Die Quad Artera Serie soll das britische Urgestein des HiFi in jeder Hinsicht ins Jetzt katapultieren. Wir testen mit dem Quad Artera Pre und der Quad Artera Stereo eine hochwertige Stereokette (Vor-Endstufen-Kombi), die nicht nur, aber besonders ansprechend ist für Analogpuristen.

QUADratur des Klangs

Für viele ist die handverlesene Zusammenstellung aus dezidiertem Vorverstärker und passender Stereo-Endstufe immer noch das Nonplusultra in Sachen HiFi-Verstärkung. Auch wenn aktuelle integrierte Lösungen nicht nur durchaus mithalten können, sondern mancher bulliger Einzelkomponentenkette sogar eiskalt den Rang ablaufen. Aber abseits von solchen Streitereien, die man 2020 wohl getrost unter „Glaubensfragen für Audiophile“ verbuchen kann, gibt es durchaus Argumente, die für separate Geräte zur Verstärkung sprechen. Zum Beispiel die vielfältigen Optionen die sich eröffnen, wenn sich etwa die Ansprüche an die Vorstufe ändern, man aber seine Endstufe nach wie vor über alles liebt. Anstatt wie mit einem Vollverstärker hier das sprichwörtliche Kind mit dem Badewasser auszukippen und gleich alles neu kaufen zu müssen, kann man bei Einzelkomponenten das perfekte neue Gerät für die heimischen Gegebenheiten suchen. Und zahlt wahscheinlich auch weniger drauf. Für Features, die man gar nicht braucht. Wir haben nun die Ehre mit dem Quad Artera Pre und Quad Artera Stereo eine Kette aus Vor- und Endstufe von einem echten Urgestein des britischen HiFi testen zu dürfen. Falls Ihnen der Name Quad jetzt nichts sagen sollte: keine Sorge! Eine kleine Geschichts-exkursion folgt.

Test Review Quad Artera Pre Vorverstärker und Quad Artera Stereo Endstufe Amp Amplifier

The Legend of Quad

Die Phrase, ein HiFi-Hersteller sei ein britisches Traditionsunternehmen, fällt ja im Zusammenhang mit diversen Namen immer wieder gerne. Wir selber haben das auch schon öfter geschrieben und meistens im Bezug auf Firmen, die ihren Ursprung in den 1960er Jahren haben, wie etwa Cambridge Audio oder Bowers & Wilkins. Wenn eine Firma diesen Titel jedoch wahrhaftig verdient, dann wohl Quad Electroacoustics Ltd. – oder wie mittlerweile gebräuchlicher einfach Quad – denn dessen Ursprung geht zurück bis in die 1930 Jahre. Quad hieß damals jedoch noch nicht Quad, sondern S.P. Fidelity Sound Systems und wurde im Jahre 1936 durch den leider 2003 verstorbenen Robert J. Walker in London gegründet. Noch im selben Jahr benannte die Firma sich dann jedoch schon in Acoustical Manufacturing Co. Ltd. um. Ursprünglich noch primär auf die Herstellung von Public Adress Systemen ausgerichtet, sattelte der Hersteller nach dem Ende des zweiten Weltkrieges zunehmend auf Geräte für den Heimgebrauch um, nach denen eine immer größere Nachfrage bestand. Zu den Meilensteinen der Firmenhistorie gehören ohne Frage die Verstärker QUAD I und QUAD II – QUAD steht dabei übrigens für Quality Unit Amplified Domestic – sowie die Entwicklung des 1956 vorgestellten ersten elektrostatischen Vollbereichslautsprechers. Elektrostaten des Herstellers fanden unter anderem sogar Einzug bei der BBC, bevor diese dann durch die legendären LS3/5A abgelöst wurden. Einige Elektrostaten der Acoustical Manufacturing Co. Ltd. sind dennoch ohne Frage legendär. 1983 waren dann die QUAD-Verstärker so bekannt, dass sich die Firma schlicht in Quad Electroacoustics Ltd. umbenannte und nach ein Paar Eigentümerwechseln und einem Umzug der Produktion nach Shenzhen nun im Hause der IAG untergekommen ist und in Deutschland von der IAD GmbH aus Korschenbroich vertrieben wird. Was trotz all dieser Veränderungen geblieben ist, ist der Firmenethos: „For The Closest Approach To The Original Sound“. Das soll natürlich auch für die Produkte der Artera-Serie gelten. Und wir lassen es uns nicht nehmen, das persönlich für Sie zu überprüfen.

