Cambridge Audio CXA80, CXC und CXN: Cambridge Audios CX-Serie soll mit einem beachtlichen Preis-Leistungs-Verhältnis den Einstieg in die Welt des hochwertigen HiFis markieren. Aber geht das überhaupt?

Großbritannien im Jahr 1968: Die Swinging Sixties haben die Inseln fest im Griff. Musik ist eine kreative Spielwiese, die sich in rasantem Tempo weiterentwickelt. Durch Bands wie Pink Floyd nimmt das psychedelische Element in der Musik zu – inspiriert durch bewusstseinserweiternde Substanzen. Das macht sich auch in der Kleidermode bemerkbar, die in der Londoner Carnaby Street verkauft wird. Nicht weniger psychedelisch geht es in den Kinofilmen der Zeit zu, beispielsweise in der britisch-amerikanischen Co-Produktion „2001: Odyssee im Weltraum“. Ins Jahr 1968 fällt auch das Debüt der Londoner Firma Cambridge Audio, die mit dem Stereoverstärker P40 einen fulminanten Einstieg in die HiFi-Branche hinlegte. Wie Cambridge Audio auf seiner Homepage angibt, lässt man sich seitdem von der „Kultur, Tatkraft und Kreativität“ der Metropole London inspirieren. Möglicherweise führte dies 1985 zum ersten Zwei-Geräte-CD-Player der Welt und zehn Jahre später zu einem vielbeachteten DAC. Nun will Cambridge Audio also die CX-Serie am Markt positionieren. Die besteht insgesamt aus sieben Geräten von denen wir drei im Testlabor hatten: den Verstärker CXA80, den CD-Player CXC und den Netzwerkplayer CXN. Mit 1 099 Euro für den CXA, 529 Euro für den CXC und 1098 Euro für den CXN ordnet sich die Reihe preislich an der unteren Grenze hochwertiger HiFi-Komponenten ein. Alle Geräte gibt es in einer silbernen und einer schwarzen Ausführung. Wir hatten die schwarzen Geräte im Testlabor, die sich optisch in vornehmer Zurückhaltung üben. Einziger Zierrat ist das gebürstete Aluminium des Gehäuses. Ansonsten dominieren glatte Flächen und scharfe Kanten bei den 43-Zentimeter-Geräten. Während der CXC und der CXN ziemlich flach sind, kommt der CXA80 etwas höher daher. Das Design der Komponenten ist dennoch perfekt aufeinander abgestimmt, sodass sie übereinandergestapelt eine gute Figur abgeben. Bei allen Geräten sind die rückseitigen Buchsenbezeichnungen auch kopfüber aufgedruckt, damit man sie beim vornübergebeugten Anschließen der Kabel lesen kann. Eine tolle Idee, die mit wenig Aufwand eine echte Arbeitserleichterung erzeugt.

Das großzügig dimensionierte Display des CXN ist auch vom Sofa aus noch erkennbar. Es kann auch jpg- und png-Bilddateien anzeigen

Zur durchdachten Konzeption der CX-Serie gehört auch, dass man mit nur einer Fernbedienung alle Geräte steuern kann. Die Fernbedienung ist zwar aus Plastik, hat aber ein ordentliches Gewicht und liegt gut in der Hand, ist stabil und übersichtlich strukturiert.

CD-Player CXC

Das Metallgehäuse des CXC ist resonanzarm und akustisch abgedämpft um Verfälschungen des Signals schon im Ansatz zu unterbinden. Netterweise spendierte Cambridge Audio dem CXC das ‚S3‘-Servo-Design, das eigentlich für den Flaggschiff-CD-Player 851C entwickelt wurde. Das soll CDs effizient und mit hochmoderner Fehlerkorrektur auslesen, um den Jitter-Effekt minimal zu halten. Der CXC ist ein reiner Player und verfügt als solcher über keinen Wandler. Daher schickt er die Signale ausschließlich digital über S/PDIF (koaxial) und Toslink (optisch) an die Folgegeräte weiter. Optimal auf den Verstärker CXA abgestimmt, überlässt er Letzterem die Wandlung der ausgelesenen Daten. Der fehlende Wandler ist sicher auch ein Grund für seinen unschlagbaren Preis. Die Bedienung des CXC funktioniert mit den Tasten Play/Pause, Stop, Vor und Zurück natürlich problemlos. Wie werden wir diese Einfachheit vermissen, wenn die CD endgültig ausgestorben ist.

