Showtime

Für die Kopplung des Hybriden SV-700 mit unserem Zuspieler, im Falle dieses Tests der Netzwerkstreamer CXN Silver von Cambridge Audio, greifen wir auf die symmetrische Verbindung zurück. Als Schallwandler ziehen wir ein Paar unseres Referenz-Lautsprechers Contour 30 von Dynaudio zu Rate. Beim Einschalten des Vincent SV-700 wird die Röhre hinter dem Bullauge von orangenen LEDs illuminiert. Etwas Pathos schwingt da schon mit, trotzdem weiß dieses kleine Gimmick durchaus zu gefallen. Die Beleuchtung ist übrigens dimmbar, aber das sei nur am Rande bemerkt. Wir beginnen den Test mit dem Album „Mr. Machine“ des Berliner Brandt Brauer Frick Ensemble um die drei Musiker Daniel Brandt, Jan Brauer und Paul Frick. Mit dem Wissen, noch eine Schippe drauflegen zu können, wollen wir den Verstärker zu Beginn des Tests in der Class-AB-Schaltung betreiben. Wenig überraschend erklingt die Musik mit der charmanten Wärme, wie sie nur die Beteiliugung von Röhren zu bewerkstelligen weiß. Die technoiden Minimal-Kompositionen von Brandt Brauer Frick sind klanglich vor allem deshalb interessant, weil hier präzise formulierte Motive durch klassische Instrumente artikuliert werden, sodass die feinen Timbres von Klavier, Streichern, Harfe, Blechbläsern, sowie klassischer Percussions fein nuanciert zur Geltung kommen können. Dies weiß der Vincent gut umzusetzen. Das einzige elektronische Instrument ist der unverkennbar sinuide Moog-Synthesizer, welcher die Bässe von Tuba und Cello nach unten hin mit feinem Sub-Bass unaufdringlich abrundet. Spätestens beim Titel „Pretend“ gibt sich der SV-700 als echter Klangkünstler zu erkennen. Das Xylophon, welches durch den Titel trägt, wird wunderbar klar und mit sehr viel „Bauch“ in den tieferen Mitten zum Besten gegeben. Der Titel ist einer der wenigen des Ensembles, in dem auch Gesang zu hören ist. Dieser stammt von der britischen Musikerin Ema Jolly, alias Emika. Er wird vom Verstärker sehr organisch gefärbt, was der Musik gut zu Gesicht steht. Gleichzeitig gefällt das Klangbild durch sehr kontrollierte Tiefen und eine unfassbar detaillierte Dynamik. Das Piano-Motiv gewinnt durch feinste Lautstärke-Nuancen an sehr viel Lebendigkeit.

Vincent SV-700 Vollverstärker Verstärker Amp Testbericht Test Review Hybrid
Die Fernbedienung des SV-700 ist sehr massiv verarbeitet und liegt gut in der Hand

Einstellungssache

Da uns der Titel so gut gefällt, wollen wir ihn gleich ein zweites Mal hören. Diesmal aber in der leistungsintensiveren Class-A-Manier. Tatsächlich erklingen nun alle Instrumente etwas breiter. Der Raum zwischen den einzelnen Stimmen schrumpft etwas zusammen, die einzelnen Akteure scheinen mit etwas breiterer Brust aufzuspielen. Dabei läuft dennoch nichts Gefahr, einander zu kaschieren. Es klingt schlichtweg, als hätte das gesamte Ensemble einmal tief eingeatmet um mit etwas mehr Esprit die Darbietung zu wiederholen. Es ist nun an uns, einmal tief einzuatmen und uns entspannt zurückzulehnen, denn wir erbitten eine Einschätzung durch den „King Of Pop“. Michael Jacksons „Human Nature“ lässt uns im Handumdrehen Zeit und Raum vergessen. Vor allem auch, da der klangstarke Vincent SV-700 seinen entscheidenden Beitrag dazu leistet. Der überaus formidabel produzierte Titel erklingt sehr liebevoll ausgestaltet, auch hier überzeugt uns sofort die kristallklare Interpretation der einzelnen Instrumentengruppen. Butterweich zieht sich der fein texturierte Shaker durch den Song, während transzendente Synthesizer, zurückhaltende Drums und eine anregende Funk-Gitarre eine formschöne Bühne für Jacksons unvergleichbare Stimme schaffen.

Klangstark

Das Klangbild ist hier beeindruckend weit und stabil gestaltet – hin und wieder klettern fragmentiert Stimmfetzen Jacksons über die vertikale, was jedes Mal wieder einen wahren Ohrenschmaus darstellt. Tatsächlich finden wir außerdem, dass wir mit der aktuellen Einstellung (XLR und Class A) die wohlklingendste Variante fahren. Koppeln wir denselben Zuspieler per Lichtleiterkabel oder Cinch, erklingt die Musik etwas kraftloser, ein Stück weit weniger vital, als mit der symmetrischen Ansteuerung. Dies wird wohl mit den verschiedenen Impedanzen der Aus- und Eingänge der zwei Geräte zu tun haben. Es empfiehlt sich also, hier selbst auf die Suche zu gehen nach der liebsten Einstellung. Aber in der Tat glauben wir, dass eine analoge Signalzufuhr hier auf jeden Fall die besten Ergebnisse erzielen wird, in Anbetracht der ganz klar auf Analog-Affinität hin ausgelegten Ausstattung des SV-700. Alles in allem lässt sich festhalten, dass Vincent hier wieder einmal ein ausgezeichnetes Stück Technik gelungen ist, dass sich sowohl technisch, als vor allem auch musikalisch vor nichts und niemandem zu verstecken braucht. Aber bei einem Gerät mit einem Marktwert von 3.499 Euro sollten eine exzellente Konstruktion und kompromisslos gute Klangqualität auch als Standard vorausgesetzt werden dürfen.

Weitere Informationen: www.vincent-tac.de

Test: Vincent SV-700 Vollverstärker - Einstellungssache
Mit dem Stereohybriden SV-700 hat sich Vincent einmal mehr um seinen guten Ruf verdient gemacht. Eine fehlerfreie Konstruktion und große Spielfreude tragen zu einer vorbildlichen Musikalität bei, welche dem 25 kg schweren Verstärker-Boliden mit Leichtigkeit zu entlocken geht.
Wiedergabequalität87%
Ausstattung/Verarbeitung85%
Benutzerfreundlichkeit100%
Preis-/Leistungsverhältnis80%
Vorteile
  • sehr gute technische Ausführung
  • große Musikalität
Nachteile
  • keine Phono-Vorstufe
  • kein Kopfhörerausgang
87%Gesamtergebnis
Leserwertung: (20 Votes)
51%

Bildquellen:

  • Vincent SV-700 Back: Bild: Auerbach Verlag
  • Vincent SV-700 Detail: Bild: Auerbach Verlag
  • Vincent SV-700 Remote: Bild: Auerbach Verlag
  • Vincent SV-700: Bild: Auerbach Verlag