Audio-Technica LP5: Das Audio-Technica schon seit Dekaden die Fertigung hochwertiger Plattenspieler bewerkstelligt, ist bekannt. Trotzdem bereitet jeder neue Prüfling der AUDIO TEST Redaktion die Freude spannender Erwartung. So nun auch der neue Schallplattenspieler LP5.

Zweifelsohne gehört die Firmengruppe Audio-Technica zu jenen Akteuren der HiFi-Szene, welche selbst einem Laien das ein oder andere mal zu Ohren gekommen sind. In den Sechzigern gegründet, verantwortet der Konzern heute sowohl die Fertigung hochwertiger Produkte, als auch die technische Ausstattung großer Events. Auch der beliebte Hersteller von DJ-Equipment Allen&Heath lässt übrigens seine Produkte durch Audio-Technica vertreiben. Dabei gibt es kaum etwas, mit dem das Angebot des in Japan ansässigen Unternehmens nicht aufzuwarten weiß. Nach den DJ-Turntables LP1240USB und LP120USBHC (AUDIO TEST 04/16) haben wir für die aktuelle Ausgabe erneut einen Schallplattenspieler auf den Prüfstand geholt, welcher letztes Jahr zur Technikmesse IFA in Berlin feierlich aus der Taufe gehoben wurde.

Kleine Vorbereitungen

Der LP5 von Audio-Technica kommt mit seinen 449 Euro durchaus günstig daher. Der erste Eindruck beschert somit bereits Pluspunkte. Denn beim Aufbau wird sofort gewahr, dass es sich beim LP5 um ein sehr anspruchsvoll konzipiert und gewissenhaft zusammengesetztes Abspielgerät handelt. Sein Kunststoffgehäuse ist im Innern mit einer massiven Metallplatte beschwert. Somit kommt der Plattenspieler auf ein stolzes Gewicht von zehneinhalb Kilogramm und verspricht ein sehr kleines Maß an Eigenresonanz. Daher kann man durchaus auf einen Spielcharakter schließen, der nicht allzu leicht aus der Fassung zu bringen ist. Auch der J-förmige Tonarm ist sehr vorbildlich am Gehäuse montiert und lässt keine Bedenken um Langlebigkeit aufkommen. Optisch erinnert er übrigens an die frühen Produkte von Audio-Technica aus den Sechzigern und Siebzigern. Der massive Plattenteller aus gegossenem Aluminium ist ebenfalls den Ansprüchen an einen hochwertigen Plattenspieler gewachsen.

Das Tonabnehmersystem des LP5 ist als VM Dualmagnet ausgeführt

Versteckt wird er im Falle des LP5 unter einer schweren Gummimatte. Vom Nutzer selbst angebracht werden müssen nun nur noch die vor Staub schützende Abdeckung, das Gegengewicht des Tonarms, der HS10 Headshell und der Tonabnehmer. Dass dieser (es handelt sich um den eigens für den AT LP5 entwickelten AT95EX) im Lieferumfang enthalten ist, ist nicht mehr selbstverständlich und generiert daher weitere Pluspunkte für Audio-Technica. Da der Tonabnehmer von Art eines elektromagnetischen Wandlers ist (VM-Dualmagnet), ist auch die Möglichkeit gegeben, die Nadel ohne großen Aufwand oder große Kosten auszutauschen. Der Hersteller gibt dafür eine empfohlende Impedanz von 47 kOhm mit einer Ausgangspannung von 4 mV an.

Der Headshell HS10 findet auch in anderen Plattenspielern Verwendung. Seine zu Gunsten der Signalübertragung vergoldeten Anschlüsse sind ein weiteres Indiz für die hoch angesiedelten Ansprüche des LP5. Wie auch bei Geräten anderer Hersteller legt Audio-Technica der Lieferung eine Schablone bei, anhand welcher Tonarm und -abnehmer im Handumdrehen kalibriert werden können.

