Wir hatten die PRE I G3 Vorstufe und die AMP I V2 Endstufe von Audionet zu Gast. Und wenn man von einer Firma, die dafür bekannt ist mit angewandter Wissenschaft die Grenzen des Möglichen nach oben zu korrigieren, gleich zwei Testgeräte erhält, weiß man, dass einem ein besonderer Test bevorsteht.

Die Firma Audionet stellt schon seit über 20 Jahren hochwertigste, audiophile Gerätschaften her. Das Besondere dabei ist jedoch, dass der Hintergrund des Herstellers nicht etwa wie so oft im Bereich des Engineering liegt, sondern ursprünglich im Umfeld der universitären Wissenschaft aus der Taufe gehoben wurde. Genauer gesagt an der Ruhruniversität Bochum. Daher lautet das Firmenmotto auch „Scientific Magic“. Wissenschaft und Magie? Das passt doch nicht, mag jetzt die Eine oder der Andere denken. Aber da würde der mittlerweile in Berlin ansässige Hersteller wohl widersprechen. Denn so sehr in seinem Credo auch ein leichtes Augenzwinkern mitschwingen mag, ist das erklärte Ziel eben durch knallharte angewandte Wissenschaft ein Klangerlebnis zu schaffen, das schlichtweg verzaubert. Denn der Fokus des Herstellers auf Messwerte und fortschrittlichste Schaltungstechnik ist eben alles andere als bloßer Selbstzweck. Betrachtet man die Resonanz unserer Kollegen innerhalb der Fachpresse, scheint das Konzept aufzugehen. Aber davon wollen wir uns nicht weiter beeinflussen lassen. Das wissenschaftliche Kriterium, ob eine Aussage wahr ist, ist schließlich immer noch, ob sie mit den entsprechenden Fakten übereinstimmt und nicht wie viele Personen ihr zustimmen.

Test Review Audionet Audionet PRE I G3 Vorstufe Stereo Preamplifier
Die Audiowege werden von elektromagnetischen Relais von Takamisawa gesteuert. Nur vom Feinsten: Das Platinenlayout ist geschmückt mit hochwertigen WIMAund Folien-Kondensatoren. Selbst der Ringkerntrafo ist „Made in Germany“. Wer weiß, wie sie hergestellt werden, kann sich ausrechnen, was allein dieses Bauteil wert ist

Audionet PRE I G3 Vorstufe

Und die Fakten gehen wir schön der Reihe nach an. Also betrachten wir erst mal die Konstruktion und den Funktionsumfang des PRE I G3. Das Chassis des Vorverstärkers besteht aus Stahlblech, während die Seitenteile, die Deckenplatte und die Frontblende aus eloxiertem Aluminium gefertigt sind. Alle Geräte von Audionet sind übrigens entweder wie unsere Testexemplare in Schwarz, oder aber in einem nicht minder schicken Silber erhältlich. Als zusätzlichen charmanten Touch hat man zusätzlich auch die Wahl zwischen Blau und Rot bei allen beleuchteten Elementen, namentlich den LEDs und den Displays. Das hat vielleicht wenig mit dem Klang zu tun, ist aber nichtsdestotrotz ein schönes Detail. Die Bedienelemente auf der Frontblende präsentieren sich so aufgeräumt wie nur möglich. Abseits des bereits erwähnten zweizeiligen Displays, dass standardmäßig sowohl den gewählten Ausgang, als auch den momentanen Pegel anzeigt, finden sich hier gerade mal vier Drucktaster. Dennoch ist die Bedienung schlichtweg komfortabel. Mit zwei Knöpfen bewegt man sich durch das Menü oder verändert die ausgewählten Parameter mit dem „Set“ betitelten Taster. Das funktioniert absolut flüssig und man findet sich sehr gut zurecht. Der vierte und letzte Schalter ist der Power-Button.

