Eigentlich gilt Günther Nubert als Lautsprecherspezialist. Dennoch war mit seinen Aktiv-Varianten schon immer der Weg zur Elektronik offen. Der Schritt, nun auch eine Vor- und Endstufe zu entwickeln ist daher nur logisch. Wir haben die Endstufe nuPower D für sie genauer unter die Lupe genommen.

Wie oft bemüht man sich, erkundigt sich beim Fachhändler, beliest sich in Foren und Fachzeitschriften, recherchiert, probiert und resümiert, welche Endgerätekombination denn nun am besten zum frisch erworbenen Lautsprecher passt. Viele Kombinationen, die im Vorfeld als sinnvoll erachtet werden, harmonieren zwar einigermaßen miteinander, aber es fehlt letztlich doch am letzten Funken zur vollen Zufriedenheit. Diese Sisyphusarbeit möchte der schwäbische Hersteller Nubert seinen Endkunden gern abnehmen und möglichst unbeschwerten Hi-Fi-Genuss auf Anhieb bieten.

Bei der nuPower D gestaltet sich die Anschlusssektion etwas übersichtlicher. Eingänge liegen als XLR- und Cinch-Buchsen vor, welcher Eingang aktiv ist, wird mittels Kippschalter gewählt. Die Anschlussterminals bieten Bananensteckern und Kabelschuhen sicheren Halt und sind für zwei Lautsprecherpaare ausgelegt. Zur Auswahl des jeweiligen Pärchens steht an der Vorderseite ein leichtgängiger Drehregler zur Verfügung – das einzige Bedienelement neben dem Stand-by-Knopf.

Vielmehr braucht die Endstufe auch nicht, denn diese überzeugt in erster Linie durch Leistung. Nubert setzt hier auf ausreichend Headroom, um jederzeit ausreichende Reserven bei Dauerlast sowie für ausgeprägte Signalspitzen zu bieten. So scheuen sich die Schwaben auch nicht, wo oft nur die Musikleistung angegeben wird, die Dauerausgangsleistung zu nennen. Immerhin beträgt diese stolze 920 Watt an vier Ohm – ein wahrhaft stolzer Wert.

Um diesem Wert ein stabiles Fundament zu liefern wurde ein Netzteil mit einer Leistungsabgabe von bis zu 4  000 Watt verbaut. Das Schaltungsdesign ist voll digital, sodass sich auch die Hitzeentwicklung in einem moderaten Rahmen hält und keine zusätzliche Kühlung benötigt wird. Für eine gute Ableitung sorgt indes das Gehäuse aus gebürstetem Aluminium, das Vor- und Endstufe gemeinsam haben. Der solide Korpus ist sauber verarbeitet und wirkt unaufdringlich elegant. Die Geräteunterseite bietet außerdem jeweils einen Ground-Lift-Schalter. Sollten Brummschleifen auftreten, können diese so durch eine Potentialtrennung der Gerätemassen entgegengewirkt werden.

Teamwork à la Nubert

Der Klang der Endstufe nuControl in Kombination mit der Endstufe nuPower D kann beeindrucken: Direkt spürten wir die Kraft, die in der Endstufe steckt durch eine klare und druckvolle Wiedergabe der Transienten. Sowohl bei hohen als auch bei niedrigen Pegeln kann die Transparenz überzeugen, mit der die Kombi aufwartet. Selbst bei Vollaussteuerung war kein Klirren zu vernehmen. Eine besondere Neigung zu Höhen oder Tiefen ließ sich nicht feststellen, sondern wir durften ein stets homogenes Klangbild erleben, welches sich durch sämtliche Lautstärkebereiche zog. Hilfreich hingegen war die Korrektur bestimmter Frequenzbänder mittels des frei konfigurierbaren Equalizers.

Hier konnten wir Defiziten bestimmter Lautsprecherpaare und auch kleineren akustischen Schwächen des Hörraums gezielt entgegensteuern und so ein neutraleres Spektrum erzielen. Neben den impulsfreudigen und druckvollen Bässen, spielt auch die Feinauflösung in den Höhen dem tadellosen Eindruck in die Hand. Diese vermitteln einen silbrigen Glanz, jedoch ohne zu überstrahlen. Betreibt man die Vorstufe im „Pure“-Modus wird der Roll-off ein wenig sanfter und der Glanz bekommt einen dezent seidigen Anstrich.

Dank hervorragender Kanaltrennung beider Komponenten ergibt sich ein sehr gutes Stereo-Panorama, welches bei der Zuspielung digitaler Quellen dezent besser ausgeprägt erscheint, als bei Verwendung der analogen Eingänge. Auch in die Tiefe hinein bietet das Doppel von Nubert viel Raum und lässt Aufnahmen nicht nur zweidimensional im Raum stehen, sondern stellt sie plastisch dar.

Auch Vielseitigkeit können die Schwaben beweisen, so geschehen beispielsweise bei Dvoráks Slawischem Tanz Nummer 2 in e-Moll, gespielt vom London Philharmonic Orchestra. Die elegisch vortragende Weise der Violinen wird leicht tänzelnd umspielt vom Pizzicato der Bratschen und Celli, während die Holzbläser das harmonische Futter liefern. Hier werden sämtliche Feinheiten herausgearbeitet und auch später bei wechselnder Stimmung mal in verspielt-fröhlicher Manier und mal in tragend-majestätischer Anmutung dargeboten. Doch nicht nur mit klassischer Musik kommt das schwäbische Team gut zurecht, sondern beweist hervorragendes Zusammenspiel auch bei den Retro-Klassik-Rockern Kadavar.

Im Song „Black Sun“ kommt die analoge Produktionsweise perfekt zur Geltung und der Charakter der siebziger Jahre wirkt keinesfalls aufgesetzt sondern wird ausgezeichnet adaptiert. Auch bei kleineren Besetzungen kann die Kombination einen gutes Zusammenspiel beweisen und stellt das Duo „Me and my drummer“ mit ihrem 2012 erschienenen Album „The Hawk, The Beak, The Prey“ auf einer heimelig anmutenden Bühne präsent und in intimer Atmosphäre dar, sodass bei geschlossenen Augen der Eindruck eines persönlichen Wohnzimmerkonzerts entsteht.

Nubert gibt den Hörern mit seinem starken Doppel eine klanglich wie technisch ausgezeichnete Möglichkeit, Musikgenuss pur zu genießen. Dabei lassen die schwäbischen Entwickler aber auch sehr viel Spielraum für Eigeninitiative, wenn es um klangliche Anpassungen und feine Verbesserungen von Lautsprecherkurven und hörraumbedingten Klangeinbußen geht. Somit sind Vor- und Endstufe nicht nur reine Verstärker, sondern auch hervorragende Werkzeuge für jeden Klangenthusiasten.

Nuberts Neuzugang: Endstufe nuPower D im Test
Wiedergabequalität86%
Ausstattung und Verarbeitung90%
Benutzerfreundlichkeit100%
Preis/Leistung84%
90%Gesamtwertung
Leserwertung: (32 Votes)
45%

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