Der Pro-Ject MaiA S3 ist ein sehr kompakter Vollverstärker, der kaum Wünsche offenlässt. Er verfügt über acht Eingänge, einen integrierten Kopfhörerverstärker und sogar eine Phonostufe. Der kürzlich vorgestellte HiFi-Verstärker verspricht eine audiophile Performance für kleine bis mittlere Räume und nimmt dabei kaum Platz im Regal ein. Wir hatten den kleinen Pro-Ject Mini-Amp nun zum Test zu Besuch.

Das kleine Besteck

Audiophiles Musikhören ist eine tolle Sache – einmal auf den Geschmack gekommen, möchte man am liebsten nur noch hochauflösende Signale mit detailgetreuer und kraftvoller Verarbeitung genießen. Für ziemlich jede erdenkliche Hörsituation gibt es schier eine unendliche Auswahl an Geräten, welche alle den optimalen Weg ans Ziel versprechen.

Doch ist man auf der Suche nach wirklich hochwertigem Klang, haben die zur Auswahl stehenden Geräte neben dem Preis eine Gemeinsamkeit: Sie sind alle relativ groß. Abmessungen jenseits von 40 mal 10 mal 30 Zentimetern sind gang und gäbe. Hat man vor, eine audiophile HiFi-Anlage aus mehreren Einzelgeräten zusammenzustellen, beansprucht sie erheblichen Platz. Vor allem in kleineren Räumen und in solchen, in denen die Anlage nicht allzu auffällig sein soll, kann das schnell zum Problem werden. Hier sollte also die Wahl auf platzsparende Geräte fallen, wobei bei diesen häufig der Kompromiss zwischen Größe und Klangqualität getroffen werden muss. 

Ein Hersteller, der diese Regel durchbricht ist Pro-Ject. Die Österreicher überzeugen regelmäßig mit ihren platzsparenden und zugleich sehr anspruchsvollen HiFi-Geräten. In diesem Test dürfen wir ein nicht weniger kompaktes Gerät testen. Der Pro-Ject MaiA S3 ist ein kleiner Vollverstärker, der nicht nur acht Eingänge besitzt, sondern auch einen integrierten Kopfhörerverstärker und eine Phonostufe unter der Haube hat – all dies bei einer erstaunlichen Abmessung von knapp 20,5 mal 5,5 mal 15,5 Zentimetern. Im Rahmen unseres Verstärker-Specials in dieser Ausgabe ein kleiner Exot, der für uns trotzdem – oder gerade deshalb – auch unbedingt mit in dieses Heft gehört. Denn es muss nicht immer das große Besteck sein!

Aussehen und Inneres

Der Pro-Ject MaiA S3 sitzt in einem hochwertigen Gehäuse aus Aluminium, welches auch andere Geräte der S3 Serie von Pro-Ject beherbergt. Der kleine Pro-Ject Amp ist zeitlos modern und reiht sich nicht nur nahtlos in andere Modelle der S3 Serie ein, sondern gibt sich auch angenehm unauffällig und verschwindet förmlich im Regal.

Einrichtungsfreunde wird es sicher freuen, dass der MaiA S3 nicht nur in Schwarz, sondern auch in Silber erhältlich ist. Die Verarbeitung ist – wie man es von Pro-Ject kennt – millimetergenau. Alle Anschlüsse und Buchsen sitzen schön fest. Nichts wackelt oder hat unnötig Spiel. Auf der Vorderseite des Mini-Verstärkers befinden sich von links nach rechts der Power-Knopf, eine 6,4 mm Klinkenbuchse für Kopfhörer, ein motorisierter Volumenregler und zwei Knöpfe, mit denen man die Eingangsquelle wählen kann.

Das Menu ist eine schlichte Zahlenreihe von 1 bis 8, welche mit der jeweiligen Quelle beschriftet ist. Welche Quelle gewählt ist, zeigt eine kleine LED unter der Zahl. Beinahe die gesamte Rückseite des MaiA S3 ist mit Anschlüssen restlos gefüllt. Wie bereits erwähnt, bietet der kompakte Vollverstärker acht Eingänge. Um genau zu sein, sind es ein Paar Cinch für die Phonostufe, drei Paar Cinch für Line, ein koaxialer Digitaleingang und zwei optische. Der achte und letzte Eingang ist kabellos: Bluetooth 5 mit aptX HD-Fähigkeit. Um eine stabile Verbindung zu gewährleisten, sollte man hierzu die mitgelieferte Antenne nutzen. 

