Vor 30 Jahren setzte Marantz mit der Limited Edition Maßstäbe in der jungen Gattung der CD-Player. Ähnliches versucht man zum Jubiläum der legendären Serie mit der Special Edition zu erreichen. Kann das im Jahr 2015 auf der Basis physischer Tonträger noch gelingen? Von Tobias Hecklau

30 Jahre ist es her, dass Marantz mit dem CD-45LE neue Standards für das Genre des CD-Players definierte. Das Jubiläum bewog den amerikanisch-japanischen Hersteller, den Klassiker mit einer neuen Serie zu würdigen, der 14 Series Special Edition, bestehend aus dem Super-Audio-CD-Player SA-14S1 SE und dem Stereoverstärker PM-14S1 SE. Natürlich verfolgt Marantz auch mit der Special Edition das Ziel, klanglich und optisch Maßstäbe zu setzen.

Hochwertiges Äußeres

Das Äußere der beiden Geräte überzeugt vollends. Aufeinander abgestimmt, verfügen beide über ein 44 mal 13 mal 46 Zentimeter (cm) großes Gehäuse mit einem ordentlichen Gewicht von 15 Kilogramm (SACD-Player) bzw. 19 Kilogramm (Endstufe). Das vergleichsweise hohe Gewicht kommt durch das verwendete bis zu fünf Millimeter (mm) starke Aluminium des Gehäuses, das sich in den massiven Metallfüßen fortsetzt. Hier vibriert und wackelt garantiert nichts mit. Die Front unserer beiden schwarzen Geräte wird durch indirekt leuchtende blaue LEDs veredelt (die sich auch ausschalten lassen). Auf der Rückseite vereint sich das schwarze Aluminium mit den kupferfarbenen Schraubenköpfchen zu einer noblen Sinfonie. Die Special-Edition-Serie ist auch in Gold erhältlich.

SACD-Player

Da der SA-14S1 SE nicht nur als SACD-Player sondern auch als DA-Wandler eingesetzt werden kann, verfügt er über einige digitale Anschlüsse. Neben dem USB-Eingang auf der Vorderseite, zur Verbindung mit einem Stick oder iPod, sind das koaxiale und optische Ein- und Ausgänge auf der Rückseite. Dort befindet sich auch der USB-DAC-Eingang mithilfe dessen man einen Computer anschließen und den Marantz nach Installation der Treibersoftware als externe Soundkarte benutzen kann. Analoge Cinch-Ausgänge sind ebenso Standard, wie ein Kopfhörer-Ausgang auf der Vorderseite. Als nachteilig empfinden wir, dass der USB-Eingang an der Vorderseite nur iPod- und iPhone-Modelle unterstützt, nicht aber iPads. Da Super-Audio-CDs Mehrkanal wiedergeben können, wären mehr als zwei analoge Ausgänge wünschenswert gewesen. Positiv hervorzuheben ist das flauschig ausgepolsterte CD-Schubfach, das Kratzspuren an den zarten silbernen Scheiben vorbeugen soll.

Die Rückseite des SACD-Players punktet mit Purismus. Für die DAC-Funktionen gibt es Coaxial-, Optical- und USB-Anschlüsse

Die Rückseite des SACD-Players punktet mit Purismus. Für die DAC-Funktionen gibt es Coaxial-, Optical- und USB-Anschlüsse

Vollverstärker

Der PM-14S1 SE arbeitet vollanalog, muss somit keine Wandlung mehr vornehmen und demzufolge keinen Signalverlust verkraften. Hübsch ist seine Front gestaltet mit zwei großen Drehreglern an den Seiten (Input Selector und Volume) und einem bullaugenförmigen Display in der Mitte. Viele weitere Schalter und Drehregler tummeln sich an der Front, zum Beispiel für EQ-Einstellungen oder für Anpassungen an dem eventuell vorgeschalteten Schallplattenspieler (MM oder MC). Der ATT-Schalter dämpft das Signal, die Taste „Tone“ schaltet den Zwei-Band-EQ ein oder aus. Über weite Teile der Oberseite erstreckt sich ein Kühlgitter, hinter dem großzügig dimensionierte Kühlrippen prangen. Das ist zumeist ein untrügliches Zeichen für ordentlich Power unter der Haube. Tatsächlich kann der PM-14S1 SE mit 140 Watt an vier Ohm aufwarten. Rückseitig finden sich jede Menge Cinch-Anschlüsse (Phono-, CD-, Line-, Recorder-In, Pre- und Recorder-Out), über zwei hochwertige, durch Kupferapplikationen verstärkte Schraubklemmenpaare für Bananenstecker werden die Lautsprecher angesteuert. Eine Besonderheit ist der F.C.B.S-Anschluss für das Marantz-eigene Floating Control Bus System. Hierüber lassen sich mehrere PM-14S1 SE koppeln, um etwa einen Lautsprecher mit Bi-Amping zu betreiben oder aber, um durch Kopplung dreier Geräte 5.1-Mehrkanalwiedergabe zu ermöglichen. Wir konnten das F.C.B.S nicht testen, da wir nur ein Exemplar zu Testzwecken im Hause hatten. Eine direkt im Gerät integrierte Mehrkanalunterstützung wäre praktikabler gewesen, denn drei Verstärker dieser Größe bleiben nicht ohne Folgen für die Wohnlichkeit und das Portemonnaie.

