All-in-one-Geräte als vermeintliche Multitalente und eierlegende Wollmilchsäue werden häufig eher kritisch beäugt, denn mit Spannung erwartet. Im Fall Mu-so verhält es sich genau anders herum.

Seit Ankündigung des Wireless-Speakers der britischen Edelmarke steht die Welt Kopf und viele versuchen, eines der Exemplare für sich zu ergattern. Schließlich gilt: Alles, was hier das Werk verlässt, ist garantiert von Qualität auf höchstem Niveau und in Bedienung wie Handling ausgefeilt. Zugegeben, die Funktionsvielfalt, welche hier versprochen wird, liest sich schon ein wenig wie aus dem Märchenbuch und nur selten wurde ein derartiger Umfang an Features bis ins Detail zufriedenstellend umgesetzt. Meist krankt es hier und da, schwächelt oder hinkt ein solches Gerät auf einem Bein bzw. Feature. Insofern waren wir gespannt, wie sich die Muso im Labor beweisen kann.

Kompakt und übersichtlich: das Bedienfeld. Der Aluminiumring regelt die Lautstärke während der innere Bereich als Touchscreen fungiert. Aufgeräumter gehts kaum

Kompakt und übersichtlich: das Bedienfeld. Der Aluminiumring regelt die Lautstärke während der innere Bereich als Touchscreen fungiert. Aufgeräumter gehts kaum

Als wir unser Testmuster des Alleskönners erhielten, zeigte sich schon beim Auspacken der ihm eigene Charakter. Das Gewicht bestätigt die massive Ausführung, welche sich in einem hölzernen Gehäuse mit Aluminiumbeschlag äußert. Als Fuß kommt eine Glasplatte zum Einsatz, in die der Markenschriftzug graviert ist. Mittels fünf oben ins Gehäuse eingelassener LEDs kann dieser in drei verschiedenen Stufen beleuchtet, für Umgebungen die dunkel bleiben sollen, jedoch auch deaktiviert werden. Der gläserne Sockel nimmt nicht die ganze Breite des Geräts ein. Links und Rechts befinden sich mit Kunststoff verkleidete Einlässe, welche auch als Griffe für einen einfachen Transport des immerhin 13 Kilogramm schweren Lautsprechers fungieren. Naim verschwendet dabei keinen Zentimeter Platz und gibt diesen auch bei aufgestellter Mu-so eine Funktion.

Während in der linken Seite der Auslass des Bassreflexkanals beherbergt ist, verfügt der rechte Eingriff über die Ethernetbuchse und den optischen Digitaleingang, sowie den Stromanschluss per einfachem Eurostecker. Dieser ist im Gegensatz zu einem Schuko-Stecker platzsparend, ermöglicht eine ungebrochene Optik des Gehäuses und lässt es erscheinen, als wäre es aus einem Guss. So steht beispielsweise die Rückwand vollflächig als Kühlkörper zur Verfügung. Die Oberseite ist komplett ebenmäßig, bis auf die Vertiefung mit dem zentralen Bedienelement – den Lautstärkeregler.

Den einzigen Bruch im sonst so schlüssigen Gehäuse bilden die beiden Buchsen für Mobilgeräte an der rechten Seite

Den einzigen Bruch im sonst so schlüssigen Gehäuse bilden die beiden Buchsen für Mobilgeräte an der rechten Seite

Der Aluminiumring ist angenehm griffig und gewichtig mit einem ordentlichen Drehmoment für eine absolut hochwertige Haptik. Inmitten des Rings befindet sich der schwarze Touchscreen, dessen aktive Elemente bei Betrieb aufleuchten. Die Reaktionen bei Berührung erfolgen prompt und sind leichtgängig. Die Gefahr zufälligen Berührens ist kaum gegeben, da einzelne Felder weit genug auseinander liegen. Die Lautstärke selbst wird bei Betätigung des Reglers durch einen segmentierten Ring illuminiert. Hierbei werden die anderen Elemente abgeschaltet, um ein versehentliches Drücken zu vermeiden.

Die geschwungene Frontblende sorgt für einen Hauch Frische im Design und ist bei Bedarf gegen optional erhältliche Modelle in verschiedenen Farben austauschbar. Hinter ihr befinden sich sechs Treiber für das Stereo-Drei-Wege-System, mit dem die Mu-so arbeitet. Jeder dieser Treiber wird angefahren von einer eigenen 75 Watt starken Endstufe, womit es das Kompaktsystem auf satte 450 Watt Leistung bringt – sehr beachtlich!

Lediglich an der rechten Seite bricht Naim das Gehäuse mit zwei physischen Eingängen auf und stellt für einen einfachen Zugang mit Mobilgeräten einen analogen Mini-Klinken-Anschluss sowie einen USB-A-Port zur Verfügung. Dieser ist sowohl für den Betrieb mit Wechseldatenträgern sowie iPod, iPhone und Co ausgelegt. Die wahren Stärken des Multitalents liegen jedoch bei den non-physischen Verbindungsmöglichkeiten.