Test Review Quad Artera Stereo Endstufe Amp Amplifier
In Sachen Kondensatoren setzt Quad beim Artera Stereo auf die sofort durch ihre markante rote Farbe zu erkennenden Fabrikate des Herstellers WIMA. Riesige Elkos nehmen einen nicht unerheblichen Teil des Gehäuses ein.

Quad Artera Pre Vorverstärker

Der Quad Artera Pre ist ein Vorverstärker, der sich durch sein puristisches Design auszeichnet, das auf einen möglichst hochwertigen, rein analogen Signalweg setzt. Einzig die Kontrolle seiner Parameter erfolgt digital, sonst heißt es in jeder Hinsicht: analog pur! Entsprechend verzichtet der Artera Pre auch auf jede Form von digitaler Konnektivität. Ergo kein Bluetooth, kein koaxialer oder optischer Anschluss und auch kein USB. Wer diese Features sucht, für den hat Quad den Artera Play im Angebot. Auch schon rein äußerlich verströmt der Vorverstärker entschlossenen Minimalismus. Kein großer Volumenregeler, keine Reihen von Knöpfen. Lediglich zwei Drucktaster und ein Display sind die einzigen auf den ersten Blick erkenn-baren Bedienelemente. Wenn man genau hinschaut, finden sich am Display noch universell verständliche Symbole für lauter und leiser. Eine Volumenkontrolle ist also doch direkt am Gerät möglich. Der Rest der Bedienung erfolgt jedoch komplett über die mitgelieferte Fernbedienung. Aber dazu später mehr. Die Verarbeitung des in den klassischen Farben Schwarz und Silber erhältlichen Artera Pre ist über jeden Zweifel erhaben. Das Aluminiumgehäuse ist sauber verschraubt, die massive Frontplatte und die Seiten der Vorstufe säumenden Kühlrippen versprühen einen sportlichen Charme. Auf der Rückseite finden wir eine Vielzahl verschiedenster analoger Anschlüsse. Was uns aber am meisten freut, ist der Fakt, dass es sowohl XLR-Eingänge, als auch Ausgänge gibt. Denn betreibt man nun den Artera Pre im XLR Direct Mode, bleibt der Signalweg konstant symmetrisch! Abseits davon finden wir eingangsseitig noch drei Stereo-Cinch-Anschlüsse für analoge Line-Level-Signale, wobei der Aux 3 Input über einen sogenannten AV-Bypass besitzt, der durch umgehen der Pegelkontrolle des Artera Pres die Verwendung mit AV-Receivern ermöglicht. Ein Phono-Input ist ebenfalls mit von der Partie. Dessen Eingangsstufe ist komplett als Class-A-Schaltung realisiert und als besonderes Schmankerl ist diese sowohl für MC- als auch MM-Systeme geeignet. Die Betriebsmodi stellt man Menü ein. An Ausgängen findet sich sowohl ein Pre-Out via Cinch, ein Aux-Ausgang, ebenfalls über Cinch, sowie die 6,3 Millimeter (mm) TRS Klinkenbuchse des Kopfhörerverstärkers. Und bevor wir es vergessen: Jeweils ein Ein- und Ausgang im 3,5 mm Klinken-format für 12 V-Trigger-Signale sind ebenfalls vorhanden.

Test Review Quad Artera Pre Vorverstärker Amplifier Amp Back Rear Anschlüsse
Der Phono-Eingang des Quad Artera Pre lässt sich sowohl mit MC- wie auch MM-Systemen verwenden. Die Umschaltung erfolgt im Menü.

