Vincent ist bekannt für kompromisslos ausgeführte Technik mit hohem musikalischen Mehrwert. Die Tube Line-Collection umfasst nun auch den Class-A-Stereo-Hybriden SV-700. Ob Vincent hier wieder zu überzeugen weiß?

Der Oberrheinische Premium-Hersteller Vincent aus Iffezheim ist stets ein gern gesehener Gast in den Redaktionsräumen der AUDIO TEST. Das Unternehmen, welches gemeinsam mit Dynavox, Vienna Acoustics und Dual der Vermarktung durch die Sintron Vertriebs GmbH unterliegt, begeisterte uns zuletzt mit den Klangmaschinen SA-32 und SV-238 in den Ausgaben 06/17 und 08/17 von AUDIO TEST und hier auf www.likehifi.de. Tatsächlich stehen wir mit unseren bisher durchweg positiven Eindrücken bei weitem nicht allein da und so wissen Geräte mit dem Namen Vincent, der hauptsächlich Verstärkereinheiten betitelt, stets Hörräume der Fachpresse mit den Prädikaten „Gut“ oder „Sehr Gut“ zu verlassen. Dabei fallen immer wieder die konsequente Formsprache und die überaus sorgfältige technische Ausarbeitung der Verstärker ins Auge. Die kohärente Linie der Produktgeschichte Vincents wird dabei hauptsächlich von Sintrons Geschäftsführer und gelerntem Elektronikingenieur Uwe Bartel gezogen. Dieser erkannte auch stets die Vor- und Nachteile verschiedener Schaltungs-Konzepte, weswegen man bei Vincent keineswegs auf verbohrte Technik-Sturheit stößt. Tatsächlich umfasst das Repertoire der Iffezheimer seit nunmehr 25 Jahren sowohl, Transistoren- und Röhren-Amps, sowie Hybridverstärker. Zu letzteren gehört auch unser aktuelles Testmuster. Der knapp 24 Kilogramm schwere Bolide Vincent SV-700 ist ein ausgewachsener Class-A Hybrid, welcher bereits bei der ersten Begutachtung überaus beeindruckend daherkommt. Das massive Gehäuse mit ausladenden Kühlrippen an den Seiten wird vorne von einem eleganten Frontpanel aus gebürstetem Aluminium abgeschlossen. Ein kreisrundes Sichtfenster eröffnet hier die Sicht auf eine zu Zierzwecken verbaute Vorstufenröhre. Die tatsächliche Vorstufensektion bleibt im Inneren allerdings verborgen.

Anschlüsse Rear Back Vincent SV-700 Vollverstärker Verstärker Amp Testbericht Test Review Hybrid
Gut erkennbar ist der symmetrische Schaltungsaufbau bereits an den gegenüberliegenden Lautsprecheranschlüssen. Leider verzichtet Vincent auf eine Phono-Vorstufe

Technischer Hintergrund

Diese weist jedem Kanal jeweils eine als Stromquelle fungierende 12AX7- und zwei 12AU7-Elektronenröhren für die eigentliche Verstärkung zu. Insgesamt kommen somit sechs Doppeltrioden zum Einsatz. Der allemal sorgfältig symmetrisch ausgeführte Schaltungsaufbau des SV-700 lässt sich mit einem Blick durchs Bullauge nicht erkennen, hierfür entfernen wir vorsichtig den mit einem Kühlgitter versehenen Gehäusedeckel. Die Röhren arbeiten im sogenannten „Shunt Regulated Push-Pull-Prinzip“, kurz SRPP. Im Grunde beschreibt dies eine im Jahr 1943 entwickelte Schaltung von Röhrenvorstufen, wobei die verbauten Röhren durch eine gegenphasige Arbeitsweise eine optimale Spannungsstabilisierung bewerkstelligen. Eine SRPP-Schaltung zeichnet sich vor allem durch ein warmes und ruhiges Klangbild aus. Ob der potenziell ungewollt hohen Wärmeentwicklung werden solche Schaltungen heute jedoch meist durch eine Halbleiter-Stromquelle versorgt. Dies ist auch beim SV-700 der Fall. Herzstück der Energieabteilung ist übrigens ein üppiger 500 Watt starker Ringkerntransformator. Dieser ist sehr vorbildlich in einem eigenen Gehäuse versteckt und obendrein in einem eigenen Kämmerchen gefangen, sodass die restliche Schaltung von etwaigen Einstreuungen abgeschirmt ist. Für ein ordentliches Maß an Impulstreue erhält die symmetrisch angesteuerte Endstufe ihre Power von einem Energiereservoir mit einer Kapazität von satten 80000 Mikrofarad. Auf eine Gegenkopplung verzichtet Vincent zugunsten des Röhrenklangs, welcher sonst durch Phasenfehler und untypische Verzerrungen Schaden nehmen könnte.

Front Vincent SV-700 Vollverstärker Verstärker Amp Testbericht Test Review Hybrid
Die Röhre hinter dem Bullauge im Frontpanel dient der Anschauung und wird aus diesem Grund auch mit eigener Beleuchtung in Szene gesetzt

Verarbeitung

Die Vorstufe befindet sich löblicherweise an der Gehäuserückseite, um lange Signalwege zu vermeiden. Folgerichtig erfolgt eine dort vorgenommene Lautstärkeeinstellung über eine Achse, welche das Potentiometer auf der Vorstufenplatine mit dem Drehregler an der Gehäusefront verbindet. Dort finden wir einen zweiten, ausladenden Drehregler zur Quellenwahl. Neben den Statusanzeigen der insgesamt sechs Signalquallen, können wir hier auch zwischen den zwei anschließbaren Lautsprecherpaaren wählen und außerdem zwischen Class-A und Class-AB-Schaltung umschalten, was uns nicht schlecht beeindruckt und abhängig von der wiedergegebenen Musik allemal dienlich sein kann. Außerdem kann man somit bei längeren Sessions auch mal in den stromsparenden Class-AB-Modus wechseln. In diesem fährt der SV-700 übrigens zu einer Leistung von bis zu 100 Watt pro Kanal bei 8 Ohm Nennimpedanz des Lautsprechers auf. Im kühlungsbedürftigen Class-A-Modus verzeichnet Vincent eine Ausgangsleistung von 50 Watt zu 8 Ohm pro Kanal. Wie bereits erwähnt, ermöglicht Vincent den Betrieb zweier Speaker-Paare, beziehungsweise die Ansteuerung eines Paares via Bi-Wiring. Des streng symmetrischen Aufbaus ist die gegenüberliegende Montage der entsprechenden Anschlussklemmen geschuldet. Diese sind überaus hochwertiger Natur und machen einen langlebigen Eindruck. Ebenso wie die diversen Eingänge des Amps. Neben den zwei digitalen Optionen optisch und koaxial, verfügt der SV-700 über drei unsymmetrische Cinch-Inputs und einen symmetrischen XLR-Eingang. Eine Phono-Vorstufe, sowie ein Kopfhörer-Ausgang steht nicht zur Verfügung.

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Bildquellen:

  • Vincent SV-700 Back: Bild: Auerbach Verlag
  • Vincent SV-700 Detail: Bild: Auerbach Verlag
  • Vincent SV-700 Remote: Bild: Auerbach Verlag
  • Vincent SV-700: Bild: Auerbach Verlag