Die Quellen lassen sich beim CXA80 sowohl mithilfe der Fernbedienung als auch direkt am Gerät umschalten

Netzwerkplayer CXN

Im Gegensatz zum CXC verfügt der CXN über einen eingebauten DAC, der im Übrigen nicht von schlechten Eltern ist: Es handelt sich um einen Wolfson WM8740. Dafür ist der Netzwerkplayer mit knapp 1 100 Euro auch um Einiges teurer als der CXC. Der Wandler greift erst ins Geschehen ein, nachdem alle Signale durch ATF2-Upsampling auf 24 Bit/384 kHz konvertiert wurden, also auch Signale externer Quellen. Eigentlich sind wir nicht der größte Freund von Upsampling-Algorithmen, denn die zusätzlich eingefügten Samples müssen letztlich „geraten“ werden. Es verhält sich wie in einem pixeligen Bild, das mit mehr Pixeln versehen werden soll – dafür weicht ein Algorithmus harte Übergänge durch farbliche Zwischenschritte auf. Das Ergebnis sieht immer noch verwaschen und unscharf aus. Da HiFi-Freunde die CX-Kette aber ohnehin mit hochauflösenden Daten füttern dürften, fällt das Upsampling in einen nicht hörbaren Bereich. Mit der neusten Firmware händelt der Wandler des CXN im Übrigen auch DSD x64-Dateien, wodurch es an der Qualität nichts mehr zu deuteln gibt.

Der CXN (oben) und der CXA80 (unten) warten mit einer beeindruckenden Anschlussvielfalt auf. Hervorzuheben sind die symmetrischen XLR-Aus- bzw. Eingänge

In die Front des CXN integrierte Cambridge Audio ein hochauflösendes Farbdisplay, das Coverbilder (nur .jpg und .png), Steuerbefehle und Informationen zum laufenden Titel anzeigt. Es ist recht großzügig dimensioniert und somit auch vom Sofa aus noch gut lesbar. Einen leichten Blaustich kann man ihm nicht absprechen, aber schließlich kauft man sich den CXN nicht zum Bildchen Anschauen, sondern zum Musik Hören. Wenn man den CXN per App bedient, geht alles leichter von der Hand. Hierfür bietet Cambridge Audio die kostenlose App „Cambridge Connect“ an, die über den üblichen Funktionsumfang verfügt. UPnP-Server findet sie automatisch, Ordnerstrukturen und Metadaten listet sie übersichtlich auf. Playlisten lassen sich erstellen und angeschlossene Quellen können gebrowst werden. Leider kann die App nicht ganz mit der Klasse des Players mithalten, denn vor- und zurückspulen ist mit ihr nicht möglich.

Der CXN kann auf die ganze Palette zeitgemäßer externer Quellen zugreifen, darunter WiFi mit allen netten Begleiterscheinungen wie Spotify Connect, Airplay, Internetradio, NAS-Laufwerk- und UPnP-Kompatibilität. Außerdem gibt es einen USB-Anschluss zum Anschließen mobiler Devices und einen, um die Verbindung mit einem Computer herzustellen. Mit einer optional erhältlichen Bluetooth-Antenne (BT100-Receiver) kann der CXN zusätzlich aufgerüstet werden. Ausgangsseitig sind neben den Coax- und Optical-Anschlüssen die symmetrischen XLR-Buchsen hervorzuheben, die allerdings nur Line-Signale ausgeben. Eine Endverstärkung ist also angeraten. Hier kommt der CXA ins Spiel.