Echte Filetstücke sind die Bananensteckeranschlüsse des Amps, die zum großen Teil aus Kupfer bestehen. Das sorgt einerseits für Stabilität, andererseits aber auch für eine exzellente Übertragung, da Kupfer eine hohe Leitfähigkeit besitzt

Echte Filetstücke sind die Bananensteckeranschlüsse des Amps, die zum großen Teil aus Kupfer bestehen. Das sorgt einerseits für Stabilität, andererseits aber auch für eine exzellente Übertragung, da Kupfer eine hohe Leitfähigkeit besitzt

Bedienung

Bedient werden SACD-Player und Verstärker der Special-Edition-Serie mit nur einer geschickt aufgebauten Fernbedienung, was die Steuerung überaus einfach gestaltet. Solche klassischen Geräte erinnern an die gute alte Zeit des Hi-Fi: Kabel ziehen, Medium rein, Play drücken und los geht’s. Hier benötigt man keine App-Steuerung. Kein ewiges Einrichten, Installieren, Passworteingabe trüben die Vorfreude auf den Hörgenuss. Ähnlich einfach gestaltet sich die Ansteuerung eines USB-Sticks. Mit den Pfeiltasten der Fernbedienung hangelt man sich in der Ordnerstruktur des Mediums umher. Das ist zwar auf dem kleinen zweifarbigen Display nicht so richtig übersichtlich, aber das Gerät ist ja eigentlich auch ein SACD-Player und kein AV-Receiver. Das entschuldigt jedoch nicht das gelegentliche Haken der Musik während der USB-Wiedergabe. Außerdem: Wenn schon ein USB-Eingang vorhanden ist, wäre es wünschenswert gewesen, wenn man mehr zeitgemäße Formate hätte abspielen können. Denn mit dem SA-14SE1 SE lassen sich nur MP3-, WMA-, AAC- und WAV-Dateien bis 16 Bit und 48 Kilohertz zum Erklingen bringen. Verlustfreie Codecs wie FLAC oder ALAC können nicht abgespielt werden. Höhere Auflösungen und DSD-Dateien werden über die USB-DAC-, Coaxial- oder Optical-Eingänge entgegengenommen und gewandelt. Während der USB-Wiedergabe können Titel gespult werden. Das sollte zwar selbstverständlich sein, ist uns aber bei ähnlich hochpreisigen Geräten schon anders untergekommen. Alle Klangregelungen und sonstigen Einstellungen unserer beiden Testkandidaten lassen sich intuitiv bedienen und dürften selbst technisch unbedarfte Nutzer vor keine größeren Probleme stellen.

Die Fernbedienung aus eloxiertem Aluminium ist so geschickt konzipiert, dass sie sowohl den Player als auch den Amp bedienen kann. Ein weiteres Argument dafür, beide Geräte zusammen zu kaufen

Die Fernbedienung aus eloxiertem Aluminium ist so geschickt konzipiert, dass sie sowohl den Player als auch den Amp bedienen kann. Ein weiteres Argument dafür, beide Geräte zusammen zu kaufen