Rückseite vom Pro-Ject MaiA S3 Anschlüsse
Den Pro-Ject MaiA S3 Vollverstärker gibt es in Schwarz und Silber. (Bild: ATR – Audio Trade / Pro-Ject)

Die kabelgebundenen Digitaleingänge unterstützen Sampleraten von bis zu 192 kHz und eine Bittiefe von 24 Bit – echte HiRes-Qualität. Nutzt man Bluetooth, muss man sich mit maximal 48 kHz und 24 Bit zufriedengeben. Zur Digital/Analogwandlung ist ein Cirrus Logic CS4344 Multi-bit Delta Sigma-Chip zuständig. Die Phonostufe ist sehr flexibel und unterstützt MM-, MI- und high output MC-Tonabnehmer. Ausgangsseitig steht sowohl ein Paar Cinch-Outputs und Lautsprecherklemmen für ein Stereopaar-Lautsprecher bereit. Die Klemmen sind recht klein, aber dennoch sehr qualitativ gefertigt. Sowohl Bananenstecker als auch die blanke Lautsprecherlitze kann genutzt werden. 

Der Pro-Ject MaiA S3 weist ein Dual-Mono-Design auf. Somit erreicht er eine Kanaltrennung von -69 dB bei 10 kHz. Die Verstärkerleistung des kleinen Pro-Ject gibt der Hersteller mit 2x 40 Watt bei 4 Ohm an, womit er für einen Großteil der Regallautsprecher mehr als nur gewappnet ist. 

Bedienung

Der Pro-Ject MaiA S3 Vollverstärker lässt sich dank der simplen Quellenauswahl problemlos bedienen. Der Volumenregler ist aufgrund seines Motors zwar etwas schwerfällig, jedoch strahlt er dadurch auch eine vertrauenswürdige Beständigkeit aus.

Natürlich kann man den kompakten Stereovollverstärker auch per Fernbedienung steuern. Hierzu ist eine sehr minimalistische Infrarotfernbedienung im Lieferumfang enthalten. Mit dieser lässt sich das Gerät ein- und ausschalten, die Quellen durchschalten und die Lautstärke anpassen. Für unseren Geschmack wirkt die Fernbedienung recht einfach, hier hätten wir uns etwas hochwertigeres für die Steuerung des Amps aus der Ferne gewünscht.

MaiA S3 Pro-Ject Fernbedienung
Die mitgelieferte Fernbedienung dürfte für unseren Geschmack etwas wertiger ausfallen.

MaiA S3 im Klangtest

Der MaiA S3 von Pro-Ject ist kein Verstärker, der den Anspruch hat, sehr große Standlautsprecher anzutreiben. Vielmehr versucht er den perfekten Kompromiss zwischen kompaktem Formfaktor und audiophiler Klangverstärkung zu finden. Da wir uns gut vorstellen können, dass der MaiA S3 meistens mit Regallautsprechern genutzt werden wird, fangen wir mit eben solchen unseren Klangtest an.

Als Erstes hören wie das Album „The Queen Is Dead“ von The Smiths aus dem Jahre 1986 in Master-Qualität über TIDAL im HiFi Plus-Abo. Hierzu nutzen wir die TIDAL Connect-Funktion des Netzwerkstreamers CXN von Cambridge Audio. Unmittelbar nach dem ersten Ton, der an unsere Ohren gelangt, sind wir verwundert, ob wir nicht doch die Lautsprecher an einen anderen, größeren Verstärker angeschlossen haben.

