Sibilanten haargenau vernehmbar, ohne, dass es zu unangenehmen Zischlauten kommt. Die anspruchsvolle Konzert-Blu-ray „­Architecture & Morality & More“ der Synthie-Heroes von OMD ist ein Kinderspiel für den X6200W, im Stereo- wie im Surround-Modus. Die Ausgewogenheit, mit der er unterschiedlichste klangliche Herausforderungen meistert, ist bemerkenswert. Kurzum: Ob Filmliebhaber oder Musikenthusiast – die richtigen Lautsprecher vorausgesetzt, werden Sie mit diesem Receiver ihre helle Freude haben.

Das passende Puzzleteil

Der AVR-X6200W lässt uns begeistert zurück. Nicht, weil er das Rad neu erfindet, sondern, weil er seine Aufgaben nahezu perfekt erfüllt. Das schlichte Design bleibt unangetastet, die Bedienung ist unerreicht einfach, der produzierte Klang ist grandios. Mängel gibt es nur in der B-Note: Eine hochwertigere Fernbedienung wäre schön gewesen und der Heimkino-Profi wird ausführlichere Videoeinstellungen vermissen. Aber der 600 Euro teurere X7200W braucht schließlich auch noch einige Alleinstellungsmerkmale. Der X6200W bietet High-End-Eigenschaften bereits in einem Preissegment, in dem man bislang noch nicht von High-End sprechen konnte – das macht ihn außergewöhnlich.

Fazit

Denon liefert einen hochwertigen AV-Receiver ab, der auf den ersten Blick teuer wirken mag, in seiner Preisklasse aber weitgehend konkurrenzlos dasteht.

Denon AVR-X6200W: Zwischen Oberklasse und High-End
Wiedergabequalität90%
Ausstattung/ Verarbeitung87%
Benutzerfreundlichkeit93%
Preis/Leistung88%
90%Gesamtwertung
Leserwertung: (2 Votes)
100%

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