Timing und Stimmung ist in der Musik alles. Das weiß man natürlich auch beim Traditionsunternehmen Quadral. Uns hat es trotzdem überrascht, mit welcher Präzision die Signum 70 aufgespielt hat. Weit über ihrer Klasse.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Der Lautsprecherhersteller Quadral ist uns natürlich kein Unbekannter. Ihnen hoffentlich auch nicht. Seit Jahrzehnten entwickelt und forscht das Hannoveraner Unternehmen nun schon im Auftrag des Wohlklangs. Und dass man sich mit besonders edlen Elementen auskennt, zeigen die Typenbezeichnungen der Lautsprecher in der Regel deutlich. Platinum, Aurum, Rhodium, Argentum, Chromium usw.

Die neue Signum-Serie bricht nicht nur namenstechnisch aus dem altbewährten Muster aus, sondern überrascht auch in jeder anderen Hinsicht mit neuen, faszinierenden Facetten. Mit einer – wortwörtlich – ganz eigenen Signatur. Und das, obwohl die Serie bei Quadral in der Rubrik “Classic Line” geführt wird. Die Signum 70 Lautsprecher, die wir testen durften, kosten gerade mal 399 Euro pro Stück und sind damit ein klassischer Schnapper. Wer jetzt aber denkt, dafür bekommt man einen Pappkarton, ist voreingenommen.

Die Signum Serie kann mehr, als sie aussieht. In der Farbauswahl muss man sich jedoch leider auf Weiß und Schwarz beschränken. Das sind dann aber auch schon alle offensichtlichen Nachteile, die wir bei diesem Lautsprecher erkunden konnten. Etwas mehr als 17 Kilogramm wiegt ein Lautsprecher. Relativ viel finden wir, vor allem wenn man die handliche Größe betrachtet. Mit einer Höhe von 90 Zentimetern ist der Schallwandler in etwa so groß wie ein 3-jähriges Kind, wiegt aber deutlich mehr als vergleichbare Lautsprecher dieser Preisklasse.

Am Material hat man also definitiv nicht gespart. An der Ausstrahlung auch nicht. Die Lautsprecher sind schlicht, aber nicht dröge. Die Quadral Signum 70 verhalten sich eher wie ein Mittdreißiger in der Blüte des Lebens. Stilbewusst, charmant und schon reichlich erfahren. Aber alles der Reihe nach.

Test Quadral Signum 70 - Standlautsprecher (3-Wege Bassreflex) Review
Gleich drei Mittel- und Tieftöner hat man den Signum 70 spendiert. Natürlich sind die Wege im Gehäuse akustisch voneinander isoliert.

Technik der Signum 70

Bei den Signum 70 von Quadral handelt es sich um eine vier Ohm 3-Wege Bassreflex-Box mit 120 Watt Nennleistung bzw. 180 Watt Musikleistung. Die drei Wege teilen sich auf einen RiCom-Sigma Hochtöner als Biegewellenwandler, einen 15,5 Zentimeter Titan-Polypropylen Tief-Mitteltöner und zwei 15,5 Zentimeter Titan-Polypropylen Tieftöner auf.

Auf den Sigma-Biegewellen-Hochtöner möchten wir kurz genauer eingehen, denn diesen hat Quadral exklusiv für die Signum-Serie entwickelt. Hier finden sich viele Technologien und Entwicklungen aus den High-End-Systemen der Hannoveraner wieder. Man hat ja schließlich über die Dekaden einiges im Portfolio angesammelt an Erfahrung. Laut Quadral zeichnet sich der RiCom Sigma Hochtöner vor allem dadurch aus, dass es nahezu keine Partialschwingungen gibt, und, dass das Ein- und Ausschwingverhalten nahezu perfekt ist. Dazu gesellt sich ein besonders geringer Klirrfaktor dritter Ordnung für unverfälschten, sauberen Klang.

Für uns auf jeden Fall ein technologisches Highlight der Signum-Serie. Als wäre das nicht schon genug, ist erwähnenswert, dass auch die titanbedämpften PP-Membranen des Tief-Mitteltöners und der Tieftöner hauseigene und kraftvolle Neuentwicklungen Quadrals sind. Verblendet werden die Treiber bei Bedarf durch eine magnetischen, mit schwarzen Stoff bezogenen Rahmen, leider auch bei der weißen Ausführung. Die Treiber sind natürlich in getrennten Kammern untergebracht, damit hier nicht die eine Membran an der anderen zieht.

Auf der Rückseite finden sich zwei getrennte Bassreflexöffnungen, eine kleinere und eine größere. Die kleine oben, die größere unten. Die Gesamtheit der Konstruktion beschert den Quadral Signum 70 Standlautsprechern einen beachtlichen Frequenzgang von 32 Hz bis 32 kHz mit Übergangsfrequenzen bei 800 Hz und 3,1 kHz. Falls das nicht ausreicht: In der Signum-Reihe bei Quadral sind übrigens auch noch eine größere Variante des Standlautsprechers, die Signum 90 mit einer unteren Grenzfrequenz von 27 Hz und noch größeren Leistungsreserven, sowie auch die Kompaktlautsprecher Signum 20 und der D’Appolito-Center Signum 10 Base erhältlich.

