Test: Yamaha A-S3200 – High End Vollverstärker im Retro-Style

Ein Verstärker aus der wohl ältesten Audio-Schmiede der Welt, der herrlich analog auftritt und auch optisch eine Reminiszenz an das goldene Zeitalter der High Fidelity darstellt. Einen passenderen Kandidaten für unser Retro-HiFi Special als den Yamaha A-S3200 könnte es nicht geben. Also nichts wie ran den Test.

Yamaha: Tradition verpflichtet

Yamaha ist wahrscheinlich die älteste Firma im Audio-Business, die auch heute noch erfolgreich am Markt agiert. Bereits 1887 baute Torakusu Yamaha ein Harmonium. Es war das erste Instrument seines Unternehmens „Yamaha Hukin Seizo-sho“. Der Name bedeutet übrigens so viel wie „Yamaha Orgelmanufaktur“. Dieses Harmonium wurde zum Transport an einer Stange befestigt und der Assistent Yamahas sowie er selbst trugen es 250 Kilometer von Hamamatsu nach Tokio zu einem neu gegründeten Konservatorium. Allerdings konnte das Instrument nicht überzeugen, es war einfach zu schlecht abgestimmt. Doch Torakusu Yamaha gab nicht auf, er studierte und arbeitete Tag und Nacht. Nach vier Monaten hatte er ein brauchbares Harmonium gebaut. Soweit die Legende. Wieviel davon wahr ist, können wir nicht nachprüfen. Sicher ist, dass die Firma schnell wuchs und am 12. Oktober 1897 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Damit ging eine Umbenennung in „Nippon Gakki K.K.“ einher. Das lässt sich mit „Japan Musikinstrumente AG“ übersetzen.

Wer bei Yamaha an Motorräder denkt und sich nun fragt, wie Musikinstrumentenbau und motorisierte Zweiräder zusammengehören, dem sei verraten: 1950 übernahm ein Herr Genichi Kawakami die Leitung des Unternehmens. Dieser ordnete 1953 an, dass ein Motorrad entwickelt werden soll. Das geschah auch und 1954 erblickte der erste Prototyp des ersten Motorradmodells YA-1 das Licht der Welt. Wichtiger für uns Audio-Freunde ist aber der erste HiFi-Spieler der Nippon Gakki K.K., der 1954 auf den Markt kam. 1968 wurden die ersten HiFi-Stereo-Geräte vorgestellt und 1982 der erste CD-Player verkauft. 1987 kam es dann zur Umbenennung in „Yamaha Corporation“ – so wie wir das Unternehmen heute kennen. Neben dem Label Yamaha, gehören zum Konzern auch die Wiener Klavierfabrik Bösendorfer, die kalifornische Soundschmiede Line 6 und die Musiksoftware Steinberg. Doch genug der Geschichte, wir wollen uns schließlich einen Ohrenschmaus gönnen und diesen soll der Yamaha A-S3200 Vollverstärker zubereiten.

Yamaha – Key-Facts:

Gründungsjahr: 1887
Sitz: Hamamatsu (Japan)
Legendäre Produkte: CD-1 (erster CD-Player), CT-7000 (Tuner), NS-30/NS-20 (Lautsprecher)
Webseite: www.yamaha.com/de

Yamaha wurde 1887 von Torakusu Yamaha gegründet. Das Unternehmen war zunächst nur im Musikinstrumentenbau tätig. Später kamen Motorräder (ab 1955 Yamaha Motor Company) und Audio-Geräte hinzu. Von 1897 bis 1987 hieß das Unternehmen Nippon Gakki (Japan Musikinstrumente). 1987 nannte man sich anlässlich des 100-jährigen Bestehens in Yamaha Corporation um.

Optik vom Yamaha Vollverstärker im Retro-Style

Da wir uns in der AUDIO TEST-Ausgabe 08/2022 vor allem auf das Thema Retro-HiFi fokussieren, spielt das Design des Vollverstärkers natürlich eine entscheidende Rolle. Diese Retro-Optik ist beim Yamaha A-S3200 voll und ganz gegeben. Der integrierte Verstärker ist das Spitzenprodukt der Retro-Verstärker Serie von Yamaha und kommt stilecht in Silber oder Pianoschwarz daher. Doch wir dürfen uns nicht täuschen lassen: trotz der Vintage-Optik steckt jede Menge moderne Technik und Knowhow im Gehäuse des Yamaha Verstärkers.

