Große Klasse 

Nach dem Kompaktlautsprecher 9 K wird uns die Ehre zuteil, auch dem Standmodell 3 K auf den Zahn fühlen zu dürfen. Wieder war Cantons Chefentwickler Frank Göbl persönlich bei uns, um den Schallwandler vorzustellen und eins sei an dieser Stelle bereits vermerkt: wir sind begeistert.

Es ist noch gar nicht so lange her, da berichteten wir bereits über den kompakten Klanggeber 9 K aus der Reference-Serie von Canton. Das Unternehmen, dessen Name sich aus den beiden Wörtern Cantare (lateinisch für singen) und Ton zusammensetzt, hat sich seit seiner Gründung im Jahr 1972 zu einem äußerst prominenten Namen der HiFi-Szene entwickelt und ist derzeit Deutschlands größte Lautsprecherschmiede. Chefentwickler Frank Göbl, der nun seit ganzen 23 Jahren bei dem im Taunus ansässigen Betrieb tätig ist, beehrte uns bereits in Ausgabe AT 08/16 mit einer persönlichen Visite. Einmal mehr hat er nun den Weg in unsere Redaktion auf sich genommen – diesmal mit weitaus schwererem Gepäck. Der massive Standlautsprecher ringt uns mit seinen stolzen 56 Kilogramm doch die ein oder andere Schweißperle ab. Nach dem Schallwandler 1 K ist unser Proband die Nummer zwei der Reference-Serie. Eine Produktreihe als „Reference“ zu betiteln, kann man wohl durchaus als ein sehr selbstbewusstes Statement werten. Dass dies jedoch nicht zu hoch gestochen ist, stellten der 9 K mit viel Souveränität unter Beweis. Somit sind auch die Erwartungen an seinen „großen Bruder“ 3 K nicht ohne Grund recht hoch. Der 3-Wege-Lautsprecher kommt mit einer Bassreflexöffnung in Downfire-Manier daher, was die Positionierung in Hinblick auf umliegende Wände etwas flexibler gestaltet, da der Bassreflex nicht so intensiv mit umliegenden Wänden interagiert, wie etwa bei rückseitiger Montage. Auf Anraten vom Chefentwickler empfiehlt es sich für ein optimales Klangbild allerdings, das Paar etwas enger zusammenzurücken als man es vielleicht von anderen Lautsprecherduos gewohnt ist. Doch bevor wir uns ausführlich der klanglichen Performance des 3 K widmen, wollen wir uns erst einmal dem technischen Hintergrund des Klanggebers zuwenden. 

Formschön ziehen sich die gerundeten Konturen durch das komplette Auftreten des Reference 3 K. Lobend zu erwähnen sind hier die soliden vergoldeten Anschlüsse samt Filteroptionen

Anspruch trifft Hingabe

Optisch springt die Verwandtschaft des 3 K mit dem Kompaktmodell der Reference-Serie natürlich sofort ins Auge. Auch der Standlautsprecher verzichtet auf scharfe Kanten und parallele Gehäusewände, was dem Entstehen stehender Wellen, sprich gehäuseinterner Resonanzen, vorbeugt. Wie auch bei den anderen Modellen seiner Reihe weist der massive Schallwandler ein massiv gefertigtes Gehäuse aus geschichtetem Holzlaminat auf, eine Technik, die übrigens auch beim Klavierbau Verwendung findet. Durch Erhitzung und gleichmäßige Druckausübung wird das Gehäuse in seine authentische Form versetzt. Auch die aufwendige Innenverstrebung des 3 K ist der seiner Geschwister ähnlich. Dabei wird die computergesteuerte Berechnung der Maße der versteifenden Elemente so ausgeführt, dass so viele verfälschende Resonanzfrequenzen wie möglich entweder gänzlich eliminiert, oder stark reduziert werden können. Wie auch beim 9 K hat sich das Gehäusevolumen immens vergrößert, ganze 87 Liter fasst der Korpus des 115 Zentimeter hohen Lautsprechers. Zusammenfassend spricht Canton bei der aktuellen Reference K-Serie von einem Volumengewinn von bis zu 34% im Vergleich zu den vorangegangenen Modellen. Alle Achtung! Das Gehäuse des 9 K ist in zwei Kammern aufgeteilt, sodass Hoch- und Mitteltonchassis ihren eigenen geschlossenen Bereich haben, wodurch sie vor einer Einflussnahme der verbleibenden Treiber weitestgehend geschützt sind. Sowohl der AM-180 Mitteltöner, als auch die beiden AW-220 Tieftöner sind Produkt eines sehr umfangreichen Fertigungsprozesses, bei welchem die Molekülstruktur des Aluminum-Konus zu einem Fünftel in eine Keramikstruktur umgewandelt wird, bevor die Membran etwa vierzig Minuten in einer Elektrolyse-Lösung gebadet und mit Wolfram angereichert wird. So versucht man auch bei Canton, ein optimales Verhältnis zwischen Steifigkeit und Impulsfreude zu erzielen und die Membranen erhalten ihre ansprechende Farbgebung. Des Weiteren sind in den hauseigenen Chassis eine Kupferschwingspule und ein massiver Doppel-Ferrit-Magnet verbaut. Zur weiteren Vermeidung unerwünschter Frequenzen greift man bei den Lautsprechern der Reference-Serie, somit auch beim Standlautsprecher 3 K, auf eine zusätzliche technische Raffinesse zurück – die mehrfach gewölbte Wave-Sicke verhilft den Membranen der Tief- und Mitteltöner zu größerem Hub, ohne dass zusätzliche Schwingungen und störende Resonanzen in Kauf genommen werden müssen. Zusammengehalten wird das Ensemble durch einen verstärkten Polycarbonat-Rahmen.

