Unter der etwas sperrigen offiziellen Bezeichnung LT 5 licensed by Dolby Atmos hat Teufel, etwas später als geplant, sein erstes Dolby-Atmos-fähiges Surround-Set auf den Markt gebracht. Wird es den hohen Erwartungen gerecht? Kurze Antwort: Ja!

Dolby Atmos ist im Wohnzimmer angekommen. Oder? Es mag ein feiner Slogan sein, doch so wirklich der Wahrheit entspricht er noch nicht. Es gibt viel Demomaterial und, ja, die Zahl der Hollywoodfilme, die mit der 3D-Tonspur auf Blu-ray erscheinen, wächst, aber die Zahl der Atmos-fähigen Heimkinos ist noch überschaubar. Doch auch sie nimmt zu. Und vor allem: Wer es in Aktion erlebt hat, gerät leicht ins Schwärmen, vorausgesetzt das Equipment und die Quelle machen ihre Sache entsprechend gut. Lautsprecher Teufel bietet nun, mit etwas Verspätung, das LT 5 licensed by Dolby Atmos (im Folgenden nennen wir es für den besseren Lesefluss schlicht LT 5 Atmos) zum Verkauf an und bringt damit nicht nur ein Update des ohnehin hervorragenden LT-5-Heimkino-Sets, sondern eine Neuentwicklung, die sich gewaschen hat.

Wer das Vorgänger-Set kennt, der muss schon ganz genau hinschauen, um den Unterschied zu erkennen. Zunächst einmal handelt es sich beim Subwoofer US 8112/1 SW und beim Center LT 5 Mk2 C um die gleichen Komponenten. Neu sind die Säulenlautsprecher LT 5A FR. Diese sind wieder in schwarzes, gebürstetes Aluminium gekleidet. Dass es sich um Neuentwicklungen handelt, verrät der obere Ring an der Frontseite, den es im Vorgänger nicht gab. Darüber befinden sich nämlich die eigens entwickelten aktiven Atmos-Lautsprecher. Damit wachsen die mit 16 cm Breite und 14 cm Tiefe schlanken Standlautsprecher von 126 cm in der Vorgängervariante auf 132 cm an. Wie gehabt werden sie auf Standfüße gestellt, an deren Unterseite sich Spikes befinden, um Schwingungen zu minimieren. Diese lassen sich praktischerweise bei Bodenunebenheiten unterschiedlich tief verschrauben. Wer ein empfindliches Parkett hat, kann Unterlegscheiben (im Lieferumfang) darunterlegen. Die Atmos-Speaker wurden allerdings nicht einfach nur oben drauf geschraubt, der 5A wurde komplett neu konzipiert, um die „Upfiring Speaker“ in das Konzept zu integrieren. Diese werden aktiv über digitale Signalprozessoren angesteuert. Das LT 5 Atmos ist das erste Dolby-Atmos-Set überhaupt, das mit vier aktiven Endstufen ausgestattet ist. Auch wenn wir es also nur mit einer 5.1-Aufstellung zu tun haben, reden wir hier von einem 5.1.4-Surround-Set. Die Lautsprecher sind schräg nach oben gerichtet und strahlen den Schall an die Decke, von wo er in den Raum reflektiert wird. Damit sich das Gefühl einstellt, den Klang auch wirklich von oben zu hören, befindet sich vor dem 80-mm-Breitband-Speaker eine Blende, die verhindert, dass er direkt beim Nutzer ankommt. Wahlweise gibt es das Set auch in einer kleineren Variante mit zwei kleinen Surround-Speakern, die aber kein Dolby Atmos unterstützen.

Logischerweise braucht es für die Atmos-Lautsprecher zusätzliche Audioausgänge. Am Anschlussfeld der Säulenlautsprecher befinden sich dafür nun zwei zusätzliche High-Level-Eingänge. Praktisch: Wer nicht genug Ausgänge am AV-Receiver hat, kann die Atmos-Lautsprecher auch per Cinch verbinden. Die nötigen Kabel müssen Sie sich allerdings selbst kaufen, Teufel hat keine Audiokabel beigelegt, sondern lediglich die Stromkabel. Teufel begründet das mit „unterschiedlichen Kundenanforderungen“, wir finden trotzdem, dass man sie hätte beilegen können.

Unter dem Atmos-Lautsprecher arbeitet ein „normaler“ geschlossener 3-Wege-Lautsprecher mit zwei 130-mm-Tieftönern, einem 80-mm-Mittelton-Konus und einem 25-mm-Gewebekalotten-Hochtöner. Diese wurden mittels professioneller Klippel-Messtechnik optimiert. Die gleichen Komponenten stecken übrigens auch im kleineren Center, in dem der Hoch- und Mitteltöner zudem über- und nicht nebeneinander angeordnet wurden. Im Subwoofer steckt schließlich ein mächtiger 300-mm-Tieftöner, der ganze Arbeit leistet. Die klobige Bassreflexbox wiegt satte 30,3 kg und macht logischerweise keinen ganz so ansehnlichen Eindruck wie die Lautsprecher. Das ist aber nichts Neues und auch bei der Konkurrenz so. Das Anschlussfeld auf der Rückseite ist in das Gehäuse eingelassen, sodass der Subwoofer fast direkt an der Wand platziert werden kann. Dort findet man auch Einstellungsmöglichkeiten für die Lautstärke, den Phasenschalter, Auto-Level-Regler und Hochpass-Filter.