Es ist erstaunlich, dass man dem Pro-Ject MaiA S3 seine Größe kaum anmerkt. Vor allem die höheren Frequenzen sind sehr detailliert und präzise dargestellt, wodurch sich auch eine gute Tiefenstaffelung bedingt. Auch das Stereobild ist dank des Dual-Mono-Designs wunderbar differenziert. Die Instrumente verteilen sich gut im Raum zwischen und hinter den Lautsprechern. Dabei bleibt die Stimme Morrisseys stets verständlich und stabil in der Mitte. 

Wir wollen im Rahmen unseres Verstärker-Tests natürlich auch ein wenig experimentieren und die Grenzen des Mini-Verstärkers von Pro-Ject erkunden, weshalb wir anschließend mittelgroße Standlautsprecher anschließen. Doch auch hier weiß der platzsparende Vollverstärker zu beeindrucken. Die eben erwähnten Stärken des Pro-Ject Verstärkers übersetzen sich ebenfalls gut auf größere Lautsprecher. Lediglich im Tieftonbereich merken wir, dass das kleine Kraftpaket gerade versucht etwas außerhalb seiner Liga zu spielen. 

Doch bei alledem sollten wir den Kopfhörerverstärker des Pro-Ject MaiA S3 nicht vernachlässigen. Schließlich verfügt er über einen Ausgang im 6,3 mm Klinkenformat, was deutlich macht, dass diese Funktionalität keineswegs nur halbherziges Extra ist. Der Vollverstärker macht im Kopfhörerbetrieb eine echt gute Form. Wir können uns für die Praxis sehr gut vorstellen, den MaiA S3 auf den Schreibtisch zu stellen und ihn sowohl für Lautsprecher als auch Kopfhörer zu verwenden. 

Im Allgemeinen befindet sich eben exakt darin die Stärke des Pro-Ject MaiA S3 Verstärkers. Mit seinen diversen Ein- und Ausgängen, seinem kleinen Formfaktor und der guten Klangperformance, ist er für die verschiedensten Nutzungsszenarien geeignet und gibt sich dank seines schlichten Designs stets auffällig unauffällig. Natürlich kommt der Vollverstärker aufgrund seines kompakten Designs bei großen Lautsprechern und großen Räumen an seine Grenzen. Dies ist jedoch in unseren Augen keineswegs gravierend, zumal diese Grenze vom MaiA S3 erstaunlich weit ausgereizt werden kann. 

Rückseite vom Pro-Ject MaiA S3 Anschlüsse
Trotz der kompakten Größe finden auf der Rückseite vom MaiA S3 einige Anschlüsse platz. Da sollten kaum Wünsche offen bleiben. Die Anschlüsse sind dabei von sehr guter Verabeitungsqualität.

Preis und Verfügbarkeit

Den Pro-Ject MaiA S3 Vollverstärker mit D/A-Wandler und Bluetooth gibt es zum Preis von 599 Euro (UVP) im Fachhandel zu kaufen. Vertrieb und Marketing in Deutschland über die ATR – Audio Trade.

Webseite: www.audiotra.de/pro-ject/maia_s3

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 07/2021

▶ Lesen Sie hier: Test: Pro-Ject A1 (Automat) – Vollautomatischer Schallplattenspieler

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Test: Pro-Ject MaiA S3 - Kompakter Vollverstärker mit D/A-Wandler & Bluetooth
Mit dem MaiA S3 beweist Pro-Ject, dass Platz kein Grund ist, Verstärker mit wenigen Anschlüssen auszustatten, denn er hat davon mehr als genügend. Zudem hält der kleine Vollverstärker, was er verspricht, und ist äußerst kompetent im Zusammenspiel mit Regallautsprechern in kleinen bis mittleren Räumen. Auch der integrierte Kopfhörerverstärker ist nicht zu vernachlässigen. Dieser macht den Amp noch flexibler.
Wiedergabequalität 92%
Ausstattung/Verarbeitung 80%
Benutzerfreundlichkeit 80%
Preis/Leistung90%
Vorteile
  • sehr gute Kanaltrennung
  • diverse Ein- und Ausgänge
Nachteile
  • Fernbedienung wirkt etwas einfach
88%Pro-Ject MaiA S3
Leserwertung: (3 Votes)
73%

Bildquellen:

  • Pro-Ject Mai S3 Amp: Auerbach Verlag (alle)