Ein Euro-Stecker reicht zur Stromversorgung, wird aber bis ans Limit getrieben. Die Unterbringung der Buchsen dient gleichzeitig als Griff

Ein Euro-Stecker reicht zur Stromversorgung, wird aber bis ans Limit getrieben. Die Unterbringung der Buchsen dient gleichzeitig als Griff

Bei vorhandener Wi-Fi- oder Ethernet-Verbindung sind die Optionen zur Integration nur durch die verfügbaren Standards begrenzt. Ob man sich für die Wiedergabe via AirPlay oder Spotify Connect entscheidet, für die Internet-Radiostation vTuner oder ob man doch lieber die heimeigenen UPnP-Server durchstöbert, bleibt ganz der jeweiligen Situation überlassen. Zur Steuerung steht eine durchdachte und übersichtliche App zur Verfügung, die den Look des Mu-so aufgreift und dieselben Symbole verwendet, wie die Basiseinheit selbst. Mit ihr bekommt der Anwender einfachen Zugriff auf sämtliche Funktionen und hat diverse Einstellmöglichkeiten.

Das Browsing durch die Musikbibliothek ist intuitiv und geht entsprechend leicht von der Hand. Die Anwendungsmöglichkeiten sind dabei der Fantasie des Nutzers überlassen. Ob in der Küche, als Zweitsystem im Wohnzimmer, fürs Gästezimmer oder mit mehren Geräten im Haus verteilt als Multiroomsystem: Eine gute Figur macht der Lautsprecher ganz gewiss. Doch nicht nur im Hinblick auf die Funktionsvielfalt ist die Mu-so ein Ausnahmeprodukt.

 

Der Klang

Auch in klanglicher Hinsicht gibt sie sich sehr überzeugend. Zunächst fällt die Basisbreite auf, welche deutlich höher erscheint, als sie bauartspezifisch eigentlich sein könnte. Dem Hörer bietet sich zwar kein unendlich, aber doch ausreichend breites Stereo-Panorama. Zu überraschen vermag auch der kräftige und tiefe Bassbereich, den der kleine Alleskönner darzustellen vermag. Hier macht sich ein ausgeklügeltes Bassreflexsystem bezahlt, welches dem Hörer Oktavlagen deutlich größerer Lautsprecher offenbart. Zuweilen entsteht der Eindruck, Naim hat es mit den Tiefen sogar etwas zu gut gemeint. Daher unser Tipp: experimentieren Sie ein wenig mit der Aufstellposition und der entsprechenden Option im Menü.

Trotz der partiellen Überbetonung bleibt der Bassbereich differenziert und frei von Dröhnen und leitet sauber in den Grundtonbereich, welcher druckvoll reproduziert wird, harten Gitarren ausreichend Kraft und akustischen Instrumenten eine gute Portion Wärme mit auf den Weg gibt. Auch in den Mitten macht die Mu-so eine gute Figur, kann durch eine gute Stimmen- und Sprachverständlichkeit punkten, wobei sich Sänger und auch Sprecher überaus wohl fühlen. So macht nicht nur Musik Spaß, sondern auch Hörspiele bereiten Freude und machen den Lautsprecher damit familienfreundlich.

Die Auflösung in den Höhen ist exzellent – eine Stärke, die nur wenige Geräte dieser Klasse teilen können. Sibilanten wie Becken werde frei von Zischen mit unbeschwerter Leichtigkeit und ausreichend Luft nach oben wiedergegeben. Die Darstellung von Räumlichkeit bewegt sich dadurch auf einem hohen Niveau und lässt ein transparentes, durchhörbares Klangbild der jeweiligen Aufnahme entstehen. Einen besonders herausragenden Eindruck haben wir von der Mu-so bei der Bespielung mit jazzigen Klängen erhalten, so zum Beispiel vom Album „Dance on deep waters“ des Ensembles um den Pianisten Edgar Knecht.

Die homogene Einbettung des Kontrabasses über sämtliche Oktavlagen bot sowohl im Unisono mit dem Flügel, als auch bei eigener Stimmführung eine gelungene Melange. Das Schlagzeug drängte sich nie in den Vordergrund, ist jedoch deutlich vernehmbar. Beim Klassiker „Superunknown“ der Alternative-Formation Soundgarden beweist das Multitalent, dass es auch mit verzerrten Gitarren gut zurecht kommt. Der herausragenden Produktion kann der Streaming-Lautsprecher ausgezeichnet Rechnung tragen und zeigt sich druckvoll und spielfreudig.

Eine leichte Tendenz zur Verspieltheit zeigt sich indes bei Camille Saint-Saëns’ „Aquarium“ aus dem Karneval der Tiere. Der Konzertflügel transportiert eine unbeschwerte Leichtigkeit, die Glocken vermitteln ein Schillern in den Höhen während die Streicher den mysteriösen und geheimnisvollen Charakter des Werks gut zu transportieren wissen. Ein überaus starkes Stück, das uns Naim da präsentiert, und das zu einem absolut fairen Preis. Bedenkt man, dass hier ein vollständiger Streaming-Receiver mit ausgefeilter Benutzeroberfläche inklusive kraftvoller Endstufe und Lautsprechern mit hochkarätigem Klang in einem absolut kompakten Format geliefert werden, bleibt nur zu sagen: Hut ab!

Maßstäbe neu definiert: Naim Mu-so im Test
Wiedergabequalität85%
Ausstattung und Verarbeitung100%
Benutzerfreundlichkeit95%
93%Gesamtwertung
Leserwertung: (80 Votes)
27%

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*