Das bemerken wir etwa, wenn wir die Schalter an der Frontseite betätigen. So wirkt der Lautstärkeregler wie ein großer, rein mechanischer Drehknopf, doch der Eindruck täuscht. Wir bewegen ihn butterweich und er vermittelt ein herrlich analoges Feeling. Betätigen wir aber die Lautstärketasten auf der Fernbedienung, dann dreht er sich plötzlich mit und wir erkennen, dass dahinter auch ein Motor verborgen ist. Von diesem bekommen wir bei der Bedienung direkt am Gerät aber nichts – faszinierend! Das Beschriebene gilt auch für die anderen Schalter und Knöpfe, die wir am Gerät finden. Sie wirken rein mechanisch, sind aber mit cleverer Steuerelektronik hinterlegt.

Das wahre Highlight des Yamaha A-S3200 Vollverstärkers sind aber nicht die Knöpfe, sondern die analoge Anzeige. Deren Beleuchtung können wir an- und ausschalten und auch deren Ausschlagseigenschaften ändern. Wählen wir „Peak“, dann bewegen sich die Zeiger im Rhythmus des höchsten momentanen Pegels. Bei „VU“ wird uns der effektive Audioausgangswert so angezeigt, wie er vom menschlichen Ohr wahrgenommen wird.

Analoge Anschlussfreude

Auf der Rückseite finden wir bis auf den Kopfhöreranschluss alle Ein- und Ausgänge des A-S3200. Wie es sich für einen Verstärker dieser Preisklasse gehört, gibt es zwei Paar Lautsprecheranschlüsse. Das ist besonders praktisch, wenn man etwa ein Paar Musiklautsprecher nutzt und ein anderes Paar Lautsprecher fürs Heimkino. Bi-Wiring funktioniert bei Bedarf natürlich auch.

Inzwischen gehört er wieder zum Standardprogramm bei Verstärkern: der Phono-Eingang. Beim Yamaha A-S3200 ist er für MC- und MM-Tonsysteme ausgelegt. Das müssen wir loben herausstellen, denn oft wird bei der Konkurrenz an eben dieser Stelle gespart und es gibt nur einen Anschluss für MM. Zu dem Schallplattenspieler-Eingang gesellen sich vier Cinch-Anschlüsse für Tuner, CD-Player etc. Weiterhin ist ein Main-Eingang (Cinch) für einen Vorverstärker vorhanden. Netzwerkplayer / Streamer und andere Zuspieler können wir sogar symmetrisch anbinden. Dafür gibt es zwei XLR-Eingänge.

An Ausgängen finden wir einmal Pre Out, beispielsweise für einen Subwoofer, und Main Out, um einen Rekorder anzuschließen. Analoger geht kaum. Nur eine kleine Micro-USB-Buchse für den Service verweist darauf, dass auch Digitales – zumindest für die Steuerung – im A-S3200 zu Hause ist.

Yamaha A-S3200 Test Anschlüsse
Neben zwei symmetrischen Anschlüssen via XLR gibt es vier Cinch-Eingänge plus einen Main sowie einem Phono-Eingang für MM- und MC- Tonabnehmer.

Bedienung des A-S3200

Als wir den Yamaha A-S3200 das erste Mal starten, müssen wir keine Sekunde überlegen, welcher Schalter wohl welche Funktion besitzt. Die Bedienung geht wundervoll intuitiv vonstatten. Dass der Yamaha Vollverstärker auch direkt und ohne Verzögerung reagiert, jagt uns gleich in den ersten Minuten mit dem Amp ein befriedigendes Gefühl durch die Blutbahn. Anders als bei Geräten, die auf Touchpanels setzen und bei denen man sich immer fragt: Hat das Ding jetzt die Berührung mitbekommen oder muss ich nochmal drauf tippen? Einzig die Mute-Taste sorgte bei uns für Verwirrung. Bei allen bisher von uns getesteten Geräten sorgt eine solche Taste für Stille. Bei dem Yamaha Boliden wird aber nur die Lautstärke um circa 20 dB reduziert.