Doch wie klingt es nun, das LT 5 Atmos? Wir rollen den Klangtest im wahrsten Sinne des Wortes von oben auf. Was uns am brennendsten interessierte, waren natürlich die Atmos-Speaker. Erweitern Sie den Klangraum in die dritte Dimension? Wir legten zuallererst die Blu-ray Disc des Actionspektakels „Mad Max: Fury Road“ in den Player, die mit einer hervorragenden Dolby-Atmos-Tonspur daherkommt. Um es kurz zu machen: Objektivität als Tester ist richtig und wichtig, aber wir waren ein bisschen begeistert. Wenn der schon ziemlich durchgedrehte Max die Stimmen aus seiner Vergangenheit hört, dann hört nicht nur er sie in seinem Kopf, sondern der Zuschauer auch über seinem eigenen, denn die als Höhenobjekte platzierten Stimmen werden von den Speakern hervorragend abgebildet. Gleich zu Beginn des Films befindet sich die Kamera unterhalb des Operationstisches, auf dem Max die Haare abgeschnitten werden und man hört das Schnappen der Schere tatsächlich über sich. Vor allem diese kleinen Momente sorgen regelmäßige für Aha-Erlebnisse. Wenn es dann in die ausladenden Actionsequenzen geht, die Explosionen oder der Wind eines Sandsturms vor, hinter und über einem fegen, dann steigt das Mittendrin-Gefühl natürlich noch einmal, das Highlight ist dabei trotzdem der wahnsinnige Gitarrist, dessen Riff man plötzlich über sich vernimmt.

Wir möchten nicht zu viel schwärmen, aber das 3D-Klang-Erlebnis stimmt schlicht und ergreifend und das zählt letztlich. Natürlich liegt das auch am guten Quellmaterial. Die Blu-ray Disc von „Transformers 4“ etwa, ebenfalls mit Atmos-Spur versehen, hinterlässt hier einen spürbar schwächeren Eindruck. Das liegt aber nicht am Surround-Set, sondern am schwachen Einsatz der Höhenkanäle. Unbedingt beachten sollten Sie: Für ­Atmos-enabled Speaker, die also an die Decke strahlen, ist die Raumhöhe nicht unerheblich. Je höher die Decke, desto geringer der Effekt. Das LT 5 Atmos machte in unserem Testraum, in dem die Deckenhöhe gute 3,50 m beträgt, einen sehr guten Eindruck. Aber genug der Schwärmerei, natürlich zählt beim Kauf auch der „Normalgebrauch“ des Systems, denn wie erwähnt, ist ­Dolby-Atmos-Material noch rar gesät (Tendenz allerdings stetig steigend!).

Typisch für Teufel ist der Bassbereich wieder das absolute Prunkstück und ohne Anpassungen fast eine Spur zu mächtig. Das ist natürlich auch kein Wunder, angesichts eines 300-mm-Tieftöners im Subwoofer und jeweils zwei zusätzlichen Tieftönern in den Lautsprechern. Die Subwoofer-Lautstärke auf mittlerer Einstellungen führte schon einmal dazu, dass Audyssey die Einmessung verweigerte, solange der Bass nicht herunter geregelt wird. Einmal vernünftig eingestellt gibt es hier aber keinen Anlass für Kritik, im Gegenteil. Im genannten „Mad Max: Fury Road“ grundiert der Tieftonbereich das Geschehen gekonnt, kaum eine Spur von Dröhnen oder Nachhall. Ein Tiefen-verliebter ­Drum-and-Base-Track, der vielleicht nicht für klangliche Varianz steht, macht mit diesem Ensemble eine Menge Spaß, auch in großen Räumen. Vor allem in Filmen entfaltet das System eine großartige Dynamik. Der Mitteltonbereich ist präsent genug, um nicht „von unten“ verschluckt zu werden, Stimmen sind jederzeit klar vernehmbar. Auch in den Höhen haben wir nichts vermisst, auch wenn teurere Systeme beziehungsweise System mit anderen Schwerpunkten noch eine Spur mehr Brillanz abbilden.

Das Thema Räumlichkeit muss man eigentlich gar nicht mehr vertiefen. Vier große Säulenlautsprecher leisten hier in Zusammenarbeit mit den ­Atmos-Speakern, die den Raum zusätzlich nach oben erweitern, ganze Arbeit. Mit dem LT 5 Atmos hat Teufel ein Surround-Set gefertigt, an dem sich nicht nur andere Hersteller, sondern vor allem die Berliner selbst messen lassen müssen. Der Fokus liegt mit Dolby Atmos ganz klar auf dem Heimkinobereich und in der Filmwiedergabe – das richtige Quellmaterial vorausgesetzt – werden Sie lange suchen müssen, um echte Schwächen zu finden. Allerdings lässt sich Teufel das Set auch eine Menge kosten: Mit 3 500 Euro ist es glatte 1 000 Euro teurer als das „normale“ LT 5. Für die notwendigen Kabel müssen Sie zusätzlich ein paar Euro auf den Tisch legen. Aber mag Teufel hier in der Ausstattung auch ein wenig kleckern, mit den inneren Werten und dem Klangerlebnis wird beim LT 5 licensed by Dolby Atmos mächtig geklotzt.

LT 5 licenced by Dolby Atmos: Teufels Meisterstück?
Wiedergabequalität90%
Ausstattung und Verarbeitung89%
Benutzerfreundlichkeit89%
Preis/Leistung90%
90%Gesamtwertung
Leserwertung: (2 Votes)
66%

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