Verstärker CXA80

Das Verbindungs- und Herzstück der CX-Serie ist der Vollverstärker CXA80, weil alle Fäden in ihm zusammenlaufen. Und tatsächlich gaben sich die Ingenieure beim CXA80 besonders viel Mühe. Eine optimale Kanaltrennung stand ganz oben auf ihrer To-Do-Liste und so spendierten sie dem CXA80 symmetrische und vollständig voneinander getrennte Trafo-Stufen, duale Gleichrichter und sogar separate Netzteile für jeden Kanal. Ohne zu sehr mit Fachausdrücken um uns werfen zu wollen, erwähnen wir noch das ALPs-Folienpotenziometer hinter dem Lautstärkeregler, das für die perfekte Kanalbalance und somit eine stabile Ortung sorgt. Jeder der Dual-Mono-Kanäle bringt es auf beachtliche 80 Watt, wofür unter anderem der auffällig große Ringkerntransformator Sorge trägt. Er zeichnet neben den enormen Leistungsreserven auch für eine sorgenfreie Bassleistung verantwortlich. Damit sich das Gerät unter der geballten Power seiner AB-Schaltung nicht überhitzt, wurde ein nicht zu übersehendes Kühlgitter in das Gehäuse gestanzt.

Das eigentliche Kernstück des CXA80 ist sein integrierter Wolfsen-Wandler – das gleiche Modell wie im CXN. Er ist somit der perfekte Partner des CXC und die einzig sinnvolle Ergänzung des CXN. Es kommt auch heutzutage noch nicht so häufig vor, dass ein Vollverstärker von Grund auf für digitale Quellen konzipiert ist. Cambridge Audio jedoch hat die Zeichen der Zeit erkannt, wodurch der mit ca. 1 100 Euro recht günstige CXA80 auch als Einzelgerät viele Abnehmer finden dürfte. Die Anschlussvielfalt reicht vom symmetrischen XLR-Eingang, vier Sätzen Cinch-Eingängen und einem frontseitigen 3,5-mm-Klinke-AUX über Koaxial-In und zwei optischen Eingängen bis hin zu einem asynchronen USB-Audioeingang, um Musik direkt vom PC oder Mac aus genießen zu können. Ausgangsseitig gibt es zwei Boxenanschlusspärchen für Bi-Wiring oder den Anschluss eines zweiten Boxenpaares und sogar einen Subwoofer-Ausgang. Kleiner Nachteil: Welche Lautsprecher den Ton ausgeben, kann leider nicht an der Fernbedienung, sondern nur an der Front des CXA80 eingestellt werden.

Es ist ein Leichtes, CXC und CXN gleichzeitig an den CXA80 anzuschließen. Wir haben unterschiedliche Verkabelungs-Varianten ausprobiert und stellten fest, dass sich die Klangqualität beim Anschluss über Symmetrisch-XLR kaum von der bei der Verbindung über die Digitaleingänge unterscheidet.

Klang

Da CXC, CXN und CXA80 perfekt aufeinander abgestimmt sind, haben wir zur Klangbewertung die ganze Kette miteinbezogen. So werden im CDX abgespielte CDs vom CXA80 gewandelt und verstärkt, ebenso findet die Endverstärkung und je nach Versuchsaufbau auch die Wandlung der vom CXN gestreamten Musik im CXA80 statt.

