Mit dem Standlautsprecher 17.2 präsentiert Inklang die neue Perle der Advanced-Line-Reihe im kennzeichnend simplen Schick. Ob der auf Wunsch in Sonnengelb lieferbare Speaker auch klanglich Farbe bekennt, haben wir für Sie getestet.

Da ärgert sich das Phrasenschwein, denn dass nicht aller Anfang schwer sein muss, stellte das junge Unternehmen Inklang um Firmengründer Thomas Carstensen schon mit Erscheinen der Advanced Line 13.3 unter Beweis (likehifi berichtete). Die Manufaktur aus dem Norden der Republik entstand aus einer Leidenschaft zum Lautsprecher heraus und schaffte es schnell, sich nicht zuletzt mit Hilfe einer transparenten und auf Nachhaltigkeit bedachten Geschäftsphilosophie unter den Alteingesessenen der Hi-Fi-Branche zu behaupten. So setzt Inklang auf eine Auswahl nationaler Zulieferer, die nach eigenen Angaben zwei Drittel der Materialien bereitstellen. Diese werden dann in einer alten Kaffeerösterei in Hamburg Veddel per Hand verarbeitet. Dabei stehen die Wünsche und Anforderungen des Kunden an erster Stelle. So kann sich bei den Lautsprechern der Advanced Line 17.2 nicht nur zwischen zehn verschiedenen Farben, sondern wahlweise auch für den Einbau einer Referenz-Frequenzweiche entschieden werden, welche vor allem unter Verwendung audiophiler Zuspieler oder hochauflösender Dateiformate detailreichen Hörgenuss verspricht. Diese und weitere Anpassungen können leicht mit Hilfe eines Online-Konfigurators vorgenommen werden. Im Falle des getesteten Lautsprecherpaares handelt es sich um die Basisausstattung der Advanced Line. Die für Standlautsprecher der Firma typische schmale Figur bringt vor allem durch die senffarbene Seidenglanzlackierung eine elegante Lebendigkeit mit sich. Des Weiteren verleihen die abgeschliffenen Kanten sowie die abgerundete Oberkante an der Front dem Erscheinungsbild zusätzliche Weichheit. Auch sonst zeugt die Verarbeitung von der Handarbeit eigenen Sorgfältigkeit. So ist beispielsweise der Phase Plug fein säuberlich auf der Leichtmetallmembran aus einer Aluminium-Magnesium-Legierung verleimt und das kennzeichnende Inklang Baumwollbändsel an dem hochwertig eingebauten Bi-Wiring-Terminal auf der Rückseite angebracht. Dieser kann übrigens auf Wunsch des Kunden mit einer persönlichen Gravur versehen werden.

Überzeugt durch unaufdringliche Klanggewalt: der 18 cm Langhub Tieftöner

Überzeugt durch unaufdringliche Klanggewalt: der 18 cm Langhub Tieftöner

Allerdings ist die Optik der Neuerscheinung nicht bloß schick, sondern verweist auch auf die Ambition des Herstellers, den Lautsprecherbau mit neuen Ideen und Strategien aufzuwerten. Die ungewöhnliche Anordnung des 18-Zentimeter-Langhub-Tieftöners über dem Hochtöner am Kopfende des Gehäuses, und somit in größtmöglicher Entfernung zum Bassreflexkanal zeugt von innovativer Konzipierung der Advanced Line. Im Zuge dessen verspricht Inklang einen warmen und unverfälschten Klang im unteren Frequenzbereich – und das mit Recht. Sowohl statische als auch wandernde Bässe klingen warm und kräftig, ohne sich aufzudrängen. Kickdrums überzeugen durch eine schöne Direktheit in der Attack und schaffen es im Nachklang, nicht von benachbarten Frequenzen anderer Instrumente verschluckt zu werden. Auch in höheren Frequenzbereichen brilliert die 17.2 durch akustische Homogenität, die nicht im selben Atemzug Abstriche in Sachen Detailtreue fordert. So stellt die 29-Milimeter-Kalotte, ebenfalls aus einer Aluminium-Magnesium-Legierung, dichte Klanggefüge so deutlich dar, dass trotz einer großen Pluralität kleiner klanglicher Details, wie bei Pink Floyds „Echoes“, winzige Nuancen ihren Freiraum haben. Man vernimmt deutlich, wie Roger Waters vor der ersten Zeile die Lippen auseinander bringt, um zum Singen anzusetzen. Dabei wartet die Advanced Line mit großem Selbstbewusstsein auf und beherrscht das Spiel mit der Dynamik meisterlich. Leise Passagen werden mit der gleichen Kontinuität in den Frequenzbändern wiedergegeben, wie die großen Höhepunkte. Und dabei bleibt alles an seinem Platz.

Fest verankert nimmt der Hochtöner seine Aufgaben war

Fest verankert nimmt der Hochtöner seine Aufgaben war

Das Panorama ist nicht nur in der Breite, sondern auch in die Tiefe hinein so präzise, wie man es sich bei der Stereowiedergabe nur wünschen kann. So visualisiert sich der goldene Saal des Wiener Musikvereins beim Hören von Joseph Strauss’ „Sphärenklänge, Walzer op. 235“ der Wiener Philharmoniker unter Leitung von Franz Welser-Möst vor dem inneren Auge so deutlich, dass man neben der Sitzordnung der Musiker sogar die Architektur des Raumes zu hören glaubt. Allerdings stößt man beim Spiel mit dem Volumenpegel schließlich an die Grenzen der Belastbarkeit. Bei hoher Lautstärke verliert sie dezent an Transparenz und entwickelt eine leicht komprimierende Charakteristik. Im Fortissimo tendieren Streicher und Holzbläser dazu, unter leichtem Klirren ineinander zu verschwimmen. Die Gleichwertigkeit der Frequenzbänder schwindet zunehmend, Bässe unterliegen sonor schwingenden Mitten. Bei komprimierteren Produktionen jedoch zeigt sich der Neuling aus der Hansestadt souverän. E-Gitarren und synthetisch erzeugte Klänge sind auch bei voller Auslastung ein wahres Vergnügen, ohne jegliche klangliche Verfälschung. In der Tat hat sich Inklang nicht erst mit Erscheinen der Advanced Line 17.2 in den dichten Gefilden der Hi-Fi-Szene als vollwertige Kompetenz etabliert.

Fazit

Das individuelle Erscheinungsbild, gepaart mit großem klanglichen Können, macht die 17.2 zu einer sehr empfehlenswerten Investition. Das Produktdesign von Inklang ist übrigens für den German Design Award 2016 nominiert. Und nicht nur in Sachen Optik hätte das junge Hamburger Unternehmen durchaus einen Preis verdient. Die Advanced Line 17.2 bietet im mittleren Preisrahmen vollen Hörgenuss und ist gegenüber den Urgesteinen der Branche eine handfeste Alternative.

Inklang Advanced Line 17.2: Neue Hamburger Schule
Wiedergabequalität82%
Ausstattung/Verarbeitung85%
Benutzerfreundlichkeit89%
Preis/Leistung85%
85%Gesamtwertung

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