Die Netzwerk Audio-Vorstufe SU-R1 ist ein wahrer Audioakrobat. Gekonnt meistert sie alle auch nur erdenklichen Formate und bietet dabei eine Anschlussvielfalt, für die man üblicherweise drei Geräte bräuchte. Gleichzeitig stellt sie die zentrale Schnittstelle der gesamten Anlage dar. Die Möglichkeiten sind so vielfältig, wie die Musik die darüber verwaltet wird. Dabei müssen jedoch in Puncto Qualität keine Abstriche gemacht werden.

Technics spendiert seiner Vorstufe zwei hochwertige, voneinander getrennte analoge Stereo-Eingänge mit 192 kHz/24 bit Burr-Brown-A/D-Wandlern für konventionelle Zuspieler und ein ganzes Arsenal an digitalen Optionen. Darunter einmal AES/EBU, drei mal Koaxial digital, optische Eingänge und USB-A, sowie USB-B zur Nutzung der Vorstufe als asynchronen Wandler mit einem Computer. Bei den unterstützten digitalen Formaten ist die SU-R1 genauso breit aufgestellt.

Die Liste liest sich wie das Who-is-Who der Dateiendungen. WAVE, FLAC, AIFF, ALAC, AAC, WMA, MP3 und sogar DSD mit bis zu 5,6 Megahertz. Es scheint ein bisschen so, als würde man bei Technics lieber auf Nummer sicher gehen. Was rein geht, muss aber auch wieder raus. Nichts leichter als das, suchen sie sich einfach einen Anschluss aus. Zur Wahl stehen unsymmetrische und symmetrische Line-Ausgänge, wieder mit hochwertigen Burr-Brown-Wandlern und sehr audiophilen Operationsverstärkern wie dem LME49720, oder man bevorzugt in der digitalen Domäne zu bleiben und versendet wieder über AES/EBU, koaxiale, oder optische Verbindungen.

Das Highlight dieses Jongleur numérique sind jedoch die vier RJ45-Buchsen an der Rückseite des Gerätes. Eine davon ist zur Integration der Vorstufe in das heimische Netzwerk und den Zugriff auf DLNA-Geräte und UPnP-fähige Datenbanken, die anderen beiden Buchsen stellen die Audioverbindung zur Technics Endstufe SE-R1 her. Über diesen proprietären Weg, offiziell Technics Digital Link genannt, wird nicht nur das digitale Audiosignal auf Links und Rechts gesplittet und störungsfrei an den Verstärker geschickt, sondern auch gleich noch die Information, mit welcher Lautstärke dieser spielen soll.

Die eigentliche Lautstärkeregelung findet dann erst intern im Verstärker statt, obwohl die Information über die Einstellung über die Vorstufe erfolgt. Die digitale Audioübertragung durch den Technics Digital Link ist dabei am ehesten mit einer symmetrischen Verbindung vergleichbar, da das Signal zweiphasig übertragen codiert und decodiert wird. Über diesen Weg wird vermieden, dass empfindliche, in ihrer Lautstärke reduzierte Signale womöglich auf ihrer Reise zum Verstärker gestört oder verfälscht werden.

Auch Bit-Übertragungsfehler sind somit ausgeschlossen. Geschickt gelöst, wie wir finden. Die Steuerung dieser komplexen Schaltungen geschieht per Multi Control Drehregler und Potentiometer oder ganz bequem mit einer hochwertigen Fernbedienung, die auf Anhieb verständlich und intuitiv alles bereitstellt, was das Audioherz begehrt. Dabei unterstützt uns ein auch auf die Distanz gut lesbares Display mit allen relevanten Informationen. Wem das zu altbacken ist, dem sei die Technics Music App empfohlen, mit deren Hilfe NAS und Vorstufe bequem verwaltet werden können.

Wer lieber ohne separate App funken möchte: Apples AirPlay Protokoll versteht die SU-R1-Vorstufe übrigens auch problemlos. Nur eine Wlan-Antenne hat sie nicht. Doch die haben wir während unseres Tests auch zu keinem Zeitpunkt vermisst. Bis hier hin ist die SU-R1 einfach nur ein teurer Netzwerkvorverstärker mit umfangreicher Ausstattung. Was also macht das Gerät zu einem Produkt der Referenzklasse?

Wie fast immer die inneren Werte. So werden bei Technics zum Beispiel alle Anschlüsse, die gerade nicht in Verwendung sind, einfach elektronisch und vollautomatisch mittels intelligenter Schaltkreisüberwachung abgeschaltet. Das spart einerseits Strom und, was bei Hi-End-Geräten viel wichtiger ist, es hält den Signalweg sauber. Und das kann man nicht nur hören, sondern in unseren Messungen auch deutlich sehen. Ein Signalrauschverhältnis von über 113 Dezibel konnten wir messen Das sind immerhin nur zwei Dezibel Abweichung von der Herstellerangabe. Dieses geringe Eigenrauschen verdankt die SU-R1 auch ihrem effizienten internen Rauschmanagement.

Jede Schnittstelle hat ihre ganz spezifischen Bauteile bekommen, um entweder Rauschen zu blockieren, zu unterdrücken oder zu isolieren. So findet man in den Schaltungen Jitter Remover, Gleichtaktfilter, Impulstransformer und noch eine ganze Reihe mehr an technischer Raffinesse um für Transparenz und Klarheit zu sorgen. Die Vorstufe hat aber auch noch mehr Tricks auf Lager um sich in Sachen Klangqualität der Extraklasse von den Konkurrenten abzuheben.

Die Japaner arbeiten mit einem dualen Netzeil. Das eine nur für die analogen Signalwege, das andere nur für digitale Elemente, damit sich auch ja nichts in die Quere kommt. Die Vorstufe kommt massiv verpackt in einem 17 Kilogramm schweren, doppelwandig verbauten Gehäuse aus gebürstetem Aluminium daher, dessen Innenleben einem Miniaturwunderland gleicht.

Die Doppelwand schütz den fragilen Mikrokosmos vor allem vor externen Einstreuungen. Die an eine Kondensatoren-Kleinstadt anmutenden Platinen sind dabei in einen sanft roten Kupferton gehüllt. Die komplette Grundplatte des Gerätes besteht ebenfalls aus dem teuren Metall, um ein gleichmäßiges Massepotential zu schaffen. Ein waschechter Alleskönner mit edelsten Bauteilen, der keine Wünsche offen lässt.

Der Alleskönner: Technics SU-R1 im Test
Wiedergabequalität95%
Ausstattung und Verarbeitung95%
Benutzerfreundlichkeit95%
Preis/Leistung93%
95%Gesamtwertung
Leserwertung: (14 Votes)
50%

Über den Autor

Johannes Strom

Freier Autor, Audio Engineer und Musiker aus Leipzig. Viele Jahre im Pro-Audio unterwegs, speziell im Eventbereich, klassisches Theater, Konzertbeschallung, Musical und auf Kreuzfahrtschiffen. Studioproduktionen aus Leidenschaft. High End aus Faszination. Lyrik-Liebhaber und Bücherleser (Papier, und so). Spielt Cello, Gitarre und Klavier. Hört privat Yamaha NS-Serie und Genelec 1031A.

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