Die nuVero 140 – selten werden für einen Lautsprecher so viele Superlative von Fans der Marke aber auch von der Presse gebraucht. Ob die 3½-Wege-Lautsprecher den Hype verdient haben? Wir haben uns ein eigenes Bild gemacht.

Fast immer beginnen unsere Lautsprechertests mit einer Einleitung, in der wir den Hersteller näher vorstellen oder auf seine Geschichte und besondere Produkte eingehen. Da aber Nubert ein gern gesehener Gast in unseren Ausgaben ist, verzichten wir diesmal darauf den Lautsprecherbauer vorzustellen. Stattdessen gehen wir auf ein nettes Gimmick ein, was die Schwäbisch Gmünder im Internet bereitstellen und was gerade bei den nuVero 140 sehr hilfreich sein kann.

Ganz nubert-typisch: die Schrauben, die die Treiber im Gehäuse halten, sieht man

Ganz nubert-typisch: die Schrauben, die die Treiber im Gehäuse halten, sieht man

Augmented Reality

Eins ist Fakt, Lautsprecher sind nicht nur etwas fürs Ohr, sondern auch etwas fürs Auge. Gerade Standlautsprecher bestimmen zum Großteil das Aussehen eines Raumes. Aber sich vorzustellen, wie die Boxen im Zimmer aussehen, ist schwierig. Nubert hilft hierbei mit einer Augmented Reality App. Augmented Reality ist nichts weiter, als eine durch computergenerierte Objekte erweiterte Realität. Die „nuReality“ genannte App installieren wir auf einem Smartphone oder Tablet. Es gibt sie für iOS und Android. Anschließend wird ein A4-Blatt mit einer speziellen Grafik ausgedruckt und an die Stelle gelegt, die der Nubert-Lautsprecher einnehmen soll. Jetzt müssen wir nur die App aktivieren und die Tablet-Kamera auf den Ausdruck richten. Die App baut nun jede verfügbare Nubert-Box an diese Stelle ein und wir sehen, wie der Lautsprecher dort aussehen würde. Wir können mit dem Tablet auch um den Lautsprecher herumgehen und er wird in jeder Perspektive korrekt dargestellt. Das ist ein Service, den so gut wie kein anderer Lautsprecherhersteller bietet und der eventuell genauso hilfreich für eine Kaufentscheidung sein kann wie unser Test.

i die Hoch- und Mitteltöner sind asymmetrisch angeordnet. Auf beiden prangt das dezente Nubert-Logo

i die Hoch- und Mitteltöner sind asymmetrisch angeordnet. Auf beiden prangt das dezente Nubert-Logo

Nur als Paar

Lautsprecher werden in der Regel als Paar gekauft, doch um die nuVero 140 aufzubauen, ist auch ein Paar notwendig, und zwar zum Auspacken. Allein ist es praktisch unmöglich, die 48 Kilogramm schweren Standlautsprecher überhaupt aus dem Karton zu heben. Anschließend heißt es, die Lautsprecher richtig aufzustellen. Hier ist nicht nur das Klangdreieck zu beachten, sondern auch die richtige Seite. Die nuVero 140 sind nämlich als linker und rechter Lautsprecher konzipiert

Mit Hilfe des Standfußes stehen die rund 45 kg schweren Standlautsprecher stabil

Mit Hilfe des Standfußes stehen die rund 45 kg schweren Standlautsprecher stabil

Wirklich groß

Mit einer Höhe von 142,5 Zentimetern sind die nuVero 140, wirklich nicht zu übersehen. Sofort fallen uns die vier Tieftöner ins Auge, welche sich um die zwei Mitteltöner reihen, die wiederum den Hochtöner einschließen. Auf der Rückseite der Box gibt es zudem noch eine Öffnung für den Bassreflex. Die leicht gewölbte Front bezeichnet Nubert als Klangsegel. Es steht etwas über dem restlichen Gehäuse aus aufwendig verstrebten und bedampften Faserplatten und reduziert dadurch Kantendispersionen. Erhältlich ist es in den drei Farben Diamantschwarz, Kristallweiß oder Goldbraun. Unser Testmodell hat die Farbe goldbraun – eine gelungene Melange aus klassischer HiFi-Farbgebung und moderner Akzentuierung.

