Neben den Lautsprechern an sich sind insbesondere bei Surround-Setups die Kabel wohl das größte Problem hinsichtlich der Wohnraumeinrichtung. Sind sie nicht geduldet, muss zu aufwändigen Kanal-Lösungen gegriffen werden. Oder zu Drahtlostechnik.

Lautsprecherkabel auf dem Fußboden oder an der Wand lassen sich nicht in allen Wohnräumen so verlegen, dass sie am Ende unsichtbar sind. Lösungen wie Kabelkanäle können zwar durchaus ansehnlich sein, sind aber mit Arbeits-, Zeit- und Finanzaufwand verbunden. Eine Lösung, die Optik der Wohnzimmereinrichtung nicht zu sprengen, sind kabellose Ansätze. Doch hier gelangen wir an eine Grenze, die von anspruchsvollen Hörern selten überschritten wird, denn die Übertragung von Audiosignalen per Funk im Heimbereich ist zwar ein Komfortgewinn, aber leider oft auch ein Qualitätsverlust.

Die altbekannten Krankheiten (Rauschen, Knacken, Verbindungsprobleme) analoger Systeme gehören zwar schon seit einiger Zeit der Vergangenheit an, doch mit der digitalen Übertragung kam gezwungenermaßen auch die Frage nach dem Format der gefunkten Daten auf – hinsichtlich Reduktion/ Kompression und Qualität in Form von Bittiefe und Abtastrate. Eine zusätzliche Herausforderung stellt die schiere Anzahl der Funkwege in einem durchschnittlichen Haushalt dar, die sich seit der Einführung von Drahtloskopfhörern und -lautsprechern stark erhöht hat: Mobilfunk, WLAN, DVB-T, DAB, schnurlose Telefone, Babyphon und mehr. Hier können sich die Geräte gegenseitig beeinflussen und stören. Weiterhin gab es bei den wenigen Ansätzen meistens die Begrenzung der Hersteller auf eigene Geräte.

Doch die Vorteile drahtloser Übertragung sollen so einfach nicht aufgegeben werden. Das findet auch Bang & Olufsen und lässt deshalb den WiSA-Standard Einzug in seine neuesten Produkte halten. Die WiSA Association (Wireless Speaker and Sound) aus Sunnyvale, Kalifornien ist eine Industriegruppe, deren Ziel ein einheitlicher Standard für die drahtlose Tonübertragung im Markt der Unterhaltungselektronik ist. Hersteller wie Klipsch, Onkyo, Pioneer, Polk Audio und Bang & Olufsen sind in der Mitgliederliste vertreten, aber auch etwa der weltweit bekannte Gitarrenbauer Gibson. Der WiSA-Standard stellt eine Funkverbindung im Frequenzbereich zwischen 5,2 und 5,8 Gigahertz her, welcher bisher wenig genutzt wird und daher nicht störungsanfällig ist. Entscheidend ist jedoch auch die Qualität der digital übertragenen Audiodaten: WiSA lässt bis zu 96 Kilohertz (kHz) bei 24 Bit zu. Beginnend bei 32 kHz bestehen die Zwischenschritte 44,1 und 48 kHz.

Der entscheidende Punkt für Heimkino-Fans: Die Übertragung ist nicht auf zwei Kanäle begrenzt, sondern lässt maximal ein 7.1-Setup in der genannten Qualität zu. Damit steht also auch aktuellen Blu-rays mit DTS HD Master Audio, Dolby TrueHD oder PCM-Tonspuren nichts im Wege. Ebenso wichtig für die Anwendung bei Filmen oder Videospielen: Da die Daten unkomprimiert übertragen werden, bleibt die Latenz konstant bei niedrigen fünf Millisekunden, was eine lippensynchrone Tonwiedergabe ermöglicht. In diesen fünf Millisekunden bleibt dennoch ausreichend Zeit für eine Fehlerkorrektur, um das digitale Signal stets lückenlos zu halten. Flexibilität ist durch die leichte und offene Erweiterbarkeit des Systems gegeben. Wenn ein Benutzer zu Beginn nur eine Soundbar, einen Subwoofer und einen Fernseher mittels WiSA verbindet, ist es möglich, das Setup um beliebige Surround-Lautsprecher zu erweitern, denn WiSA soll unabhängig von Herstellergrenzen funktionieren. Die Einrichtung des Systems erfolgt über die zugehörige Smartphone-App, damit die Lautsprecher hinsichtlich der Aufstellung und Kanalzuordnung konfiguriert werden können.

Bang & Olufsen verbindet den WiSA-Standard mit seinen Aktivlautsprechern unter dem Namen „Immaculate Wireless Sound“. Dennoch handelt es sich nicht um ein geschlossenes System, sondern die Lautsprecher können mit jedem beliebigen WiSA-konformen Zuspieler betrieben werden. Frisch auf dem Markt sind die Lautsprecher-Sets BeoLab 17, 18 und 19, die allesamt über den neuen Drahtlos-Standard verfügen.

Als Zuspieler können in Zukunft zum Beispiel die hauseigenen Fernseher dienen, die WiSA ebenfalls unterstützen werden. Da sich andere Zuspieler bisher noch rar machen, bietet Bang & Olufsen mit dem BeoLab Transmitter 1 eine Möglichkeit, vorhandene B&O-Systeme (Power Link und Wireless Power Link) sowie Zuspieler per Cinch, S/P-DIF und USB in das drahtlose System einzuspeisen. Jedoch können in Zukunft auch Geräte wie Blu-ray-Player, Netzwerkstreamer AV-Receiver den Standard unterstützen und so zum Teil des kabellosen Heimkinos werden. Dass Bang & Olufsen als erster mit WiSA-Produkten auf den Markt geht ist kein Zufall, denn der Hersteller hat seit 2007 eng mit Summit Semiconductor zusammengearbeitet, um deren neueste Chips in seinen Geräten zu verbauen. Technologien wie dynamische Frequenzwahl im Falle von Fehlern, vorausschauende Fehlerkorrektur und Interpolation, falls doch Fehler auftreten sollten, stehen für eine Funkübertragung frei von Störgeräuschen. Es bleibt spannend, ob sich das Heimkino in naher Zukunft von seinen Kabeln befreien kann und weitere Hersteller den Standard in ihren Produkten berücksichtigen werden

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