Natürlich gibt es auch eine Fernbedienung, um den Retro-Vollverstärker zu steuern. Auch diese ist designtechnisch mehr als gelungen. Zudem ist sie genauso intuitiv zu benutzen, wie der Yamaha Verstärker und dabei reagiert dieser auch angenehm flott auf deren Befehle. Was wir uns noch gewünscht hätten, wäre die Möglichkeit via Fernbedienung zwischen den angeschlossenen Lautsprecher-Paaren zu wechseln. Diese gibt es leider nicht und wir müssen uns dafür von der Couch erheben. Der Vorteil neben etwas Bewegung: Wir können den schicken Retro-Verstärker wieder aus der Nähe betrachten und uns am herrlichen Design erfreuen.

Yamaha A-S3200 Test Regler
Die Schalter an der Front des Yamaha A-S3200 wirken rein mechanisch, sind aber mit einer sehr cleveren Steuerelektronik hinterlegt.

Kopfhörer-Freude

Kopfhörer bringen wir mit dem Yamaha-Verstärker über die 6,3 Millimeter Klinkenbuchse an der Front zusammen. So starten wir unseren Test im Kopfhörereinsatz, denn wir erlebten hier schon böse Überraschungen. Schlimmste Erinnerung: ein 2.000-Euro-Verstärker, dessen Kopfhörerausgang brummte wie eine Hummel in der Hochzeitsnacht. Beim A-S3200 sind aber weder Insektengeräusche noch anderes Gebrumm zu hören. Nein, vielmehr berauscht uns der Kopfhörerausgang.

AUDIO TEST Cover Titel Retro HiFi 2022 08
AUDIO TEST Nr. 08/22 mit Titel-
thema „Retro-HiFi“ (bestellen).

Wir nutzen für das erste Testhören bewusst ein preiswertes Kopfhörermodell, um es dem Verstärker ein wenig schwerer zu machen. Doch keine Chance. Der interne Kopfhörerverstärker gehört einfach in die oberste HiFi-Liga. Die Musik ist so wahnsinnig fein aufgelöst und detailreich bis in die kleinste Nuance. Der Klangraum wird unvergleichlich lebendig dargestellt und dazu gesellt sich eine musikalische Kraft, wie wir sie bei einem im Vollverstärker integrierten Kopfhöreramp tatsächlich noch nie erlebten. Das lässt uns sofort das Wasser im Munde zusammenlaufen und wir wollen jetzt unbedingt den Yamaha A-S3200 an unseren großen Nubert nuVero 170 Standlautsprechern sowie den Mission 770 Retro-Lautsprechern ausprobieren. Letztere übrigens ebenfalls in diesem Heft im Test.

Vorab sei noch eine Anmerkung erlaubt: Wir können dank des TRIM-Schalters direkt neben dem Kopfhörerausgang eine für den Kopfhörer geeignete Verstärkungseinstellung wählen. Es stehen −6, 0, +6, +12 Dezibel zur Verfügung. Selbst sehr leistungshungrige Kopfhörer kommen da voll auf ihre Kosten.

Yamaha Verstärker im Test am TV

Wer die Texte dieses Testers kennt, weiß, dass er eine Schwäche für Filmton hat. Und so gehört es praktisch schon zum Standard, ein neues Audiogerät auf seine Heimkino-Tauglichkeit zu testen. Dazu bemühen wir „Rogue One: A Star Wars Story“ – wohl der einzige erwachsene Film aus dem Franchise. Hier wird der Krieg in Star Wars in den Fokus gerückt und das mit all seinen schrecklichen Konsequenzen. Übrigens treibt diesen Ansatz die Serie „Andor“ noch weiter und schickt uns Zuschauer in den Klassenkampf in einem totalitären System. Sehr empfehlenswert. Doch genug der cineastischen Ausflüge, kommen wir zum Klang des Yamaha A-S3200 Verstärkers.

