Schweres Gerät für großartigen Klang

In der sechsten Ausgabe des letzten Jahres sicherte sich das Duett aus nuPower D und nuControl Spitzenplätze in unserer Bestenliste. Da ist natürlich die Spannung groß, wie die analoge Endstufe nuPower A ihre Sachen machen wird.

Nun hat also auch der große Bruder der nuPower A seinen Weg in unsere Testräume gefunden. Und die Bezeichnung „Großer Bruder“ gilt es hier wörtlich nehmen, denn diesmal kam nicht einfach ein Paket mit dem Gerät. Vielmehr wurde eine Europalette ins Testlabor geliefert. Darauf ruhte der stattliche Nubert nuPower A in all seiner Pracht. 42 Kilogramm wollen erstmal angehoben werden, zumal wenn es sich um solch exzellente Technik handelt.

Also zu zweit ans Werk gegangen und den 22 Zentimeter hohen, 43 Zentimeter breiten und 42 Zentimeter tiefen Quader aus seiner Verpackung befreit. Danach musste im Testraum nur noch ein Regal gefunden werden, was stabil genug für die Endstufe ist. Ja, manchmal stellen sich dem Tester ungeahnte Hürden in den Weg. Doch wir können jetzt schon sagen, der Aufwand hat sich mehr als gelohnt.

Ein Regler und ein Knopf

Eine Endstufe muss nicht viele Features haben. Ihre Aufgabe ist nämlich simpel: Sie verstärkt das Eingangssignal, in unserem Fall das des nuControl, so dass es aus den Lautsprechern vollmundig ertönen kann. Deshalb braucht sie auch keine vielfältigen Bedienelemente. Im Fall des nuPower A genügen ein Drehregler, um Lautsprecher-Paar A, B oder beide auszuwählen und ein Einschaltknopf. Zweitgenannter erübrigt sich, wenn End- und Vorstufe über den Mini-XLR-Trigger miteinander verbunden sind. Dann regelt der Zuspieler das Ein- und Ausschalten der Endstufe. Das Kabel Mini-XLR-Kabel legt Nubert bei. Eine Version Mini-XLR auf Klinke ist ebenfalls im Karton zu finden. Die Anbindung des Triggers per Klinke ist zwar weniger robust, aber sehr weit verbreitet. Schön, wenn eine Firma so mitdenkt.

Die Front der Endstufe präsentiert sich zweckmäßig. Aufregende Designhighlights suchen wir hier vergebens – ganz Nuberttypisch konzentrieren sich die Schwaben auf das Wesentliche. Schließlich muss eine Endstufe ja nicht schmuck aussehen, sondern gut klingen. Nur die Größe, die könnte sicher den ein oder anderen HiFi-Freund bzw. vielleicht eher dessen Partner/-in abschrecken. Die Nubert nuPower A wirken wie ein Monolith zwischen all den anderen feinen HiFi-Geräten, die unseren Hörraum mit Musik verzaubern.

Nubert nuPower A: Die großen Kühlrippen an der Seite der nuPower A. Sie sorgen für ein angenehmes Klima im Inneren des Gerätes

Die großen Kühlrippen an der Seite der nuPower A. Sie sorgen für ein angenehmes Klima im Inneren des Gerätes

Die Rückseite der Nubert nuPower A überraschen

Das Gehäuse der Endstufe ist wie die Frontplatte aus gebürstetem, teilweise gestrahltem Aluminium gefertigt und hochwertig mit mattem Schwarz beschichtet. Die Rückseite überrascht, denn hier gibt es zahlreiche Anschluss- und Einstellmöglichkeiten. So können wir uns entscheiden, ob wir per symmetrischen XLR oder unsymmetrischen Stereocinch die Vor- und Endstufe verbinden.

Ein Schalter erlaubt den Wechsel zwischen beiden Anschlussarten. Er macht es außerdem möglich, einen zweiten Zuspieler mit der nuPower A zu verbinden. So können wir den nuControl etwa per XLR anschließen und einen AV-Receiver per Cinch. Dank des Schalters legen wir dann fest, welches Signal verstärkt werden soll. Und selbst für den Mono- oder Stereobetrieb hat Nubert einen Schalter integriert. Wer nämlich wirklich viel Leistung braucht, kann die zweimal 540 Watt Dauerausgangsleistung dank des den Monobetriebs auf einmal 1150 Watt erhöhen, ein gutes Feature, dass die Nubert nuPower A praktisch veranstaltungstauglich macht. Alle Angaben beziehen sich auf einen Widerstand von vier Ohm.