Hinter den champagner-farbenen Membranen und der doppelten Wave-Sicke von Mittel- und Tieftöner verbergen sich viele Jahre der Forschung – das Ergebnis ist beeindruckend

Nach Angaben des Herstellers vermag der AW-180 Mitteltöner bis hin zu 13 Kilohertz (kHz) aufzuspielen, wobei die Membran erst bei 8000 Hertz (Hz) aufbricht und somit erst sehr spät unerwünschte Frequenzen abstrahlt. Da die Trennfrequenz bereits bei 3000 Hz angesiedelt ist und von dort an der Hochtöner ADT-25 mit einer 25 Millimeter Aluminum-Keramik-Oxyd-Kalotte übernimmt, besteht somit noch jede Menge Spiel und keine Gefahr, dass den Klang verfälschende Frequenzen in den Raum geschickt werden. Insgesamt verfügt der Reference 3 K über einen satten Frequenzgang von 29 Hz bis hin zu 38,5 kHz. Die Trennung der Treibereinheiten übernimmt dabei Cantons hauseigene Frequenzweiche, welche nach höchsten Standards gefertigt wird und mit den Worten Cantons nicht als „Fix-It-Device“ sondern bereits zu Beginn der Konzipierung eines Lautsprechers mit dem gleichen Maß an Sorgfalt erarbeitet wurde, wie auch Gehäuse und Treibereinheiten. Zum Einsatz kommen hier Luftspulen und Ferritkern-Induktoren. Das Klangspektrum wird beim Reference 3 K auf drei Treiber aufgeteilt, wobei der Mitteltöner bei 200 Hz zu 12 Dezibel (dB) und der Hochtöner, wie bereits erwähnt, bei 3 kHz zu 18 dB das Zepter übernehmen. Über das rückseitige Bi-Wiring-Terminal mit seinen vergoldeten Anschlüssen besteht für den Nutzer die Möglichkeit, den Tieftöner getrennt von den gekoppelten Mittel- und Hochtonchassis anzusteuern. Wo wir schon mal beim Anschlussterminal sind, muss eine weitere Besonderheit Erwähnung finden. Canton räumt hier die Option ein, sowohl den Mitteltöner, als auch den Hochtöner um 1,5 dB zu verstärken, oder in seiner Leistung um ebenfalls 1,5 dB zu reduzieren, sodass der Hörer den Lautsprecher seinen individuellen Bedürfnissen etwas anzugleichen vermag. An späterer Stelle wird selbstverständlich ein Praxistest eine ausführliche Schilderung erfahren. Der Reference 3 K fußt auf einem Sockel, über welchem die für den Nutzer nicht sichtbare Bassreflexöffnung eingelassen ist. Diese gibt die Klänge aus dem Frequenzkeller an den sogenannten Bass-Guide, eine Entwicklung aus dem Taunus, die zum einen die Positionierung des Lautsprechers von umliegenden Wänden unabhängiger macht und eine störende Geräuschentwicklung durch den entstehenden Luftstrom minimiert. Außerdem wird einem großen Manko von üblichen „offenen“ Bassreflexkanälen vorgebeugt, die oft eine knackige Basswiedergabe, bzw. einen gewissen „Punch“ vermissen lassen. Wellen aus dem Infraschall-Bereich (also unterhalb des hörbaren Spektrums) werden allerdings von Cantons Displacement Control, kurz DC-Technologie herausgefiltert. Hörbar sind Infraschallfrequenzen zwar nicht, jedoch nehmen sie Einfluss auf die Bassmembran und verursachen hier unkontrollierte Verzerrungen. Das Wesentliche jedoch blieb bisher unerwähnt: wie macht sich der Reference 3 K im Praxistest?

