Wharfedale REVA-3, REVA-1, REVA-C: Kompakt- mit Standlautsprechern und einem Center-Speaker zu kombinieren, ist mit den REVA von Wharfedale problemlos möglich. Wie gut die 5.0-Aufstellung und das Stereo-Paar klingen, wird unser Test verraten.

Paarweise oder Surround

Schon in der letzten Ausgabe der AUDIO TEST hatten wir zwei Lautsprecher-Paare von Wharfedale aus der REVA-Reihe unter die Lupe genommen. Das Testergebnis überraschte sicher alle. Diesmal wenden wir uns den jeweils kleinsten ihrer Klasse zu: den REVA-1 und REVA-3. Außerdem gesellt sich der REVA-C dazu. Mit ihm haben die Britten einen waschechten Center-Lautsprecher auf den Markt gebracht.

REVA-3

Mit ihren 91 Zentimeter sind die REVA-3 die zweitgrößten Standlautsprecher aus der britischen Lautsprecher-Manufaktur. Sie ruhen wie die anderen Modelle auf einer entkoppelten Bodenplatte, die den Bassreflex-Ausgang schützt. Da er auf den Boden gerichtet ist, können die 19 Kilogramm schweren Lautsprecher auch nahe der Wand aufgestellt werden. Gerade wenn im Wohnzimmer nicht so viel Platz sein sollte, es aber Standlautsprecher sein sollen, dann sind die REVA-3 die richtige Wahl. Wie bei ihren großen Brüdern besitzen die Boxen vormontierte Spikes, die sich dank Kontermutter/Scheibe sehr gut ausrichten lassen. Empfindliche Fußböden profitieren von den beigelegten Spikes.

Generell können wir sagen, dass das Design der REVA-Reihe sehr gelungen ist. Abgerundete Ecken und Kanten machen den Augen und der Hand Spaß und selbst nach intensiver Suche, fanden wir keine unschöne Kerbe oder Ähnliches. Alle Modelle sind dank des Pianolacks glänzende Blickfänger. Wobei gerade diese Eigenschaft für ihren einzigen äußeren Makel verantwortlich ist. Der Lack zieht nämlich Fingerabdrücke magisch an. Doch Wharfedale weiß darum und packt den REVA entsprechende Handschuhe bei. So geht der Aufbau ohne Abdruckproblem vonstatten. Wem die weiße Version nicht gefällt, der kann alle REVA-Modelle auch in den Farben Schwarz, dunklem Rosenholz und Wallnuss bestellen. Für unterschiedliche Eindrücke sorgt die magnetische Abdeckung. Ist sie befestigt, dann wirken sie zurückgezogen und könnten fast übersehen werden. Dominanz erhalten sie jedoch ohne Abdeckung. Die schwarzen Hoch-, Tief- und Mitteltöner sind in einem Aluminiumring gefasst und federn bei unseren weißen Exemplaren den Schwarz-Weiß-Übergang elegant ab.

Die drei Glasfiber-Töner für Tiefen und Mitten sowie die 25-mm-Textil-Hochtöner im Detail

Bei der Fertigung der Tiefen- und Mittentreiber setzt Wharfedale ganz auf Glasfiber. Die zwei 125- Millimeter(mm)-großen Basstöner liegen übereinander, darüber kommt der 115-mm-große Mitteltöner, gefolgt vom 25-mm-Textil-Hochtöner. Durch diese Kombination decken die REVA-3 einen Frequenzgang von 37 Hertz (Bass-Erweiterung) bis 20 kHz ab. Die Crossover-Frequenzen liegen bei 450 Hertz und 2,6 Kilohertz. Wie schon beim REVA-4 sollte man nun denken, dass es sich um ein 3-Wege-System handelt. Doch auch hier verbirgt sich ein 2,5-Wege-System. In weiten Bereichen teilen sich also die Töner die Frequenzen und geben sie parallel wieder. Dieses Verfahren soll für geringere Gruppenlaufzeiten zwischen Mittel- und Tieftönern sorgen und dem Klang mehr Homogenität verleihen. Auf der anderen Seite ist natürlich die Gefahr von Interferenzen größer. Die Empfindlichkeit der Lautsprecher gibt Wharfedale mit 88 Dezibel (dB) an, damit bewegen sie sich im HiFi üblichen Bereich. Der maximale Schalldruckpegel liegt übrigens bei 100 dB. Der Verstärker, mit dem die REVA betrieben werden, sollte eine Leistung zwischen 25 und 120 Watt ausgeben. Die minimale Impedanz der Boxen kommt auf 3,7 Ohm. Die auf der Rückseite straff sitzenden Anschlüsse erlauben Bi-Amp und geben unseren Bananensteckern sicheren Halt.

