Es besitzt wohl kaum ein Kopfhörer so viel Wiedererkennungswert, wie die Modelle der Lambda-Serie der japanischen HiFi-Schmiede Stax. In Sachen Feinhören und Detailreichtum umgibt die kantigen und einzigartigen Elektrostaten aus Fernost ein Nimbus des allerhöchsten Hörgenusses. Ob wir den Kategorien Alltagstauglichkeit und Handling die gleichen Vorschusslorbeeren attestieren können? Wie es um das Preis-Leistungs-Verhältnis der edlen Geschöpfe bestellt ist und was es für neue Features gibt haben wir im ausführlichen Praxistest vom Stax Lambda SR-L700 MK2 Kopfhörer für Sie heraus gefunden.

Two of a kind

Anlässlich des Kopfhörer-Specials in dieser Sommerausgabe der AUDIO TEST dürfen wir in der Redaktion mal wieder Luxusluft in Sachen Kopfhörerfertigung schnuppern. Wir haben den Stax Lambda SR-L700 MK2 in Kombination mit dem mobilen Treiberverstärker SRM-D10 auf Herz und Nieren getestet.

Letzterer ist übrigens der erste mobile Stax-Verstärker mit integriertem D/A-Wandler. Beim Stax Lambda SR-L700 MK2 handelt es sich um das Nachfolgermodell des SR-L700 Pro Kopfhörers. Klanglich bewegen sich die elektrostatischen Kopfhörer wie gewohnt mit Überschall in den höchsten Höhen des glasklaren Stax-Olymps. Kritische Stimmen bemängeln allerdings fakultative Plastikelemente in der Konstruktion, die von Stax postwendend überarbeitet wurden.

Stax Lambda SR-L700 MK2

MK2 Version

So kommt die MK2 Version vom Stax Lambda SR-L700 mit einem Metallkopfbügel und einem einstellbaren Kopfband daher. Für Tragekomfort und Langlebigkeit des Materials ist diese Neuerung ein deutliches Plus. Wobei der besondere Kopfhörer aus Japan trotz extravagant ausladendem Design ohnehin nur 368 Gramm auf die Waage bringt.

Das Hörerlebnis wurde durch dieses Material-Upgrade verbessert, denn der verstärkte Bügel übt mehr Druck auf die Hörmuschel aus, was zu einer besseren Abschirmung und angenehmerem Sitz der Kopfhörer führt. Dass Stax Plastik nicht grundlegend aus dem Design seiner Lambda-Serie verbannt, resultiert nicht etwa aus der Ignoranz gegenüber umweltpolitischen Gegebenheiten. Es hat vor Allem den recht praktischen Grund, dass der Werkstoff Plastik nun einmal „sehr schlecht“ leitet.

A closer Look

Betrachten wir die Technik näher, die für den unverwechselbaren Stax-Sound verantwortlich zeichnet, wird uns die Notwendigkeit einer adäquaten Isolation schlagartig klar. Auf den Membranen der elektrostatischen High End Kopfhörer liegt eine Betriebsspannung von 580 V/DC. Das ist ähnlich, als würde sich unser Kopf im Inneren eines Kondensators befinden.

Die genretypisch offene Bauweise des Stax Lambda SR-L700 MK2 befördert ein ebenso offenes Klangbild. Genauso typisch für dieses Liebhabermodell ist, dass gerade die offene Bauweise einen gewissen Pegel an Geräuschkulisse produziert, wo immer wir uns gerade befinden. Eine ruhige Umgebung verbessert das Hörerlebnis entscheidend. 

Test: Stax Lambda SR-L700 MK2 Elektrostatischer Over-Ear Kopfhörer & SRM-D10 Kopfhörerverstärker
Der 5-Pol-Kultstecker für echten HiFi-Sound aus dem Hause Stax.

Hard facts

Die technischen Daten sind mit einem Frequenzgang von 7Hz – 41kHz und einem Wirkungsgrad von 1kHz: 101dB/100V anlog zum markanten Design schwindelerregend. Der maximale Schalldruck beträgt bei 400 Hz ganze 118 dB. Ein abnehmbares Anschlusskabel aus versilbertem, langkristallinem, sauerstofffreiem 6N-Reinkupfer (OFC 99,9999%) mit niedriger Kapazität und vergoldeten Steckern komplettiert den Lieferumfang. Endlich, mögen böse Zungen konstatieren, denn das Vorgängermodell Lambda SR-L700 musste noch ganz ohne dieses nützliche Abnehm-Feature auskommen.