Weiterhin lassen sich zwei Lautsprecherpaare per Bananenstecker oder Klemme anschließen. Auch ein Netzschalter ist auf der Rückseite untergebracht. Der muss aber kaum benutzt werden, denn im Stand-by nimmt das Gerät weniger als 0,5 Watt Leistung auf – für eine so kraftvolle Endstufe ein erstaunlich gutes Ergebnis.

Nubert nuPower A: Die aufgeräumte und sehr anschlussfreudige Rückseite. Die Beschriftung erklärt alles verständlich. Die sehr gute Bedienungsanleitung ist dadurch fast überflüssig

Die aufgeräumte und sehr anschlussfreudige Rückseite. Die Beschriftung erklärt alles verständlich. Die sehr gute Bedienungsanleitung ist dadurch fast überflüssig

Class AB-Endverstärker

Wo wir schon beim Thema Stromverbrauch sind: Im Leerlauf zieht sich der Nubert nuPower A 140 Watt aus der Steckdose. Ein hoher Wert, doch da es sich beim Gerät um die gängige Kombination von Class A und B Verstärker handelt, auch nicht verwunderlich. Ein entsprechender Ruhestrom ist einfach notwendig, damit bei geringer Leistungsaufnahme der Transistor keine Schwellspannung braucht, um anzuspringen. Bei geringen Lautstärken arbeitet der nuPower A also wie ein reiner Class A Verstärker und die sind ja für ihre geringe Verzerrung bekannt. Erst wenn es lauter werden muss, greift die B-Schaltung ein und hilft, die Musikleistung von zweimal 1 150 Watt an vier Ohm zu erreichen.

Beim Signal-Rauschabstand kommt die Endstufe auf einen Wert von 117 dBA bei 1 000 Watt und einer THD+N von unter 0,002 Prozent. Werte, die auf dem Papier extrem gut aussehen und in dieser Preisklasse ihresgleichen suchen. Doch wie wir alle wissen, ist Papier geduldig. Deshalb sollten wir uns jetzt dem wirklich wichtigen Dingen zuwenden und das ist hier der Klang.

Nubert nuPower A: Groß im Bild die beiden Siebkondensatoren für die Eingangsstufe. Sie eliminieren die Pulsartefakte, die in gleichgerichteter Wechselspannung noch zu finden sind

Groß im Bild die beiden Siebkondensatoren für die Eingangsstufe. Sie eliminieren die Pulsartefakte, die in gleichgerichteter Wechselspannung noch zu finden sind

Klezm’n Soul

Fangen wir mit einem Studioalbum aus dem Jahr 1995 an, um die Klangwiedergabe der Nubertschen Klangmanufaktur zu testen. Helmut Eisel und Jem sind weit über die Klezmer-Szene hinaus bekannt. So mischt der Klarinettist Eisel beispielsweise Klezmersound mit Klassik und bringt dadurch ganz neue Facetten in bekannte Melodien.

Preis: EUR 12,99
Im Album „Klezm’n Soul“ geht es gleich mit dem ersten Lied sehr spielfreudig zur Sache. Die lachende Klarinette, der flotte Bass und die virtuose Gitarre ergänzen sich in fröhlicher Harmonie. Tempo gehört zum Spiel, genauso wie laute und leise Töne. Mal schweben sanfte Klarinettentöne durch das Zimmer, dann wiehert das Instrument fast wie ein Pferd. Vor uns baut sich ein intimer akustischer Raum mit einem ausgewogenen Hall auf. Mit geschlossenen Augen sehen unsere Ohren jedes Instrument und spüren die Begeisterung der Musiker beim Spiel. Tatsächlich ist uns das Stück sehr bekannt, doch der Nubert nuPower A würzt es irgendwie besser. Es klingt facettenreicher, echter – ehrlicher. Es ist schwer zu beschreiben, selbst für altgediente HiFi-Kenner.

Ein wenig Bruch

Hören wir deshalb mal in eines der wenigen bekannten Stücke von Max Bruch dem Violinkonzert Nr. 1 hinein, an der Geige Boris Belkin. Das ist klangvoll Als Tester sprechen wir gern und manchmal auch zu schnell von einem „vollen Klang“. Doch erst wenn Bruchs Violinkonzert in g-Moll über den Nubert nuPower A ertönt, dann kann dieses Attribut mit Recht benutzt werden. Die detaillierte, fein abgestimmte und dabei nie unterkühlte Art der Musikpräsentation gibt dem Wort klangvoll seine wahrhaftige Bedeutung. Es wirkt, als würde die Endstufe die CD nehmen, jeden einzelnen Musiker herauspicken, das Orchester im Testraum aufstellen und drumherum die All Saints Church bauen, in der die Aufnahme stattfand.