Um die Britten gleich richtig zu testen, unterziehen wir sie der Feuertaufe, und zwar mit Igor Strawinskys „L’oisseau de feu“ (Der Feuervogel). Unsere Aufnahme stammt aus dem Jahr 1983 und wurde vom Detroiter Symphony Orchestra unter Antal Dorati eingespielt. Zunächst fällt ein detailliert aufgebautes Stereobild auf. Die Harfe erklingt von links, das Fagott von rechts und die Streicher verteilen sich fein gestaffelt. Selbst große Dynamik mit leisen, bedrohlichen Tönen bis hin zum vollen Einsatz des Orchesters inklusive Pauken ist kein Problem für die britischen Standlautsprecher. Auffällig ist der Bass. Es ist fast magisch, wie kraftvoll er klingt und dabei eine ungeheure Leichtigkeit bewahrt. Wir haben das Gefühl, als schwebt er durch den Raum. Er gibt der Musik genau das richtige Fundament, ohne sie zu erdrücken oder sich in den Vordergrund zu drängen. Und auch von der Auflösung sind wir angetan. Jedes Instrument darf seinen Klangraum einnehmen, ohne dass es separiert wirkt. Die Wharfedale komponieren so ein Klangbild, was jede Farbe und Form wahrnehmen lässt und beidem nichts aus dem Rahmen fällt. Wir testen die REVA-3 noch mit einigen Jazz- und Rockklassikern. Auch hier leisten sie sich keine Schwächen, bis auf ein paar alte Jazz-Aufnahmen von Ella Fitzgerald aus den 40er und 50er Jahren. Die Aufnahmetechnik der Zeit betonte die Mitten und die Britten heben diesen Umstand etwas zu sehr hervor. Die Stimme der Jazzlegende klingt dadurch ein klein wenig zu präsent.

REVA-1

Das Verarbeitungsqualität keine Frage der Größe ist, beweisen die Kleinsten der REVA-Reihe. Mit einer Höhe von 31,7 cm Höhe finden sie praktisch in jedem Regal Platz. Auch mit ihnen ist die Aufstellung nahe der Wand kein Problem, da hier ebenfalls das Bassreflexrohr seinen Ausgang auf der Unterseite hat. Bevor wir nun aber hören, wie die Kleinen klanglich abschneiden, wenden wir uns der Technik zu.

Frontansicht der Zwei-Wege-Lautspreche, oben der 25-mm-Tweeter und darunter der 115-mm-Mittel/Tieftöner aus Glasfiber

Die REVA-1 sind anders als ihre großen Brüder als Zwei-Wege-Lautsprecher aufgebaut. Die Arbeit in den Tiefen und Mitten verrichtet der 115 mm große Bass- und Mittentreiber aus. Und obwohl die Boxen nur ein Gehäusevolumen von 6,4 Litern besitzen, erreichen sie dank Bass-Erweiterung eine untere Frequenz von 48 Hz. Das Crossover findet bei 2 kHz statt. Die Textil-Hochtöner messen 15 mm und erreichen die üblichen 20 kHz. Die Leistung des Verstärkers sollte zwischen 20 und 60 Watt liegen. Die minimale Impedanz beträgt 4,3 Ohm. Auch bei diesen Lautsprechern finden wir auf der Rückseite sehr gut verarbeitete Anschlüsse. Und selbst die Kleinsten der Reihe erlauben Bi-Amp. Bass und Tweeter können also wahre HiFi-Freunde separat ansprechen. Wieder bemühen wir Strawinskys Feuervogel. Und gleich zu Beginn, als die Bass-Fraktion einsetzt, überraschen uns die REVA-1. Voll und satt klingen sie. Der Bass ist schön kräftig, die Blechbläser setzen packend ein und die zarten Geigentöne, kurz bevor die Holzbläser das Anfangsthema wiederholen, streicheln unser Ohr. Das Stereobild wird perfekt wiedergegeben, die Tiefenstaffelung ist korrekt zu orten. Überhaupt klingt es, als ob wir im Konzertsaal sitzen. Selbst das Knarren der Stühle, auf denen die Musiker sitzen, nehmen wir wahr. Im direkten Vergleich mit den REVA-3 fallen sie natürlich etwas ab. Der Bass ist nicht ganz so voll und die Auflösung etwas geringer. Aber für sich allein überzeugen sie. Beim Test mit Nils Wülkers Album „My Game“ machen die REVA-1 noch mehr Spaß. Der Sound ist weich ohne Feinheiten einzubüßen. Und auch bei den alten Aufnahmen von Ella Fitzgerald klingen sie super, ja sie schaffen es sogar, die überbetonten Mitten der Aufnahme abzufedern.