Was die Treiberbestückung angeht, kommt der SR-L700 MK2 dem SR-009 Topmodell von Stax schon recht nah. Im Vergleich zum Mittelklassemodell Stax SR-L500 MK2 ( hier im Test) wurde SR-L700er mit höherwertigen Wandlern verziert. Dabei kostet der SR-L700 MK2 nicht einmal die Hälfte des SR-009-Luxushörers und wird deshalb von Kennern als echter Geheimtipp gehandelt.

Insgesamt ist der Stax SR-L700 MK2 Kopfhörer eher für den Gebrauch im Haus ausgelegt. Das liegt sowohl an der Abmessung als auch am obligatorischen Flachbandkopfhörerkabel der japanischen Paradiesvögel. Der Hauptgrund für die Tendenz zum überwiegend stationären Betrieb dürfte der in jedem Fall notwendige Treiberverstärker sein. Ohne diesen läuft nichts.

In diesem Zusammenhang ist es allerdings recht bemerkenswert, dass der uns zum Test vorliegende Stax SRM-D10 klar auf Mobilität ausgelegt ist. Neben der neu gewonnen Bewegungsfreiheit können wir dem smarten Treiberverstärker mit 580 V Gleichstrom einen vergleichsweise niedrigen Preis attestieren. Der mit rund 1.000 Euro zu Buche schlägt.

Als weiteres positives Novum konstatieren wir, dass zum ersten Mal in der Stax Firmengeschichte ein Digital-Analog-Wandler des Herstellers ESS Sabre implementiert wurden. Der portable Hochvoltverstärker präsentiert sich als ganzheitlich einwandfrei. Das gilt nicht nur für die Auswahl der verwendeten Materialien, sondern betrifft auch die Qualität ihrer Verarbeitung.

Test: Stax Lambda SR-L700 MK2 Elektrostatischer Over-Ear Kopfhörer & SRM-D10 Kopfhörerverstärker
Der Lambda SR-L700 MK2 wurde hinsichtlich der Stabilität und Passgenauigkeit sinnvoll überarbeitet.

So klein und so viel Design  

Mit seinem kompakt silbrigen Aluminiumchassis mit einer Wandstärke von bis zu 4 mm wirkt der Mobile Transistor-Treiberverstärker ganz besonders hochwertig. In der Form ist der SRM-D10 Kopfhörerverstärker recht schmal und im Vergleich zu seinem großen Bruder dem SRM-700T eine wahre Miniatur. Vom Preisunterschied von rund 3.000 Euro gar nicht zu sprechen. Nicht mehr als 75 mm in der Breite, 141 mm in der Tiefe sowie 32 mm in der Höhe betragen die Abmessungen des sprichwörtlichen Kleinods.

Mit einem Gewicht von 450 Gramm, bettelt er förmlich darum, spazieren geführt zu werden. Bei einer Akkulaufzeit von rund 3,5 Stunden sind dem Hörvergnügen außerhalb der eigenen vier Wände allerdings temporale Grenzen gesetzt. Optisch verstellt nichts den Blick. Ebene Spaltmaße treffen auf sauber eingesetzte Schalter und Potis vor dem Hintergrund edler Designelemente. Das Drehmoment des zentralen Volumen- und Stereo-Panoramareglers ist zudem haptisch außerordentlich ansprechend.

Faktencheck

Doch auch in Sachen innerer Werte, brauch sich der mobile Transistor-Treiberverstärker Stax SRM-D10 keineswegs zu verstecken. Der mit einem ESS Sabre 9018 K2M Chipsatz bestückte Treiberverstärker verarbeitet über den Micro-USB-Eingang Bit für Bit jedes eingehende digitale Signal. Über PCM arbeitet der SRM-D10 besonders jitterfrei bis zu einer Frequenz von 384 kHz. Die Unterstützung von DSD128 gibt es on top.

Darüber hinaus verfügt der D10er über einen schicken 3,5 mm Mini-Klinkeneingang, um bequem analoge Audioquellen abzugreifen. Der Verbindung mit ebenso hochwertigen Zuspielern steht demnach nichts mehr im Wege. Mit einer Gitterspannung von 580 Volt lässt sich der Stax SRM-D10 mit allen Ohrlautsprechern aus dem Hause Stax über den ikonischen 5-Pin Connector verbinden. Letztendlich können auch markenfremde Elektrostaten mit einer Biasspannung von 580 Volt über den D10 betrieben werden. 

Test: Stax  SRM-D10 Kopfhörerverstärker
Etwas unverständlich, die Entscheidung für einen recht veralteten Micro USB-Eingang.