Los gehts

Aufgebaut und einsatzbereit fügt sich der LP5 ob seiner zurückhaltenden optischen Ausarbeitung bestens ins Klima unseres Hörraums ein. Der Plattenspieler verzichtet an der Oberfläche auf optische Spielereien und unnütze Features. Lediglich der Drehschalter zum Wählen der üblichen Umdrehungen von 33 1/3 oder 45 RPM ziert nebst dem Firmenlabel die sichtbare Oberfläche. Was der zeitlos auftretende LP5 an seiner Rückseite versteckt, erweist ihn jedoch als technisch zeitgemäß. Neben Netzanschluss und -schalter finden sich dort ein analoger Stereoausgang und die Anschlussmöglichkeit für ein Erdungskabel. So weit, so klassisch. Jedoch deuten der USB-B Anschluss und der Phono/Line-Schalter auf zwei kleine Schmankerl im Innenleben des LP5.

Zum einen ist das nämlich ein integrierter D/A-Wandler, zur schnellen Digitalisierung der Lieblingsplatten. Dieses Feature ist heute zwar keine Seltenheit mehr, zeugt aber dennoch von des Herstellers Intention, dem Puls der Zeit und der wiederaufkommenden Popularität von Schallplatten Tribut zu zollen. Von Vinyl ins Binäre übersetzt werden, können die Tonträger beispielsweise mit der Software Audacity, welche ebenfalls für Mac und PC im Lieferumfang enthalten ist. Dabei offeriert der eingebaute Wandler entweder 44 100 oder 48 000 Abtastungen in der Sekunde zu 16 Bit. Doch zwei große Daumen nach oben gehen in Richtung des im Gerät verbauten Line-Vorverstärkers. Dieser gibt einen nominalen Ausgangspegel von 150 Millivolt an den Ausgang weiter, so dass der Plattenspieler auch an einen schlichten Line-Eingang der Verstärkereinheit gehangen werden kann, falls dieser keinen Phono-Vorverstärker besitzt. Klasse!

Kleiner Preis – Großer Klang

Doch wollen wir endlich zum Wesentlichen Teil des Tests voranschreiten – der klanglichen Qualität des LP5. Das jüngste und zugleich letzte Album „Blackstar“ des Pop-Titanen David Bowie wartet bereits seit einiger Zeit im Hörraum der AUDIO TEST darauf, endlich in Erscheinung treten zu dürfen. Etwa 1,7 Sekunden benötigt der Plattenteller, um die gewünschte Geschwindigkeit von 33 1/3 Umdrehungen pro Minute zu erreichen. Und auch die akustische Überzeugungskraft lässt nicht viel länger auf sich warten. Holzbläser und Gitarre erklingen sehr klar und auch beim Einsatz des Schlagwerks formuliert der LP5 ein sehr schönes Klangbild. Der Noise-Floor liegt über 50 Dezibel unter dem transportierten Signal, somit ist gestaltet sich die Musik sehr rein. Auch ein klassisches Werk, etwa Anna-Sophie Mutters Interpretation des Violinkonzerts in G-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart im Zusammenspiel mit den Berliner Philharmonikern unter Leitung von Herbert von Karajan klingt sehr unverzerrt und detailreich. Die etwas betagte Pressung entfaltet beim LP5 noch einmal all ihr phonetisches Potenzial.

weitere Infos unter: www.audio-technica.de

Audio-Technica LP5: Vinylverstärker
Der LP5 erweist sich in allen Disziplinen als überaus gelungen. Von der technischen Ausstattung über die designsprachliche Ausarbeitung, bis hin zur Musikalität – der LP5 kann ganz klar mit Produkten aus oberen Preisklassen mithalten. Denn mit nur 449 € ist er – rein monetär – nicht zu verorten.
Wiedergabequalität85%
Ausstattung/Verarbeitung88%
Benutzerfreundlichkeit84%
Preis/Leistung84%
Vorteile
  • sehr robust gebaut
  • gute Klangwiedergabe
  • USB und D/A-Wandler für schnelle Digitalisierung
Nachteile
  • keine
85%Gesamtwertung
Leserwertung: (1 Judge)
61%

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*