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3½-Wege-Lautsprecher

Nubert hat den nuVero 140 gleich vier 180mm-Basstreiber spendiert. Sie sind in der D’Appolito-Anordnung angebracht. Damit wird die Bildung von Interferenzen durch Decke und Fußboden deutlich verringert und eine bessere räumliche Ortung der Töne möglich. Die beiden unteren Tieftöner vergrößern außerdem die Membranfläche, sodass der Bass noch satter klingen kann. Nubert spricht deshalb auch von einem 3½-Wege-System. Die zwei 52-mm-Mitteltöner sind ebenfalls in D’Appolito angeordnet. Der verwendete Neodym-Antrieb hat genug Kraft und die Schwingspule ist belastbar genug, um beeindruckende Pegel zu erreichen. Der 23-mm-Hochtöner ist neu entwickelt worden. Die Seidengewebekalotte sorgt für eine extrem saubere und feine Auflösung. Durch die asymmetrische Anordnung des Hochtöners ergibt sich auch die schon erwähnte Festlegung für eine linke und rechte Box. Erwähnt werden sollte auch die Frequenzweiche der nuVero 140. Sie setzt sich nur aus hochwertigsten Bauteilen zusammen und verwendet eng tolerierte Folienkondensatoren, die auf Langzeitstabilität ausgelegt sind. Dank der Schutzschaltung wird das Verstärkersignal gekappt, wenn eine Überlastung droht. Ist die Gefahr gebannt, kehrt der Standlautsprecher in den Normalbetrieb zurück.

Ein Bi-Wiring-Terminal darf bei einem Spitzenmodell nicht fehlen

Ein Bi-Wiring-Terminal darf bei einem Spitzenmodell nicht fehlen

Wählbarer Klang

Extrem praktisch sind die Klangwahlschalter auf der Rückseite der Lautsprecher. Mit ihnen können wir das Abstrahlverhalten der nuVero 140 bestimmen. Bei den Höhen haben wir der Wahl zwischen sanft, neutral und brillant. Die Mitten lassen wir mittels Kippschalter prägnant oder neutral klingen. Und der Bass kann ebenfalls neutral eingestellt werden oder er wird reduziert. Das ist besonders sinnvoll, wenn der Lautsprecher in Wandnähe steht und die tiefen Töne sich aufstauen. Wem die Reduktion der Bässe mittels Kippschalter nicht genügt, kann außerdem die mitgelieferten Pfropfen in die Bassreflexöffnung stecken. Alle Schalter befinden sich zwischen den Bi-Wiring-Terminals, die den getrennten Anschluss von Hoch- und Mittel/Tieftönern an geeignete Verstärker erlauben. Sie sind fest im Gehäuse verankert und unsere Bananenstecker rasten bis zum Anschlag ein. Sehr gut! Doch kommen wir nun zum wichtigsten Teil: dem Klang. Für unseren Test wählten wir übrigens die neutrale Position der Klangwahlschalter.

Die beiden Bassreflexrohre strahlen nach hinten bei der nuVero ab

Die beiden Bassreflexrohre strahlen nach hinten bei der nuVero ab

Der Tag der Toten

Gute Lautsprecher machen nicht nur das Musikhören zum Erlebnis, sondern auch den Sound von Filmen. Deshalb beginnen wir unseren Hörtest mit einer Blu-ray. „Spectre“, der letzte James Bond mit Daniel Craig, beeindruckt mit der Eingangssequenz in Mexico City am „Día de los Muertos“. Menschenmassen und heiße Rhythmen bestimmen die Soundkulisse. Mit den nuVero 140 wummern Bässe und Drums herrlich satt und die Snares scheppern fein nuanciert. Überall lachen und reden Menschen. Wir sitzen im Testraum und können kaum glauben, dass dieses Klangspektakel, was uns mitten in den Umzug versetzt, nur aus den beiden Lautsprechern kommen soll. Es klingt als hätten wir eine hochwertige 7.1-Anlage im Zimmer, so perfekt bauen die Boxen den Hörraum um uns auf. Als James Bond und seine Begleiterin in die Hotelhalle gehen, klingt der Hall absolut authentisch. Und nachdem der Geheimagent ein paar Bösewichte ausschaltete, folgt eine bondtypische Explosion. Andere Lautsprecher neigen bei solchen Gelegenheiten dazu, einem die Bässe direkt in den Magen zu hauen und das Trommelfell mit tiefen Mitten zu überlasten, aber nicht die nuVero 140. Die wummernde Explosion schlüpft weich in den Magen, lässt sanft das Herz vibrieren und sorgt für eine angenehme, sehr aufregende Hörerfahrung. Als schließlich der typische Bondsound mit den fordernden Posaunen, den geheimnisvollen Streichern und der knackigen E-Gitarre einsetzt – da haben wir echte Gänsehhaut. So wohlklingend haben wir das Bondthema nie vernommen. Schade nur, dass das Titellied zu „Spectre“ etwas lahm und uninspiriert ist. Wenden wir uns also klassischer Musik von CD zu und schauen, wie sich die Standlautsprecher dabei schlagen.

