Das Neue LE Audio soll die Leistung von Bluetooth Audio deutlich verbessern. Zudem werden jetzt Hörgeräte unterstützt und Auracast Broadcast Audio eingeführt. Wir haben die wichtigsten Fakten zusammengetragen.

Braucht es LE Audio, wenn es jetzt schon Alternativen gibt?

Sicherlich mit aptX und seinen verschiedenen Varianten sowie Apples AAC gibt es bereits Audio-Codecs am Markt, die extrem gut klingen, wenig Energie verbrauchen und kurze Latenzen aufweisen. Allerdings gibt es diese Dinge eben nur, wenn die Codecs vom Bluetooth-Empfänger und Sender unterstützt werden, was ja nicht immer der Fall ist. So wissen etwa TVs oft nicht einmal wie aptX oder AAC geschrieben werden. Bluetooth LE Audio ändert das, denn den neuen Standard gibt es für alle Bluetooth-Audio-Geräte. Dazu kommen noch Features wie Auracast und Multi-Stream.

Wesentliche Unterschiede klassisches Audio und LE Audio

1. Besserer Klang

Das klassische Bluetooth Audio überträgt Stereo-Audio-Signale kabellos. Dazu nutzt es das Advanced Audio Distribution Profile (A2DP). Dieses handelt bei der Kopplung von Sender und Empfänger den bestmöglichen Codec für die Audioübertragung aus. Das kann beispielweise AAC oder aptX sein. Wenn kein höherwertiger Codec vorhanden ist, dann wird SBC genutzt. Diesen Codec beherrscht wirklich jeder Bluetooth-Audio-Empfänger.

Das nun vorgestellte LE Audio nutzt den Low Complexity Communications Codec (LC3). LC3 bietet eine hohe Qualität auch bei niedrigen Datenraten. So können Audiosignale mit sehr hoher Klangqualität auch bei geringer Bitrate übertragen werden.

Einfach gesagt: Musik, die via LC3 übertragen wird, klingt bei einer Datenrate von 192 kbps klarer, detailreicher und weniger verwaschen als per SBC.

Vergleich der verschiedenen Bluetooth-Codecs  LC3 SBC
Vergleich der verschiedenen Bluetooth-Codecs (Bild: https://devzone.nordicsemi.com).

Hier finden Sie einen hörakustischen Vergleich beider Codecs.

2. Weniger Latenz

Weiterhin weist Bluetooth LE Audio eine wesentlich geringere Latenz auf als klassisches Bluetooth Audio. Hat das ungefähr 100 Millisekunden Verzögerungszeit, sind es bei Audio LE nur noch 10 Millisekunden. Damit bleiben Videos garantiert Lippen-synchron.

3. Weniger Energie

Da LC3 bei geringen Datenraten schon sehr gut klingt, können mit weniger Energieaufwand bessere Audioergebnisse erzielt werden als mit SBC. Das spart natürlich Energie und erhöht die mögliche Akkulaufzeit.

Ganz neu bei LE Audio: Auracast – ein Bluetooth-Sender und unbegrenzt viele Empfänger

Sicher ist LC3 ein interessanter Codec, doch die meisten Geräte klingen dank AAC, aptX (in irgendeiner Variante) oder LDAC eh schon verdammt gut. Doch Auracast macht LE Audio wirklich interessant. Diese neue Funktion erlaubt es, unbegrenzt viele Audio-Empfänger mit einer Quelle zu verbinden.

Ein Beispiel: Auracast im Wartezimmer

Sitzen Sie beispielsweise in einem Wartezimmer und dort läuft ein Fernseher auf stumm. Sie wollen aber wissen, was da gerade im TV erzählt wird. Da wäre es doch praktisch, wenn Sie einfach Ihren eigenen Bluetooth-Kopfhörer nehmen könnten und den Fernsehton darüber anhören. Und genau das ermöglicht Auracast.

Dazu scannen Sie mit Ihrem Handy nach dem Auracast-Signal des TVs – ähnlich wie Sie nach einem WiFi suchen. Dann scannen sie den QR-Code ein, der am TV oder im Wartezimmer liegt und können sich mit dem Gerät verbinden. So kann jeder und jede Wartende den Fernsehton über die eigenen Kopfhörer hören.

Multi-Stream statt nur ein Datenstrom

Im klassischen Bluetooth Audio wird nur ein Datenstrom übertragen. Für einen kabellosen Kopfhörer bedeutet dies, dass ein Datenstrom beispielsweise am linken Ohrhörer ankommt und dann dieser auf den rechten Ohrhörer weitergesendet wird. Mittels cleverer Technik bekommen es die Entwickler:innen dabei so hin, dass ein Stereobild entsteht.

Dank des neuen Multi-Streams können parallel Signale für den rechten und für den linken Kopfhörer übertragen werden. Klar ist, dass damit die Differenzierung des Stereobildes wesentlich besser wird. Außerdem ermöglicht Multi-Stream die einfachere Integration von Sprachassistenten und die Verbindung mit mehreren Quellen.

Hörgeräte sind mit an Bord

Das neue Audio LE soll in Hörgeräte integriert werden. Dank niedrigem Stromverbrauch, Multi-Stream und hoher Audioqualität bietet es sich geradezu an. So braucht in Zukunft der Nutzer nur sein Hörgerät, um sich direkt mit dem Fernseher zu koppeln, zu telefonieren etc.

Wie und wann wird Audio LE verfügbar sein?

Tatsächlich hat Bluetooth SIG die LE-Audio-Spezifikationen erst jetzt vollständig veröffentlicht. Hersteller können sich nun damit vertraut machen und dann entsprechende Geräte auf den Markt bringen. Ob ein einfaches Softwareupdate Audio LE auf bisherigen Bluetooth-Geräten möglich macht, ist sicherlich von der im Gerät genutzten Hardware abhängig. Vermutlich wird es aber neue Hardware brauchen.

Webseite: www.bluetooth.com

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Bildquellen:

  • 8561.LC3_SBC_audio_quality_comparrison: https://devzone.nordicsemi.com
  • LE Audio – Bluetooth: Screenshot Video LE Audio