Marantz kann haben wir zuletzt aufgrund der hochfidelen Premium-Kollektion Ken Ishiwata Signature besprochen. Dass man jedoch auch für weniger Geld großen Sound anbieten kann, soll nun der neue Alleskönner Melody X unter Beweis stellen.

Wenn es um Zuspieler, Wandler und Verstärker geht, gehört der traditionsreiche Hersteller Marantz wohl zu den vielseitigsten und prominentesten Vertretern seiner Gilde. Dabei bedient das Unternehmen ein breites Publikum, indem es neben Geräten für den Einstieg ins HiFi-Leben auch anspruchsvolle High-Ender offeriert. Dass dies keinesfalls zu einer gewissen Beliebigkeit führt, beweisen zahlreiche Auszeichnungen, mit welchen Geräte aus dem Hause Marantz in den vergangenen Jahren dekoriert wurden. Auch wir versahen erst neulich gleich zwei Geräte des Herstellers mit unserer Bestnote: Den KI Ruby Vollverstärker und den ebenfalls zur KI-Signature-Kollektion gehörenden SA-KI Ruby High-End CD-Player mit Digital-Konverter. Mit den beiden Geräten setzte Marantz ein hochfideles Monument zu Ehren des langjährigen Chef-Entwicklers und Firmenbotschafters Ken Ishiwata, welcher die Ausrichtung des Unternehmens und damit auch dessen elektroakustische Handschrift prägte wie kein zweiter. Während die beiden Geräte der Ken Ishiwata-Signature-Serie ökonomisch ganz klar am oberen Ende von Marantz‘ Geräte-Sortiment verorten lässt, handelt es sich bei unserem aktuellen Testmuster vielmehr um eine einsteigerfreundliche Kompaktlösung.

Test Marantz Melody X M-CR612 CD Netzwerk Receiver Verstärker Amp Streaming Review
Das bewährte Design kennen wir von Marantz bereits. Auf viel Farbenspiel verzichtet der
Melody X übrigens – das Frontpanel wird lediglich mit weißen LEDs illuminiert

Marantz Melody X (M-CR612)

Denn bei dem Marantz M-CR612, kurz Melody X, handelt es sich um einen digitalen Streamer mit CD-Player und integriertem Stereoverstärker. Ein kompaktes Rundum-sorglos-Paket also, welches Marantz für bereits 699 Euro and den Mann oder die Frau bringen möchte. Tatsächlich richtet sich Marantz hier gezielt an noch frische HiFi-Fans oder jene, die es werden wollen. Denn die Anwendungsmöglichkeiten des Marantz Melody X lassen vorerst kaum einen Wunsch offen. So lässt sich fast jeder gängige Streaminganbieter wie Tidal oder Spotify auf dem kompakten System benutzen, ebenso wie TuneIn oder Netzwerkspeicher. Dafür lässt sich der Melody X entweder kabelgebunden oder auch drahtlos ins heimische Netzwerk einbinden.

Natürlich lässt sich das Gerät zusätzlich auch physisch mit Musik füttern – Sei es über das integrierte CD-Laufwerk oder über einen analogen, sowie zwei digitale Inputs. Ausgeben lässt sich das Signal entweder an weitere Geräte, wie etwa eine Endstufe, oder dank des integrierten Class-D-Verstärkers direkt an gleich zwei Lautsprecherpaare. Die gesamte Nennleistung von 120 Watt lässt sich also entweder für zwei Paare im A/B-Setup in zwei mal 60 W oder bei der Beschallung zweier verschiedener Zonen in vier mal 30 W zu 6 Ohm aufteilen. In diesem Fall ermöglicht Marantz übrigens eine getrennte Lautstärkeregelung beider angeschlossener Speaker-Paare. Als monströs lässt sich Verstärkungsleistung unseres Testmusters nun nicht bezeichnen, jedoch ist das auch nicht der Anspruch des Marantz Melody X, welcher wohl eher als Universalkompetenz daherkommen möchte. Und die dafür geforderten Attribute scheint er durchaus mitzubringen. So unterstützt der Melody X sogar die Sprachassistenten Alexa, Google Assistant und Siri.