Die hervorragend verarbeiteten Anschlüsse sind auch für Bi-Amp geeignet

REVA-C

Der REVA-C ist der Center Speaker der Serie. Er wird gebraucht, wenn die Lautsprecher als Surround-Anlage fungieren. Seine Höhe von 195 mm erlaubt es aber nicht, ihn direkt vor dem TV auf das Sideboard zu legen. Er verdeckt dann teilweise das Bild. Zumal er noch auf einer separaten Bodenplatte ruht, die ihn nochmals erhöht. In Optik und Verarbeitung passt er in die REVA-Reihe und auch er ist in vier Farben erhältlich. Gegenüber den anderen Lautsprechern hat der REVA-C seine zwei Bass-Reflex-Öffnung auf der Rückseite. Zwischen den beiden Öffnungen sind die vier Anschlüsse für die Lautsprecherkabel fest montiert. Er ist also auch Bi-Amp-fähig. Um den Frequenzverlauf von 55 Hz (Bass-Erweiterung) bis 20 kHz wiedergeben zu können, nutzt der REVA-C zwei 150-mm-Glasfiber-Basstreiber. Dazu kommen ein 115-mm-Glasfiber-Treiber für die Mitten und ein darin integrierter 25-mm-Textil-Hochtöner. So ist es auch zu erklären, dass es sich trotz drei Treibern nur um einen zwei-Wege-Lautsprecher handelt. Der Verstärker sollte eine Leistung von 25 bis maximal 100 Watt haben. Die Empfindlichkeit beträgt 87 dB und die minimale Impedanz liegt bei 4,2 Ohm.

Links und rechts befinden sich die Tieftöner in der Mitte der kombinierte Hoch- und Mitteltöner

Klangliches Niveau

Die Aufgabe eines Center-Speaker ist es vor allem, Sprache wiederzugeben. Diese Aufgabe meistert der REVA-C mit Bravour. Präzise, verständlich und satt dringen männliche wie weibliche Stimmen an unser Ohr. Und selbst bei der Musikwiedergabe braucht sich der Center-Lautsprecher nicht zu verstecken. Der Bass ist ungewöhnlich voll und alle Instrumente werden differenziert abgebildet.

Wir bauen nun die REVA-3 als Front-Lautsprecher, die REVA-1 als Rear-Boxen und den REVA-C als Center-Speaker im Testraum auf. Schnell ist der Blu-Ray-Player mit dem AV-Receiver und der mit unserer Endstufe verbunden. Auf einen Subwoofer verzichten wir, denn wir wollen sehen, ob die Lautsprecher es allein schaffen, Kino-Feeling aufkommen zu lassen. Der finnisch-kanadische Fantasyfilm „Imaginaerum by Nightwish“ aus dem Jahr 2012 ist unser erster Testkandidat. Sicherlich kein Filmmeisterwerk, vor allem die schlechten Schauspieler und die wirre Handlung stören, aber der Soundtrack ist durchaus überzeugend. Hier können wir in Ruhe hören, was die REVA leisten können. Da die REVA-1 eine geringere Ansprechlautstärke haben als die Standlautsprecher, müssen wir bei unseren Rear-Boxen etwas nachregeln und ihre Lautstärke anpassen. Aber nach dieser Aktion werden wir mit einem vollen und satten Surround-Sound belohnt. Der epische Soundtrack füllt den Raum aus und die Sound-FX lassen sich punktgenau orten. Und auch ohne Subwoofer kommt das typische Kino-Feeling auf.

Besonders ans Herz legen, wollen wir aber diese Lautsprecherkonstellation allen, die gern Konzerte auf Blu-Ray oder Ultra HD Blu-Ray lauschen. Da die REVA schon als Stereo-Paar hervorragende Arbeit leisten, wird gerade bei klassischen Konzerten ein hochwertiges Klangerlebnis realisiert. Bis ins Detail ist jede Nuance wahrnehmbar. Als Surround-Lautsprecher können die REVA-1,-3 und -C in alle Belangen überzeugen. Die Schwächen der einzelnen Boxen werden in diesem Zusammenhang ausgeglichen und der Center-Lautsprecher sorgt für hochwertige Stimmwiedergabe. Dank des wunderbar luftigen Basses der REVA-3 macht die Kombination auch ohne Subwoofer Spaß.

weitere Infos unter: www.iad-audio.de

Die Testbewertung bezieht sich auf die Reva-3.

Test: Wharfedale REVA-3, REVA-1, REVA-C
Die REVA-1 sind kurz gesagt klasse Kompaktboxen mit zeitloser Optik. Wie bei allen Lautsprechern die REVA-Serie ist ihre Verarbeitung tadellos. Der Klang ist auf wirklich hohem Niveau. Selbst den Bass können die Kleinen gekonnt und mit Kraft herüberbringen. Die Musikstücke sind detailreich und werden mit etwas Wärme angehaucht. Einziger Kritikpunkt ist, sie klingen etwas zurückhaltend. Aber wozu gibt es den Lautstärkeregler am Verstärker?
Wiedergabequalität88%
Ausstattung/Verarbeitung100%
Benutzerfreundlichkeit79%
Preis/Leistung90%
Vorteile
  • kräftiger Bass
  • detailreicher Sound
Nachteile
  • etwas zurückhaltend
88%Gesamtwertung
Leserwertung: (0 Votes)
0%

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