Ein Blick ins Innere verrät woher das Gewicht der nuVero 140 kommt – von den großen und schweren Magneten, die die Töner antreiben

Ein Blick ins Innere verrät woher das Gewicht der nuVero 140 kommt – von den großen und schweren Magneten, die die Töner antreiben

Samtweich und funky

Unsere Wahl fällt auf die CD des Deutschen Streichtrios „Romantic String Trios from Hungary“. Und gleich beim ersten Track öffnen sich die Pforten eines Kammermusiksaals. Die Violine schwebt sanft durch den Raum, das Violoncello und die Bratsche untermalen gekonnt ihr Spiel. Unglaublich stimmig ist der Klang, die Räumlichkeit überragend und die Dynamik des virtuosen Spiels wird gekonnt rübergebracht, ohne dass es in irgendeinem Frequenzbereich zu Einbrüchen kommt. So muss Klassik klingen. Bei einem derart überzeugenden Auftakt, wünschen wir uns nicht nur ein paar Streicher zu hören, sondern ein voluminöses Orchester, und zwar richtig in Aktion. Spontan fällt uns dazu „Tentakel“ aus dem Soundtrack zur einzigen DDR-Agentenserie „Das unsichtbare Visier“ ein. Irgendwie kommen wir bei diesem Test nicht vom Geheimdienstthema weg. Wir starten unseren Player und einen Moment später klingt uns eine funky Gitarre in die Ohren, begleitet von einem bedrohlich schönem Synthie, der mit einem bombastischen Bläserensemble befeuert wird. Lebendig, kraftvoll und mit einem wohlig, weichen Bass, dem wir bei diesem Song gar nicht von anderen Lautsprechern kennen. Glasklar baut sich vor uns das Orchester auf. Wir hören den Standort jedes Instruments, seine eigene Klangfarbe und glauben fast die Musiker atmen zu hören. Aber nie haben wir das Gefühl, dass die Musik seziert wird. Sie bleibt trotz aller Differenziertheit eine Einheit. Haben denn diese Lautsprecher überhaupt keine Schwächen?

Elektrisch und orientalisch

Um das zu überprüfen, nutzen wir Musik, die wohl kaum ein Lautsprecherhersteller verwendet, um den Klang seiner Boxen zu testen. Vielleicht offenbaren sich dabei Schwächen. Der französische Komponist Stéphane Picq schuf im Jahr 1992 den Soundtrack zum Adventure „Dune: Spice Opera“. Der Soundtrack gilt als ein Klassiker in der Musikgeschichte des Computerspiels. Mit unheimlicher Rafinesse baute Picq einen orientalisch-spacigen Klangkosmos, der bis heute seines Gleichen sucht. Wir starten also diesen Klassiker und werden vollends positiv überrascht. Elektrische Flöten, wabernde Basslines, fordernde Cembali vermischen sich, untermahlt von fremdartigen Sound-FX. Die Sonne geht über den Dünen des Wüstenplaneten auf und ihre wärmenden Strahlen tanzen auf unserer Haut. Die nuVero 140 umhüllen uns mit sphärischen Sounds und tragen uns weit weg – nicht an ferne Strände, sondern gleich in eine andere Galaxie. Das muss ein Lautsprecher erstmal schaffen. Und damit wir nicht nur instrumentale Musik mit den nuVero 140 testen, greifen wir zum Abschluss in unser Jazz-Regal und ziehen Jamie Cullums Album „Twentysomething“ heraus. Beim Evergreen „What A Differenz A Day Make“ präsentieren uns die 3½-Wege-Lautsprecher Cullums herrlich knödlige und dabei ansprechend warme Stimme, als ob er direkt vor uns stehen würde. Der Bass hüllt uns wie in eine warme Decke ein, das Schlagzeug baut sich unaufdringlich im Hintergrund auf und das Klavier fügt sich gekonnt ins Arrangement. Wir bekommen unser ganz privates Jazz-Ständchen in unserem Testraum. Mehr kann ein Paar Lautsprecher nicht bieten.

Weitere Infos unter: www.nubert.de

Nubert nuVero 140: Wo bitte geht’s zum Klanghimmel?
Wiedergabequalität94%
Ausstattung/Verarbeitung93%
Benutzerfreundlichkeit93%
Preis/Leistung99%
Vorteile
  • präziser Sound
  • klares und luftiges Klangbild
  • ausgewogener Bass
Nachteile
  • Ansprechlautstärke etwas hoch
94%Gesamtwertung
Leserwertung: (35 Votes)
58%

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