Ganz anders geht es auf der Rückseite der – gerne von Audionet so genannten – Maschine zu. Hier tummelt sich auf engstem Raum eine ganze Armee an Anschlüssen. Neben der Kaltegerätebuchse und dem zugehörigen Netzschalter finden sich hier alleine sechs Stereo-Cinch-Eingänge. Davon fungiert jeweils ein Paar als Phono-Input, ein Paar als Tape-Input und ein paar als Monitor-Input. Die restlichen drei Paare sind nicht für bestimmte Zuspieler oder dergleichen, sondern als generelle Line-Level-Inputs vorgesehen. Darüber hinaus bietet der PRE I auch noch ein Paar symmetrische XLR-Eingänge. Hinsichtlich digitaler Eingänge werden wir leider enttäuscht. Das mag vielleicht verwundern, zumal diese eigentlich schon lange zum Standardreportoire gehören müssten. Andererseits kann man angesichts des Faktes, dass digitale Zuspieler in der Regel über eine eigene Digital/Analog-Wandlung verfügen, durchaus dahingehend argumentieren, dass hier dem Käufer kein wirklich funktionaler Nachteil entsteht. Eine nicht minder hochwertige Quelle, wie sie der Hersteller selber im Programm führt, natürlich vorausgesetzt. Ausgangsseitig bietet unser Testproband dann wieder einiges. Da wäre neben dem XLR-Ausgang, noch der wiederum über Cinch-Buchsen aufgelegte Monitor-Out, der ebenfalls als Cinch ausgeführte Recording-Ausgang, sowie gleich zwei weitere Outputs gleichen Steckerformats zu nennen. Davon ist ein Paar für den Anschluss eines Subwoofers vorgesehen. Und ein separater Kopfhörer-Anschluss ist ebenfalls mit an Bord. Hier wird wirklich gar nicht erst gekleckert, sondern gleich geklotzt.

Test Review Audionet Audionet PRE I G3 Vorstufe Rückseite Anschlüsse Rear Stereo Preamplifier
Auf der Rückseite des PRE I G3 ist auch der letzte Millimeter mit einer ganzen Armada an Ein- und Ausgängen belegt

Bevor wir uns dem Innenleben widmen, sind noch zwei weitere Punkte zu erwähnen. Erstens wären das die beiden optischen Ausgänge. Diese sind nicht, wie vielleicht manche Leser auf den ersten Blick gedacht haben mögen, zur Übertragung von Audiosignalen gedacht. Vielmehr dienen diese zur Übermittlung des proprietären Audionet-Link Steuerprotokolls, welches zum Beispiel das gleichzeitige Anund Ausschalten anderer darüber verbundener Maschinen des Herstellers mittels eines einzigen Knopfdrucks ermöglicht. Und zweitens wäre noch der Anschluss für die zusätzliche Erdung zu erwähnen. Dieser kann über das mitgelieferte Kabel mit einem freien Steckplatz neben dem eigentlichen Schuko-Stecker verbunden werden und soll laut Hersteller eine luftigere und differenziertere Wiedergabe bewirken. In Sachen Schaltungsdesign setzt Audionet auf kürzeste Signalwege und wo möglich auf den Verzicht elektromagnetischer Bauteile. Die Masse wird sternförmig geführt. Ein Prinzip, das in größerem Rahmen zum Beispiel auch in Rundfunkanstalten so praktiziert wird.

Test Review Audionet Audionet PRE I G3 Vorstufe Display Front Stereo Preamplifier
Beim Einschalten des Gerätes warnt der Mikroprozessor des PRE I G3 freundlicherweise, falls die Phase der Netzverbindung falsch angeschlossen wurde

Des Weiteren werden sämtliche Funktionen des Vorverstärkers über einen in der Schaltungstopologie abgesonderten und elektrisch geschirmten Mikroprozessor gesteuert. Dieser überprüft zum Beispiel auch beim Einschalten des Gerätes, ob die Phase der Netzanbindung richtig angeschlossen ist und weist, sollte das nicht der Fall sein, freundlich aber bestimmt im Display darauf hin. Die Messdaten des PRE I lesen sich nicht minder beeindruckend. Angefangen beim Frequenzgang, der mit 0 Hertz (Hz) bis sage und schreibe 3 000 Kilohertz (kHz) angegeben ist. Das spricht eigentlich für sich. Der Signal-Rausch-Abstand ist mit über 120 Dezibel (dB) bezogen auf 1 kHz ebenfalls exzellent und auch die Kanaltrennung steht dem mit über 100 dB gemessen für 20 kHz in nichts nach.