Just in Time

Das Modell, das uns noch kurz vor Redaktionsschluss und direkt von der HIGH END Messe in München erreichte, war mit dem Hersteller-Hinweis versehen, dass sich der volle Umfang der Soundqualität erst nach ein paar Betriebsstunden einstellt. Analoge Technik eben, da wollen sämtliche Röhren und Kondensatoren schön eingegroovt sein.

Nachdem wir den Verstärker die ersten 100 Stunden im Testlabor zwar eingeschaltet, aber dennoch signalarm lassen, starten wir nun den Versuchsaufbau in Kombination mit den Stax SR-L700 MK2. Wie alle elektrostatischen Stax-Boliden steht der MK2 durch die ultraschnelle Bewegung der Membrane – Stichwort Impulstreue – in dem Ruf, ein relativ offenes und gleichsam weites Soundbild – oft zu Lasten der räumlichen Verortung – zu kreieren.

Den Detailreichtum in Nahfeldmonitorqualität der fernöstlichen Exoten hatten wir ja bereits hinreichend erwähnt. Bei so viel Detailtreue kann es allerdings mal vorkommen, dass etwaige Anatmer, Glitches und sonstige Noise-Relikte, die beim Ausputzen des Studiomixes zurückgeblieben sind, mit einem Mal zu hören sind.

Ob uns das nun gefällt oder nicht. So geschah es auch beim erwartungsvollen Goutieren des Ambient-Techno Klassikers „Oh, Lovely Appearance of Death“ von Efdemin, alias Philip Sollmann erschienen auf dem Album „New Atlantis“ im Jahr 2019.  Francis Bacons gleichnamiger Roman „New Atlantis“, der nichts weniger als ALLE Klänge des Universums zum Thema hat, stand Pate für dieses Untergrund-Kult-Album.

Wir haben diesen Titel in der Redaktion für einen Performance-Test ausgewählt, da die mit Lyrik garnierte und über weite Strecken beatfreie Klangwolke schon in ihrer Komposition in der Hauptsache von den nuancierten Bewegungen eines luftigen Drones lebt. Dazu die eindringliche und sanfte Stimme von William T. Wiley’s, die über Minuten einen großen Choral der Endlichkeit melodiös ausgeschmückt rezitiert. Vielmehr braucht es nicht! Trotzdem sei schon vorweggenommen, dass die bewusste Schnoddrigkeit des verwendeten Lo-Fi-Samples in den Weiten des Stax-Olymps leider leidlich überbetont wurde. Ein Umstand den wir aber im vollen Umfang dem Track zuschreiben müssen.

Stax Lambda SR-L700 MK2

Nicht, dass wir uns falsch verstehen

Der portable Stax SRM-D10 Verstärker macht gleich von Beginn an einen tollen Job und präsentiert sich in Kombination mit dem Kopfhörer Lambda SR-L700 stets von seiner musikalischsten Seite. Der Mini-Amplifikator zeigt sich in der Performance zudem angenehm dynamisch und versorgt den Elektrostaten zuverlässig mit dem nötigen klanglichen Fundament – sogar unten herum im Bassbereich.

Aufgrund der hohen Impulstreue, nebst sensiblem Timing, werden selbst komplexe klangliche Tiefenstrukturen sowie mikrodynamische Schattierungen von den Membranen akribisch in Sound übersetzt. Das Klangbild des Stax SR-L700 MK2 Kopfhörers wirkt dabei sehr ausgewogen. Im Ganzen jedoch mit einer schwach hellen Note bei gleichzeitig herausragender akustischer Dichte.

Bei der Positionierung auf der Soundstage gibt es bei der Kombi nichts zu beanstanden. Selbst bei hedonistischen Lautstärkeverhältnissen gibt sich der SRM-D10 nicht die geringste Blöße. Erst bei sehr ambitionierten Pegeln mit hohem Bassanteil kommt der Verstärker an seine Grenzen.

Herzlichen Glückwunsch

Was sollen wir nun abschließend sagen? Ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, die wohlbekannten Pros und Contras eines elektrostatischen Kopfhörers herunter zu beten? Wir glauben, dass es für derartigen Content einen anderen Ort gibt – und zwar die Weiten des Internets, in dem jeder nach Herzenslust nach Meinungen zur Sache stöbern kann. Darüber hinaus ist ihre Kaufentscheidung ohnehin schon getroffen. Bei einem Kopfhörer der Stax Lambda-Serie weiß der Käufer oder die Käuferin im Grunde, was in Sachen Klangqualität auf sie zukommt. Kaum ein Produkt ist in der Gesamtheit der Performance so vorhersehbar.