Dadurch lassen sich, wie wir es von den Hannoveranern nicht anders kennen, im Handumdrehen beeindruckende Surround-Setups erstellen. Anschluss findet die passive Signum-Reihe über schraubbare Polklemmen für Bananenstecker und Co.

Test Quadral Signum 70 - Standlautsprecher (3-Wege Bassreflex) Review
Einfache Polklemmen, dafür ein recht aufwändiges und vor allem aussagekräftiges Typenschild erwartet uns auf der Rückseite.

Quadral Signum im Klangtest

Zum Aufwärmen und Warmspielen beginnen wir passenderweise mit Beck und dem 1998er Song „Cold Brains“. Die drahtigen Gitarren und rotzigen Synths Becks lassen den Kopf direkt losnicken. Was direkt beim ersten Hören auffällt: Die Feinheiten des Arrangements kommen vollends zur Geltung. Unfassbar feine Timbres werden dargestellt, als wäre es das einfachste der Welt. Die markante, nonchalante Stimme des Sängers baut sich in Persona direkt im Center vor uns auf. Boom! Das haben wir in der Qualität nicht erwartet, denn nach einem überschaubaren, dreistelligen Betrag hört sich das überhaupt nicht an.

Erster Eindruck: Der Hochtöner ist ein Leckerbissen. Und dabei hatten sich die Lautsprecher zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht mal eingespielt, sondern kamen frisch aus der Verpackung. Das lässt einiges erwarten. Nachdem sich die Signum 70 bei uns in der Redaktion über das Wochenende etwas gelockert hatten, kam die nächste Überraschung per Paukenschlag: Percussion und Schlaginstrumente aus dem „Dance of the Drums“ von Gene Koshinski haben uns am Montag mit Impulstreue überrascht, die konträr zur Größe der Lautsprecher erscheinen.

Wir sind uns natürlich klaren darüber, dass das erste Einschwingen des Transienten und der Splash eines Schlagwerks aus den Höhen kommt, aber der Übergang in den sonoren Grundtonbereich, also dem Kessel, war so famos, dass wir erst mal eine Stunde Schlagwerk lauschen mussten, um sicherzustellen, dass es sich nicht um eine Illusion handelt.

Natürlich hört man mit der Zeit dann auch die ein oder andere Schwäche heraus. Wenn allzu viel Impuls-Leistung im Bass gefordert wird, knicken die Signum 70er bei unserem großen Hörraum dann irgendwann ein. Aber über 40 Quadratmeter mit fast 4 Meter Deckenhöhe schaffen auch nur wenige komplett zu dominieren. Hauchzart und trotzdem akkurat im Air-Band, rund und voll, aber nicht dröhnend im Low-End, natürlich und unmittelbar in den Mitten. Vor allem die zeitliche Abstimmung ist rundum gelungen. Selten zuvor haben wir ein so klares und authentisches Bild vor die Ohren gezaubert bekommen.

Test Quadral Signum 70 - Standlautsprecher (3-Wege Bassreflex) Review

Tiefenstaffelung, Raumaufteilung und Timing sind wirklich herausragend. Die Quadral Standboxen Signum 70 sind keine Club-PA, weder im Volumen, noch in der Lautstärke. Aber sie treten auch nicht in dieser Kategorie an. Sie sind erwachsene, feinfühlige und souveräne Standlautsprecher, die vor allem in kleinen bis mittleren Räumen zu strahlen beginnen und aus unserer Sicht besonders mit natürlichen und akustischen Signalen brillieren. Für alle die mehr wollen oder brauchen, gibt es gegen einen vertretbaren Aufpreis die noch mächtigere Quadral Signum 90.

Quadral Signum 70: Preis und Verfügbarkeit

Die Quadral Signum 70 Standlautsprecher gibt es für 798 Euro (Paarpreis, UVP) im Fachhandel zu kaufen. Farbausführungen schwarz und weiß.

Webseite: www.quadral.com/signum-70

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 06/2021

▶ Lesen Sie hier: Test: Quadral Aurum Vulkan 9 Standlautsprecher – Eruption der Spielfreude

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Test: Quadral Signum 70 - Standlautsprecher (3-Wege Bassreflex)
Die Quadral Signum-Serie ist für uns eine echte Überraschung. Nicht, dass wir den Hannoveranern das nicht zugetraut hätten, das nicht. Wir wissen um die Qualitäten aus dem Norden. Aber es ist schon beeindruckend, wie viel Klangorgie hier geboten wird für einen Kampfpreis. Dazu das schmale Auftreten in Kombination mit souveränen, ja verzaubernden Sound. Einfach nur: Bravo!
Wiedergabequalität 94%
Ausstattung/Verarbeitung 91%
Benutzerfreundlichkeit 89%
Preis/Leistung99%
Vorteile
  • besonders impulstreu
  • feine Auflösung
Nachteile
  • nur wenige Optionen und Farben verfügbar
94%Quadral Signum 70
Leserwertung: (2 Votes)
61%

Bildquellen:

  • Quadral-Signum-70-Test-03: Auerbach Verlag
  • Quadral-Signum-70-Test-04: Auerbach Verlag
  • Quadral-Signum-70-Test-02: Auerbach Verlag
  • Quadral Signum 70 Test 01: Auerbach Verlag