Airplay und Heos

Während das Vorgängermodell des Marantz Melody X bereits über ein Bluetooth-Modul für die kabellose Nahfeld-Ansteuerung verfügte, wurde das aktuelle Modell unter anderem mit Airplay 2 ausgestattet. Apples Alternative zur Bluetooth-Anbindung nutzt zur Datenübertragung das lokale WiFi-Netzwerk und ist in der noch jungen zweiten Generation sogar Multiroom-fähig. Daher findet sich hier die erste Möglichkeit, den kompakten Melody X in ein mehrköpfiges Heim-Ensemble einzubinden. Die andere Variante ermöglicht Marantz nun über Heos, welches vom vertriebsverwandten Hersteller Denon entwickelt wurde. Dank Heos ist das Gerät auch von der Steuerung über Fernbedienung unabhängig. Denn anhand der Heos-App lässt sich der Melody direkt vom Smartphone oder Tablet aus operieren. Hier können auch die Streamingdienste, sowie die analogen Eingänge aufgerufen und an etwaige weitere Heos-Systeme weitergeleitet werden.

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DAB+ und UKW – auch das kann der Marantz Melody X neben Internetradio und diverser Streaming-Clients

Onboard- und Remote Control

Natürlich lässt sich der Marantz Melody X aber auch über per Fernbedienung steuern. So lassen sich wesentliche Funktionen des Geräts, wie etwa Lautstärkeregelung oder Quellenwahl auf die Fernbedienung ihres TV-Geräts mappen. Wir begrüßen diese Möglichkeit sehr. Denn jeder weiß, wie sehr es zu Verwirrungen führen kann, wenn sich irgendwann drei, vier oder fünf Fernbedienungen auf dem Couchtisch tummeln. Wer darauf jedoch nicht verzichten mag, wird hier von Marantz nicht enttäuscht. RC014CR heißt die Lenke, welche Marantz auch anderen Geräten an die Hand gibt. Hierüber lassen sich nun wirklich fast alle Menüpunkte des Melody X ansteuern. Alles Weitere lässt sich dann auch recht gut direkt am Gerät selbst konfigurieren. Dem Gehäuse des Melody X im klassischen Marantz-Design, welches uns übrigens in elegantem Platinum und Roségold erreicht, wurde ein üppig ausfallender OLED-Bildschirm spendiert. Dieser ist recht hochauflösend, was dem sehr ansprechenden Auftreten des Geräts natürlich sehr zugute kommt. Durch die aufgeräumte Menüstruktur lässt sich sehr leicht über an der linken Gehäusefront verbaute Drucktaster navigieren. Unser erster Eindruck vom Marantz Melody X lässt uns ein großes Maß an Benutzerfreundlichkeit bescheinigen. Die kinderleichte Einrichtung des M-CR612 in Verbindung mit der sehr vielseitigen Verwendbarkeit lassen uns den Melody X bisher als Entertainer begreifen, der in erster Linie Spaß bereiten und vor allem HiFi-Laien für den Traditionshersteller Marantz begeistern soll. Was das Kompaktsystem musikalisch zu bieten weiß, wollen wir nun herausfinden.