Soviel zur Konnektivität. Kommen wir nun zu den restlichen Funktionen. So gibt es zum Beispiel bei der Klangregelung ein kleines Comeback zu feiern. Denn mit dem Artera Pre bringt Quad die sogenannte Tilt Control zurück, die erstmals im 1982 erschienenen QUAD 34 zum Einsatz kam. Dabei werden etwa nicht wie bei den klassischen Zweiband-Equalizern Bässe und Höhen separat geregelt, sondern der Frequenzgang wird wie eine Wippe um eine Mittenfrequenz gekippt. Werden Bässe abgesenkt, werden die Höhen gleichzeitig angehoben und umgekehrt. Diese Art von Equalizer wird auch gerne im Pro-Audio-Bereich verwendet, um den Klang eines Signals wärmer oder offener zu gestalten und ihr wird nachgesagt, dabei besonders natürlich zu wirken. Die EQ-Wippe des Artera Pre kann inklusive der neutralen Einstellung in sieben Stufen geregelt werden. Zusätzlich steht noch ein Bass-EQ zur Verfügung, der sowohl Anhebungen wie Absenkungen erlaubt und mit der Tilt Control kombiniert werden kann. Die Einstellungen werden übrigens pro Eingang gespeichert. Abseits davon gibt es aber leider auch etwas zu meckern: Und zwar hätten wir uns ein wenig mehr Bedienkomfort gewünscht. Man gewöhnt sich zwar nach kurzer Zeit an die etwas eigenwillige Steuerung des Quad Artera Pre, aber intuitiv geht anders. So besitzt die Fernbedienung zwei Modi. Einmal für den schon erwähnten Artera Play und dann für den Artera Pre, wobei jedoch keine Statusanzeige vorhanden ist welcher Modus aktiv ist, was schnell zu Ver-wirrung führen kann. Ins Menü gelangt man durch langes Drücken der Prog-Taste, was sich nur aus dem Manual ergibt und der Fakt, dass man jede Einstellungsänderung im Menü nochmals nach der Auswahl mit der Play/Pause-Taste bestätigen muss, hat anfänglich zu manchem frustrierenden Moment geführt. Dass man nach kürzester Inaktivität auch strikt des Menüs verwiesen wird und sich dann erneut zum letzten Punkt durchquälen muss, ist auch kein Musterbeispiel an User-Experience.

Quad Artera Stereo Endstufe

Die Quad Artera Stereo-Endstufe passt wie zu erwarten optisch perfekt zum Artera Pre, wirkt aber schon allein ob seiner größeren Abmessungen natürlich um einiges bulliger. In Sachen Verarbeitungsqualität steht die Stereoendstufe dem Vorverstärker in nichts nach. Mit 2 mal 140 Watt (W) an 8 Ohm stellt die Stereoendstufe reichlich Leistung zur Verfügung. Auch die übrigen Werte sehen gut aus. Mit einem Geräuschspannungsabstand von über 115 Dezibel A-bewertet (dBA) und einer Total Harmonic Distortion von unter 0,03 % gemessen von 20 Hertz (Hz) bis 20 Kilohertz (kHz) und sogar unter 0,003 % gemessen an 1kHz arbeitet die Endstufe sehr sauber. Quad setzt hier auf seine patentierte Current Dumping Technologie. Diese nutzt um eine möglichst saubere Verstärkung zu erzielen zwei Verstärkerstufen pro Kanal. Ein möglichst akkurat arbeitender Class A Verstärker mit niedriger Leistung und eine weitere Verstärkerstufe mit hoher Leistung werden dabei durch ein Netzwerk so miteinander verbunden, dass die Verzerrungen des Verstärkers mit hoher Leistung – dieser ist der sogenannte Current Dumper – effektiv eliminiert werden sollen. In Sachen Anschlüsse gibt es zwar keine Überraschungen, aber alles was ein Poweramp braucht. Sprich symmetrische XLR-Anschlüsse sind genauso vorhanden wie Cinch-Eingänge pro Kanal und die obligatorischen Lautsprecheranschlüsse nehmen sowohl Bananenstecker, als auch Kabelschuhe Problemlos auf.

Test Review Quad Artera Stereo Endstufe Anschlüsse Back Rear
Zwischen den XLR- und den Cinch-Anschlüssen des Quad Artera Stereo befindet sich ein kleiner Schalter zur Eingangswahl.