Test Review Audionet Audionet AMP I V2 Endstufe Stereo Power Amplifier Rear Back Anschlüsse Rückseite
Die Rückseite des AMP I V2 reiht sich in Sachen schlichter Eleganz nahtlos in das restliche Design ein

Audionet AMP I V2 Endstufe

Jeder Vorverstärker braucht natürlich eine passende Endstufe. Und wir haben hier glücklicherweise von Audionet einen absoluten Boliden dieser Kategorie als potenten Partner mitgeschickt bekommen. Schon allein optisch ist der AMP I V2 ein beeindruckender Anblick mit seinen prominenten, gigantischen Kühlrippen. Diese lassen zurecht vermuten, dass es hier heiß hergeht. Und das tut es auch. Also auch wirklich in Sachen Betriebstemperatur. Deswegen ist auf jeden Fall davon abzuraten ein anderes Gerät direkt auf der Endstufe zu positionieren. Ein Schelm, wer jetzt über unser Einstiegsbild schmunzelt. Keine Sorge. Da war nichts eingeschaltet. Aber auch hinsichtlich der vollen 28 Kilogramm kann man den Poweramp wirklich nur als massiv bezeichnen. Genauso wie seine Ausgangsleistung, denn die Endstufe ist sogar bis zu 2 Ohm hinab belastbar und liefert dann eine bullige Ausgangsleistung von 450 Watt (W). An 4 Ohm sind es noch 300 W und an 8 Ohm immer noch satte 200 W. Ein echtes Kraftpaket also.

Die beiden Ausgangsstufen sind dabei mit jeweils vier Power-MOSFETs bestückt. Generell ist der Amp I V2 konsequent in einer Doppel-Mono-Architektur aufgebaut. Sprich, hier gibt es keine geteilten Baugruppen zwischen den beiden Kanälen, was ungewollte Wechselwirkungen, etwa durch elektrische oder magnetische Störfelder, minimiert. Dabei wird, wie schon beim PRE I, immer der kürzeste Signalweg gesucht und zusätzlich weitestgehend auf kritische Bauteile wie Relais und Spulen verzichtet. Die Messwerte für den Frequenzgang und die Kanaltrennung sind identisch zu denen des PRE I. Das ist natürlich besonders erfreulich, zumal hier so kein Element der Signalkette das andere ausbremst. Das Angebot in Sachen Einund Ausgänge gestaltet sich, wie für Endstufen üblich, überschaubar. Neben den Gegenstücken zu den optischen Ausgängen für die Audionet-Link Schnittstelle des PRE I findet man an Inputs hier schlicht zwei analoge Eingänge im Cinch-Format. Auf XLR-Inputs wurde verzichtet. Ausgangsseitig sind, wie zu erwarten, hochwertigste Buchsen zum Anschluss der Lautsprecher vorhanden.

Test Review Audionet Audionet AMP I V2 Endstufe Stereo Power Amplifier Remote
Die Fernbedienung besteht inklusive der Taster komplett aus Metall und ist damit mindestens genauso langlebig, wie die Verstärkerkette selbst