Sowohl bei CDs als auch bei hochauflösenden PCM-Dateien, was letztlich ja das Gleiche ist, überzeugte die CX-Serie klanglich auf ganzer Linie. Je feiner die Auflösung des Quellmaterials, desto mehr trumpft die Kette auf. Aber auch die heute oft als vorsintflutlich dargestellte CD-Auflösung von 16 Bit und 44.1 Kilohertz (kHz) muss sich nicht vor 384-kHz-Flacs verstecken. CD-Player und Verstärker sind so gut aufeinander abgestimmt, dass der Klang mit dem weit preisintensiverer Ketten mithalten kann. Da fragt man sich doch glatt, warum der Abgesang auf die CD seit Jahren gebetsmühlenartig wiederholt wird. Gleichzeitig erkennen wir, warum die negativen Prognosen partout nicht eintreten wollen und CDs noch 2015 hierzulande 60,8 Prozent des Gesamtumsatzes der Musikindustrie generierten.

Der Song „While My Guitar Gently Wheeps“ der Beatles aus dem Gründungsjahr von Cambridge Audio erschien uns passend für den Test. Zwar ist er für die Beurteilung der Räumlichkeit nur bedingt geeignet, weil er, wie damals üblich, nach Holzhammerstereophonie gemixt ist, allerdings lässt sich die Impulstreue und der Gesamteindruck bewerten. Wandler und Verstärker des CXA80 springen sowohl bei Snare als auch bei Bassdrum direkt an. Den analogen Sound der Produktion geben sie unverfälscht wieder. Gut gefallen uns Harrisons und Lennons E-Gitarren, die rechts und links außen für die nötige Härte sogen.

Im Jahr 1968 geboren wurde der Gypsy-Gitarrist Stochelo Rosenberg, der 2015 zusammen mit der Hamburger Gypsy-Swing Formation Django Deluxe und der NDR-Bigband den Track „For Sephora“ für das Echo-prämierte Album „Driving“  aufnahm. Ganz nach modernen Gesichtspunkten produziert, lässt sich dieses Stück zur Einschätzung der Räumlichkeit nutzen. Während im Vordergrund die Combo aus drei Akustikgitarren und einem Kontrabass virtuos in die Saiten greift, zeichnen sich eine lateinamerikanische Percussion-Sektion, Holz- und Blechbläser deutlich dahinter ab. Einzig die Querflöte schiebt sich zu gegebener Zeit elegant vor die beiden Leadgitarristen. Die Produktion ergießt sich in einem Meer aus musikalischen Farben, die ein Gemälde der im Spätsommer untergehenden Sonne malen. Hut ab, Cambridge Audio, besser kann man das kaum machen. Weder hat die Kette Probleme mit komplexen Rhythmen, noch mit schnellen Tempo- und Lautstärkewechseln. Die CX-Reihe klingt sowohl flüssig, als auch druckvoll, Dynamik, Detail und Rhythmus-Fähigkeit sind weit besser als man es für diesen Preis erwarten durfte. Aufgrund der exakten Kanaltrennung wird die Musik räumlich perfekt aufgefächert, die Luftigkeit in den hohen Frequenzen bleibt erhalten. Vor allem der CXA80 hält uns stets bei der Stange, ohne anstrengend zu werden. Das ist HiFi auf aktuellem Niveau zum Einsteigerpreis. Cambridge Audio schafft es somit auch nach beinah 50 Jahren Unternehmensgeschichte, die Aufbruchsstimmung der Swinging Sixties in uns hervorzurufen – im Gegensatz zu damals ganz ohne bewusstseinserweiternde Substanzen. Die einzige Droge, die es dafür braucht, ist Musik.

 

weitere Infos unter: www.cambridgeaudio.com/de

Cambridge Audio CXA80, CXC und CXN: Aller guten Dinge...
Wiedergabequalität87%
Ausstattung/Verarbeitung86%
Benutzerfreundlichkeit85%
Preis/Leistung89%
Vorteile
  • Verstärker CXA80 besitzt DAC
  • Geräte optimal aufeinander abgestimmt
  • Preis
Nachteile
  • Boxenpärchen nicht mit Fernbedienung umstellbar
  • App könnte besser sein
87%Gesamtwertung
Leserwertung: (0 Votes)
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