Sound

Zur Bewertung des Klangs lassen wir natürlich EQ und Klangregelungen beim Amp deaktiviert, weil wir ja die Klangtreue bewerten wollen, also die unverfälschte Wiedergabe der Ausgangssignale. Einzig die Soundmodi des SACD-Players waren interessant, aber weniger für den Test als für den direkten Vergleich zwischen den Modi „Stereo“ (DSD-Stream) und „CD“, wobei Letzterer die auf Hybrid-Discs enthaltenen Informationen in CD-Qualität wiedergibt. Ob eingebildet oder nicht, wir glaubten tatsächlich einen Unterschied zu hören: In CD-Qualität klang alles etwas enger und weniger brillant. Bei SACDs war der Sound hingegen glasklar und haarscharf abgegrenzt. Der Grund sind die auf SACD vorhandenen DSD-Streams, die aus technischen Gründen in ihrer Auflösung den analogen Ausgangssignalen näher kommen als alle anderen analogen und digitalen Medien. Tatsächlich liegt die Abtastrate einer SACD 64-mal höher als die einer herkömmlichen Audio-CD! Das führt dazu, dass sich sogar die Hallfahne jedes einzelnen Instrumentes von den anderen abgrenzen lässt. Der Nachteil: Der Sound ist fast schon analytisch und deckt Produktionsfehler gnadenlos auf. Unsere Ohren werden unser ganzes Leben darauf geschult, räumlich zu hören, weshalb uns Ungereimtheiten in diesem Zusammenhang sofort auffallen. Auch ohne Übung merkt unser Gehör, wenn die Instrumente eines Popsongs hintereinander anstatt zusammen eingespielt wurden. Noch künstlicher klingt es, wenn jedes Instrument des Arrangements mit seiner eigenen digital emulierten Hallinformation versehen wird. Uns fiel dies bei Alan Taylors Song „Wheel of Fortune“ auf, einem Akustik-Song mit drei Westerngitarren, Kontrabass, Percussion und Gesang, bei dem die verwendeten Hallräume einen recht künstlichen Eindruck erzeugen. Auf der Marantz-Kette machen jene hochwertigen Aufnahmen am meisten Spaß, auf denen alle Musiker gleichzeitig mit einer Stereomikrofonie aufgenommen wurden. Bei dem Format der SACD kann man aber getrost davon ausgehen, dass hinter den meisten Veröffentlichungen eine aufwendige Produktion steckt.

Beim Hören des Rocksongs „Are you gonna go my Way“ von Lenny Kravitz erschien uns der Sound der Marantz-Kette insgesamt ziemlich mittig. Nach dem Abgleich mit anderen Genres wurde uns klar, dass das schlicht am Song selbst lag, dessen Fokus – typisch Rockmusik – auf den verzerrten Gitarren im oberen Mittenbereich lag. Bässe und Höhen gibt die Special Edition nicht überbetont aus, was einen angenehm warmen Sound generiert. Die Bässe sind angenehm zurückhaltend und könnten für unseren Geschmack gar ein wenig knackiger daherkommen. Die Höhen indes sind seidig und zart, aber dennoch deutlich hörbar. In Kombination mit den ehrlichen Mitten eignet sich die Kette perfekt für die Wiedergabe hochwertiger Klassikaufnahmen. Wir führten uns Schostakowitschs „Walzer Nr. 2“ aus der „Suite für Varieté-Orchester“ in einer Aufnahme des Russian State Symphony Orchestras zu Gemüte. Die Dynamik beeindruckt sowohl beim Fortissimo als auch beim anschließenden Piano mit der einsetzenden Posaune als Melodieinstrument, weil beide Parts trotz des Pegelunterschieds mit hoher Präzision und Klangtreue ausgespielt werden. Alles in allem verfügt die Special Edition-Kette über einen ziemlich analogen Klangcharakter. Wem das nicht genug ist, der kann am SACD-Player die Filtercharakteristik „FIL 2“ aktivieren, die den ausgeglichenen weichen Klang analoger Geräte simuliert.

Fazit

Exzellente Verarbeitung, einfache Bedienung und toller Sound, so kann man den PM-14S1 beschreiben. Somit spielt er ganz klar in der ersten Liga mit, was auch den Preis absolut rechtfertigt. Für den Sprung an die Weltspritze fehlt noch ein allerletztes Quäntchen, das ihn von Konkurrenzprodukten abheben würde. Auch beim SA-14S1 SE stimmen Verarbeitung, Bedienung und Klang. Jedoch fehlen hier ebenfalls einige Features zum erhofften Quantensprung. Wünschenswert wären Mehrkanalunterstützung und die Wiedergabe zeitgenössischer Lossless-Codecs gewesen.

Marantz Special Edition: Neuauflage mit höchsten Ansprüchen
Wiedergabequalität 92%
Ausstattung/Verarbeitung 88%
Benutzerfreundlichkeit90%
Preis/Leistung96%
92%Gesamtwertung
Leserwertung: (19 Votes)
58%

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