Die sanft einsetzenden Bläser, die ersten zurückhaltenden Töne der Violine, die sich langsam steigern – Alles klingt einfach wunderschön. Es ist kaum vorstellbar, Klassik besser zu hören. Keinen Zwischenton lässt sich der Nubert nuPower A entgehen. Und wenn schließlich das ganze Orchester einsetzt, streicht ein angenehmer Schauer über die Haut. Unweigerlich fragen wir uns, ob wir da wirklich nur eine CD-Aufnahme hören oder uns gar in der Kirche befinden und dort den Musikern lauschen. Doch der Blick auf das CD-Cover klärt auf: Vor über 20 Jahren wurde das Konzert in London aufgezeichnet, aber die nuPower A präsentieren es uns, als wären wir jetzt dabei.

Poolparty

Jetzt sind wir wirklich neugierig und drehen die Zeit noch mehr zurück. Wie mag eines der Lieblingsstücke eines Testers klingen. „Agua de Beber“ gesungen von Astrud Gilberto und Antonio Carlos Jobim ist ein Klassiker aus den 1960er Jahren. Unsere Version von 1965 finden wir auf dem Sampler „Novabossa Red Hot on Verve“. Dank der Nubert nuPower A erwacht die Aufnahme zu neuem Leben. Farbig, plastisch und dabei stilvoll zurückhaltend erklingen die Bossa-Nova-Rhythmen. Astrud Gilbertos Stimme nimmt uns mit zu einer Party. Wir sitzen am Pool, die Band spielt auf der Terrasse gegenüber und wir schlürfen einen Mojito. Der analoge Charme des Titels wird von der Endstufe gekonnt interpretiert, selbst das sanfte Rauschen der Aufnahme ist wahrnehmbar. So wird das Musikhören zu einer Reise. Es macht einfach Spaß, neue Nuancen, Zwischentöne und Dynamiken an Stücken zu entdecken, die uns bereits seit Jahren wohlbekannt sind.

Referenzklasse angebracht?

Vor dem Test der Endstufe telefonierten wir mit Herrn Pedal von Nubert. Er sprach mit voller Begeisterung von der Endstufe, sie sei „Referenzklasse“. Da wurden wir natürlich hellhörig. Dem kritischen Tester rutschen solche Worte nur schwer über die Lippen. Doch in diesem Fall können wir Nubert zustimmen. Diese analoge Endstufe bringt eine Klangfülle und Detailverliebtheit in die Musik wie nur wenig andere Geräte. Dabei leistet sich die Nubert nuPower A keinerlei Ausreißer in der Dynamik oder seziert gar die Töne. Immer behält sie den Sound als Gesamtkunstwerk im Auge und bringt die Musik so zu Gehör, wie sie wohl zum Zeitpunkt der Aufnahme klang. Wer noch besser Musik hören will, muss sich schon die Musiker direkt ins Wohnzimmer bestellen.

Weitere Infos: www.nubert.de

Test: Nubert nuPower A - Referenzklasse
Der wuchtige Bruder der nuPower D leistet Musikarbeit auf Referenzklassenniveau. Hier gibt es nichts zu meckern oder auszusetzen. Gut, wer auf schickes Design steht, wird das vielleicht als Kritikpunkt äußern können. Aber wir lassen das nicht zählen, denn die musikalischen Werte sind ungleich wichtiger. Selten sorgte der Test einer Endstufe für derart viele schöne Musikmomente. Referenzklasse. Und: Danke, Nubert!
Wiedergabequalität99%
Ausstattung/Verarbeitung90%
Benutzerfreundlichkeit90%
Preis/Leistung80%
Vorteile
  • extrem ausgewogenes Klangbild
  • detaillierte Wiedergabe
  • tolle Dynamik & sehr leistungsstark
Nachteile
  • sehr groß und schwer
  • im Leerlauf baubedingt hoher Stromverbrauch
95%Gesamtwertung
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Über den Autor

Thomas Kirsche

ist Hörspielmacher, Autor und Journalist. Ob beim Geräusche machen, Musik für ein Hörspiel abmischen oder die beste EQ-Einstellung für den Sound einer Stimme finden, immer ist er auf der Suche nach dem richtigen Klang. Beim Verfassen von Testberichten nimmt er mit Vorliebe die Perspektive des Hörers bzw. Nutzers ein. So zählen für ihn Klang und Bedienbarkeit viel mehr als emotionslose Messdaten.

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