Rachmaninoff tanzt

Mit den „Sinfonischen Tänze Op. 45“ von Rachmaninoff beginnen wir unseren Test. Wer die nicht kennt, muss einfach mal eine Sendung „Quarks & Co.“ einschalten, denn die verwendet einen Ausschnitt des ersten Satzes als Titelmelodie. Hier können sich die Vela gleich beweisen. Schaffen sie es die Energie des ersten Satzes herüberzubringen oder halten sie damit hinter dem Berg?

Es beginnt alles mit den Streichern, die sie dezent aber intensiv zu Gehör bringen und die dann von den Bläsern begleitet werden. Das wirkt etwas unheilvoll oder trägt ein Geheimnis. Nach einem kurzen Moment der Ruhe setzt das Orchester ein. Das hören wir nicht nur anhand der Instrumente, nein, wir hören das Rascheln der Kleidung der Musiker, ihr Einatmen, das Ansetzen der Instrumente. Eine unruhige Stille offenbart sich quasi und sagt uns: „Jetzt geht es los!“ Und dann erschallt die aus dem TV bekannte Melodie und wir treiben auf den Klängen dahin, denn wir haben ja ein Segel dabei: die Vela. Der Wind, bestehend aus den tiefen Tönen, treibt uns mit viel Kraft voran und auf den Wellen tanzen die Höhen in feinsten Reflexionen. Die Mitten füllen den Hörraum und sind, um im Bild zu bleiben, wie warmes, weiches Wasser von kristallener Klarheit.

Carmen im Testraum

Da die Vela BS 403 in der ersten Klassik-Hörsession wirklich beeindruckt haben, streamen wir gleich den nächsten Klassiker über unseren Cambridge CXN. Es ist Bizets „Carmen“. Die Ouvertüre haut uns praktisch vom Sofa. Kraft, Energie, Detailreichtum, Brillanz und Räumlichkeit par excellence sind die Begriffe, die uns durch den Kopf gehen, während wir den kleinen ELACs lauschen. Ja, hier haben die Kieler ein Stück Musikkunst zum ins Regal stellen abgeliefert. Selbst wenn das volle Orchester einsetzt, bleibt jedes Instrument präzise zu orten. Der Hall entfaltet sich wie in einem weiten Opernsaal und der Klang ist präzise ohne die Ohren zu überanstrengen. Der Chor zu Beginn des ersten Aktes stellt sich in unserem Testraum auf und beginnt zu singen. Da lassen wir die Augen geschlossen und hören einfach weiter zu. Oper kann, akustisch gesehen, kaum mehr Spaß machen.

Können sie auch modern?

Gut, in der Klassik haben sich die Vela mehr als behauptet. Wir fanden keine Mängel. Aber wie sieht es mit moderneren Tönen aus? Vielleicht sind sie ja nur auf Klassik eingeschossen? Wir laden uns das Album von Tab Two „… zzzipp! Live“ in unser System und lauschen dem Eingangslied „Kunststück“. Das live aufgenommene Album zieht uns sofort in seinen Bann. Durch das Publikum, was applaudiert und so raumfüllend klingt, fühlen wir uns mitten in dem Konzert. Die Trompete und die E-Gitarre zeichnen sich so wunderbar realistisch ab, dass wir die angedachte Toilettenpause doch noch etwas nach hinten verschieben. Wir wollen einfach weiter zuhören.

Nach der inzwischen dringlichsten Toilettenpause lassen wir das Album von BadBadNotGood „BBNG“ laufen. Das nur 1:22 Minuten kurze Stück „Based Is How You Feel Inside“ ist eine kleine Herausforderung für jeden Lautsprecher. Es besteht praktisch nur aus einem kurzen, aber intensiven Schlagzeugsolo. Die Hi-Hats und Becken zeichnen sich der Szene perfekt ab und jede Klangnuance von den Bassdrums über die Snares bis hin zu den Toms ist einfach nur brillant in Szene gesetzt. Besonders beeindruckt uns, die wirklich detailverliebte Darstellung der Töne, ohne sie aber zu sezieren. So macht Musikhören auch lange Zeit Spaß, ohne auf Genauigkeit zu verzichten.

Fetter Bass

Zum Schluss greifen wir tief in die Techno-Kiste und holen das Album „Warp Factor“ der Warp Brothers heraus. Der Titel „Phatt Bass“ ist ja einer der Klassiker in der Szene und treibt die kleinen ELAC zur Höchstform an, wenn es um den Bass geht. Hier stößt der exzellente und wirklich kraftvolle, dabei nie überforderte Basstreiber, aber doch an seine Grenzen. In die Ebenen vorzudringen, in die es ein Subwoofer schafft, gelingt den BS 403.2 nicht. Aber das dem Kompaktlautsprecher vorzuwerfen, wäre mehr als unfair, denn sie klingen auch im Techno und Trance extrem gut und zeigen, dass Bassklasse nicht unbedingt Masse bedeuten muss.

Test: ELAC Vela BS 403.2 - Energisch Segeln
Ein Paar Regallautsprecher für nicht einmal 2 000 Euro? Was ELAC mit den Vela BS 403.2 dafür bietet, ist schlichtweg überragend. Die Kleinen „Segel“ fühlen sich in allen Musikrichtungen wohl und bringen mit viel Energie und Genauigkeit ihre Stärken zur Geltung. Dabei klingen sie trotz aller Präzision nie analytisch und erlauben stundenlanges, ermüdungsfreies Hören.
Basswiedergabe90%
Mittenwiedergabe95%
Höhenwiedergabe95%
Wiedergabequalität93%
Ausstattung/Verarbeitung100%
Benutzerfreundlichkeit70%
Vorteile
  • Präzision
  • Stereoraum
  • klangstark in allen Frequenzen
91%Gesamtergebnis
Leserwertung: (28 Votes)
50%

Bildquellen:

  • ELAC Vela BS 403.2 – Rückseite: Bild: Auerbach Verlag
  • ELAC Vela BS 403.2 – Hochtöner: Bild: Auerbach Verlag
  • ELAC Vela BS 403.2 – Bassausgang: Bild: Auerbach Verlag
  • ELAC Vela BS 403.2: Bild: Auerbach Verlag