Trotzdem möchten wir jeden darin bestärken, der liebevoll getesteten Traum-Kombi aus Stax SR-L700 MK2 und dem SRM D10 den Vorzug zu geben. Ausschlaggebend für diese Haltung war für uns zu weiten Teilen die spritzige Performance des portablen Treiberverstärkers Stax SRM D10. Sicher, es kommen noch einmal schlappe 1.000 Euro auf die 1.700 Euro Anschaffungspreis für den Kopfhörer on Top. Dafür wird aber jeder mit diesem Investment endlich im Bereich von Luxus-Audio-Sound angekommen sein. Eine Entscheidung, zu der wir jede und jeden nur beglückwünschen können!

Stax Lambda SR-L700 MK2 HiFi-Kopfhörer Technics EAH-A800 Focal Celestee Yamaha YH-L700 Mark Levinson No. 5909 Test
Neben dem Stax Lambda SR-L700 MK2 hatten wir kürzlich viele weitere hochwertige HiFi-Kopfhörer wie den Technics EAH-A800, den Focal Celestee, den Yamaha YH-L700 oder den Mark Levinson No. 5909 im Test.

Preis und Verfügbarkeit

Den elektrostatischen Kopfhörer Kopfhörer Stax Lambda SR-L700 MK2 gibt es zum Preis (UVP) von 1.700 Euro im Fachhandel zu kaufen. Der passende mobile Transistor-Treiberverstärker Stax SRM-D10 kostet 1.000 Euro (UVP) und ist ebenfalls im autorisierten Fachhandel zu beziehen. Vertrieben und vermarktet werden die Stax Produkte in Deutschland von ATR – Audio Trade.

Webseite: www.audiotra.de/stax

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 05/2021. Die dargestellte Testwertung von 95% sowie die u.s. Wertungstabelle bezieht sich auf die Stax Lambda SR-L700 MK2 Kopfhörer. Der Stax SRM-D10 Kopfhörerverstärker erzielte im Test eine Gesamtwertung von 93%.

▶ Lesen Sie hier: Test: Stax Lambda SR-L500 MK2 HiFi-Kopfhörer (Elektrostaten) & SRM-500T Kopfhörerverstärker

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Test: Stax Lambda SR-L700 MK2 Elektrostatischer Over-Ear Kopfhörer & SRM-D10 Kopfhörerverstärker

Stax Lambda SR-L700 MK2

Der Stax SR-L700 MK2 ist eine gelungene Weiterentwicklung des SR-L700 Pro mit allen Vor- und Nachteilen eines elektrostatischen Edel-Kopfhörers. Wobei die Vorteile gerade in der Kombination mit dem D10 eindeutig überwiegen. Für uns gehört er auf jeden Fall in den audiophilen Haushalt und das auch angesichts des wirklich guten Preis-Leistungsverhältnisses.

Stax SRM-D10

Der SRM-D10 ist eine smarte und portable Verstärkerlösung für den Stax. Er agiert klanglich auf einem sehr hohen Niveau. Zwar ist die Mobilität mit 3,5 bis 4,5 Stunden Akkulaufzeit wirklich sehr kurz bemessen, aber der Kopfhörer ist ohnehin mehr für den Gebrauch zu Hause geeignet. Hinsichtlich des Preises, der Features und der Performance gibt es von uns eine dringende Empfehlung dies einmal selbst auszuprobieren.

Wiedergabequalität 99%
Ausstattung/Verarbeitung 83%
Benutzerfreundlichkeit 81%
Preis/Leistung91%
Vorteile
  • Glasklarer und unübertroffen detailreicher Sound / Sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis / Wechselbares, super hochwertiges Kabel (Stax Lambda SR-L700 MK2 Kopfhörer)
  • Für alle Kopfhörer mit 580 V geeignet / Mobil einsetzbar dank Akku / Digitale Schnittstelle (Stax SRM-D10 Treiberverstärker)
Nachteile
  • Aufwendige Inbetriebnahme (Stax Lambda SR-L700 MK2 Kopfhörer)
  • Anhörpegel sind nach oben hin leider Grenzen gesetzt / Veraltete Micro USB-Schnittstelle (Stax SRM-D10 Treiberverstärker)
95%Stax Lambda SR-L700 MK2
Leserwertung: (0 Votes)
0%

Bildquellen:

  • Stax Lambda SR-L700 MK2 & SRM-D10 Test: Auerbach Verlag (alle)