Quad Artera Vor-Endstufen-Kombi im Klangtest

Klanglich gibt sich das Duo wie zu erwarten ausgezeichnet aufeinander abgestimmt. Der Grundklang der Kette ist akkurat und transparent. Unsere persönliche Lieblingseinstellung war ohne Frage der Direct XLR Mode. Die neutrale Abstimmung ohne Einsatz der Klangregelung liefert ohnehin in unseren Hörraum mit unseren Dynaudio Contour 30 Referenzlautsprechern das beste Ergebnis und gewann im XLR Direct Mode nochmal ein Mü an Klarheit und Frische. In einer anderen Hör-Umgebung und mit anderen Lautsprechern kann das aber natürlich schon wieder ganz anders aussehen – oder besser gesagt klingen – und die Tilt Control bietet in der Tat eine effektive Option das Signal den Gegebenheiten oder einfach nur den persönlichen Geschmack anzupassen. Dabei wirkt das Ergebnis jedoch stets natürlich. Auch die Bassregelung arbeitet effizient. Als Hörbeispiel wählen wir den Song „Jubilee Street“ vom Album Push The Sky Away von Nick Cave and the Bad Seeds. Die Basswiedergabe gibt sich hier auffällig klar und konturiert und transportiert dennoch ordentlich Tiefgang und Wärme. Auch ist die flinke Ansprache der Quad Artera Kette hervorzuheben. Das wird besonders bei den fantastisch aufgenommenen Drums des Stücks deutlich, deren Transienten absolut unverzerrt übertragen werden. Die präzise Räumlichkeit tut dabei ihr Übriges. So kann auch die Tiefenstaffelung zwischen den Backingvocals und des Meisters Stimme verzücken. Und wo wir gerade dabei sind: Nick Caves Ge-sangsdarbietung wird ebenfalls wunderbar detailliert reproduziert, sodass man jede Nuance der teils exzentrischen Artikulation von Herrn Cave vernimmt. Auch sonst gibt es nur Positives zu berichten. Das Frequenzspektrum ist absolut ausgewogen. Die Mitten werden fein aufgelöst, was man spätestens an diesen herrlich dreckigen Gitarren feststellt und auch der teils subtilen Dynamik des Tracks folgt die Kombination aus Artera Pre und Artera Stereo durchaus präzise. Sicherlich gibt es Ketten oder integrierte Verstärker, die hier noch eine Spur explosiver reagieren, aber die spielen in der Regel in einer gänzlich anderen Preiskategorie. Alles in allem machen unsere Testprobanden gerade wegen ihres unaufgeregten und natürlichen Charakters jede Menge Spaß. Nah am Originalklang? Ohne Frage! ■ Text: Jörg Schumacher

Webseite: www.quad-highend.de/artera-stereo

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien erstmalig im Printmagazin AUDIO TEST Ausgabe 05/2020. Die hier dargestellte finale Wertung von 90% bezieht sich auf die Quad Artera Stereo Endstufe. Der Vorverstärker Quad Artera Pre erreichte im Test 91%.

► Lesen Sie hier unseren Test vom Quad Vena Verstärker und den S-1 Lautsprechern

AUDIO TEST Magazin Ausgabe 1/21 2021 Februar Heft HiFi Kaufen Lautsprecher Vinyl Test

+++ Die neue AUDIO TEST Ausgabe ab 19. Februar 2021 überall am Kiosk oder ganz einfach und bequem nach Hause liefern lassen: ► www.heftkaufen.de/audio-test

Oder gleich ein Probe-Abo über die kommenden 4 Ausgaben (März, Mai, Juni, August) abschließen: ► www.heftkaufen.de/schnupperabo-audio-test +++

Test: Quad Artera Pre Vorverstärker und Quad Artera Stereo Endstufe
Wer eine hochwertige HiFi-Kette zur Stereowiedergabe von allerlei analogen Zuspielern oder digitalen Quellen mit eigenem D/A-Wandler sucht, ohne dabei im höheren vier-stelligen Preissegment zu landen könnte mit der eleganten Kombi-nation aus Quad Artera Pre und Quad Artera Stereo ohne weiteres glücklich werden. Abseits kleinerer Abzüge bei der Bedienung kann das elegante Duo durch schickes Design und natürlichen Klang punkten.
Wiedergabequalität90%
Ausstattung/Verarbeitung90%
Benutzerfreundlichkeit100%
Preis/Leistung80%
Vorteile
  • natürlicher Klang
  • puristisches Konzept
Nachteile
  • etwas umständliche Bedienung (Artera Pre)
90%Quad Artera Stereo
Leserwertung: (6 Votes)
48%

Bildquellen:

  • Quad Artera Pre und Quad Artera Stereo Test Likehifi Audio Test 01: Auerbach Verlag