Zeit für Magie

Aber jetzt wird es wirklich Zeit den Fokus von der Technik hin zum wirklich magischen Aspekt der Audionet-Kette zu lenken. Dem Klang, um genauer zu sein. Während beide Maschinen an sich jeweils eine absolute Bereicherung für jedes Setup darstellen, zeigen sie sich in Kombination wirklich von ihrer schönsten Seite. Die Wiedergabe gibt sich absolut ausgewogen und ehrlich, fast schon analytisch, aber niemals charakterlos. Absolut keine Schönfärber, aber immer mit edler Note. Unsere beiden Testprobanden spielen so fein aufl ösend zusammen auf, dass man sogar bei wohlbekannten Stücken plötzlich neue Details heraushört, die einem bisher verborgen blieben. Und auch sonst scheint einfach von allem irgendwie mehr da zu sein. Ohne jede Spur von Mulm, Topfigkeit oder Schärfe. Zumindest so lange das Klangmaterial von entsprechender Güte ist. Finden sich frequenzielle Überbetonungen in der Mischung des Materials, hört man das auch sofort. Mindestens genauso beeindruckend ist, wie unfassbar schnell das dynamische Duo arbeitet. Das merkt man einerseits an einer der wohl natürlichsten Abbildungen von Transienten die uns bisher untergekommen ist und andererseits an der wirklich fantastischen Mikrodynamik. Auch kleinste Lautstärkeschwankungen können hier mühelos wahrgenommen werden.

Aber überprüfen wir das ganze doch mal am Beispiel. Zuerst Leonard Cohens bekanntes Stück „Avalanche“ von seinem legendären Album „Songs Of Love And Hate“. Wahnsinn, wie man hier förmlich die Finger auf den Saiten zu hören meint, während sich Herr Cohen mit zunehmend manischem Fingerpicking durch den Song spielt. Man hört jedes Klacken und jedes Knarzen der Anschläge, fast so als ob man wirklich vor dem Instrument im Raum sitzt. Die Wiedergabe folgt mühelos der sich immer wieder hochschraubenden und abebbenden Dynamik des Songs, dass es eine Freude ist, während die Streichersektion im Hintergrund warm und mächtig mit wunderbarer Bühne und tollem Raum übertragen wird. Und wenn dann noch Leonard Cohens Stimme genauso sonor, wie auch nasal über den Instrumenten ertönt, ist auf jeden Fall vollends Gänsehaut angesagt. So lebendig haben wir dieses Stück noch nicht gehört.

Zum Abschluss noch eine etwas weniger finstere Nummer: „Spring Is Here“ hier in der Version des klassischen Bill Evans Trio mit dem unvergleichlichen Scott LaFaro am Kontrabass und Paul Motion an den Drums von deren Klassiker „Portrait In Jazz“. Schon die ersten Klaviertupfer des Maestros selbst holen einen sofort ab und entführen den Hörer in die Leichtigkeit des Stücks. Jede Facette des nuancierten Spiels Bill Evans wird hier sauber herausgearbeitet und selten haben wir die Dynamik des Trios so gut abgebildet gehört wie hier. Jeder noch so feine Besenstrich ist zu hören und auch jedes Klicken und Schnurren des Basses. Genauso soll man Jazz hören. Audionet hat hier wirklich Technik geschaffen, die entsprechende Kunst nur noch weiter erhöht. Und so bleibt uns hier hier nichts mehr, als uns auch in den Kanon der lobenden Stimmen einzureihen. Das haben diese beiden Kinder der Wissenschaft einfach verdient.

Weitere Infos unter: www.audionet.de

Mehr spannende Testberichte finden Sie hier.

Anmerkung: Das unten stehende Testergebnis bezieht sich auf den Audionet PRE 1 G.

► Lesen Sie hier unseren Test vom Audionet SAM G2 Vollverstärker

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Test: Audionet PRE I G3 Vorstufe und AMP I V2 Endstufe - Einfach zauberhaft!
Der AMP I V2 ist ein echtes Kraftwerk von einer Endstufe. Als idealer Partner für den PRE I G3 ist er auch alleine nicht weniger magisch in der Wiedergabe. Aufwendige und unkonventionelle Schaltungen mit besten Messwerten, schlagen sich hier auch wirklich in bester Performance nieder.
Wiedergabequalität95%
Ausstattung/Verarbeitung96%
Benutzerfreundlichkeit99%
Preis/Leistung91%
Vorteile
  • natürliches Klangbild
  • plastische Wiedergabe
Nachteile
  • keine digitalen Eingänge
96%Gesamtwertung
Leserwertung: (23 Votes)
36%

Bildquellen:

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  • AUDIO TEST 3/20: Auerbach Verlag
  • Audionet PRE I G3 und AMP I V2: Auerbach Verlag