 

Die Aluminum-Keramik-Oxyd-Kalotte des ADT-25 besticht mit einer exzellenten Streuung und einer äußerst schönen Feinauflösung und , welche auch bei höherem Schalldruck nicht Gefahr läuft überreizt zu werden

Nicht zu hoch gestochen

Nach einer kurzen Einspielzeit mit dem Baumeister wird der wuchtige Klanggeber gleich einer kleinen Herausforderung ausgesetzt. „First Of The Year (Equinox)“, ein Track des Londoner Dubstep-Musikers Skrillex, deckt so ziemlich das ganze hörbare Spektrum ab und das nahezu simultan. Hier sind Transparenz und gleichzeitig eine saubere Trennung der Bänder gefragt. Doch wer den kleinen Bruder des Versuchsobjekts, den Reference 9 K, erst vor Kurzem hören durfte, wird nicht überrascht sein, dass der Standlautsprecher 3 K diese Aufgabe mit Leichtigkeit zu meistern vermag. Der Schallwandler aus dem Taunus begeistert mit einer muskulösen Wiedergabe, die Höhen sind ausgewogen, klingen fein gestaffelt, ohne sich mit benachbarten Frequenzbändern zu reiben. Auch in den oberen Mitten und im Bass spielt der 3 K kraftvoll, aber dennoch sauber und klar. Ein klein wenig überambitioniert kommt er in den tiefen Mitten daher, hier klingen Drums und Bass-Synthesizer doch etwas zu massiv, und drohen das Klangbild zu verschmieren. Jedoch empfiehlt es sich bei einem stark komprimierten und auf Loudness gemasterten Stück wie diesem, die rückseitige Feinjustierung in Anspruch zu nehmen. Aber Achtung! Vorher muss natürlich der Verstärker ausgeschaltet werden, sonst besteht Verletzungsgefahr. 1,5 dB sind nun wahrlich kaum der Rede wert, möchte man meinen. Doch macht diese Nuance tatsächlich den Unterschied – der wuchtige Song des Briten erklingt jetzt durch das gesamte Spektrum hindurch ausgewogen und alle Frequenzbänder sind emanzipiert. Für eine Aufnahme von John Cages „Four 2“, gesungen vom Lettischen Radiochor, machen wir die Klangeinstellung jedoch wieder rückgängig und verstärken stattdessen den Hochtöner um anderthalb Dezibel. Glockenklar gibt der Reference 3 K das Vokalwerk zum Besten, deutlich vernehmbar sind die bezaubernden Obertonschwingungen. Es fällt dem Schallwandler hörbar leicht, seinen Gegenüber mitzureißen und völlig in der Musik versinken zu lassen. In allen Kriterien kann der Reference 3 K auftrumpfen, nur eine Sache kann man mit einem Zwinkern als Kritikpunkt anmerken, der auch dem Kompaktmodell 9 K zugerechnet wurde. Lautsprecher der Reference K-Reihe von Canton wollen gehört werden und eignen sich nicht für den „Nebenbei-Betrieb“. Ganz große Klasse!

Weitere Infos unter www.canton.de 

Test: Canton Reference 3 K
Wiedergabequalität96%
AUSSTATTUNG/VERARBEITUNG100%
BENUTZERFREUNDLICHKEIT90%
PREIS/LEISTUNG0%
Vorteile
  • detailreiche und liebevolle technische Erarbeitung
  • hervorragender Klang
  • sehr gute Streuung dank ADT-25 Hochtöner
95%Gesamtwertung
Leserwertung: (44 Votes)
44%

Bildquellen:

  • IMG_7068+IMG_7090: Bild: Auerbach Verlag