Marantz Melody X – Der Entertainer

Wir haben auf die Möglichkeit der Multiroom-Anbindung oder des Bi-Wiring verzichtet und bespielen mit Marantz Melody X vorerst lediglich ein Paar unseres Referenzlautsprechers Contour 30 von Dynaudio. Den Test beginnen wir mit einer CD und zwar mit dem neuen Album „Add Land“ der Ein-Frau-Band Tellavision. Die CD wird schnell eingelesen und sehr geräuscharm verarbeitet. Die Wahlberlinerin Tellavision, welche ihre Musik selbst gern als Hardware-Pop beschreibt, zählt auf verschrobene Polyrhythmen, flirrende Synthesizer und ihre unverkennbare Stimme. Diese wird vom Melody X sehr gewissenhaft an die Lautsprecher übertragen. Ein straffer Bass trägt die verklärten elektronischen Gefüge, welche Tellavision um ihre Stimme spannt. Beim Titel „Salty Man“ wird dem Gerät ordentlich Schub abverlangt, welche es entsprechend seiner Jobbeschreibung in angemessenen Maße bereitstellt. Wir merken dann aber doch, dass der Marantz Melody X klanglich in Sachen Dynamik und Lebendigkeit nicht mit einem ausgewachsenen Stereovollverstärker mitzuhalten weiß.

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Bi-Wiring, A/B-Setup oder Speaker im Nebenraum – all das kann der Melody X bewerkstelligen. Beide Zonen lassen sich übrigens auch un- abhängig von einander lauter und leiser stellen

Wir machen Gebrauch von der Heos-App und suchen uns auf Spotify die Hamburger Musikerin Derya Yildirim, welche übrigens oft mit Tellavision zusammenarbeite. Yildirims Musik beschreibt sie selbst als „anatholischen Psych-Pop“ und das passt auch. Im Mittelpunkt ihrer Musik steht neben ihrem Gesang die Baglama, eine türkische Laute. Der Melody X bereitet uns wirklich Spaß, erklingt die Musik doch sehr differenziert und farbenfroh. Die übersichtliche App läuft schnell und stabil und lädt auf jeden Fall schnell zum Stöbern ein. Die Fernbedienung kann nun eigentlich getrost wieder eingepackt werden. Der Melody X ist übrigens der größere zweier Modelle, welche Marantz‘ Melody-Kollektion seit kurzem bereichern. Der M-CR412, oder bloß Melody, verfügt dabei über den gleichen Verstärker und ähnliche Anschlussmöglichkeiten. Jedoch fehlt die gesamte Wireless-Abteilung, abgesehen vom Bluetooth-Chip. DSD-fähig ist jedoch auch der kleine Bruder des Melody X. Wir müssen jedoch sagen, dass wir die große Qualität des Melody X ganz klar in der Möglichkeit seiner kabellosen Einbindung in Netzwerk oder Multiroom-System sehen. Musikalisch verspricht Marantz Ihnen hier nicht das blaue vom Himmel. Aber als Zuspieler für Schlaf- oder Arbeitszimmer im Zusammenspiel mit leichtfüßigen Kompaktlautsprechern kann der Marantz Melody X ohne Zweifel jede Menge Spaß bereiten!

Weitere Informationen: www.marantz.com

Anmerkung: Dieser Artikel erschien erstmals in der Printausgabe 07/19 der AUDIO TEST

► Lesen Sie hier: Marantz Firmenporträt – Why Marantz

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Test: Marantz Melody X (M-CR612) CD/Netzwerk-Receiver - Der Entertainer
Es muss nicht immer gleich der ganz große High End Sound sein! Ein universell einsetzbares All-in-One-System wie der Melody X von Marantz kommt da gerade richtig. Alles, was das Streaming-Herz begehrt, ein CD-Spieler und 2 mal 60 Watt Ausgangsleistung – ein toller Spielpartner fürs Multiroom-System oder als Zweitanlage im Schlafzimmer.
Wiedergabequalität87%
Ausstattung/Verarbeitung95%
Benutzerfreundlichkeit100%
Preis-/Leistungsverhältnis80%
Vorteile
  • vielseitig einsetzbar
  • gutes Preis-/Leistungsverhältnis
Nachteile
  • nicht sehr leistungsstark
89%Gesamtergebnis
Leserwertung: (6 Votes)
69%

Bildquellen:

  • Test: Marantz Melody X: Auerbach Verlag
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