Zunächst trennt er alle Geräuschquellen deutlich und doch elegant. Sie fallen nicht auseinander, sondern bilden eine Einheit, die ein wunderbar plastisches Klanggefüge ergibt. Das erlaubt uns noch tiefer in den Film einzutauchen. Die Explosionen sind bombastisch und erschüttern den gesamten Testraum. Die Stimmen klingen klar, bleiben dabei aber immer mit der Soundkulisse verbunden. Insgesamt kommt gleich mit den ersten Klängen eine echte Kinoatmosphäre auf. Und die Mission 770 sowie die großen Nubert nuVero 170 laufen am Yamaha A-S3200 zu Höchstleistungen auf. Zumal der Yamaha Amp aus den Nuberts einen neuen Klangcharme herauskitzelt, den wir bis dato noch gar nicht von ihnen vernommen haben.

Yamaha A-S3200 Test Innenansicht
Die komplett symmetrische Schaltung überzeugt mit beeindruckendem Signal-Rausch-Ver- hältnis und verbesserter Kanaltrennung. Der große Ringkerntransformator unterstützt die unverfälschte Klangwiedergabe optimal.

Musikalisch bis in die Spitzen

Raus aus dem Kino, rein in den Konzertsaal. Wir hören in das Michael Bublé-Album „Higher“ hinein. Der Titel „A Nigthingale Sang in Berkeley Square“ startet und die unverkennbare Stimme Bublés erschallt. Und es stellt sich mit den ersten Tönen genau das ein, was Yamaha auf seiner Webseite über den A-S3200 schreibt. Wir alle kennen das aus der Praxis, häufig stimmen die vollmundigen Marketingaussagen der Hersteller nie mit der Realität überein. Yamaha beweist beim A-S3200 aber, dass Marketingslogans auch sehr nah an der Wahrheit sein können. Falls Sie sich nun fragen was auf der Yamaha-Webseite steht: „Bei authentischem, unverfälschtem Hi-Fi geht es nicht so sehr um fantastisch klingendes Equipment, sondern vielmehr darum, dass das Equipment in den Hintergrund und der Künstler selbst ins Zimmer tritt.“ Wir können an dieser Stelle nur zu 1000 Prozent zustimmen. Wenn wir die Augen schließen ist Michael Bublé gemeinsam mit uns im Testraum und singt ausschließlich für uns. Der Yamaha A-S3200 agiert dabei nicht nur als Verstärker von Tonsignalen, nein, er ist selbst ein Künstler, der mit Eleganz und Raffinesse jeden Klang detailliert und großartig intensiv inszeniert.

Nach diesem bezaubernden Klangerlebnis möchten wir an der Stelle darauf verzichten, die obligatorischen Technikfakten und Feinheiten im Testbericht in aller Ausführlichkeit zu auszuführen. Es versteht sich von selbst, dass sich die Japaner bei einem fast 6000 Euro teuren HiFi-Gerät mächtig ins Zeug gelegt haben.

Diesem feinen Vollverstärker gelingt es, die Grenzen des Klanges und der Musikalität wahrnehmbar zu öffnen, uns vollends zu bezaubern und mehr als glücklich zurückzulassen. Einer dieser besonderen Glücksmomente im Leben eines HiFi-Redakteurs. Arigatō Yamaha!

Yamaha A-S3200: Preis und Verfügbarkeit

Der Yamaha A-S3200 Stereovollverstärker ist bei gut sortieren HiFi-Händlern erhältlich und kostet laut UVP einen Preis von 6.898,00 Euro. Der „Straßenpreis“ liegt aktuell bei circa 6.000 Euro.

Webseite: www.yamaha.com/de

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 08/2022

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Fazit
Der Yamaha A-S3200 ist ein Vollverstärker der obersten Liga. Er kann zwar „nur“ analoge Quellen verarbeiten, aber das macht er mit einer Intensität und Eleganz, die wir sonst kaum zu Ohren bekommen. Zu diesem vollkommenen Hörerlebnis gesellen sich eine tolle Bedienbarkeit und ein stilvoller Retrocharme. In dieser Preisklasse nimmt der Yamaha unter den Analogverstärkern sicherlich die Spitzenposition ein.
Wiedergabequalität
100
Ausstattung/Verarbeitung
95
Benutzerfreundlichkeit
100
Preis/Leistung
80
Leserwertung167 Bewertungen
47
Vorteile
Hervorragende Bedienbarkeit
Retrocharme
Überragender Klang
Nachteile
Nur analoge Quellen
97
Gesamtergebnis